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vorigen Woche in Paris endgiltig den Plan festgestellt, großer Fahrlässigkeit schuldig mache, welche zerbrechliche < brechen. Ich hab' waS gelernt unter dem Pack, und ht» »«s »"« fl?nfis^sms m;xnR, ra»^ >-« mr^t.» ; x;. c^-x- --»1 ba§ ich itzund nicht selber ein Stück davon bin, daSt

die Juden aus Rußland und Südost - Europa nach | Gegenstände von hohem Werthe in die Hände eines Brasilien oder Australien zu überführen. Er tritt so

gleichsam als zweiter Moses auf. Hirsch verwendet für diesen Auszug 75 Millionen Franken, die Rothschilds sollen gleichfalls beisteuern.

London, 28. April. Der Korrespondent derDaily News" berichtet aus Odessa traurige Einzelheiten über die Judenaustreibung. 8000 Personen sollen Kiew unverzüglich verlassen. (Die Gesammtziffer der Aus­gewiesenen im Gouvernement Kiew beträgt gegen 15,000.) Die reichen Juden wandern aus, aber den armen wird die Einwanderung nach Oesterreich nicht gestattet. Die Polizei vertreibt mitleidlos die Unglücklichen. Sogar in einer Vorstadt von Moskau wurden 160 Personen nächtlicher Weile ausgetrieben.

Belgrad, 29. April. Die Mission des Grafen Hunyady bei der Königin Natalie ist gescheitert, und in Folge dessen wird der Königin morgen die Aufforderung, Serbien zu verlassen, zugehen. Gleichzeitig hat die Re­gierung einem Major mit 24 Mann den Befehl ge­geben , die Königin 8 Tage nach der Zustellung der Ausweisungs-Ordre über die Grenze zu schaffen. Da die Dienerschaft der Königin bewaffnet worden ist und Widerstand befürchtet wird, hat der Kommando-Führende Vollmacht erhalten, jeden Widerstand mit Waffengewalt niederzuhalten.

Nordamerika. Einen großartigen Goldfund hat ein Bergmann im Staate Nevada gemacht. Auf einer Endeckungsfahrt stieß er auf ein mächtige Goldmine im südlichen Theile des Staates, und glaubt den Ort gefunden zu haben, welcher bereits in den fünfziger Jahren ein Mal entdeckt gewesen sein soll. Da aber der damalige Entdecker wegen Wassermangels weiter­ziehen mußte und nachher trotz jahrelangem Suchen nicht mehr im Stande war, das Goldfeld wieder auf« zufinden, glaubte man seinen Versicherungen nicht recht. Die goldhaltige Ader hat angeblich eine Ausdehnung von 9000 Fuß Länge und 8 Fuß Breite.

Südamerika. Mit der Zerstörung des Panzers Blanco Encalada hat der Bürgerkrieg in Chile eine entscheidende Wendung zu Gunsten der Regierungspartei gewonnen. Der Blanco Encalada war ein Panzer älterer Bauart. Er war das Admiralschiff der Auf­ständischen, deren militärischer Führer Montt mit ihm zu Grunde gegangen sein soll. Der Blanco Encalada war berühmt in der Geschichte Chiles. Er war es, der am 8. September 1879 bei Punta Agamos nach hartnäckigem Kampfe den peruanischen Monitor Huascar wegnahm, Chile die Herrschaft zur See verschaffte und zur baldigen Beendigung des Krieges beitrug. Der Almirante Lynch, der ihn in die Lust sprengte, steht unter Führung des Capitäns Fuentes, die Torpedo- flottille unter Capitän Morgaga, der auch den Gesammt- angriff leitete. Die Seeschlacht bei Caldera hat inso­fern allgemeine Bedeutung, als sie die Wirksamkeit des Torpedo-Angriffs praktisch erwiesen hat, denn es ist wohl der erste Fall, daß ein Kriegsschiff im offenen Kampfe durch einen Torpedo in die Luft gesprengt worden ist.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 29. April. Heute passirte der Hochw. Herr Bischof von Fulda in Begleitung des Herrn Dr. Komp unsere Stadt, um in Weiperz einen Bau­

platz zu einer neuen Kapelle zu bestimmen. Die meinde Weiperz war über diese Ehre hoch erfreut prangte das ganze Dorf in festlichem Schmucke, biefer Gelegenheit besuchte der hohe Herr auch Pfarrei Herolz und die Curatie und Anstalt Sannerz. Ueberall wurde er herzlich empfangen, das anständige Benehmen der ganzen Bevölkerung

Ge- unb Bei die zu und von

Schlüchtern bis Weiperz gefiel dem Herrn Bischof sehr, und so fuhr er unter besonderer Hochschätzung derselben mit dem Zuge Nr. 25 nach Fulda zurück.

* Schlüchtern, 1. Mai. Nach Bekanntmachung der hiesigen Bäcker in der heutigen Nummer kostet das Brod von heute ab statt 50 Pfg. pro Laib 54 Pfg., mithin gleich 4 Pfg. Aufschlag. Da zudem auch die Kartoffeln theuerer werden, so wird der lange, strenge Winter seine Folgen noch lange fühlbar machen. Es wird ein recht theueres Jahr werden, das Jahr 1891.

* Die Uniformen der Kommunal-Polizei-Beamten in Preußen sollen, wie aus Breslau geschrieben wird, revidirt und mit den bestehenden Bestimmungen in Ein­klang gebracht werden. Es ist übel vermerkt worden, daß das Tuch der Uniform-Paletots zu sehr dem der Offizier-Paletots ähnelt und daß die Achselklappen der Beamten bis auf die Dimensionen der Zahlmeister- Achselstücke zusammengeschrumpft sind.

* Inwieweit Dienstboten ersatzpflichtig für fahr- lässig zertrümmertes Geschirr zu machen sind, erläutert ein Vorfall, auf den von rechtskundiger Seite die Auf- merksammkeit gelenkt wird. Vor einer Reihe von Jahren war ein Dienstbote, welcher kostbares Geschirr zerbrochen hatte, aus Schadenersatz verklagt. Das grobe Versehen wurde festgestellt und der Verklagte in erster Instanz verurtheilt. Er appellirte und das Oberlandes­gericht ermäßigte die angeklagte Summe auf den sechsten Theil, nämlich auf den Kaufpreis gewöhnlichen in anständigen Haushaltungen gebräuchlichen Geschirres, indem ausgeführt wurde, daß die Herrschaft selbst sich

nicht als besonders geschickt und vertrauenswürdig er­probten Dienstboten gebe. Nothwendig sei allerdings das Reinigen von Glas und Porzellan, der Dienstbote könne aber nur zum Ersatz von mittelerer Qualität der gebräuchlichen Gegenstände angehalten werden; wer ihm Kostbarkeiten anvertraue, müsse auch die Ge­fahr tragen.

Salmünster, 30. April. Am Donnerstag, den 23. d. Mts., Nachmittags gegen halb 5 Uhr ertrank hier in der Kinzig das 5jährige Söhnchen des Acker­manns Barto Steinböck, welches sich mit seinem 7 Jahre alten Brüderchen Weiden zu Pfeifen schneiden wollte. Die Leiche ist trotz eifrigen Suchens noch nicht auf- gefunden worden. Am Montag Vormittag brach im hiesigen Stadtwalde, im DistriktMünstererberg", Feuer aus und vernichtete zum Theil etwa 30 vis 40 Hektar Eichen- und Kieferwald. Der Brand ent­stand dadurch, daß die Kulturarbeiterin H. in der Nähe von dürrem Gras und Haidekraut Feuer anmachte, um Kaffee zu kochen. Das Feuer erfaßte alsbald das dürre Gras und pflanzte sich, unterstützt vom starken Winde, sehr schnell fort. Ein sonderbares Zusammen­treffen ist es, daß das Feuer gerade an dem Tage ausbrechen mußte, wo der große Ausschuß hier neu gewählt wurde. Dies dürfte ein Gedenktag sein für die Wahl, welche hoffentlich in 5 Jahren wieder stattfinden wird.

Hanau, 29. April. Am Donnerstag Vormittag 9 Uhr fand dahier die Nagelung der von Sr. Majestät dem Kaiser und König dem Landwehrbataillon Fulda veliehenen Fahne statt. Herr Brigadekommandeur Generalmajor Naglo wohnte diesem feierlichen Akte bei.

Frankfurt. Der General-Anzeiger schreibt: Wir bringen den Hausfrauen eine erfreuliche Kunde. Die Kalbfleischmetzger haben in einer gestern Abend statt- gehabten Sitzung beschlossen, am 1. Mai mit dem Kalb­fleisch pro Pfund um 5 Pfg. abzuschlagen, so daß das­selbe alsdann 65 Pfg. kosten würde. Vom 1. Mai bis 15. Oktober finden wöchentlich drei Kälbermärkte, Montag, Mittwoch und Freitag, statt. Möchten die Schweinemetzger nun ebenfalls dem gegebenen Beispiele folgen. Die Preise für Schweine sind im Viehhof so billig, wie noch nie. Trotzdem nehmen die Metzger für das Pfund Schweinefleisch, welches im Viehhof kaum 50 Pfg. kostet, 80 Pfg.

Kassel. DieC. N." schreiben: Die Kaiserparade bei Kassel findet, wie uns von wohlunterrichteter Seite gemeldet wird, nunmehr bestimmt am 12. September statt. Es werden hierzu drei Divisionen des 11. Armee­korps und eine kombinierte Kavallerie Division auf fünf Tage in die nächste Umgebung Kassels eingezogen. Die Manöver der 21. Division werden in den Kreisen Gersfeld, Fulda, Hünfeld, Hersfeld und Rotenburg und die der 22. Division in den Kreisen Fritzlar, Hof- geismar, Wolfhagen und Landkreis Cassel, links des Fulda-Ufers, abgehalten.

Witzenhausen, 27. April. Der Kriegerverein zu Witzenhausen hat aufgehört zu sein! Im Laufe des letzten Jahres sollten höheren Orts Ergänzungen der Statuten sämmtlicher Kriegervereine angeordnet worden sein. Diese veranlaßten einen Antrag des Vorstandes auf Auflösung des Vereins. Eine Generalversammlung beschloß demgemäß. An demselben Abend wurde auch gleichzeitig beschlossen, den vorhandenen Kassenbestand von ca. 470 Mark zu theilen, kleine Unterstützungen an hilfsbedürftige Kameraden noch zu bewilligen, ein Abschiedsessen zu veranstalten und das Inventar zu verkaufen. Die schöne Vereinsfahne ein Ehren­geschenk hiesiger Jungfrauen und Kameraden welche seiner Zeit 130140 Mark gekostet hatte, wurde für 10 Mark verkauft. Der Verkauf der Fahne ist an die Bedingung geknüpft, daß sie dem etwa sich bildenden neuen Vereine ausgehändigt werden muß.

Erzählung von Ernst

(Schluß)

VMM.

Der Bergbauer warf einen mißtrauischen Blick über sein Gehöft und nach der Thür des Hauses. Sein Gesicht aber erheiterte sich merklich, als er hier die Knechte und Mägde, alle festlich gekleidet, gewahrte, wie sie ihm freundlich zunickten.

Na, ganz aus der Art geschlagen ist das Volk noch nicht, seh' ich", sprach er in zufriedenem Tone. Wenn's so fortmacht, vertragen wir uns auch nach dem."

Jetzt trat Christfried an den Schlitten und reichte dem herausspringenden Bauer die Hand zum Gruße.

Gott sei mit Euch", sprach der junge Mann,und wenn's sein kann, so laßt mich Euch Vater nennen."

Martin Ulrich erwiderte den derben Händedruck des Gelähmten.

Die Sache ist in Ordnung gebracht, Christfried", versetzte er,und wenn's mir nachgeht, so verlieren wir kein Wort mehr drüber, 's lebt eben Keiner auf Erden und sei's ein Fürst oder Kaiser oder unser aller­bester Pfarr er kommt nicht durch, ohne daß er ein­mal stolpert und einen dummen Streich macht. Ich bin's gewahr worden die Zeit her seit der Weizenernte. Fest sein ist gut, aber zu fest kann Einem die Knochen

mein' ich, verdank' ich Einem, der meinem Herzen ni ch immer so nahe stand, als er sollte. Aber nun ist's gut, die Geschichte ist aus! Du sollst nicht mehr ungedankt durch den Baumgarten gehen. Magst Du heut noch die Tochter eines Verschimpfirten, da nimm sie! Nur abgebauert wird bei mir noch nicht!"

Die Bewegung, womit der Dorfbauer Marianne dem Gärtnerssohn als Braut zuführte, war nicht sehr sanft. Sie glich eher einem Rucke, der mit einem Falle endigen konnte, was jedoch nicht geschah. Das frohe Lachen, welches nach diesen Worten des Vaters das junge Mädchen an der Brust ihres Geliebten vernehmen ließ, erfüllte alle Umstehenden mit Jubel.

Martin Ulrich ging wie ein Spielball von Hand zu Hand. Jeder seiner Leute drängte sich an den so lang entbehrten Herrn, um ihn zu begrüßen. Zuletzt sprang bellend der Hund an dem alten Bauer empor und gab sich nicht eher zufrieden, als bis dieser ihm alter Ge­wohnheit nach die Ohren gekraut und lobende Worte gesagt hatte. Die Letzte, welche Martin begrüßte, war Frau Elisabeth. Sie umarmte ihn erst an der Stuben- lhüre.

Böser, lieber Mann!" sprach sie gerührt, aber unter Thränen lächelnd,wenn Du wissen willst, wie Jemand zu Muthe ist, der jeden Augenblick unehrlich gemacht werden soll, so frag' mich. Du mußt Dich fein brav halten, sonst versündigst Du Dich an mir und verdienst nicht, daß ich ohne Murren das Alles über mich ergehen ließ!"

Schon gut, Mutter", versetzte Martin, seiner Frau auf die Wangen klopfend,will's itzund so einrichlen, daß Du mich auf allen Kindclcssen auch auf dem, das die Beiden da über's Jahr hoffentlich ausrichten werden, als einen Mustermann sollst ausposaunen können."

Damit betrat er nach viermonatlicher Abwesenheit sein Cabinet wieder. Er fand Alles in gewohnter Ordnung. Der Tisch war schon sauber mit weißem Damast überdeckt, ein Wecken der schönsten Butter, das Bild des kreuztragenden Lammes in Hautrelief zeigend, lächelte der Bergbauer besonders freundlich an. Auch die geschliffene Krystallflasche mit dem selbst destillirten Kirschbranntwein, der bei einem richtigen Karpfenschmause nie fehlen durfte, hatte Frau Elisabeth aufzusetzen nicht vergessen.

Marsch mit Euch hinter'n Tisch!" befahl jetzt Martin den beiden jungen Leuten, die Hand in Hand hinter ihm eingetreten waren.Als Versprochene gehört Ihr heut auf den Ehrenplatz. Nur macht der-Köchcrei Mutter Elisabeth's keine Schande, sonst kriegt Jhr'S noch einmal mit mir zu thun. Und bin ich wild, ist mit mir schlecht spassenl Morgen geh' ich auf die Pfarr'. Muß dem Herrn Pastor doch zu wissen thun, daß sie mich ungehangen haben laufen lassen. Noch bin ich's gewohnt, einen Verweis einzustccken, später könnt' es mir wieder sauer werden. Dann bestell' ich gleich die Verlobung zum zweiten Weihnachlsfeiertage, und wenn die heiligen Dreikönige durch's Land gelaufen sind, wird Hochzeit gemacht, 's ist hohe Zeit, rechn' ich mir, und eben darum soll's geschwind gehen."

Die Liebenden hatten Nichts gegen die Anordnungen des Bergbauers zu erinnern. Das Mahl deS Wieder­sehens und herzlicher Versöhnung verlief heiter und mundete Allen vortrefflich.

Martin Ulrich hielt, wie er es im Guten und Bösen von jeher gethan hatte, auch diesmal Wort. Am zweiten Weihnachtsfeiertage gab es lustige Verlobung und drei Wochen später eine der größten und geräuschvollsten Hochzeiten, die je im Dorfe ausgerichtet worden waren. Alle Dienstboten und Arbeitsleute Martin Ulrich's er­hielten reiche Geschenke, und zwanzig der Bedürftigsten wurde freies Essen und Kuchen in's HauS geschickt. Kein Bettler ward abgewiesen, selbst Fremde nicht, deren sich aus bloßer Neugierde eine ganz anständige Anzahl einsand.

Drei volle Tage dauerten die HochzeitSfreuden. Dann ward es still im Hofe des Bergbauers und die alte Ordnung trat wieder ein. Nur in dem bis dahin unbewohnten kleinen Häuschen mit den hellgrünen Fensterrahmen, der hochgelb gemalten Thür und den beiden großen Scheiben, die Martin Ulrich vor mehr als zwanzig Jahren als Schützenkönig sich erworben und hier zu ewigem Gedenken aufgehangen hatte, ward es jetzt lebendig. Das junge Ehepaar zog hier ein, denn Martin Ulrich blieb wirklich bei seinem Entschlüsse, noch eine Zcit lang als allein gebietender Herr auf seinem Hofe zu schalten und zu walten.

Das führte er volle sechs Jahre durch. Da rührte ihn der Schlag gerade in der Weizenernte, weil er, in seinen alten Eigensinn verfallend, sich wieder auf die Wache legte, um die Felddiebe zu verscheuchen. Als Waffe führte er jedoch nur ein altes Kuhhorn, dem er zuweilen gräßliche Töne entlockte.

Dieser Unfall zwang ihn, das Gut seinem Schwieger­söhne zu fernerer Bewirthschaftung zu übergeben. Er that eS ohne langes Säumen, bezog das seither von den jungen Leuten bewohnte Gedingehaus, und lebte hier in Eintracht mit Kindern und Enkeln, geachtet von seinen Nachbarn und mildthätig gegen alle Notleidende noch lange Jahre in ungestörtem Frieden,