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1) Schäfer, Leonhard, Schlossermeister zu Schlüchtern.

2) Leipold, C. A., Oekonom, zu Schlüchtern. 3) Bo- lenber, Ludwig, Bäcker zu Schlüchtern. Beisitzer aus der Klasse der Versicherten: 1) Romeiser, Nikolaus, Wilhelms Sohn, Wagner zu Steinau. 2) Fehlt zur Zeit. 3) Hildebrandt, Hofmeister zu Ahlersbach. 4) Danz, Jgnaz, Oberholzhauer zu Soden. 5) Kaul, Adam, Oberholzhauer zu Steinau. HülfSbeisitzer: 1) Singhoff, Braugehülfe zn Schlüchtern. 2) Schmidt, Kaspar, Knecht zu Schlüchtern.

* Nachdem Anfangs März d. Js. die im Februar 1888 auf drei Jahre gegründete Spar- und SpielkasseFortuna' sich auslöste und circa 17,000 Mark unter ihre Mitglieder vertheilte, wurde von einem großen Theil der hiesigen Einwohner, denen diese Art deS SparenS und Spielen Vergnügen gemacht hatte, gewünscht, wieder eine derartige Kasse neu zu gründen und fand zu diesem Zwecke vergangenen Sonnabend im Hessischen Hofe dahier eine sehr staik besuchte General-Versammlung statt, welche sich alsbald zu einer neuen Kasse constituirte. (Siehe Inserat in heutiger Nr.) Die Leitung dieser Spar- und Spielkasse ist wiederum dem Herrn Rendanten Pfalzgraf als Vor­sitzenden, Herrn Adam Fehl als Kassirer, und fünf weiteren Vorstandsmitgliedern anvertraut. Wünschen wir der Spar- und Spielkasse in dieser Periode mehrere recht große Treffer.

* Eine Publikation der Sternwarte in der Köln. Ztg." eröffnet uns die freundliche Perspektive, daß auf den zu Ende gehenden harten und langen Winter ein kühler und nasser Sommer folgen werde. Wir entnehmen dem Artikel Folgendes: Untersuchungen in Brüssel haben ergeben, daß auf 15 kalte Winter mit zwei Ausnahmen Sommer folgten, welche mehr Regen brachten, als dem Durchschnitt ent­sprach. Das wird durch die Beobachtungen in Köln bestätigt, wo auf zehn kalte Winter sechsmal in den darauf folgenden Monaten Juni und Juli mehr Regen fiel, als durchschnittlich, und zwar fast um ein Drittel mehr, während in den vier andern Fällen die Regen­menge nur wenig unter der normalen blieb. Auch die Zahl der Regentage in den Monaten Juni und Juli war nach den Beobachtungen zu Köln in den auf zehn kalte Winter folgenden Sommern durchschnittlich um ein Sechstel größer als sonst. Im Allgemeinen ist also eine gewisse Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß der kommende Sommer dieses Jahres etwas kühler und feuchter sein wird als durchschnittlich, und zwar dürfte man vielleicht zwei gegen eins wetten, daß dieser Fall eintreten wird. - Im Gegensatz dazu wollen andere Leute nach einer alten Bauernregel wissen, daß uns ein trockener Sommer bevor steht. Eine alte Regel sagt bekanntlich:Treibt die Esche vor der Eiche, hält der Sommer große Bleiche." Diesmal ist es der Fall, die Esche zeigt sogar schon Blüthen. Noch in einer andern Weise, welche ebenfalls für dieses Frühjahr zutrifft, wird ein heißer Sommer prophezeit, nämlich in der Beurtheilung des Gefieders der ersten Störche. Hat der Storch ein reines, weißes Gefieder, so wird der Sommer trocken, ist dasselbe dagegen gelb­lichweiß, so ist viel Regen zu erwarten. Diesmal war das Federkleid derselben glänzend weiß. Förster und Landleute, welche ihre eigenen Wetterprognosen haben und auf Beobachtung der Thier- und Pflanzenwelt ge­gründete Schlüsse ziehen, age« ebenfalls einen heißen Sommer voraus .... Wir wünschen und hoffen, daß sich diese Voraussagen erfüllen mögen, denn nach dem trostlosen Frühling könnten wir einen guten Sommer recht gut vertragen. Wer hat nun Recht?

* Nach der letzten Lebensmittelpreistabelle der Etat. Korr." sind die Getreidefrüchte fast durchgängig im Preise gestiegen. Der Weizen hat im Durchschnitt aller Marktorte im März cr. den hohen Preis von 197 Mk. pro 1000 Kg. erreicht, gegen 189 Mark im Vormonat. Der Roggen ist im allgemeinen Durch­schnitt von 170 auf 174 Mk. gestiegen. Die Gerste, deren Durchschnittspreis von 157 auf 158 Mark ge- gegangen ist, hatte wenig beträchtliche Preiserhöhungen. Der Hafer ist überall im Preise gestiegen, zum Theil sehr erheblich. Der Durchschnittspreis beträgt 151 Mk. gegen 144 Mk. im Vormonat.

* Wie allgemein bekannt, können manche Bier- Wirthe es nicht lassen, die zurückgebliebenen Bierreste in den Gläsern der Gäste heimlich mit frischem Bier aufzufüllen, oder gar mehrere dieser sauer und schaal gewordenen Neigen zusammenzugießen nnd unter Zusatz von etwas frischem Bier, nachdem mit Hilfe der Spritze diesem Gemisch ein bischen Schaum aufgesetzt worden, anderen Gästen als Bier, frisch vom Faß, vorzusetzen. Daß die betr. Biedermänner sich um weniger Pfennige willen des Betruges und der Nahrungsmittelfälschung schuldig machen und, wenn ihr Treiben dem Slaats- anwalt zur Kenntniß kommt, sie strenge Strafen zu er­warten haben, daS kümmert dieselben jedoch meistens Nicht. Vielleicht bedenkt sich solch ein Panischer sür die Folge, wenn er erfährt, daß am vorigen Freitag die 89. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts einen solchen gewissenlosen Kneipier, dem dieses ekelhafte Treiben nachgewiesen wurde, zu 300 Mark Geldstrafe event. 30 Tage Gefängniß verurtheilte. Natürlich kommen dazu auch noch die nicht geringen Kosten und

Zeugengebühreu, die der Verurtheilte ebenfalls be­zahlen muß.

* Folgende Warnung bringt der Reichsanzeiger in seiner letzten Ausgabe:In neuester Zeit finden sich in den Tagesblättern, insbesondere in süddeutschen Zeitungen, häufig Inserate Londoner Börsenagenten (Börsenmakler, Stockbrokers), in welchen dieselben unter Verheißung fabelhafter Gewinne zu Spekulationen an der Londoner Börse auffordern. Einige dieser Agenten versenden auch Cirkulare und periodische Geschäftsbe­richte in deutscher Sprache, in denen sie ihre glänzenden Erfolge bei der Vermittelung von Börsengeschäften schildern und die Spekulation an der Londoner Börse als gefahrlos darstellen. Derartigen Offerten gegen­über ist die äußerste Vorsicht anzuralyen, zumal Anerbietungen durch die Presse rc. Unter den respektablen Londoner Stockbroker-Firmen im Allgemeinen nicht als statthaft gelten und von der Slockoroker-Korporation ihren Mitgliedern ausdrücklich untersagt sind."

* Laut amtlicher Bekanntmachung wird nun behörd­licherseits gegen die Verbreitung der Schwindsucht hinge­arbeitet. Es wird dargethan, daß ein Fünftel aller Todes­fälle auf die Schwindsucht kommt und daß der Keim dazu fast nur durch Einathmung getrockneten, zerstäubten, mit der Luft vermengten Auswurfs von Schwind­süchtigen gelegt wird. Für Kranken- und Siechenhäuser, Schulen und Erziehungsanstalten wird daher angeordnet den Privaten, Fabriken und Gaslwirihschaflen zur Nachachtung gegeben -, daß für Schwindsüchtige Spnckschalcn mit Wasser aufgestellt werden, das Spucken in Taschentücher oder auf den Fußboden strengstens zu überwachen resp. zu verhindern sei, beim Todesfall eines Schwlndsüchtigen dessen sämmtliche Gebrauchsgegenstände durch strömenden Wasserdampf unschädlich zu machen und solche Kranke, wenn ihr Zustand noch den freien Verkehr mit Mitmenschen g - Hattet, zum Führen eines sogen. Dctlweilcr'schcn Fläschchcus zur Auswurfaufnahme anzuhalten seien.

* Bei dem alljährlich zur Ergänzung des Heeres stattfindenden Aushcbungsgeschäft ist größtenteils ein Ucberfluß an Mannschaften vorhanden, der die Zurück­stellung und Ueberweisung zur übungspflichtigen und nicht übungSpfltchligen Ersatzreserve ermöglicht. Der in diesem Jahre zur Ausmusterung gelangende Jahr­gang 1871 wird, mit Rücksicht auf die Kriegsjahre 1870/71, nach allen bis jetzt gemachten Wahrnehmungen ein solches Resultat nicht liefern. In einzelnen Rekru- tirungsbezirkcn sollen die Anmeldungen zur Stammrolle in so geringer Anzahl erfolgt sein, daß nicht einmal die Zahl der unbedingt aufzubringenden Mannschaften vor­handen ist und Ueberweisungen aus anderen Bezirken sich nöthig machen. Ebenso wird ein starkes Zurück- greifen auf ältere Jahrgänge erfolgen. Alle dem Jahr­gang 1871 angehörenden jungen Leute, die irgend taug­lich sind, dürften sich deshalb darauf gefaßt machen, den bunten Rock zu tragen.

* Das für die Provinz Hessen-Nassau beschlossene Ansiedelungs-Gcsetz ist in Kraft getreten. Die dadurch bedingten Aenderungen sind hauptsächlich folgende: Wer demnächst außerhalb einer im Zusammenhänge gebauten Ortschaft ein Wohnhaus errichten will, hat vorerst die landräthliche Genehmigung hierzu einzuholen und seinem hierauf gerichteten G.suche einen genauen Situations­plan beizufügen, welcher nicht nur die Lage des Bau­platzes zu den Nachbargrundstücken, sondern auch die Entfernung von dem letzten Hause der betr. Ortschaft genau ersichtlich macht, welches mit dieser in unmittel- varem Zusammenhänge steht. Wenn aus dem Situattons- plane nicht schon ohne Weiteres hervorgcht, daß der Platz, aus welchem das Haus gebaut oder um- gebaut werden soll, durch einen fahrbaren, jederzeit offenen Weg zugänglich ist, so muß in dem Antrag! bezw. dem Situationsplan auch dargethan werden, auf welche Weise die Beschaffung eines solchen Weges ge­sichert ist.

* Die Biebersteiner Fohlenweide wird in diesem Jahre in der zweiten Hälfte des Monats Mai eröffnet. Das Hutegeld beträgt 15 Mk. und 3 Ctr. Hafer per Stück. Anmeldungen sind baldigst dem Verwalter Herrn Rüppel einzusenden.

Kassel, 15. April. Bei dem Husaren-Regiment Landgraf Friedrich von Hessen-Homburg ist seit unge­fähr acht Tagen die neue Stahlrohrlanze eingeführt. Dieselbe ist im Gewicht nicht schwerer wie die seithei im Gebrauch gewesene Holzlanze und mindestens in der Handhabung ebenso bequem wie die frühere Waffe. Auch ist das Regiment mit dem neuen Karabiner, so­wie mit dem neuen Armeesattel ausgerüstet worden Das hiesige Husaren-Regiment ist dadurch das erste aller preußischen Kavallerie-Regimenter, welches mit der neuen Armirung vollständig ausgerüstet worden ist.

Höchst (am Main), 12. April. Vor mehreren Tagen wurde das alte Gasthaus zur Krone dahier niedergerissen, über dessen Schornstein seit Menschen­gedenken ein Storchnest thronte. Der erst seit Kurzem zurückgekehrte Bewohner desselben flog von seinem Eigenthum erst weg, als es von den Handwerkern völlig zerstört war. Die Handwerker gingen mit aller Scho­nung zu Werke, aber der Storch war bitterböse. Er trat wider sie mit feinen Füßen und schlug sie mit

seinen Flügeln. Man hätte das Nest gern auf ein anderes hohes Dach übertragen: allein sein Boden war so morsch und faul, daß an eine unversehrte Ueber« stedelung nicht zu denken war. Nach Untergang seines Hauses flog der Storch auf einen andern hohen Schorn­stein ; er begann auch schon zur Genugthuung der Höchster dorthin einige Rciser zu tragen. Allein er besann sich bald eines Andern und wandte der undank­baren Stadt seinen Rücken.

Martin Ulrich.

Erzählung von Ernst Willkomm. (Fortsetzung.)

Der Gefangene hatte eben den schmählichen Säge- bock verlassen und würgte noch an den zudringlichen Schmeicheuvorten, mit denen Korb-Jörge ihn während der Arbeit wieder überschüttet. In diesem Augenblicke, wo er sich unglaublich gedrückt und tief gedemüthigt fühlte, war ihm der Besuch des lang entbehrten Kindes fast angenehm. Ein so liebes Antlitz, dessen er sich nicht schämen durfte, halte er ja seit seiner Verhaftung nicht mehr gesehen.

Marianne flog halb lachend, halb weinend auf den Vater zu, der es geschehen ließ, daß sie ihn umarmte und küßte. Dann erst begegneten sich die Blicke Beider. Oie Tochter fand den Vater sehr verändcil. Er war hagerer geworden; auf seiner Stirn lagen dicke Falten, und Mund und Kinn verunzierte ein struppiger grauer Bart. Diesen ließ sich der Bergbauer aus Eigensinn wachsen, weil er sich von dem Gefängnigbarbier nicht rasiren lassen wollte, und die Erlaubniß, biiS selbst thun zu dürfen, nur durch ein Billschreiben an den Rath zu erlangen war.

Auch Marianne fand der Vater seinerseits ver­ändert. Sie sah nicht mehr so fröhlich und harmlos aus, wie ehedem. Ihre vollen rosigen Wangen waren etwas eingefallen und die erste Jugendblüte verfchwUuden. Harm und Sorge um den Vater und dessen Schicksal erklärten diese Veränderung wohl, den Bauer aber be­rührte sie dennoch recht unangenehm.

Galt Lob, Vater," begann Marianne zu plaudern, nun geht die schwere Zeit bald zu End'. In vier Wochen ist Weihnachten und bann haben wir Euch wieder. Die Karpfen, die ich Euch dann sieden will, soll'n aber 'mal schmecken! Ich werd' den Pfefferkuchen nicht sparen."

Denkst schon an's Essen, Mädel?" versetzte Martin. Ich mein' manchmal, ich hao'S ganz verlernt. Hier givt's keinen gedeckten Kirm-slisch, wo Einer gern zu- tangl. Das Bisset Gottesgabe, das sie Einem Eschen, ist weder gesalzen noch gcfchmalzen."

Er seufzte, denn er dachte gleichzeitig an die Gesell­schaft, mit welcher er den Millagslifch theilen mußte.

Um so besser gerad' schmeckt's Euch wieder im eigenen Hause," fuhr Marianne fort.Und wie sich Alle auf Euch freuen, Vater, das kann ich Euch gar nicht sagen! Kein Mensch möcht' mehr auf dem Gute sein, und die Arbeit schaffte nicht, und Ordnung war auch keine, denn Jeder hing den Kopf, weil Alle trauerten. Ich soll Euch vom ganzen Gesinde grüßen."

Dank' schön! Werben's auch bei mir bleiben nach der Zeit?"

Ist sie vorbei, so denkt Jeder, er habe einen bösen Traum gehabt. 's muß wohl auch manchmal so 'was passiren, daß Einem nicht zu wohl wird uud wir fein demüthig bleiben. Hochmuth kommt ja vor'm Fall, hcißl's im Sprichwort. Daß ich's nicht vergesse, Vater, auch die Nachbarn haben mir die aUerschönsten Erüße an Euch aufgetragen."

Martin trommelte auf den fichtenen Tisch, an dem er der Tochter gegenübersaß, eine Antwort gab er nicht.

Recht sehr befonders |oll ich Euch von Englands grüßen, vom Alten wie vom Jungen, und wenn Ihr nichts dawider hättet, sollte Alles vergeben und ver­gessen sein."

Jetzt stand Martin Ulrich auf, legte den linken Arm auf den Tisch und klopfte mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf einen großen quer durchgefägten Ast in der Tischplatte.

So wenig ich mit meinem bloßen Finger diese« Ast hier durchstoßen kann, so wenig richtet sich Freund- schaft auf zwischen mir und den Englands!" sprach es so hart und kalt, daß die Tochter die Gänsehaut über­laufen fühlte, Sie hielt jedoch für gut, dies dem Batek nicht ahnen zu lassen, und fuhr deshalb in ihrer harm­losen Weise fort:

Ihr wollt Euch selber nicht kennen, Vater, und Ihr seid doch so kreuzbrav, baß Andere noch von Euch borgen könnten. Gebt Acht, der Erste, der Euch ent- gegenläuft, kein Anderer lst'S als Cyristfried!"

(Fortsetzung folgt.)

Erklärung.

In der am Sonntag, den 12. ds. MtS. in 8er Weißbecker'schen Wirthschaft zu Salmünster stattgehsbten Versammlung des landwirthschaftlichen VereinS Rrms-' thal hat auf der Tagesordnung sich befunden:

Vortrag des Justizrath Scheuch über die finon*