SchlüchternerMung
Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. »Jllustrirttm Fami ienfreund" vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Mittwoch, den 8. April
1891.
^Uftolhttinttl auf b,e »Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen
—-----------■■■ Postanstalten und Landbriefträgern,
sowie von der Expedition entgegen genommen.
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An die verehrte« Leser dieser Zeitung!
Die „Schlüchterner Zeitung" mit der amtlichen Beilage „Schlüchterner Kreisblatt" hat trotz der Konkurrenz, die ihr zu machen versucht wird, gerade in letzter Zeit erfreulicherweise an Abonnenten zugenommen. Wir haben dadurch die Ueberzeugung gewonnen, daß unsere Zeitung stets befriedigendes liefert, und sind auch dadurch in die Lage gebracht, unsern verehrten Abonnenten noch mehr zu bieten. Wir haben uns deshalb auf Wunsch mehrerer unserer verehrten Abonnenten gern entschloffen, von Beginn dieses Quartals ab ohne Erhöhung des Abonnementspreises statt der früher nur alle 4 Wochen erschienenen Beilage „Gemeinnützige Blätter" eine wöchentliche Bellage, den so allgemein beliebten
„Illustrirten Iamitienfreund" jeder Sonnabend-Nummer unserer Zeitung beizulegen und hoffen und wünschen, daß pir uns dadurch in noch höherem Maße wie seither, das Wohlwollen der verehrten Leser unserer Zeitung erwerben und dadurch die Zahl der Abonnenten immer mehr vergrößern.
Die Redaktion.
Deutsche- Reich.
Berlin. Der Kaiser wird am Montag eine Strecke deS Nord-Ostsee-Kanals besichtigen. Dem Vernehmen nach wird sich Staatssekretär v. Bötticher, zusammen mit dem Geh. Regierungsrath im Reichsamt des Innern, BartclS, von Berlin nach Kiel begeben, um den Kaiser bei der Besichtigung zu begleiten. Sonnabend hat in Kiel in Gegenwart des Kaisers, der Prinzessin Irene u. A. m. der Stapellauf des Kreuzers „Falke" statt- gefunden. Prinz Heinrich vollzog die Taufe mit folgenden Worten: „Umringt von jenen Meistern und Arbeitern, welche durch treue Pflichterfüllung im Schweiße ihres Angesichts Dir das schöne Bild verliehen haben, worin Du jetzt vor uns stehst, ferner beobachtet von den Augen jener Männer, deren hervorragender Beruf Dich lieben wird, und in dritter Reihe ganz besonders von den Augen Deines Kaisers, Königs und Kriegsherrn, der für Dich und Deine Art ein warmes seemännisches Herz hat, stehst Du bereit, Deinem Elemente übergeben zu werden. Fahre denn hin in alle Meere, wache über Deutschlands Ehre, über Deutschlands unbefleckter Flagge mit dem scharfen Auge jenes befiederten KönigS der Lüfie, dem nichts entgeht." — Der Kaiser hat 10,000 Mk. für die Arbeiter derjenigen Werft auSgesetzt, welche zuerst . einen der neuen Panzer fertigstellt.
— Der G-burtStag des Fürsten Bismark ist in zahlreichen Städten durch Kommerse und andere Fest- lichkeiten begangen worden. Fürst Bismark erhielt aus Anlaß seines 16. Geburtstages am 1. d. ein Morgen- ständchen von den Ratzeburger Jägern. Zahlreiche briefliche und telegraphische Gratulationen liefen ein. Am Abend brachten gegen 3000 Hamburger unter Führung des Abg. Wörmann dem Fürsten einen Fackelzug.
* — In politischen Kreisen verlautet, daß die Ernennung deS Grafen Waldetsee zum Statthalter der Reichslande in Kürze bevorstehe.
* — Der nunmehr erschienenen Schrift des General- Lieutenants z. D. v. Boguslawski, „die Nothwendigkeit der zweijährigen Dienstzeit," entnehmen wir folgende Gegenüberstellung der deutschen und französischen Streit- lrast» E- heißt darin: „Er ist nicht das Heer, sonder»
ein großer Theil der Civilbevölkerung, welcher in blindem Zutrauen ohne genauere Kenntniß der Sachlage jede Niederlage für ausgeschlossen hält. Die Regierung nahm vielleicht zu viel Rücksicht auf diese Stimmung der Masse. Statt einer großen Reform wurde eine stückweise Heilmaßregel nach der andern getroffen. Die einzige durchgreifende war die Wiederherstellung der neunzehnjährigen Dienstzeit. Nach Annahme der Gesetze von 1889 in Frankreich und 1890 in Deutschland stellt sich die Sache folgendermaßen: In Frankreich besteht das stehende Heer aus 561 Bataillonen Infanterie, Jägern u. s. w. und dazu 144 cadres complömentaires (schwache 4. Bataillone), 83 Reg mentern Kavallerie (4 werden noch errichtet), 480 Batterien, 100 Fuß- beziehungsweise Festungsbatterien, 19 Bataillonen Genie, 65 Kompagnien Train. In Deutschland besteht das stehende Heer aus 538 Bataillonen Infanterie, Jäger u. s. W., 95 Regimentern Kavallerie, 434 Batterien, 31 Bataillonen Fußartillerie, 20 Bataillonen Pioniere, 21 Bataillonen Train. Es besteht somit ein Mehr für Frankreich an Infanterie von 23 Bataillonen, an Artillerie von 46 Batterien, für D-utsch- land ein Mehr an Kavallerie von 12, binnen Kurzem nur von 8 Regimentern, an Pionieren von 1 Bataillon. Eine Bergleichung der Festungsartillerie und des Trains unterbleibe wegen der zu verschiedenen Organisation. Die Stärke der stehenden Armee beträgt in Frankreich für 1891 520,548 Mann, in Deutschland 495,983 Mann. Die Kriegsstärke beträgt 1891 für Frankreich 3,240,000 Mann, in Deutschland 2,900,000 Mann. Die Kriegsstärke wird betragen 1914/1915: in Frankreich 4,125,000 Mann, unter Hinzuziehung von 80,000 Mann Gensdarmerie, DonnanierS, Forstleuten, welche vollständig organisirt und zum Kriegsdienst verwendet werden, in Deutschland 3,458,000 Mann. Die Kriegsstärke in Frankreich setzt sich zusammen aus 25 Jahrgängen von je 220,000 Mann unter angenommenem Abgänge von 25pEt.; die Kriegsstärke für Deutschla d aus 24 Jahrgänge« zu 170,000, ebenfalls unter angenommenem Abgang von25pCt. Hierzu,kommen noch etwa 9000 Freiwillige und rund 18,000 Ersatzreservisten. Unsere Minderzahl in der Kriegsstärke beträgt also 1891 420,000 Mann. Sie wird betragen 1914/15 747,000 Mann."
— Ueber die neue Ma x i m -N o r denf e lt's ch e selbstthätige Kanone, mitw lcher die Jnfanterie- Schießschule vergangene Woche in Gegenwart des Kaisers Schießübungen vorgenommen hat, macht die „A. R. K." folgende nähere Mittheilungen: Unter einer selbstthätigen Kanone versteht man eine Feuerwaffe, bei welcher der Rückstoß der abgefeuerten Patrone die Kraft liefert, welche nöthig ist, den Borschluß zu öffnen, die leere Hülse hinauSzuwerfen, eine neue Patrone einzuladen, daS Schloß zu schließen und die neu eingfführte Patrone abzufeuern. Dies kann zehnmahl in der Sekunde vor sich gehen und so lange andauern, als der Munitionsoorrath auSreicht. Auf diese Art spielt eine solche Feuerwaff: thatsächlich einen Strom von Geschossen — gleich Wasser aus einem Rohr — hinaus, und da die Kraft des Rückstoßes reichlich verwendet wird, den Mechanismus der Waffe in Bewegung zu setzen, so tritt sehr wenig Kraftverlust ein. Der Erhitzung des Laufes ist durch einen Wassermantel vorgebeugt. Es ist nicht nothwendig, die Waffe stets mit einem solchen Grade von Schnelligkeit abzufeuern, sie kann auch wie ein Mehrlader — entsprechend den heute eingeführten — oder als Einzellader Verwendung finden. Die in Frage kommende Schußwaffe ist für den Jnfanteriegebrauch bestimmt; es hat der Lauf ein Kaliber von 8 Millimeter; sie ist auf einer zweiräbrigen, leichtgebauten Löffelte angebracht und wiegt mit allem Zubehör — 4 Patroltenkästen ohne Patronen, einen Sitz für den sie bedienenden Mann — 150 englische Pfund. Vorn unter der Mündung befindet sich ein 6 Millimeter starkes Stahlschild, zum Schutz der Bedienungsmannschaft; die Patronenkasten sind rechts und links zwischen Lauf und Rädern angebracht. Die Patronen sind in lange, aus bestem Drillich gefertigte Bänder, und zwar 333 Stück nebeneinander, gesteckt. Diese Patronenbänder werden aufgerollt und je in einem der Patronenverschläge transpor- tirt. Sobald die Schußwaffe in Wirksamkeit treten soll, zieht der zu ihrer Bedienung nothwendige Mann dg- eine Ende des gefüllten Pgtkonenbgndc- aus einem
der Kasten heraus und klemmt es dergestalt in den geöffneten Vorschluß des Gewehrs, daß die erste Patrone in den Lauf hineinreicht. DaS Gewehr ist nunmehr geladen Nach Nehmen des Ziel-, wozu sich auf dem Lauf Visir und Korn befinden, drückt der Mann auf den am Schloßende befindlichen Abzug und das Gewehr arbeitet selbstthätig so lange — wobei da- Patronenband sich von selbst aufrollt und eine Patrone nach der andern sich vor den Lauf schiebt — bis der Druck auf den Abzug aufhört. Der patentirte Mechanismus ves Schlosses ist höchst einfach. Der Rückstoß wirkt nur in horizontaler nicht in vertikaler Richtung, beeinträchtigt daher nur unwesentlich die Schußrichtung. Ohne Ermüdung kann der eine solche mörderische Waffe bedienende Mann in 60 Sekunden 600 Schuß u. f. w. abgeben. Angefertigt werden diese automatischen Feuerwaffen in den großen Maxim-Nordenfelt'schen Fabriken zu Crayford und Erith in Kent, England; fast alle Heeresverwaltungen der Erde haben Bestellungen gemacht. Als Patronen kommen solche mit MctaUhülsen und rauchschwachem Pulver zur Verwendung.
— Die Konferenz in Sachen deS Handwerk- soll in der zweiten Woche des April in Berlin zusammen- treten: Vertreter der JunungSverbände und deS deutschen tzaudwcrkerbundes werden mit solchen der ressortmäßigen Reichs- und preußischen Staatsbehörden die Konferenz bilden. Zunächst ist eine orientierende Darstellung der gesammten Sachlage beabsichtigt. Soviel aus den Fachorganen der Handwerker zu ersehen, will man den obligatorischen BefähigungS-NachweiS und Einräumung erweiterter Rechte in Bezug auf die Ausbildung der Lehrlinge und in Bezug auf das Schiedsgericht fordern.
Berliu. Der Raubmörder Klausten ist Donner-tag früh 7 Uhr durch Scharfrichter R-indel in Gegenwart der Dom Gesetz vorgcschricbenen Zeugen hingerichtet worden. Durch Säulenanschlag wurde die vollzogene Sühne dem Publikum bekannt gegeben. Trotz der er« drückenden Beweise seiner Schuld blieb Klausten bis zum letzten Moment dabei, daß er unschuldig sei.
Bremen. Der „Norddeutsche Lloyd," der schon seit langer Zeit für seine Schnelldampfer englisch e Kohlen bezieht, hat jetzt begonnen, für seine Frachtdampfer amerikanische Kohlen zu gebrauchen, wovon in den nächsten Wochen beträchtliche Mengen zu erwarten sind. Die Hamburger Packetfahrt-Aetien« gesellschaft hat ebenfalls für ihre Dampfer amerikanische Kohlen eingeführt. Die deutschen Gesellschaften beschlossen, mit ihren von den Vereinigten Staaten kommenden Dampfern amerikanische Kohlen einzuführen und sich auf den Verbrauch dieser und der englischen Kohlen zu beschränken, bis die deutschen Zechen ihre Preise ganz wesentlich herabsetzen. Man war einig in der Ansicht, daß mehr als 14,50 M. pro Ton für westfälische Kohlen nicht zu bewilligen seien. Die bezüglichen Maßnahmen sind von den Gesellschaften schon cingclcitct.
— Die Einfuhr lebenden Rindviehs auS Amerika in Deutschland nimmt stark zu. Nach Hamburg brächte im Monat Januar ein Dampfer 144 StüS, im Februar kamen in zwei Dampfern 421 Stück und im März in vier Dampfern 811 Stück, im Ganzen also 1376 Stück. In den letzten Tagen ist eine größere Probesendung des Fleisches von diesen in Hamburg geschlachteten Rindern zum Verkauf nach Berlin gekommen. Ferner wird uns vom Sonnabend aus Bremen berichtet: Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Hermann", welcher am 19. März von Baltimore abgegangen ist, kam heute morgen in Bremerhaven mit einem Transport von 411 Stück Rindvieh an, welche sämmtlich dort gelandet wurden. Es ist dies der erste derartige in Bremerhaven eingetroffene Transport aus Amerika-
Aus Hamelu wird folgender raffinirter Schwindel berichtet: Nachdem die Frau eines Arbeiters daselbst schon längere Zeit eine Krankheit ihres Mannes zur Erlangung milder Gaben benutzt hatte, begab sie sich schließlich zu denjenigen Wohlthäterinnen, welche ihr wiederholt Almosen gespendet, und klagte denselben unter Thränen, ihr Mann sei gestorben und ihr fehlten die Mittel, denselben beerdigen zu lassen. In Folge dessen ließen sich mehrere der um Hülse Angesprochenen be» wegen, der Frau eine entsprechend größere Unterstützung zu gewähren, in einem Falle sogar 60 Mark. Als Sir