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ZWchternerMung

Erscheint Mittwoch u. SamstagPreis mitKreisdlatt" u.Gemeinnützige Blätter" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg

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M 20. Mittwoch, den 11. März 1891.

f Deutsches Reich. ,

Berlin. Am Freitag, den 6. ^1"., sind gerade 20 Jahre vciflössen gewesen, feitbem^ur^r großer, unver­geßlicher Kaiser Wilhelm I. die Rückreise aus Feindes­land in die Heimat angetreten hat. Auf dem Ehren- Hof der Präfektur zu Versailles waren die Offiziere der 22. Division versammelt, an ihrer Spitze der kom- mandirende General des 11. Armeekorps, General der Infanterie v. Bose. Qn der Halle des rechten Flügels des Schlosses stand zur Abfahrt bereit der Reisewagen, welcher den Kaiser der Heimat entgegcnführen sollte. Da erschien der oberste Kriegsherr; elastischen Schrittes eilte er aus den ehrfurchtsvoll schweigenden Halbkreis der Offiziere zu und sprach mit weithin vernehmlicher, aber von innerer Bewegung ergriffenen Stimme:

Ich habe Sie versammelt, meine Herren, um Ihnen, als den hier anwesenden Vertretern der Armee, in dem Augenblick, wo ich die Armee verlasse, mein Lebewohl zu sagen. Ich kehre nach Deutschland zurück. Der Krieg ist, dank Ihrer Hingebung und Ausdauer, zum glücklichsten Ende geführt, und ich hoffe, daß wir einem langen und dauerhaften Frieden entgegengehen. Ob meine Hoffnungen sich erfüllen werden, hängt freilich von diesem Lande ab, welchem wir soeben eine so herbe Lektion gegeben haben. Sollteich aber auch irren, und sollte ich genöthigt werden, von Neuem an die Ent- j scheidung der Waffen zu appellieren, nun, so weiß ich, auf wen ich mich verlassen kann."

Alle waren tief bewegt. Schweigend reichte der Kaiser dem General v. Bose die Hand; dann küßte er ihn und rief:Das ist für Sie Alle, meine Herren!" Schnell bestieg er den Wagen; noch einmal winkte er, freundlich grüßend, im Wagen stehend, hinüber den Abschiedsgruß, dann aber verschwand das Gefährt w^, mit ihm der greise Siegesheld in der unabsehbaren Reihe der Spalier bildenden Mannschaften.

* Fürst Bismarck wird kein Ruchstagsmandat annehmen. An den Wunsch des nationalliberalen Wahl- comitee'S im Reichstagswahlkreise Gecstcmünde, den Fürsten Bismarck als Wahlkandidaten aufzustellen, sind schon lange Erörterungen geknüpft, die sehr überflüssig waren. Es verlautet bestimmt von durchaus unter­richteter Seite, daß der Fürst kein Mandat annehnun wird, auch dann nicht, wenn er gewählt werden sollte.

Nach der Statistik der Selbstmorde haben seit dem 1. Januar vorigen Jahres sich in Berlin 62 Kinder, 46 Knaben und 16 Mädchen, das Leben genommen. Von diesen hatten 24 das fünfzehnte Lebensjahr er­reicht, 14 das vierzehnte, 9 das dreizehnte, 7 waren erst zwölf Jahre und eins noch nicht 7 Jahre alt. In den meisten Füllen blieb die Ursache des Selbst­mordes unbekannt.

Die Sozialdemokraten haben jüngst, um Aus- ständige zur Beharrlichkeit zu bewegen, das raffinirte Mittel angewandt, die Unterstützungsgelder oft nur auf Schuldschein oder auf Wechsel zu geben; unter diesen Umständen sind die Ausständigen dem Streik Komitee vollständig auSgeliefert. Jetzt hat daS Gericht in Altona eine Entscheidung getroffen, welche dieses Verfahren der Sozialdemokraten zunichte macht. Das Gerichthat nämlich eine Wechselklage des Unterstützungsvereins deutscher Tabakarbeiter gegen einen auS dem Verein getretenen Arbeiter abgewiesen; die Wechsel, die Arbeiter für empfangene Unterstützungsgelder acceptiren müssen, sind daher ungültig.

Aus Straßburg i. E. wird vom Mittwoch gemeldet: Bei Beginn der heutigen Sitzung des Landes-AusschusseS verlas der Präsident Dr. Schlumberger einen von 22 Mitgliedern eingegangenen Antrag, folgende Adresse an S. M. den Kaiser zu richten: Allerdurchlauchtigster, Allergroßmächtigster Kaiser und König, Allergnädigster Kaiser, König und Herr! Ew. Majestät wollen dem versammelten Landesausschuß huldreichst gestatten, Aller- höchstdemsclben folgende Bitte ehrfurchtsvollst zu unter­breiten: Aus Anlaß gewisser in jüngster Zeit im Aus­lande stattgehabten Vorgänge hat die Rcichsrcgierung eine schärfere Handhabung der im Mai 1888 getroffenen Vorschriften über den Paßzwang verordnet, unter denen das ReichSland zwei Jahre hindurch so schwer gelitten hat und nun von Neuem leiden soll. Ew. Majestät versichern wir, die berufenen Vertreter der clsaßloth- ringischen Bevölkerung, daß wir, treu auf dem Boden deS Gesetzes und der bestehenden Verhältnisse verharrend, jede SinWischung in unsere Angelegenheiten seitens

fremder dazu nicht berechtigter Elemente auf das Aller- elltschiedenste zurückweisen, und daß keine aus dem Auslande kommende Agitation je geeignet sein wird, diese unsere Gesinnungen zu erschüttern. Im Ver- t anen auf das Wohlwollen, welches Ew. Majestät uns stets haben allergnädigst zu Theil werden lassen, bitten wir unterthänigst, die zwar nicht gegen unsere Be­völkerung gerichtete, wesentlich aber dieselbe treffende Paßmaßregel aufheben oder doch, falls dies nach Ew. Majestät allerhöchstem Rathschlusse zur Zeit unthunlich erscheinen sollte, eine mildere Ausführung dieser Maß­regel verordnen zu wollen. Der Landes-Ausschuß für Elsaß-Lothringen. Der Antrag wurde sofort, nach­dem die Abgeordneten Pfarrer Winterer nnd Notar Ditsch für sich und einige Freunde erkärt hatten sich der Abstimmung enthalten zu wollen, ohne Widerspruch angenommen.

Metz, 6. März. Bei der diesjährigen Aushebung kann man bemerken, daß die jungen Burschen aus den Ortschaften des französischen Sprachgebiets beim Durch­ziehen der Straßen unserer Stadt fast ausschließlich deutsche Bolkslieder singen. Früher waren es französische Gllssenhaucr der schlimmsten Art, die da gesungen wurden.

Dakmstadt, 3. März. Die Errichtung eines Cre- matoriums für die Stadt Offenbach ist nun beschlossene Sache. In einer vor einigen Tagen stattgefundenen Sitzung der Stadtverodneten-Versammlung wurde einstimmig beschlossen, dem Frankfurter Verein für Feuerbestattung die verlangte Erlaubniß zu ertheilen, auf dem Friedhofe einen Leichenverbrennungsofen zu errichten. Die entstehenden Baukosten wird genannter Verein übernehmen.

Der bekannte Luftkurort Freudeustadt im Schwarz­wald ist wirklich eine Stadt der Freude. Dort haben die Bürger nicht nur keine Abgaben an den Stadtsäckel zu entrichten, sondern bekommen infolge des bedeuten­den städtischen Waldbesitzes noch Geld herausbezahlt. Die diesjährige Bürgergabe aus der Stadtkasse betrug, wie in den letzten Jahren, für jeden Bürger 25 Mk. Und dabei haben große Holzbewilligungen an arme Leute des harten Winters wegen stattgefunden.

Schalke, 4. März. Ein eigenartiger Unfall trug sich, nach derK. Ztg.", auf der chemischen Industrie hierselbst zu. Die während des Winters auf die Halde gestürzten, stark schwefelhaltigen Rückstände der Pott- aschefabrikalion waren in ungeahntem, von außen nicht wahrnehmbarem Umfange in Brand gerathen, und der Schlacken- und Rückstand-Transport wurde nach wie vor über diese in versteckter Gluth liegenden Anschüttungen weiter geführt, bis letzthin ein von einem Schlacken- wagen gerade abgesträngtes Pferd plötzlich in die Tiefe versank. Nun blickte man in einen feurigen Schlund, dessen Weißglühhitze das Thier sofort tödtete und seinen Körper innerhalb vierundzwanzig Stunden bis auf einen kleinen Haufen Asche vollständig verbrannte. Die Ar­beiter, welche ganz nahe beim Pferde gestanden und bis kurz vor Eintritt deS Unfalls den gefährlichen Ort regelmäßig begangen hatten, kamen mit dem Schrecken davon.

Camen i. Westf., 6. März. Im Januar drangen die polnischen Bergleute Kwaniewski und Niczak in die Classe deS Lehrers Lingemann, und zwar mit solchem Ungestüm, daß die Thür aus den Angeln flog. Kwa- niewski packte außerdem den Lehrer in den Bart und schlug mit einer Kohlenschaufel auf ihn loS. Es geschah dies, weil der Lehrer sich weigerte, den unnützen Schlingel deS Niczak sofort auS der Schule zu entlassen und den Entlassungsschein auszustellen. Die Straf­kammer in Dortmund hat diebiederen" Polen ganz gehörig bestraft, Kwaniewski mit 1'/, Jahren, Nizcak mit 6 Monaten Gefängniß.

Erfurt, 6. März. Die Konfirmanden des Dorfes Gispersleden Kiliani bei Erfurt sollen in diesem Jahre nicht eingesegnet werden, da sie sich grobe Verstöße gegen die Sittlichkeit zu Schulden kommen ließen.

Gießen, 5. März. Der auf vorgestern und gestern anberaumte Viehmarkt mußte in Folge plötzlichen Auf­tretens der Maul- und Klauenseuche kurz vor Beginn verboten werden. Die zahlreich aus der Lahn-, Sieg- und Dillgegend, dem Vogelsberg, der Wetterau und Frankfurt mitunter mit recht starken Heerden erschienenen Händler sind in Folge dieses Verbots in arge Verlegen­heit gerathen, denn sie konnten nicht allein nichts ob» setzen, sondern müssen ihr Vieh in den Wirthsstallukgen

belassen, bis dasselbe einer veterinärärztlichen Unter­suchung unterzogen worden ist.

Ausland.

Die Riesenstadt London zählt nach neuesten^ Fest­stellungen 5'/- Millionen Einwohner und nimmt einon Flächenraum von 7 englischen Quadratmeilen ein. , Aus London kommt heute folgende Warnung vor der Buswanderung nach Brasilien: Vom Sekretariat des Kolonialamts wird die Londoner Agentur des Depeschen- BüreausHerold" davon in Kenntniß gesetzt, daß, ob« wohl für Auswanderer nach den südlichen Provinzen Brasiliens auf englischen Schiffen freie Fahrt gewährt wird, dennoch vor britischer Auswanderung nach San Paulo nachdrücklichst zu warnen sei, da die dortigen Verhältnisse keineswegs dazu angethan seien, englischen Auswanderern ein nur einigermaßen erträgliches Leben zu bieten.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 10. März.

* Der Kreistag für den Kreis Schlüchtern hält am 21. Januar Vormittags eine Sitzung im Hotel Stern zu Schlüchtern ab. Zur Berathung bezw. Be­schlußfassung kommen u. a. die Uebernahme der Wege­baulast auf den Kreis, die Armenlast, die Erbauung eines Wohnhauses in der Kreisbaumschule rc. ».

* Nach einer amtlich veröffentlichten Zusammen­stellung betrugen die den Gemeindekassen im Regierungs­bezirk Kassel durch den Verkauf des im Jahre 1890 geernteten Obstes zugeflossenen Einnahmen: Im Land­kreis Kassel 6998,75 Mark, Kreis Eschwege 4887,52, Frankenberg 8474,16, Fritzlar 3893,25, Fulda 1031,83, ®dnlj .ufeR 11,631, Gersfeld 509,83, Hanau 3308,05, Hersfeld 1873,99, Hofgeismar 7374,40, Homberg 1261,85, Hünfeld 1330,97, Kirchhain 6798,50, Mar­burg 7085,07, Melsungen 2449,40, Rinteln 433,50, Rotenburg 1542,03, Schlächtern 4581,37, Schmal- kalden 1604,90, Witzenhausen 8129,81, Wolfhagen 6452,58, Ziegenhain 5692,39; im gesammten Regier­ungsbezirk 97,345,15 Mk.

* Zur Volkszählung am 1. Dezember 1890. In der Provinz Hessen-Nassau lieferte die jängste Volkszählung folgende Sp:zialergebnisse: Reg.-Bcz. Kassel: Kassel (Stadtkreis) 72,461 (64,083), Kassel 51,169 (47,181), Eschwege 42,162 (42,454), Fritzlar 26,478 (26,302), Hofgeismar 36,374 (36,709), Hom­berg 21,469 (21,894), Weisungen 27,286 (27,757), Rotenburg i. H.-N. 29,992 (30,317), Witzenhausen 29,264 (29,348), Wolfhagen 23,958 (23,967), Mar- bürg 46,603 (44,160), Frankenberg 24,108 (23,742), Kirchhain 21,992 (21,822), Ziegenhain 32,424 (33,078), Fulda 49,135 (48,317), Hersfeld 31,302 (32,442), Hünfeld 23,515 (24,130), Hanau (Stadtkr.) 25,027 (24,377), Hanau 39,414 (36,743), Gelnhausen 41,802 , (41,057), Schlüchtern 28,505 (28,989), Schmal- kalben 33,272 (31,114), Rinteln 41,562 (39,942), GerSfeld 21,517 (21,281). Reg.-Btz. Wiesbaden: Biedenkopf 41,323 (40,269), Dillkreis 40,085 (39,221), Oberwesterwaldkreis 23,569 (23,569), Westerburg 28,620 (29,164), Unterwesterwaldkreis 39,605 (39,371), Oberlahnkreis 40,264 (40,361), Limburg 48,218 (48,335), Unterlabnkreis 43,750 (43,765), Sankt GoarS- Hausen 38,155 (38022), Rheingaukreis 33,636 (32,475), Wiesbaden 41,640 (38,777, Untertaunuskreis 33,428 (33,011), Ringen 21,537 (21,357), Obertaunuskre'S'"--U' 5- 37,976 (36,449), Höchst 35,146 (30,022), FrankfurtW" a. M. 51,714 (47,163), Wiesbaden (Sladtkr.( 64,693 (55,354), Frankfurt a. M. (Stadtkr.) 179,950 (154,513). Die in Klammern befindlichen Ziffern geben die Volks« ' zählung von 1885 wieder. Die stärkste prozentuale Zunahme in unserer Provinz zeigt der Kreis Höchst, in zweiter Linie der Stadtkreis Wiesbaden, erst in dritter Linie der Stadtkreis Frankfurt, in vierter der Stadtkreis Kassel. Die geringste prozentuale Zunahme weist der Oberwesterwaldkreis auf, während die Be­völkerung abnahm in den Kreisen Eschwege, Hofgeismar, Homberg, Melsungen, Rotenburg, Witzenhausen, Wolf­hagen, Ziegenhain, Hersfeld und Hünfeld, Schlüchtern, Westerburg, Ober- und Unterlahnkreis und Limburg, also in wesentlich ländlichen Kreisen.

Einer der Vorzüge, welche der im preußischen Abgeordnetenhause nunmehr definitiv angenommene Einkommensteuergesetzentwurf enthält, besteht in dep