Einzelbild herunterladen
 

WWernerMullg

Erscheint Mittwoch u. SamstagPreis mitKreisblatt" u. , Gemeinnützige Blätter" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

Samstag, den 21. Februar

1891

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Februar. Die Kaiserin Friedrich ist am Mittwoch zum Besuch ihrer Mutter, der Königin von England, von Berlin abgereist.

Berlin. Das vom Abgeordnetenhause am Dienstag angenommene neue Einkommensteuer-Gesetz stellt die Steuersätze wie folgt fest:

Die Einkommensteuer beträgt jähr

stich bei einem Ein-

kommen von mehr als: bis einst! Mk. Mk.

900 1050

1050 1200

1200 1350

1350 1500

1500 1650

1650 1800

1800 2100

2100 2400

2400 2700

hließlich: Mk. 6 9 12 16 21 26 31 36

44

/

2700 3000

3000 3300

3300 3600

3600 3900

3900 4200

4200 4500

4500 5000

5000 5500

5500 6000

6000 6500

6500 7000

7000 7500

7500 8000

53

60

70

80 92

104 118

132

146 160

176 192

212

8000 8500

8500 9000

9000 9500

9500 10500

Sie steigt bei höherem Einkomme

232

252

276

300 N

von mehr als bis einschließlich in Stufen von

um je

Mark Mark Mark

Mark

10,500 30,500 1000

30

30,500 32,000 1500

60

32,000 7 8,000 2000

80

78,000 100,000 2000

100

Bei Einkommen von mehr als 100,000 Mark bis einschließlich 105,000 Mark beträgt die Steuer 4000 Mark und steigt bei höheren Einkommen in Stufen von 5000 Mark um je 200 Mark.

DenBcrl. Polit. Nachr." zufolge werden von der preuß. Staatsverwaltung alle Vorbeitungen ge­troffen, um bei einem etwaigen neuen Bergarbeiteraus­stand nicht von einer zeitweiligen Störung der Kohlen­förderung überrascht zu werden.

Statistisches aus Berlin. Von rund 50,000 im Jahre 1889 in protestantischen und Mischehen geborenen Kindern und von 51,000 außerehelichen Kindern pro­testantischer Mütter wurden 30,100 nicht getauft. Da von diesen Ungetansten, nahezu ausschließlich protestan­tischer Herkunft, sicher nicht die Hälfte getauft worden sein wird, so bleiben mindestens 15,000 ungetaufte Kinder nur vom Jahre 1889 für Berlin übrig. Trotz der Zunahme derEheschließungen' haben sich die kirchlichen Trauungen um 10,000 (!) Paare im Jahr vermindert. Von 16,500 Mischehen wurden 7,500, also noch nicht die Hälfte, protestantisch kirchlich ein­gesegnet. Nehmen wir an, daß von den restirenden 9000 4500 die kathosische Trauung nachgesucht haben was bei Berliner Mischehen auffallend hoch gegriffen ist so bleiben für ein Jahr 4500 Civilehen übrig; dazu kommen aber noch ca. 5000 anderweitig gezählte Civilehen, so daß jährlich mehr als 10,000 Paare ein Zehntel aller eingegangenen Ehen in Berlin ohne den Segen der Kirche sich zusammenbegeben. Ebenso hoch, 10800, ist die Zahl der jährlichen Ehe­scheidungen. Das sind die Zahlen, welche Bände reden! Wer Ohren hat zu hören, der höre! So lebt man außerhalb des Schattens der Kirche" jammert da derReichsbote".

Aus Schleswig - Holstein. Die Arbeiten am Bau des Nordostseekanals sind fast überall wieder ausge­nommen worden, wenn auch nur in beschränktem Um­fange. Die bis jetzt beschäftigten Arbeiter sind entweder Einheimische oder solche, welche den Winter über nicht fortgezogen sind. Durch dieselben ist der augenblickliche Hrdarf völlig gedeckt und fremde Arbeiter thun besser,

mit dem Aufbruch zu den Baustätten des Nordost^e- kanals zu warten, bis mehr Arbeitskräfte verwandt werden können. Das wird aber nicht früher der Fall sein, als bis die Maschinen wieder in Thätigkeit gesetzt werden können, welche jetzt des Eises wegen nicht arbeiten können. Die Eisdecke ist im Kanalbett bis zu 60 Ctm. stark und die Versuche, dieselbe mit Dampf­schiffen zu durchürechen, sind bis jetzt gescheitert. Da die Erdbewegung in Folge des langen Winters erheblich im Rückstand geblieben ist, beabsichtigen die Unternehmer, mit dem Frühjahr das Arbeiterpersonal bedeutend zu vermehren, um das Versäumte nachzuholen, wozu sie kontraktlich verpflichtet sind. Der Bau der großen Schifffahrtsschleuse bei Rendsburg soll in allernächster Zeit zur Submission ausgeschrieben und mit dem Bau noch im diesem Jahre begonnen werden.

Hamburg, 19. Februar. Gestern entstand im hiesigen Hasen auf dem englischen DampferMan- mouthshire" eine Revolte der chinesischen Heizer, welche die ganze englische Besatzung mit Messern und Eisen­stangen bearbeiteten und von Bord jagten. Erst das zweimalige Einschreiten der Hafenpolizeimannschaft stellte die Ruhe wieder her. Dem englischen Konsul ist die Untersuchung übergeben worden.

Gelsenkirchen. Aus den nunmehr veröffentlichten Abschlußzisfern der Bergwerksgesellschaft Consolidation geht hervor, daß der Gewinn des Jahres 1890 über 5,300,000 M. betragen hat. Hiervon werden über 800,000 M. zu Abschreibungen und 1,000,000 M. zur Dotirung von Reserven und Tantiemen verwendet, sowie 200,000 Mk. auf das neue Jahr vorgetragen. Die Dividende ist auf 21pCt. des Aktienkapitals fest­gesetzt. Wie auS den obigen Ziffern hervorgeht, ist im Jahre 1890 über ein Drittel des Aktienkapitals ins Verdienst gebracht worden. (Die armen Kohlenbarone, die die Kohlen so arg billig liefern müssen, was fangen die nur mit dem vielen Geld an?)

Torsten, 15. Februar. Der hiesige Bahnhofswirth hatte einem Gymnasiasten Bier verabreicht und war deshalb in eine Strafe von 5 Mark genommen worden. Der Wirth erhob Einspruch und wurde freigesprochen. Das Gericht nehm an, daß die Bahnhosswirthe nicht gehalten seien, zwischen Reisenden und Gymnasiasten einen Unterschied zu machen, zumal letztere häufig allein reisen und dann ohne Zweifel das Recht haben, die Wirthschaftsräume zu benutzen.

In der Königlichen Gewehrfabrik zu Erfurt ist 1200 Arbeitern gekündigt worden und der gleichen An­zahl soll in 4 Wochen ebenfalls gekündigt werden, da beabsichtigt wird, den Bestand auf 400 Arbeiter zu reduziren.

Aus dem Großherzogthum Hessen, 15. Febr. Nach einer Verfügung der Großh. Schulbehörden haben die Bestimmungen und die Einrichtung des Alters- und Jnvaliditäts-Gesetzes von jetzt an eine Stelle im Lehr- Plan sämmtlicher hessischer Fortbildungsschulen zu finden. Die Gemeinde Trcbur bei Mainz hat gestern ihre Feldjagd, wofür bisher 1849 Mk. bezahlt wurden, für 5329 Mk. versteigert. Für die Waldjagd dieser Gemeinde werden seit letztem Jahre 10,000 Mk. jährlich bezahlt.

Gemünden a. M. 18. Febr. Der Stadt Gemünden wurde mit Hoher Entschließung der königl. Regierung von Unterfranken vom 15. Januar l. Js. außer den bereits bestehenden Rindviehmärkten nunmehr auch die Abhaltung von 12 Schweinemärkten jährlich gestattet. Wie aus dem Jnseratentheil ersichtlich findet in diesem Jahre der erste Rindvieh- und Schweinemarkt am Montag den 23. d. Mts. statt Interessenten werden darauf aufmerksam gemacht, daß nach den vielen Anfragen und bereits gemachten Zusagen von Händlern und Käufern, auf eine lebhafte Betheiligung und flotten Handel zu schließen ist, umsomehr als die Maul- und Klauenseuche in unserer Gegend vollständig erloschen ist.

Lokales und Provinzielles * Schlüchtern, 20. Febr.

* Ernannt wurde der außerordentliche Pfarrer B o d e zum selbstständigen Vikar des Pfarrers Brüning in Marjoß.

* Vom nächsten Viehmarkt ab findet der Auf­trieb des Viehes nicht mehr in der Obergasse statt, sondern laut Bekanntmachung des Bürgermeisteramtes in heutiger Nummer vor dem Unterthoxe am

alten Wege nach dem Bahnhöfe zu. Es ist damit endlich einem seit Jahren gehegten Wunsche der Be­wohner der Obergasse Rechnung getragen worden, denn sich einen halben Tag lang durch das vor der Haus­thür aufgestellte Vich blocieren zu lassen und all den Trubel, Spektakel und Gestank eines Viehmarktes ge­nießen zu müssen, das war kein Vergnügen.

* In hiesiger Stadt macht sich jetzt bei manchen Geschäftsleuten Kohlenmangel bemerkbar. So sind auf der Spinnerei zu Herolz die regelmäßigen vierzehn- tägigen Kohlensendungen ausgeblieben, ein empfindlicher Schlag für das aufblühende Geschäft. Die Ursache soll im Mangel an Kohlenwagen in den Kohlenbergwerks­bezirken liegen, sodaß keine Kohlen verladen werden können.

* Ein Freund und Leser unseres Blattes jenseits des großen Wassers, in New-Dock sendet uns nachstehendes Referat über ein von den in New- Uork lebenden Schlüchternern am 21. Januar veran- staltetes gemüthliches Beisammensein, das wir als ein Zeichen des Wohlbefindens unserer engeren Lanrslcute in der neuen Heimath den L fern der Schlüchterner Zeitung nicht vorenthalten wollen:Bei den Schlüch­ternern befand man sich vorgestern fast unter lauter Freund n", ob sie nun Jacob, Philipp, oder NiclaS heißen. Der Papst, der Fritz nämlich, lebte herrlich in der Welt, und ließ von feinem Ablaßgeld, das ihm die durstige Menschheit zollt, ein kleines hübsches Häufchen sitzen. Die Geldaristokratie von Rahway, liebenswürdig vertreten durch Frau Babette Rosenbaum, war auf ihrem reizenden, kleinen Pony herbeigeeilt und klapperte mit so vielen Diamanten, daß Felix Schwarzschild tiefe Reue darüb.. fühlte, daß er nicht als Millionär gelernt hat. Philipp Lotz tanzte mit Hilfe seiner lieben Frau und anderer hülfreicher Tanzgeister seine Gout in alle vier Winde. Hoffentlich hat sie kein Retourbillet ge­nommen. Frl. Amelie Knies sah in ihrem rothen Kleid allerliebst aus, Frl. Louise Freund dasselbe in blau. John Rollmann und Fritz Eichenberg bewährten wieder ihren alten Ruhm als unvorbereitete und doch erfolg­reiche Redner. Präsident Jacob Freund hielt in alter Jovialität aus bis an's fröhliche Ende und ist jetzt noch immer stolz auf diesen abermaligen schönen Succeß. Zur Erinnerung an den letzteren sollte die ganze fröh­liche Gesellschaft, außer den schon Genannten mit ihren Damen, John Bauer, H. Eipel, Heinrich Knief, John Keller, Gco. M. Reusse, E. Malisky, F. Denhard, G. Schauberger, Ch. Böckler, H. Schäfer, F. Roth, N. Leipold, Ch. Gummersbach, F. Bauer, F. Fuchs, Striebeck nebst Gemahlinnen, Frl. Lizzie Wiegand, Frl. Anna Eichenberg, die Fräuleins May und Pfeiffer und wie sie alle heißen, zu einem großen Gruppenbilde sich abnehmen lassen, das elegante Floormanager-Paar F. E. Freund nebst Frau in der Mitte.

* In Sachen des Streites ums Landgericht ward aus ,ganz zuverlässiger Quelle" derHanauer Zeitung" mitgetheilt,daß bie Beunruhigung des Hanauer Pub­likums rc. durchaus unbegründet ist, da, wie jeder Sach­verständige weiß, die Verlegung des Landgerichts nach Fulda nur unter gleichzeitiger Abzweigung eines Theils des jetzigen Landgerichtsgebietes an das Landgericht zu Frankfurt erfolgen könnte, wodurch das ohnehin schon sehr kleine Gebiet des Oberlandesgerichts Cassel noch weiter verkleinert würde. Letzteres ist aber und darüber sind alle ausschlaggebenden Instanzen einig absolut unmöglich, da sonst das Oberlandesgericht Cassel nicht mehr lebensfähig wäre. Eine Verlegung des Landgerichts von Hanau könnte also nur unter gleich­zeitiger Aufhebung des Oberlandesgerichts Cassel ge­schehen, letzteres ist aber nach den seiner Zeit Cassel gemachten Zusagen unmöglich und wurde überhaupt eine solche Umwälzung in der ganzen Justizorganisation bedingen, daß sie kein Justizminister blos der Stadt Fulda zu Liebe unternehmen wird." Die Fuldaer geben ihre Sache aber nicht so ohne Weiteres verloren, denn das Fuldaer Kreisblatt bemerkt dazu,daß der Adg. Windthorst in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 4. Februar 1878, als Hanau zum Sitz des dritten Landgerichts im ehemaligen Kurstaate Hessen angenommen worden war, die Erklärung abgab, daß er, nachdem durch den Beschluß gegen Fulda das Prinzip der aus­gleichenden Gerechtigkeit verlassen sei, nun Protest gegen die Errichtung zweier Oberlandesgerichte in der Provinz Hessen-Nassau einlege und nur für ein Oberlandes-