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M 14. Mittwoch, den 18. Februar 1891.
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Febr. Ueber das Befinden des Kaisers schwirren der „Saale-Ztg." zufolge seit einigen Tagen hier wieder allerlei beunruhigende Gerüchte durch die Luft. Wie behauptet wird, hätte sich das alte Ohren- leiden wieder in reckt empfindlicher Weise bemerkbar gemacht. Da der Kaiser jedoch nach wie vor Bälle besucht und an den militärischen Exercitien Theil nimmt, so liegt kein Grund vor, sich über seinen Gesundheitszustand zu beunruhigen.
Berlin. Mit nicht weniger als 14 Kindesmorden hat sich gegenwärtig, wie eine Lokalkorrespondenz kon- statirt, die hiesige Staatsanwaltschaft zu beschäftigen. Acht dieser Verbrechen sind im Z itraum der litten 14 Tage verübt worden; geradezu bestialisch ist ein bis jetzt noch nicht aufgeklärter Kindesmord, der vor etwa drei Monaten auf dem Schlesischen Bahnhof verübt resp, entdeckt wurde. Hier hat die Mutter dem neugeborenen Kinde mittelst eines Beiles den Kopf eingeschlagen und die Hände und Füße vom Rumpf abge- haucn und zerstückelt. Eine Anzahl der Kindesmörderinnen sitzt gegenwärtig im Untersuchungsgcfäng- viß, über welche die Geschworenen schon in den nächsten Wochen ihr Verdikt zu fällen haben werden.
Aus Schlesien wnd geschrieben: Der kom- mandirende General des fünften Armeekorps, v. Hilgers hat soeben an alle zum Korpsverbande gehörigen Truppentheile einen Befehl gerichtet, nach welchem vom 1. April d. J. ab das Tragen von allen Extra- Kleidungsstücken, mit alleiniger Ausnahme von Extramützen, verboten ist. (Sehr gut für den Geldbeutel der resp. Väter der Soldaten.)
Leipzig, 13. Februar. Hundert Aerzte beschlossen die Niederlegung ihrer Praxis in der Ortekrankenkasse, falls Naturheilkundige zugelassen wurden, wie dies beabsichtigt ist.
In einem größeren Restaurant in Erfurt wurden arme Leute, welche dort täglich umsonst Mittagrssen erhielten, dabei abgefaßt, wie sie Messer, Gabeln, Löffel und Teller aus der Küche stahlen. Unter solchen Umständen ist es freilich nicht zu verwundern, wenn dem Gastwirth die Lust zu weiterem Wohlthun vergeht.
Vor einigen Monaten kau'te ein Fleischer in Pöß- Nkck in einem benachbarten Ort ein Schwein. Der Verkäufer mochte nachher den Handel bedauert haben, er habe das Schwein etwas zu billig verhandelt; kurz, er v.rkaufte das Schwein zu einem höheren Preise weiter. Als nun der Fleischer, der erste Käufer, das Schwein abholen wollte, war dasselbe natürlich nicht mehr da und der Verkäufer gebrauchte die Ausrede, der Fleischer hätte ja nichts draufgegeben. Hierauf klagte der Fleischer auf Schadenersatz und der Landwirth wurde nach Abhaltung mehrerer Termine richtig auch schadenersatzpflichtig und zu sämmtlichen Kosten des Verfahrens, die ca. 100 Mk. betragen, verurtheilt. Es mag dieser Fall allen Denjenigen zur Warnung dienen, welche bei Verkäufen auf ein Draufgeld allzu- großeS Gewicht legen.
Jena, 9. Februar. Folgendes heitere Stückchen wird aus einem Gasthofe erzählt: Der neue Wirth desselben hatte sich noch nicht allen dort verkehrenden Gesellschaften „vorgestellt". Eine derselben hielt nun dieser Tage Ball ab; die Mitglieder waren in „bester Stimmung", als plötzlich ein Herr eintrat, der sich „etwas mausig" machte. Das verdroß die Mitglieder und — plumps, lag der fremde Herr draußen. Wie erstaunte man aber, als man von den Kellnern erfuhr, daß der „Rausgeschmissene" der Herr Gasthofbesitzer war!!! Der Letztere wird hoffentlich nun die „Vorstellung" nachgeholt haben.
Greiz, 12. Febr. Die hiesige Strafkammer hat einen Fleischermeister, der verdorbene Wurst zerhackt nnd wieder zu Würstchen, die während des Vogelschießens verkauft wurden, verarbeitet hatte, zu 5 Wochen Gefängnis verurtheilt. Die Frau wurde mit 80, ein Geselle mit 50 Mk. Geldstrafe belegt.
Diepholz, 11. Februar. Ein junge Dame, die mit wohlgesprckter Börse in Diepholz dem Zuge entstieg, mußte wegen der mangelhaften Verbindung den weiten Weg nach Damme zu Fuß zurücklegen. Beim Eingänge des dichten Waldes, der sich zwischen den beiden Orten erstreckt, trat sie in ein am Wege gelegenes Häuschen, um -sich einen Begleiter durch den Wald zu erbitten. Der Mann ist aber auf keine Weise zu be
wegen, sie zu begleiten, und geht mit einem Spaten davon, unter dem Vocwande, er habe noch einige Arbeiten auf dem Felde zuchesorgen. Die Dame mußte, da sonst keine menschliche Wohnung in der Nähe war, den Weg allein fortsetzen. Ungefähr in der Mitte des Waldes begegnet ihr der Dammer Gendarm, welcher auf ihr Bitten wieder umkehrt und sie aus dem Dickicht begleitet. Doch kaum ist er eine Weile fortgeritten, als er einen gellenden, markerschütternden Schrei vernimmt. Sogleich eilt der Gendarm nach der Richtung des Schreies und findet die Dame bereits todt in ihrem Blute liegen, die Gurgel mit einem Messer durchschnitten, die ganze Baarschaft geraubt. Von dem Mörder war weit und breit keine Spur mehr zu entdecken. Der Gendarm reitet darauf zu dem Hause, dessen die Dame vorhin Erwähnung gethan hat, und fordert Brod für sein Pferd. Die allein im Hause befindliche Frau erklärte, sie hätte augenblicklich kein Messer im Hause, ihr Mann sei auf's Feld gegangen. Wie sie noch reden, tritt der Mann ein, die Aermel mit großen Blutstropfen bespritzt. Er wurde sofort verhaftet und in's Gefängniß abgeführt.
Der Weichensteller Weigelt in Stcinach ist dadurch ums Leben gekommen, daß er eine Lisiung von chlor- saurem Kali, die ihm vom Arzt zur Vertreib» ig einer Halsentzündung zum Gurgeln verschrieben war, getrunken hatte, in der Meinung, die Krankheit auf diese Weise schneller zu beseitigen. Chlorsaures Kali ist bekanntlich Gift.
Dieser Tage wurde unweit Roth in Bayern ein von Nürnberg abgegangener Schnellzug auf freier Strecke plötzlich gebremst. Alles forschte erschrocken nach der Ursache und da stellte sich denn heraus, daß ein Reisender im letzten Wagen, einem sächsischen Durchgangswagen, dem es zu kalt geworden war, die Heiz- vorrichtung hatte stellen wollen, wobei er aber die Westinghouse-Bremse erwischt hatte. Der Fehlgriff kostete dem Mann 30 Mk. Strafe.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 17. Febr.
* — Der Pfarrer Wittekl ndl zu Sterbfritz ist von Sr. Majestät dem Könige zum Metropolitan bei Classe Schwarzenfels ernannt worden.
* - Der auf den 26. Februar fallende Fuldaer Viehmarkt findet der Maul- und Klauenseuche halber nicht statt.
* — Der Vaterländische Frauenverein für den Regierungsbezirk Kassel umsaßt jetzt 28 Zweigvereine mit 3980 Mitgliedern. Die Einnahmen sämmtlicher Zweigvereine beziffern sich auf 233,457 Mark (im Vorjahr nur 153,649 Mark), die gesammten Ausgaben aus 162,651 Mark (im Voi jähre nur 83,162 Mark) und verblieb am Jahresschlüsse ein Kassenbestand von 70,806 Mark, gewiß ein höchst befriedigendes Resultat. Reichliche Zuwendungen wurden den Vereinen auch wieder im abgelaufenen Jahre gemacht, im Ganzen 38,320 Mark. Für die 13 gemeinnützigen Wohlthätig- keits-Anstalten, welche der Verein gründete, und unterhält, wurden insgesammt 152,160 M. verausgabt. Im Ganzen waren im Dienst der Vereine 37 geschulte Krankenpflegerinnen thätig.
— Bei der Altersversicherung kann der sonderbare Fall eintreten, daß ein Chef Gehaltszulagen ertheilt und dabei noch Geld spart. In einem Berliner großen Bankhause bezog eine Anzahl junger Leute bisher 2000 Mark, sie waren also versicherungspflichtig. Denselben wurden Ende vorigen Jahres eröffnet, „das Gehalt würde entsprechend erhöht werden", sie brauchten sich nicht zu versichern. Die Betreffenden erhofften nun eine wenn auch nicht bedeutende Gehaltserhöhung; diese „Zulage" ist jetzt mit drei Mark jährlich eingetroffen. Die vom Chef zu tragende Verficherunshälfte hätte 15 Pfennige X 52 ----- 7,80 Mark gekostet. Der sparsame Chef profitirt somit bei dieser Zulage noch 4,80 Mark jährlich.
□ Soden, 13. Februar. Gestern besichtigte unser hochwürdigster Herr Bischof in Begleitung, des Herrn Prälaten Dr. Komp die Kirche dahier. Dieselbe wurde mit Rücksicht auf die Seelenzahl als zu klein anerkannt und ein Neubau als wünschenswerth bezeichnet. In Romsthal, wohin sich der hochwürdigste Herr nach längerem Aufenthalte in Soden begab, wählte derselbe einen sehr gelegenen Bauplatz für das neue Pfarrhaus
aus. Sowohl in Soden als in RomSthal war man sehr erfreut über den hohen Besuch und hatte es in beiden Orten auch an äußeren Kundgebungen nicht fehlen lassen.
-k Orb, 13. Februar. Herr Rentmeister Munk bringt Folgendes zur öffentlichen Kenntniß: Bürg- scheine von solchen Personen, die mit ihren Ehefrauen in Fuldaischer allgemeiner Gütergemeinschaft leben, dürfen nur dann angenommen werden, wenn die Ehefrau gerichtlich ihre Einwilligung zu der Bürgschaftsleistung gegeben hat. Lebt der Bürge etwa nicht in Fuldaischer allgemeiner Gütergemeinschaft mit seiner Frau, so ist dies am Schlüsse des zum Bürgschein ausgestellten Attestes zu bemerken. In diesem Falle werden die Bürgschcine nach wie vor angenommen und die Holzabsuhrscheine ausgegebcn.
Hauau, 12. Febr. Dem hiesigen „Anz." wird aus zuvcrläjpger Quelle mitgetheilt, daß von der Budgetkommission des Reichstags 500 000 M. als zweite Rate (erste Baurate) für den Bau einer Kavallerie- kaserne in Hauau und 16000 M. für Grunderwerb und Entwurf des Proviantamlbaues genehmigt sind. — Die älteste Diamantschleifern der Gebrüder Houy stellte am letzten Sonnabend ihren gesammten Betrieb ein, da vezügilch des Lohntarffs zwi;chen den Principalen und dem Arbeiterpersonal Differenzen entstanden waren, die nicht ausgeglichen werden konnten. Infolge dessen erklärten die Besitzer, lieber gar nicht mehr, als mit Verlust arbeiten zu lassen, und kündigten ihrem sämmtlichen Personal.
Aus Knrhessen, 13. Februar, wird der „Franks. Ztg." gelchriebcu: Ende des Jahres 1889 wurden in einer Reihe von Städten Kurhessens plötzlich durch Verfügung bi§ Herrn Ministers die noch bestehenden staatlichen Handwerks- ober Fortbildungsschulen geschlossen, was damals einiges Aussehen erregte. Nunmehr unternimmt die Königliche - Regierung zu Kassel Schritte, um die Umwandlung der noch vorhandenen staatlichen Fortbildungsichulen in kommunale Anstalten in die Wege zu leiten. Zu den Kosten der solchergestalt um- gewandelten Schulen steuert die Regierung jährlich zwei Drittel bei, wählend ein Drittel von den betr. Städten zu üben e^men ist.
Fulda, 10. Febr. Ein raffinirtes Gaunerstückchen, das auf Uebung in dieser Branche hindeutet, wurde in dem Verkaussladen eines hiesigen Damen-Konfektionsgeschäfts ausgeführt. Am vergangenen Sonntag in der Abenddämmerung trat ein junges Mädchen von hier, welches vorgab, bei einer bekannten Herrschaft bedienstet zu sein, in das obenbezeichnete Geschäft und ließ sich eine Anzahl besserer Mäntel zur Auswahl vorlegen. Nachdem sie mehrere anprobirt hatte, bat sie den Geschäftsinhaber, ihr doch drei Mäntel mit nach Hause zu geben, da sie dieselben auch ihrer Herrschaft einmal zeigen wollte. Der Geschäftsinhaber mochte der Person ihre unehrlichen Absichten wohl vom Gesicht ablesen könne», willfahrte darum ihrem Wunsche, nicht, sondern schickte einen Lehrjungen mit, der die Mäntel der Herrschaft selbst vorlegen sollte. Unterwegs ersuchte das Mädchen den jungen Mann, ihm einen näher bezeichneten Mantel, der ihm am besten gefalle, einzu- händigen, um ihn seiner Freundin zeigen zu können, die in der Nähe wohne. Der junge Mann lehnte dieses jedoch entschieden ab mit der Begründung, daß das Fräulein ja mit zur Herrschaft gehen könne und sie dasselbe nui rufen möchte. Das Dienstmädchen ging anscheinend darauf ein, bat den Lehrling, einige Minuten zu warten und verschwand dann im Innern eines großen Hauses. Der Lehrling wartete länger als eine Viertelstunde und ging dann in das Haus, um die vermeintlichen Freundinen zu fragen, warum sie ihn denn so lange warten ließen; hier aber wurde ihm bedeutet, daß im Hause gar kein Dienstmädchen sei. Froh, der Gaunerin die Mäntel nicht überliefert zu haben,' lief er spornstreichs nach Hause, um das Vorgefallene zu erzählen, erstaunte aber nicht wenig, daß das Mädchen nochmals dagewesen sei und sich zwei weitere Mäntel haben geben lassen, weil die ersteren der Herrschaft nicht gefielen. Die Spitzbübin war durch den Hinterhof in eine andere Straße und von da wieder in's Geschäft geeilt, wo ihr, da der junge Mann noch nicht wieder zurück war, die Mäntel ohne Weiteres eingehändigt worden waren. Die Polizei, die sogleich hiervon verständigt wurde, entdeckte noch am