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SchlWernerMmg

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Jf 8. Mittwoch, den 28. Januar 189L

Zum Geburtstage Kaiser Wilhelms II.

Ein schöner Tag: von Deuschlands ^Himmel

Lacht er dem deutschen Volke heut',

Das seine Wünsche, all' sein Hoffen Dem jugendstarken Herrscher weiht.

Der in des Ruhmes Lorbeerkränze, Die einst sein tapfrer Ahn' erfocht, Auf Frankreichs blutgetränkten Feldern, Des Friedens schlichte Palme flocht.

Der fest in jedes Schicksals Stürmen Auf seines Volkes Treue baut, Auf seinen Gott, sein Schwert vertrauend, Gerüstet in die Zukunft schant!

Was sie uns bringt, daß weiß nur Einer,

Er schütz' mit seiner Vaterhand, Germaniens heißgeliebten Kaiser, Das freie, stolze Vaterland.

Daß lange noch ob allen Reichen Der lichte Stern des Friedens glüht, Und segensreich zum Heil der Künste Der schöne Völker-Frühling blüht!

Aus tausend Herzen steiget heute Der Wunsch empor zum Sternenlicht, Und zu dem Schutzgeist Deutschlands fleht Umsonst ein wackrer Deutscher nicht' -

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat sich über den Dienstbetrieb der Eisenbahnen, welchen er bei der improvisirten Fahrt nach Hannover zu beobachten Gelegenheit hatte, mit hoher Befriedigung geäußert und dem Eisenbahvminister v. Maybach seine Anerkennung kundgeben lassen. In dem Befinden der Großherzogin Mutter Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin (der einzigen noch lebenden Schwester Kaiser Wilhelms I.) ist eine Besserung ein« getreten, so daß an eine Gefahr nicht mehr gedacht wird.

Frhr. v. Lucius, der frühere Landwirthschafts- ministcr, stellte den Betrag des vielberufenen, ihm seinerzeit erlassenen Fiedeikommißstempels (30,000 Mk.) dem Kaiser zur Verfügung. DerBörsenkurier" will wissen, der Kaiser habe die Summe dem Baufonds für die Erinnerungskirche überwiesen.

Jm preußischen Abgeordnctcnhause ist von dem polnischen Abgeordneten Motly mit Unterstützung ver­schiedener Parteien die bereits angekündigte Inter­pellation an die Regierung eingebracht worden, ob und welche Maßregeln, neben den bis jetzt getroffenen, die­selbe angesichts der durch falsche Vorspiegelung gewissen­loser Agenten hervorgerufenen und im Frühjahr allem Anschein nach in vermehrtem Maße drohenden Massen- auswandcrung nach Brasilien zu ergreifen gedenke.

Die Wehrkraft in Stadt und Land. Der Um­stand, daß auch die letzte Volkszählung wieder ein unverhältnißmäßig stärkeres Anwachsen der städtischen als der ländlichen Bevölkerung nachweist, gab einem Mitarbeiter desGrenzdoten" Veranlassung, der dem praktischen Militär bekannten Thatsache, daß der Mann­schaftsersatz aus der städtischen Bevölkerung nicht nur weit weniger zahlreich ist als aus der ländlichen, sondern daß auch die letztere an körperlicher Tüchtig­keit der städtischen durchschnittlich bedeutend überlegen erscheint, mit einer statistischen Untersuchung näher zu treten. Der Verfasser, Hans Jdel, hat im nordwestlichen Theile von Deutschland seine Zahlungen und Vergleiche angestellt, und gelangt zu folgendem Erg bnisse:In den Städten werden durchschnittlich in jedem Jahre Nur 3,8 waffenfähige Männer auf jedes Tausend der Bevölkerung gefunden, auf dem platten Lande (einschließlich der Städte, die keinen eigenen Stadtkreis bilden) nicht weniger als 9,8. Das heißt also mit anderen Worten: Die Landbevölkerung ist für die Wehrkraft der Nation dreimal mehr werth als die städtischel" Der Verfasser hat bei seiner Berechnung die Durchschnittszahlen für Städte über 100000 Einwohner sticht in Ansatz gebracht, weil sie dir Wagschale der

städtischen Bevölkerung allzu tief niedergedrückt hätten. Ob wirklich das Mißvcrhältniß so erstaunlich groß ist und zwar als Regel für ganz Deutschland, müßten wohl erst noch genauere statistische Untersuchungen ergeben. Jedenfalls ist so viel gezeigt, daß eine zu­nehmende Entvölkerung des platten Landes, der Zug nach den Großstädten, die ernstesten Bedenken, und nicht bloß vom Standpunkte unserer Waffenfähigkeit aus, erweckt.

Ein interessantes Bild von Berlin entrollt die Kri­minal-Statistik, welche das soeben erschienene statistische Jahrbuch der Stadt Berlin enthält. Aus den Er­hebungen des Kaiserlichen Statistischen Amtes, sowk aus den Akten der Ministerien, des Polizeipräsidiums u. s. w. hat das Jahrbuch für das Jahr 1888 folgende Daten festgestellt: In jenem Jahre sind 12,719 Personen wegen Verbrechen und Vergehen verurtheilt worden, ganz abgesehen von den wegen Uebertretungen Verur- theilten. Von diesen 12,719 Personen waren 4689 (36,8 v. H.) vorbestraft. Die Verurtheilung erfolgte bei 2084 Personen (darunter 167 Frauen) wegen Ver­brechen und Vergehen gegen Staat, Religion und die öffentliche Ordnung, bei 4171 (darunter 997 weibliche) wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Person, bei 6432 (1511 weibliche) wegen Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen, und bei 32 Personen (2 weibliche) wegen Verbrechen und Vergehen im Amte. Was speziell die Berliner Spitzbuben betrifft, so wurden im Laufe des Jahres 3238 verurtheilt, darunter 313 wegen schweren Diebstahls und 3 wegen Raubes. Die Zahl der verbrecherischen Frauen war, abgesehen von dm fast ausschließlich diesem Geschlecht eigenen Verbrechen, wie Kindcsmord, Aussetzung rc., überwiegend bei Todt­schlag (2 Frauen unter 3 Verurthcilten), Menschenraub und Entführung, Brandstiftung, dann besonders bei Kuppelei (221 oder 49 v. H-), Beleidigun g (506 oder 34,3 v. H.), einfacher Hehlerei (68 oder 26,5 v. H.), einfachen Diebstahl (709 oder 24 o. H.) rc. Weniger üls 18 Jahre alt waren 1085 der Verurthcilten. Einen besonders hohen Beitrag stellte diese Altersklasse zu den Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen (15 v. $.); besonders war sie bei schwerem Diebstahl mit 103 oder 32 v. H. aller Verurthcilten betheiligt. Dem Kriminal­kommissariat waren im Laufe des Jahres 34,326 An­zeigen über vorkommende Verbrechen und Vergehen er­stattet worden. Unter 2091 wegen Diebstahls cinge- lieferten Personen befanden sich 499 Einbrecher. Das Verbrecheralbum enthielt 5923 Photographien, und zwar von 40 Mördern, 1342 Einbrechern, 574 Taschendieben, 271 Ladendieben, 478 Schlafstellendieben, 257 Bauern­fängern, 498 Betrügern und Hochstaplern, 256 Boden-, Kolli- und Paletotdieben, 586 Prostituirten, 441 Zu­hältern, 144 Landstreichern und 1046 Verbrechern ver­schiedener Art. Unter Polizeiaufsicht standen 960 Per­sonen, unter sittenpolizeilicher Kontrole 3392. Bettler wurden im Polizeibezirk Berlin 15,388 aufgegriffen, darunter 1156 Weiber und 269 Kinder. Davon wurden 1524 mit Besserungshaft belegt.

Der L Mai, so schreibt triumphirend der Vor­wärts, ist innerhalb der letzten drei Monate von sieben europäischen Arbeiterkongrcssen als dauernder Festtag der Arbeiter bestätigt und anerkannt worden: von den beiden französischen Kongressen zu Lille und Calais, von dem deutschen Parteitag zu Halle, von dem spanischen Kongresse zu Bilbao, von dem belgischen Kongreß zn Brüssel, von der österreichischen Konferenz zu Brünn und von dem portugiesischen Kongreß zu Lissa­bon. Da auch die italienischen Arbeiter, so weit sie organisirt sind, den 1. Mai feiern werden, da die amerikanischen Arbeiter den 1- Mai als F.sttag haben und da die englischen Arbeiter zum Theil den 1. Mai zum Theil den 1. Sonntag des Mai festlich begehen werden, so kann der 1. Mai jetzt endgültig als inter­nationaler Festtag der Arbeiter betrachtet werden als solcher festgesetzt, der Bourgeoisie und allen übrigen Rcaktionairen zum Trotz, durch den souoerainen Willen der Arbeiter aller Lände,. (Oder Agitatoren?)

In Bayern macht sich wieder eine Bewegung bemerkbar, die den Zweck verfolgt, den Plinzregenten anläßlich seines 70. Geburtstages zum König aus- zurufen.

Aus München wird geschrieben: Das Vorkommen der Maul- und Klauenseuche bei einigen Transporten österreichischen V.ehes im Nürnberger Schlachthause

giebt unsern Agrariern eine willkommene Veranlassung, auf die Gemeingefährlichkeit der erleichterten Einfuhr- bestimmungen hinzuweisen. Nun steht aber fest, daß das Vieh fraglicher Transporte vor der Grenzüber- schreitung in Passau Veterinär untersucht und für seuchenfrei ei klärt worden ist, weshalb wohl der Ver­muthung Raum gegeben werden darf, daß die An­steckung auf dem Transport im Jnlande erfolgt sei. In München gehört es nicht zu den Seltenheiten, daß gesunde, dem Schlachthof zugelriebene Thiere ganz plötzlich dort erkranken, und nach demVaterld." soll es eine bekannte Thatsache sein, daß vielfach über die Ansteckungsgefahr des Münchener Viehhofs ge­klagt wird.

Hamburg, 24. Januar. Eine von 400 Personen besuchte Vcrsamlung von Arbeitslosen nahm die Resolution an, den Senat um Erlaß eines Nothstands- gesetzes zu ersuchen. Das Elend wird als furchtbar geschildert. Mehrere Familien leben von Kartoffel- schalen. Trotzdem bisher 85,000 Mark an Unter­stützungen eingegangen sind, dauert der Nothstand fort.

Bremen. Der Nordd. Lloyd in Bremen hat, um der Hamburgischen Konkurrenz begegnen zu können, den Passagepreis für das Zwischendeck um 20 Mark ermäßigt.

Lübeck, 17. Januar. Vor einigen Tagen kaufte ein Lübecker Kunstfreund eine echteStain er- Geige , nach Mittheilung desLüb. Anzeigers", für den Preis von 3000 Mark, und allgemein ist man der Ansicht, daß der Käufer die Geige sehr billig erstanden habe. Jacob Slainer aus Absam in Tirol (geb. 1621, t 1683) ist der Vater der deutschen Geige; die gründ­lichsten Kenner geben seinen Instrumenten unbedingt den Vorzug vor den Cremoueser Geigen. Im Anfänge unseres Jahrhunderts waren Stainersche Geigen für 500 Dukaten immerhin noch erhältlich, aber auch da­mals schon feit Jahren sehr gesucht, was am deutlichsten aus der 1791 in Spitzer erschienenenMusikalischen Korrespondenz" erhellt. Dort ist zu lesen, daß Graf Wenzel Trauttmannsdorff einst Kaiser Karl VI., König Friedrich Wilhelm von Preußen und andere Fürsten bei sich zu Besuch hatte und mit gewaltigem Auswande für die Unterhaltung seiner Gäste zu sorgen suchte. Unter anderen berühmten Künstlern hatte er auch die berühmte und liebreizende Faustina mit ihrem Reife- gefahren Mauro Alesti kommen lassen, damit sie seinen Gästen ein Konzert geben sollten. Alesi besaß eine wundervolle cremonefer Geige, welche der Graf für fernen Kammermusiker Georg Stesitzky erwerben wollte. Er bot dem Besitzer eine wahrhaft fürstliche Bezahlung dafür allein umsonst. Da meldete sich bei dem Grafen ein alter Geigenkünstler mit einem Instrumente von Stainer und spielte so wunderbar, das kein Mensch mehr an die cremonefer Geige dachte. Der Graf be­schloß sofort, die Geige des alten Mannes zu erwerben, und nach langen Unterhandlungen kam der Kauf unter folgenden Bedingungen zu Stande: 300 Gulden baar, lebenslängliche freie Kost nebst ein Glas Wein, zum Nebentrunl zwei Fässer Bier, freie Wohnung, freies Licht und Holz, ferner jährlich einen neuen Anzug und so viele Hasen, als der alte Geiger für seinen Bedarf nöthig hätte. Der alte Mann lebte noch 16 Jahre, und nach seinem Tode bering die Summe dessen, was er an Geld und Naturalverpflegung aus der Traultmannsdorff'schen Kasse bezogen hatte, 10 380 Gulden. Die Geige existirt noch, und ihr Werth wird nicht minder hoch angeschlagen. Zum letzten Male wurde sie öffentlich im Jahre 1854 bei der Vermäh­lung des Kaisers Franz Joseph von Oesterreich gespielt.

Oldenburg, 20. Januar. Vier hiesige Emwohner fröhnen der Badclust in solchem Maße, daß sie auch bei der jetzigen Witterung jeden Morgen in der Hunte ein kaltes Bad nehmen. Das Eis muß natürlich jedes­mal frisch aufgehauen werden. Der eigenartige Sport zieht regelmäßig eine große Zahl von Zuschauern her­bei. Die Bäder sind den Leuten bis jetzt vorzüglich bekommen.

Bei Jülich fiel dieser Tage eine Hebamme in Folge des Glatteises auf dem Wege zur Kirche mit einem Täufling. Die Hebamme brach einen Arm und das Kind, auf welches sie gestürzt, blieb sofort todt.

Düsseldorf, 23. Jan. Der Rhein, ist auch hier in einer Ausdehnung von mehreren Meilen zum Stehen gekommen. In Folge der starken Krümmungen ist die