einnehmern an das Publikum übergehen. Das Zusammenspielen von Privatpersonen verbietet der Antrag nicht, nur den gewerbsmäßigen Handel mit Loosen.
Fulda, 18. Jan. Wie man dem „Fld. T." aus dem Kreise Hünfeld mittheilt, zirkulirte dieser Tage in sämmtlichen Gemeinden genannten Kreises eine Petition, welche die Verlegung des Landgerichtes von Hanau nach Fulda bezwecken soll. Sämmtliche Ortsbehörden ohne Ausnahme unterstützten die Eingabe durch Unterschrift und Ortssiegel. Wie dasselbe Blatt weiter erfährt, soll auch von Seiten des Magistrats zu Fulda eine gleiche Petition aus den Kreisen Fulda und Gcrs- seld an die zuständige Behörde in Kassel abgegangen sein.
Hersfeld, 18. Januar. Heute Morgen fand in der Clausstraße ein Schuhmacher ein Stück Holz, das er mit sich nahm, um es in den Ofen zu stecken, jedoch ging dasselbe nicht in den Ofen hinein und mußte erst gespalten werden. Hierbei ergab sich, daß dasselbe stark mit Pulver angefüllt war. Die Polizei ist mit der Untersuchung des Falles beschäftigt.
o. Nentershausen, 18. Jan. Freitag Nachmittag den 16. ds. Mts. wurde der Förster Forst zu Erdmanns- hein zwischen Erdmannshein und Lindenau todt auf- gefunden. Derselbe war um 3 Uhr aus seiner Behausung weggegangen um den Bauern Leister zu Lindenau zu besuchen, und hatte nach Weidmannsgebrauch sein Gewehr mitgenommen, mit der Aeußerung seiner Frau gegenüber, „im Fall mir ein Fuchs oder dergleichen in den Weg kommt." Der Unglückliche muß durch einen Sturz die Entladung seines Gewehres herbei geführt haben, denn der Lauf, welche mit Schrot geladen war, war leer und der Schuß war demselben in den Kopf gedrungen, wogegen der Lauf, welcher mit einer Kugel geladen war, seine Ladung noch besaß. Um 4 Uhr wurde der Ehefrau des Forst die Leiche ihres Ehemannes von einem Lindenauer Bauern schon zurückgebracht. Der Unglückliche hinterläßt Frau und 4 Kinder.
Aus Oberhessen, 20. Jan. Die Kälte ist in unserer Provinz besonders bemerkbar. Das Thermometer sank in einzelnen Gegenden auf — 20° R. Der Erdboden ist strichweise bis zu 1'/, Meter Tiefe gefroren- Die Lahn hat bei Gießen eine 60 cm dicke Eisdecke. Großen Schaden haben die Obstbäume gelitten; die Schuld daran tragen hauptsächlich die Temperaturstürze.
FrankenLerg, 10. Januar. Im hiesigen Kreise ging ein Mann auf die Jagd und wollte einen der wilden Schwäne schießen, die jetzt durch die Kälte bis in unsere Gegend kommen. Der Schütze erlegte auch einen, mußte aber bald inne werden, däß er eine gewöhnliche Gans geschossen hatte, die vor einem heran- fahrenden Schlitten auf die Eder geflüchtet war.
Marburg. 19. Januar. Die vollständig neu eingerichtete chirurgische Klinik zu Marburg nimmt seldst- zahlende Kranke zum Preise von 3 Mark, 4 Mark und 1,50 Mark täglich, bei monatlicher Vorausbezahlung, für 3 verschiedene Klassen jederzeit auf, soweit der Platz reicht. Arme aus den 4 Kreisen Marburg, Kirch- hain, Ziegenhain und Frankrnberg werden auf ein Armuthszeugniß ihres Gemeindevorstehers ebenfalls ohne Weiteres ausgenommen, wenn ihre Krankheit sich für die Klinik eignet. Aber auch für die Armen anderer Landstriche ist, nach der „Oberh. Ztg.", durch Schaffung einer ausreichenden Anzahl von Freibetten gesorgt worden; nur müssen dieselben vorher anfragen und außer einem Armuthszeugniß ein ärztliches Attest einsenden.
Bieder, 15. Jan. Gestern Mittag verunglückte im hiesigen Bergwerk durch eine Rutschung der 27jährige Arbeiter Beda Grob. Nach 24stündiger rastloser Arbeit gelang es endlich, denselben todt aus dem Schütte an das Tageslicht zu fördern. Dieser traurige Fall wird hier allgemein bedauert, indem der rc. Grob als ein sehr fleißiger und braver Arbeiter bekannt ist. Er hinterläßt eine Wittwe und drei unmündige Kinder.
Hanau, 18. Januar. Heute Nachmittag um 3 Uhr wurde vor Tausenden von Zuschauern vom Küfermeister Weigler ein Faß auf dem Eise des Mains angefertigt, wobei auch eine Musikkapelle concertirte. Als das Faß nach aller Vorschrift fertig war und an das Land verbracht wurde, strömten die Menschen tu Massen nach, aber ehe noch das Ufer erreicht wurde, mußten wohl 15 an der Zahl ein unfreiwilliges Bad nehmen und ist es ein großes Glück, daß Niemand ertrunken ist, denn viele hatten bis unter die Arme im Wasser gesteckt. In der Nähe des Ufers ist öfters geeilt worden, und an einer solchen von Schnee bedeckten Stelle waren die Leute eingebrochen. Auf der durch die allgemeine Panik alsbald leer gewordenen Strecke sah man herrenlos Hüte, Stöcke, Schirme rc. liegen.
Ausland.
Paris, 19. Januar. Das Thermometer zeigte heute in Maeon 14, in Tours 15, in Toulouse 20, in Setif (Algerien) 12 und in Pnpignan 9 Grad unter Null. In den südlichen Departements sind mehrere Flüsse zugefroren, was seid ca. 30 Jahren nicht der Fall gewesen ist. — Bei Beaueaire läuft man auf der Rhone Schlittschuhe. Die Häfen von Toulon und La Sehne sind mit Eis bedeckt, ein Umstand, der cit Menschengedenten in Toulon nicht vorgekommen ist.
In der Umgebung von Perpignan sind' meehrer Personen erfroren. Der Eisenbahn- und andere Verkehr ist mehrfach unterbrochen. Das vom Algier kommende Packetboot „Afrique" ist in Port-Zendres (Depart. östliche Pyrenäen) mit Eis bedeckt angekommen. Heftige Orkane und ungewöhnliche Kälte herrschen auch in ganz Spanien. In Saragossa sind 14 Grad Kälte.
New-Uork, 16. Januar. Der Gouverneur des Staates New-Iersey hat die vom deutschen Gesandten in Washington, Grafen Arco-Valley, verlangte Untersuchung der mit der im October v. I. stattgefundenen Verhaftung einiger Heizer an Bord des norddeutschen Lloyddampfers „Elbe" seitens der Polizei von Hoboken verknüpften Umstände eingeleitet. Im Verlaufe einer Unterredung mit einem Vertreter der Presse soll der Gouverneur geäußert haben, die ganze Angelegenheit sei auf die Thatsache zurückzuführen, daß weder die Polizei, noch die Offiziere und Mannschaft der „Elbe" mit dem Stand des Gesetzes genügend vertraut waren. Der Staatssekretär Blaine werde voraussichtlich der deutschen Regierung eine Genugthuung geben, welche dieselbe zweifelsohne als hinreichend erachten würde.
In Argentinien stiehlt alles, vom Präsident bis herab zum Grenzwächter. Der Postdirector in Buenos Ayres hat in seiner nur vierjährigen Amtszeit schon 25 Millionen Mark unterschlagen. Er „entnahm" einfach jeden Tag etlichen Geldsendungen den Inhalt und „ersetzte" ihn mit Brief- und sonstigen Stempelmarken, die er sich mit in seiner Wohnung arbeitenden Maschinen selbst fabricirte. Ein sehr einfaches Verfahren, sich Millionen zu „machen"! Der Präsident selbst versteht's aber noch besser, er hat sich bereits 500 Millionen Staatsgelder „angeeignet", mit denen Eisenbahnen und dergleichen Luxussachen hätten erbaut werden sollen. Sehr erbaulich.
3« Kreuz gekrochen. Erzählung von Carl Cassau.
(Fortsetzung.)
Aber nun kommt ein Stück in unserer Geschichte von dem bekannten Märlein, das ewig neu bleibt und so manchem das Herz zerbricht, Bruno, der stolze Bruno hatte sein Herz an die „Prinzessin" verloren. Erwiderte Ilse seine Neigung? Bruno war jetzt Hülfs- prediger in Weilensteiu, eine Meile von Langendorf, und „cum spe sucredendi“ angestellt. Ilse Wiedersehen und sein Herz an sie verlieren war eins. Sie schien ihm geneigt — aber ihre Mutter, ihr Vater? Was sollte da werden bei dem bittern Haß zwischen den Familien? Auf der anderen Seite bestand eine, offene Zuneigung zwischen Philipp nnd seiner Cousine Margareth. Dieses ahnte nun Ohm Christoph; er hinderte die Sache nicht, aber er seufzte oft und wandte den Kopf ab, wenn Philipp heimlich am Grenzzaun stand und mit Margareth, dem lieben einfachen Mädchen plauderte. Wer sich nun einfand, das waren Bruno und Philipp. Sie wurden Freunde, vertrauten sich wechselseitig ihr Geheimniß und schworen sich Freundschaft und gegenseitigen Beistand. Den lieben Lesern darf ich nun auch noch verrathen, daß Herr Ahlers in der Mühle ebenfalls einen Magneten gesunden hatte, nämlich die kleine Lisa, die jetzt ein stattliches junges Mädchen geworden war. Herr Christoph und Frau Dörte sahen das nicht so ungern, nur hatten sie noch Bedenken wegen Lisa's Jugend.
Soweit wäre nun alles gut gewesen, wenn nicht die Feindschaft zwischen den Steffens gewesen wäre.
An einem warmen Sommerabend hatte sich Philipp auch wieder an die Grenzhecke geschlichen und tauschte mit der Margareth Licbesworte aus ; da stand plötzlich Herr Jakob hinter seinem Sohne, schlug in höchster Wuth nach ihm und schrie seine Nichte an: „Du infame Schlange, willst Du mir den gutmüthigen Jungen auch in Eure frommen Schlingen locken?"
Sprachlos stand Margareth da; dann entgegnete sie weinend: „Was habe ich Dir denn gethan, Ohm, daß Du mich so beschuldigst? Schäme Dich, daß Du uns verfolgst!" Damit verschwand sie in der Dämmerung. Jakob Steffens aber ging in sich gekehrt heim
Am nächsten Sonntage ließ der Ktosterhofbauer «n= spannen; es ging nach Meilenstein zur Predigt; denn Bruno Steffens machte von sich reden. Ilse hatte die Fahrt veranlaßt und der gutmüthige Bauer war gleich dazu bereit. Ilse und Frau Eva nebst ihrem Bruder fanden in einem Stuhle bei Bekannten Platz, als sie die Kirche betraten; Bruno aber hatte sie gleich gesehen. Er predigte von dem „Schalksknechte" und fand dabei Gelegenheit, Ilse und Frau Eva ins Herz zu reden; mit den Frauen zu sprechen, fand er keine Gelegenheit.
Seit diesem Tage aber ging mit Ilse eine Wandlung vor. Schon Tags darauf trat sie zu dem Ohm und sagte: „Erlaubst Du, daß ich von jetzt an Deine Küche führe?"
Der Klosterbauer war noch unvermählt, und so war es ihm recht. Zum Erstaunen Aller tüibete sich Ilse von da an höchst einfach und beschäftigte sich Tag für Tag mit dem Haushalt. Frau Eva sah ihre Tochter öfter fragend an, aber Ilse blieb verschlossen. Sie war es ja gewöhnt, ihre eigenen Wege zu gehen Und so blieb der Mutter der Tochter innere Wandlung ein
Geheimniß. Von dieser Zeit an fuhr man öfter nach Weilensteiu und nun fand der junge Pastor auch Gelegenheit, mit Ilse zu sprechen. DaS junge Mädchen hatte einen guten Kern in sich und sagte ihm gerade heraus: „Bruno, sprich mir nicht von Lieb e , ich bin Deiner nicht würdig; zuerst laß mich eine Andere werden, dann suche die Eltern miteinander auszusötznen und dann — dann will ich die Deinige sein!"
„Gut," entgegnete der junge Geistliche darauf, „ich nehme es für ein Versprechen, Ilse. Und was die Eltern betrifft, so soll es mein heißestes Bemühen sein, in dem alten Haß Wandel zu schaffen, obschon das schwer halten wird.
Von da ab nahm das Verhältniß zwischen Beiden seinen ruhigen, natürlichen Verlauf, der Welt aber blieb es ein Geheimniß.
In der Thalmühle war es friedlich, wie sonst; doch ging Christoph Steffens sorgenvoll umher, denn mit Jakob stand es zum Schlimmsten.
Da trat eines Abends spät ein ganz unerwarteter Gast ein, der alte Veiten. Weinend reichte er dem Sohne die Hand, der ihn freudig erregt zum Lehnstuhl führte. Und nun erleichterte der Alte sein Herz, indem er erzählte, wie sogar er und Frau Lene Noth litten, da das „Altentheil" schon lange nicht mehr gezahlt werde.
„Also so schlimm geht es bei Euch zu?" fragte da Christoph traurig. „Armer Vater! .Arme Mutter! Armer Jakob!"
„Den bedauere nur nicht!" rief Vater Velten aus. „Er ist an allem schuld; jetzt sehe ich es ein."
Christoph schwieg eine Weile; dann versicherte er: „Ich will ihm helfen, aber er muß erst ganz mürbe sein; daß Ihr keine Noth leidet, dafür soll schon gesorgt fein !"
Jetzt kamen auch der alte Zimmermann, der Herr Pastor und Herr Ahlers dazu, und der alte Velten konnte sich nun davon überzeugen, daß unter dem Schirm des Höchsten besser ruhen ist, als unter weltlichem Sorgen und Trachten. So hatte er sich das Zukreuzkriechen nicht gedacht, und lebhaft erinnerte sich dabei der alte Bauer dcs Gesprächs mit Herrn Pastor Klaus, als er Frau Lene in sein Haus führte, und jetzt schämte er sich seiner damaligen Rede. Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen; er selbst war nicht ohne Schuld an dem Unglück, welches dem Erlenhofe drohte, denn hätte er damals andere Seiten angeschlagen, wer weiß — ? Aber der Herr Pastor hatte das alles wohl vergessen, denn kein Wort, kein Blick erinnerte daran, und Velten befand sich so wohl, wie noch nie. Bald folgte ihm Frau Lene in die Mühle; dann fand sich auch Philipp ein, und alle waren froher und glücklicher, als sie je gewesen.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
— Ein versetz intes Wort. „Es ist mir in unserer Sprache nichts widerlicher," sprach ein deutscher Professor, „als das Wort „machen". Denn was sonst als, Faulheit ist es, daß man das Wort „machen" fürjdeS andere Zeitwort substituirt? Das Herz möchte einem brechen, wenn man unsere schöne und reiche Sprache durch dieses Wort so verunstaltet sieht. Denn wirklich: Früh, wenn es Tag macht, macht sich der Bauer aus seinem Bette heraus. Er macht die Kammerthür auf und macht sie wieder zu, um sich an sein Tagewerk zu machen, dessen Anfang damit gemacht wird, daß man Feuer macht, um vor allen Dingen Kaffee zu machen. Das Weib macht unterdessen die Betten, sie macht die Stube rein, macht Ordnung und macht sich die Haare. Wenn sie zu lange macht, macht der Mann ein saures Gesicht. Daraus macht sie sich freilich nicht viel, aber gutes Blut macht es doch auch nicht, wenn einem immer die Bemerkung gemacht wird: Mache, daß du fertig machst, ich kann sonst vor Aerger nichts machen. Als er sich auf den Weg machen will, um aus den Butt- stätier Markt zu machen, macht es ein so greulich:S Schneewetter, daß er nicht weiß, was er machen soll u. s. w. Ei so macht ihr Deutschen eurer verwünschten Macherei ein Ende!"
— Fatale Druckfehler. Er stand befummelt am Fenster und dachte über sein trauriges Loos nach. — „Herr Kapellmeister Meier ist zum Jammermusiker ernannt worden." — „Der Landesherr wurde beim Betreten unseres Städtchens von einer Anzahl weiß- gekrüdeter Jungfrauen empfangen.
— Ein Trost. Frau: Ach, Herr Doktor, mein armer Mann ist wohl schwer krank?" Arzt: „Ja, aber trösten Sie sich, seine Krankheit ist von hohem wissen« schaftlichen Werth.
—- Arglist eines Adjutanten. Die drei letzten ®6 Herrscher Kurhessens waren bekanntlich sehr sparsam, um einen gelinden Ausdruck zu gebrauchen. Der erste unter ihnen pflegte, wenn er einen Spaziergang machte, in die eine Westentasche einen LouiSdor, in die andere ein Fünfgroschenstück zu stecken. Eines Tages sprach ihn ein Bettler um eine Gabe an, und der hohe Herr reichte ihm großmüthig ein Goldstück. Schon war der Bettler ziemlich weit entfernt, als der Kurfürst der Sicherheit halber seine Taschen revidirte und voll Schrecken bemerkte, daß er sich vergriffen haste