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weis liefern, daß sie während der Jahre 1888 bis 1890 mindestens 141 Wochen in einem die Versicherungs- Pflicht begründeten Dienstverhältniß gestanden haben. Es mag jedoch ausdrücklich hervorgehoben werden, daß zur Erhebung des Anspruchs auf den Bezug einer Altersrente nur diejenigen über 70 Jahre alten Per­sonen berechtigt sind, welche noch am 1. Januar 1891 der Bersicherungspflicht unterlagen. Alle Personen, welche beim Inkrafttreten deS Gesetzes bereits invalid waren, unterliegen der-Versicherungspflicht nicht, sie haben deshalb aber auch keinen Anspruch auf Alters­rente. Die niedrigste Altersrente beträgt jährlich 107 Mark 40 Pfennig, die höchste 191 Mark. Den An­spruch auf diese Beträge erhalten alle diejenigen Ver- sicherungSpflichtigen, welche während desselben in daS 71. Lebensjahr eintreten. Die Gesammtzahl der im Jahre 1891 Altersrentenansprüche erhebenden Personen ist amtlicherseitS auf 134,270 geschätzt. Was die In­validenrente betrifft, so ist für die Ansprucherhebung auf dieselbe nach dem Gesetze mindesten ein einjähriger Beitrag die bedeutsamste Voraussetzung. Da das Bei­tragsjahr nur 37 Wochen hat, so ist es möglich, daß auch schon innerhalb der letzten sechs Wochen des Kalenderjahres 1891 Ansprüche auf Invalidenrente erhoben werden. Daß sie jedoch noch in demselben Jahre zur Auszahlung gelangen werden, ist nach dem für die Festsetzung und Anweisung der Renten vorge- schriebenen Verfahren nicht wahrscheinlich.

* Dir Königliche Prüfungskommission der Lehrer an Mittelschulen und der Rektoren ist für das Jahr 1891 aus folgenden Mitgliedern zusammengesetzt: Pro- vinzial-Schulrath Kannegießer, Vorsitzender, RegierungS- und Schulrath Hasse, beide in Kassel, Negierungs-, Schul- und Konsistorialrath Risch in Wiesbaden, Se- minar-Direklor Wiackcr in Schlüchtern, Rcalschul- Direktor Dr. Quiehl in Kassel, Seminarlehrer Franke in Ufingen. Die Prüfungs Kommission tritt in Kassel zusammen. Die Prüfungslermine werden seitens des Königlichen Provinzial - Schulkollegiums veröffentlicht werden.

* Folgende im Regierungsbezirk Cassel belegene Domänen-Vorwerke sollen in den Jahren 1891 und 1892 behufs anderweitiger Verpachtung öffentlich aus- geboten werden: im Jahre 1891: Eichhof im Kreise Hersfeld, 3 km von Hersfeld (Bahnstation), mit 117 Hektaren Acker und 52 ha Wiesen, jetziger Pachtzins 10,408 Mark, künftige Pachtperiode von Johannis 1892 bis 1910; Bellnhausen im Kreise Ziegenhain, 12 km von der Bahnstation Treysa, mit 95 ha Ackcr und 27 ha Wiesen, jetziger Pachtzins 2540 Mk., Pacht­periode vor Johannis 1892 bis 1910. Im Jahre 1892 kommen zur Ausbietung: Cornberg, im Kreise Rotenburg, 2 km von d'er Bahnstation Cornberg, mit 169 ha Acker und 21 ha Wiesen, jetziger Pachtzins 6701 Mk., Koverden im Kreise Rinteln, 5 km von der Bahnstation Hess. Oldendorf, mit 231 ha Acker und 32 ha Wiesen, jetziger Pachtzins 26,911 Mk, JeSberg, im Kreise Fritzlar, 7 km von der Bahnstation Zimmersrode, mit 149 ha Acker und 54 ha Wiesen, jetziger Pachtzins 8945 Mark, Marienrode, im Kreise Homberg, 4 km von der Bahnstation Borken, mit 171 ha Acker und 24 ha Wiesen, jetziger Pachtzins 12,596 M. Die künftige Pachtperiode bei den letzt­genannten vier Domänen geht von Johannis 1893 bis 1911. Die Königl. Regierung wird Pachtlustigen auf portofreies Ansuchen die gedruckten allgemeinen und die besonderen Verpachtungsbedingungen, sowiedieLicitations- regeln für jede Domäne gegen Erstattung der Schreib­und Druckkosten mittheilen. Auch wird von den be­zeichneten Behörden den Pachtlustigen, welche auf be­stimmte Domänen reflectiren, auf Wunsch von den Bietungsterminen, sowie von dem Betrage des nach- zuweisenden Vermögens noch besonders Nuchricht ge­geben werden.

K affei, 1. Januar. Eine lehrreiche Geschichte ist zwei Mädchen hierselbst passirt. Dieselben gingen an einem schönen Herbsttage zusammen nach derGrauen Katze" spazieren und nahmen gegen Abend den Rück­weg über Wolfsanger. In der Nähe von Wolfsanger fand nun daS ältere ein goldenes Armband, welches einen Werth von 20 bis 30 M. gehabt haben soll, und schenkte eS der viel junge, cn Begleiterin. Die Letztere nahm dasGeschenk" auch ohne Weiteres an und trug das Armband die ganzen Monate hindurch, bis neulich, eines Sonntag-, die Eigenthümerin des Armbands in der Kirche dasselbe am Arme deS jungen Mädchens bemerkte. ES wurde Anzeige erstattet und das Arm­band konnte seiner rechtmäßigen Besitzerin wieder zu- gestellt werden, jedoch soll die Sache noch ein gericht­liche- Nachspiel haben.

Kastei, 2. Januar. Nach hier bekannt gegebenen amtlichen Mittheilungen ist die Maul- und Klauenseuche in den letzten Wochen wieder in starker Zunahme be­griffen und hat sich so rasch weiter verbreitet, daß die Landwirthschaft, Viehzucht, Handel und Verkehr ic. in empfindlicher Weise dadurch gestört und tn Mitleiden­schaft gezogen werden. DieS gilt sowohl von den Kreisen OberhessenS, wie von den weiter abgelegenen Gebieten der Provinz Rheinhessen, Starkenburg, Darm­städter Grund und den angrenzenden badischen und bay- xischen Distrikten. Eine große Anzahl Gemeinden sind

von der Seuche heimgesucht, eine lange Reihe von Ge­markungssperrungen ist deshalb verfügt worden. Recht erfreuliche Resultate haben bis jetzt die veranstalteten Sammlungen in ganz Deutschland für das von ehe­maligen deutschen Soldaten dem Kaiser Wilhelm I. zu errichtende Denkmal auf dem Kyffhäuser ergeben. Nach dem neuesten Abschluß der soeben herausgekommenen Sammelliste sind bis jetzt 348 429 Mk. und 25 P:g. eingekommen.

Bolkmarseu, 3. Januar. Dem 7jährigen Josef Meyerhoff hierselbst, durch dessen Geistesgegenwart ein 17jähriges Mädchen vom Tode des Ertrinkens gerettet werden konnte, wurde von dem hiesigen Bürgermeister eine Belobung zu Theil und ihm zur Erinnerung eine Medaille überreicht.

Frankfurt a. M., 31. Dez. Ein Raubanfall wurde in der Wirthschaft zumgroßen Speicher" auf einen Bauer aus Oberhessen gemacht, welcher in unserer Stadt eine Summe von 300 Mark bezahlen wollte. Der Landmann hatte die Unvorsichtigkeit begangen, sich in der genannten Wirthschaft einem fremden Burschen Namens Heidt, der sehr liebenswürdig that, anzushtieß.m und seine Baarschaft blicken zu lassen. Als der Bauer mit seinem neuen Freund zum zweiten Mal dengroßen Speicher" betrat und das Lokal verlassen wollte, wurde er im Hausflur des Wirthshauses von Heidt mit einem Schlagring niedergeschlagen und seines Geldes beraubt. Als der Wirth und Gäste dem Ueberfallenen zu Hilfe eilten, hatte der Räuber schon das Weite gesucht. Weit kam er freilich nicht, denn noch im Laufe des Tages wurde er festgenommen. Allerdings hatte er, wie man derKl. Pr." berichtet, bereits 135 Mark von dem geraubten Gelde ausgegeben.

Offenbach a. M., 4. Jan. Gestern Morgen fanden mehrere Herren bei 12 Grad Kälte zwischen hier und Oberrad im Lehmfeld auf dem Maineis ein Mädchen von ca. 25 Jahren, welches vollständig fest auf dem Eis angefroren und das zwar steif und starr war, aber noch lebte. Das Mädchen wurde nach dem Wartesaal in Oberrad verbracht und dort aufgethaut. Es stellte sich alsbald heraus, daß die Unglückliche von Offenbach stammt, wohin sie durch den Gendarm von Oberrad Herrn Rettz verbracht wurde. Wie man hörte, soll sich das Mädchen absichtlich auf den Main begeben haben, um erfrieren. Die Kranke wurde alsbald im hiesigen Kraukeuhaus ausgenommen.

Ausland.

Ein merkwürdiger Zufall hat, wie aus Beru ge­meldet wird, zu der Entdeckung des Mörders geführt, welcher die unglückliche Anna Fluchiger, deren Leiche vor ungefähr 14 Tagen verstümmelt im Walde von jBrenngarten gefunden wurde, auf die gräßlichste Weise ermordet hatte. Am 24. Dezember forderte auf der Klinik der Universität der Professor der Anatomie alle Studenten auf, ihre Aermel zu einer wichtigen Ope­ration aufzuschürzen. Einer derselben weigerte sich dessen. Endlich entschloß er sich, auf dringender Weisung des Professors, dem Befehle nachzukommen und sis zeigte sich nun an seinem Vorderarm eine eigenthümlich gestaltete Wunde. Der junge Mann verließ sofort daS Zimmer und bald darauf erfuhr man, daß er sich mit einem Revolver erschossen habe. Ein Stück Fleisch, das man zwischen den Zähnen des unglücklichen Opfers gefunden hatte und das in einem Gefäß aufbewahrt war, wurde nun an die Armwunde des Selbstmörders gelegt und siehe eS paßte genau in die Oeffnung. Die Entdeckung hat großes Auf­sehen verursacht.

Wie tdi um den ersten Ureis kam.

Humoreske von Robert Misch.

Ja, meine Herren, was einem Schützen alles passiren kann, das glauben Sie gar nicht! Was ich vor einigen Jahren in Westfalen erlebt habe, das geht doch schon über dir Hutschnur! Hören Sie nur zu ! Vor einigen Jahren also wurde ein großes Provinzialschützenfest in einer kleinen westfälischen Stadt gefeieit und ich ging als Deputation meiner Vaterstadt hin. DaS heißt: Deputation ist ein bischen zu viel gesagt: ich war näm­lich der einzige Vertreter! Ich hatte einen alten Freund und Schützenbruder in dem Nest, Vorstand der dortigen Schützengilde, und den wollte ich gern mal wieder be­suchen. Na, und so einige Tage wieder raus aus dem AlllagStreiben und der Arbeit, daS thut ja auch gut! Ich setze mich also mit hoher obrigkeitlicher Bewilligung meiner Frau auf die Bahn und fahre hin. Großer Festcummel. Empfang am Bahnhof, weißgekleidete Jungfrauen, Festordner, das ganze Nest mit Fahnen und Tannengewinden decorirt Rührung, Jubel! Mein alter Freund Schlurks nimmt mich auf wie einen leiblichen Bruder. Ich wohne natürlich bei ihm. Wir schießen und essen und trinken und trinken und essen und schießen von Morgens bis Abends wäre zu wenig gesagt, denn vor 2 Uhr Nachts sind wir kaum nach Hause gekommen.

Vier Tage dauerte das Fest. Ich war am zweiten Tage schon höllisch müde. Aber ich hatte mächtiges Glück. Einen silbernen Becher hatte ich mir schon er­obert, und an der großen Ehrenscheibe, auf der der

erste Preis herausgeschossen werden sollte, war ich einer der Besten. Noch ein paar glückliche Treffer, und das kostbare Silberbesteck es war ein ganzer, großer Kasten voll Löffeln, Messern und Gabeln war mein !

Na, als denn der dritte Tag vorbei war, sage ich Abends zu meinem Freunde:August, heute wird früher nach Haus gegangen ich will mich zu morgen aus- schlafen, damit ich eine sichere Hand und ein sicheres Auge habe!"

Das sah er denn auch ein, und wir zogen heimwärts, trotzdem es sehr gemüthlich in der großen Halle herging : eS war großes Festconcert, und der Rheinwein und der deutsche Sekt flossen nur so in Strömen. Sie wollten uns auch nicht weglassen und höhnten uns alsPan­toffelbrüder" aus, aber wir ließen unS nicht beirren und rissen uns mit Gewalt los.

Als wir endlich heimkommen, ist die Frau meines Freundes natürlich längst zu Bett.

Weißt Du," sage ich zu ihm,Du kannst mich morgen ausschlafen lassen, damit ich recht frisch und gekräftigt bin. Es macht ja nichts, wenn ich etwas später auf den Festplatz komme; ich schieße doch bioS nach der großen Ehrenscheibe ! Und da fällt mir ein an meiner Büchse ist was kaput . . . schick' sie doch morgen früh schnell zum Büchsenmacher, daß ich sie noch in der Frühe wiederkriege!" Mein Freund ver­spricht mir das auch fest, und ich lege mich beruhigt ins Bett. Es war 'ne alte Knarre, schon längst hatte ich mir'ne neue an'chaffen wollen, aber ich hatte immer die Ausgabe gescheut. Der Hahn ging etwas schwer. Wahrscheinlich hatte sich das Schloß vom vielen Pulver­knallen verschleimt, oder das Oel, mit dem ich es ge­schmiert hatte, war geronnen kurz, die Büchse mußte auseinandergenommen und gründlich gereinigt werden. Natürlich hätte ich das selbst besorgen können, aber ich war so furchtbar müde, und drei Häuser weit wohnte ja ein Büchsenmacher. MUnc liebenswürdige Wirthin stand immer sehr früh auf. Wenn sie die Büchse gleich hinschickte, konnte sie längst zurück sein, ehe ich aufstand.

Ich schlief den Schlaf des Gerechten. Als ich end­lich aufwachte, stand die Sonne schon ganz hoch am Himmel. Herrgott, eS mußte bald Mittag sein. Ich sah nach der Uhr: halb eins! Mein Schreck war nicht klein und mein Aerger noch größer, daß sie mich so lange hatten schlafen lassen. Aber erst um 4 Uhr sollte das Resultat verkündet werden dann solenne- Fest­bankett am Abend wollten die meisten Schützen schon wieder abreisen. Ich natürlich noch nicht! Ich hatte also noch Z it, mir den Ehrenpreis, auf den ich eigent­lich schon sicher rechnete, zu erobern. Herrgott, würde sich meine Alte zu Haus freuen, wenn ich mit dem Kasten zurückkäme die schickte mich dann sicher auf jedes Schützenfest!

Na, ich fahre also in meine Unterhose und wasche mich so nach meiner Gewohnheit. Die Kleider und Stiefel hatte ich zum Reinigen vor die Thür gestellt. Wie ich sie hereinnehmen will, liegt obenauf ein großer Zettel:

Deinem Wunsche gemäß haben wir Dich nicht wecken wollen. Wir gehen voraus auf den Festplatz. Das Mädchen hat auch Urlaub. Den Kaffee mußt Du Dir also auf der SpirituSmaschine selbst kochen; es steht alles im Speisezimmer. Du kannst ihn auch auf dem Festplatz trinken! Schließ daS HauS hinter Dir ab und bringe den Schlüssel mit!

Dein August."

Schön, daS kaun ich ja so machen! Ja, wo sind denn meine Hosen? Herrgott, die Hosen sind nicht da das ist doch merkwürdig! Vielleicht hat sie ba» Mädchen in der Küche vergessen. Ich stürze also in die Küche. Keine Hosen da! Ich durchsuche die ganze Wohnung nirgends meine Hosen!

Meine Herren, sind Sie schon einmal in einer Lage gewesen, in der Ihnen dies nothwendigste Bekleidungs­stück fehlte, gerade wenn Sie sie so nöthig brauchten? Nein! Nun dann können Sie sich auch nicht in meine Lage versetzen! Es wäre vergeblich, Ihnen meine Gefühle schildern zu wollen. Erst kam es mir komisch vor, daß ich in den Unterbeinkleidern durch eine fremde Wohnung lief und meine Hose suchte, dann wurde ich ärgerlich, zuletzt tobte ich , vor Wuth. Ich stampfte mit den Füßen auf, ich zerschlug ein GlaS und zwei Teller. Aber meine Hose schaffte mir daS nicht wieder. Mein Freund, ein wohlhabender Bürger, bewohnte sein Haus allein nicht eine Katze war daheim. Ich stürze anS Fenster. Vielleicht, daß ich Jemanden herbei- rufen kann, der mir als Bote diene! Die Straße ist wie ausgestorben; daS ganze Nest heute am letzten Tage draußen auf dem Schützenplatz. Wie um mich zu ärgern, spielen zw ü Hunoe am Brunnen vor der Thür von Menschen keine Spur! Halt! eine J^ee: der Kleiderschrank meines Freundes! Zwar hatte ich nicht viel Hoffnuug, denn er ist ebenso klein und dick, wie ich lang und mag r bin. Daß mir aber feine Hose nur bis anS Knie gehen und wie ein Kartoffelsack um meine dürre Lenden schlottern würde, das hätte ich nicht geglaubt! Jetzt setzte ich mich auf m in Bett und verfiel in eine tiefe Resignation. Vom Festplatz her, der nur einige tausend Schritt entfernt war, hörte ich Schuß auf Schuß herüberknallen. Jeder Schuß rückte den erträumten Silberigste» in immer weitere Ferne,