Sklavenhandel.
Auf einem meiner Züge im Kongogebiet, erzählt Glave, begegnete ich einem Dutzend von Eingeborenen-Kähnen nahe der Einmündung des Ruki im Bezirke Dakute, deren Besitzer mit einer Ladung Sklaven zurückkehrten. Der angekaufte oder gefangene Sklave wird auf den Boden des Kahnes gelegt mit auf dem Bauche zusammen gebundenen Händen. Bei Tage während der Fahrt werden sie von den Ruderern sorgsam bewacht. Des Abends aber bindet man ihnen größerer Sicherheit wegen die Hände auf den Rücken und von der Handwurzel aus ist ein Strick zum Arme des Wächters geführt, damit dieser bei der geringsten Bewegung aufmerksam wird. In einem einzigen Fahrzeuge zählte ich fünf Händler, deren Ladung in 30 Balolo - Skaven, Männern, Weibern und Kindern bestand; mit ihren eingesunkenen Augen und ihren ab- geniagerten Körpern gaben sie ein Bild von dem Hunger und den Grausamkeiten, die sie erlitten hatten. Diese ©flauen kommen flußab bis zu den großen Dörfern am Ruki, dann werden sie gegen Elfenbein an die Bevölkerung am Ruki und am Ubaagi aUsge- tauscht, >vo sie zu den Mahlzeiten der Menschenfresser dienen. Eine kleine Anzahl wird verkauft, die Männer, um Soldaten zuwerden, die Mädchen für die Harems. Ich bin überzeugt, es wird den Europäern bald gelingen, diesen schrecklichen Sklavenhandel, der mit Menschen- sresscrei verbunden ist, zu unterdrücken. Erstens sind die Stämme unter einander uneinig, jedes Dorf von 50 bis 60 Wohnstädten ist unabhängig von seinen Nachbarn und
Der Spielmaim.
kleine Kämpfe, gleichsam von Familie zu Familie, brachen fortwährend aus. Auch macht nichts fo viel Eindruck auf den Afrikaner, als die Uebermacht. Bei allen Plänen zur Unterdrückung des Sklavenhandels muß man dies festhalten, und nach meiner Ueberzeugung ist, wenn man auch einige Jahre verfließen läßt, ehe man mit Erfolg gegen
den von den Arabern geübtenSklavenhandeleinschreitenkann, durchaus kein Grund vorhanden, um gegen den Sklavenhandel unter den Eingeborenen nicht sofort anzukämpfen.
Die große Stadt.
„Berlin wird Weltstadt!" rief man begeistert vor Jahren aus, „Berlin ist Weltstadt!" flüstern jetzt dort schon Tausende. Einfachheit, Naturnähe, ungekünstelte Verhältnisse schwinden aus den Großstädten immer mehr; Gemachtheit in der Lebensführung und Lebensweise nehmen zu, eine einheitliche Betriebseinrichtung in Wohnen, Miethen, in der Bedienung, in Bezug der Lebensmittel, in der Art der Vergnügungen und Genüsse entwickelt sich und bezwingt gebieterisch alles Leben der Einzelnen. Licht in mancherlei Gestalt, Wasser, Luft, Unterhaltung, gleiches Zeitmaß, Packetver- theilung und Arbeitskraft vermitteln jetzt schon Centralversor- gungen durch Leitungen. Die Versendung von Nahrungsmitteln, außer Wasser, scheint keine unüberwindlichen Schwierigkeiten zu haben. Ist erst die Sitte des warmen Bades eine allgemeine geworden, wer hindert, das erwärmte Badewasser jeder Familie durch Druckröhren in die Badestube zu fördern? Ja, daß die winterliche Heizung einer ganzen Stadt, wie jetzt ganzerHäuser, eingerichtet werden kann, unterliegt keinem Zweifel. Man darf sich dann vielleicht vorstellen, daß der wesentlichste Bestandtheil einer menschlichen Wohnung eine Wand mit Hähnen ist, die geöffnet, mit Knöpfen, die gedrückt werden. Gewaltiges kann solchergestalt geschaffen werden, aber es dürfte doch
nicht unser Lebenszweck sein, daß wir Großes und Gewaltiges schaffen, sondern, daß mir, wenn möglich, selbst groß und gewaltig feien. Ein solches Ziel aber erreicht derWeg, der die Eigenart schafft und erhält, der davor bewahrt, in herden- hafte Allgemeinheit zu versinken, der uns mehr unserm eigenen geistigen und wirthschaftlichen Gestaltungstrieb überläßt.
Der Spirlmann.
Ich bin der fidele Spielmannsgesell!
Die blauen Berge, das grüne Thal,
Die grüß' ich so früh als der rothe Strahl, Und halt mit den Vögeln mein Morgenmahl; Ich geige, sie zwitschern; hei, das klingt hell;
Ich bin der fidele Spielmannsgesell!
Mein Meister hielt mich gern zu Haus;
Doch die Sonne schien, da hielt ich's nicht aus, Ich schnürte mein Bündel und zog hinaus, Da wachsen die Beeren, da sprudelt der (Quell.
Ich bin der fidele Spielmannsgesell!
<Es~ ist doch ein närrisches Hossenspiel: Da reiten und fahren und jagen sie viel Und kommen doch nur hin aus Ziel, Zur Herberge, wie der Spielmannsgesell.
ff-