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Aus eigener Kraft.

Ein armer verkrüppelter Knabe trieb sich vor vierzig Jahren auf den schmutzigen Straßen der Fabrikstadt Blackburn in England umher. Der Vater war gestorben. Die Mutter fand bei ihren Eltern keine Aufnahme; zur Arbeit in der Fabrik gezwungen, hatte sie für den armen, kranken Knaben keine Zeit. Hunger und Kummer waren tägliche Gäste im Hause, Rohheit und Zuchtlosigkeit der ständige Anblick auf der Gasse. Aber an dem kleinen Mark Knowles schien all das abzugleiten; er hatte eine reine Seele und einen starken Willen. Ohne Schule und Lehrer lernte er Lesen und Schreiben; wie er es anfing, ist ihm heute selber noch ein Räthsel; aber verrostete Federn, die er im Rinnstein fand, Lampenruß, den er mit Wasser zu Tinte anrührte, Fetzen von Zeitungen und Büchern, alles wußte er sich dienstbar zu machen. Abfalls von Eisen und Holz wurden unter den fleißigen Händen zu Werkzeugen und kleinen Maschinen.

Was machten die Leute für Augen, als der kaum dreizehnjährige Knabe eine elektrische Batterie erfand. Ein Gelehrter, der sie von ungefähr sah, machte sie bekannt, und heute noch wird sie allgemein gebraucht. Die Mutter erwartete von solchen Spielereien, wie sie es nannte, keinen Nutzen und gab den Knaben einem Schuhmacher in die Lehre. Aber seine Erfindungsgabe schenkte aus der Schusterwerkstatt der Welt eine wichtige Verbesserung der Webemaschinen. Die brächte ihm einen berühmten Namen und manches Tausend Gulden ein. Jetzt ging es rasch vorwärts; mit 22 Jahren baute er zwei schöne Häuser, eins für seine Mutter und eins für sich und seine Frau. Als Schusterlehrling hatte er das junge Mädchen gesehen und damals gleich gesagt:Wenn ich groß und reich bin, heirathe ich sie." Er war brav ausgelacht worden; nach acht Jahren löste er sein Wort ein. Zwei Jahre vergingen; Mark war Besitzer eines Eisenwerkes mit 600 Arbeitern und Vorstand des Asyls, in dem er seine Jugend zugebracht hatte. Jetzt war er auf dem Gipfel; aber unerwartet, Stoß auf Stoß, ging es nun in die Tiefe. Die Arbeiter verweigerten die Arbeit, sie wollten einen Theil der Fabrikation nicht mehr mit der Hand verrichten. Knowles erfand eine Maschine dafür, diese that ihre Schuldigkeit und die Arbeiter auch. Es geht wieder vorwärts. Da macht eine Bank Bankerott, Knowles verliert fast eine Million Mark; Verlust folgt auf Verlust; zuletzt verkauft er das Eisenwerk, und der Kaufpreis geht durch einen neuen Bankbruch auch noch verloren.

Der Kampf geht von vorn an. Weil das gewerbliche Leben gar so wechselnd und gefährlich war, studiert der thatkräftige, bereits vierzigjährige Mann die Rechte. Unter 63 Kandidaten bestehen 9 das Examen, Knowles unter ihnen. Jetzt ist er einer der gesuchtesten Rechtsanwälte in London, Und sein Name hat einen guten Klang, selbst über die Grenze von England hinaus.

Sein Erfindertalent aber schlummert auch in der Advokatenstube nicht. Eben geht eine Nachricht durch die Blätter, er habe eine Art von Signalen erfunden, bei welchen ein Eisenbahnunfall so,unmöglich werde, wie eine Reise in den Mond. Das würde für ihn eine neue Er­höhung bedeuten, für uns aber ein neuer Beweis sein, wie weit es einer bringen kann aus eigener Kraft. N.

Hohes Alter.

Im Madrider Provinzial-Krankenhause befindet sich augenblicklich eine Frau, aus Leon gebürtig, welche am 15. August 1788 geboren wurde und als ein Beispiel erb­licher Langlebigkeit gelten kann. Ihr Vater erreichte nämlich ein Alter von 110 Jahren; der Großvater väter­licherseits wurde 63, die Großmutter aber 105, der Groß­vater mütterlicherseits 110 und die Großmutter 102 Jahre alt. Die Frau leidet übrigens nur an einer Erkältung, sonst ist sich körperlich wie geistig vollkommen gesund und

besitzt ein sehr gutes Gedächtniß, sodaß sie sich mit allen Einzelheiten der Begebenheiten aus dem Anfang unseres Jahrhunderts erinnert, wie z. B. der Ereignisse des 2. Mai 1808 in Madrid, ein Tag, der hier als Nationalfest ge­feiert wird. Sie war in ihrer Jugend Dienerin, dann Wäscherin und ist bisher niemals krank gewesen.

Milbe Gesellen.

In Italien ist die Geheimbündelei und das Banditen­wesen zu Hause. Neuerdings ist es der Polizei gelungen, eine große Verschwörerbande zu entdecken und vor den Richter zu ziehen. Sie führt den bezeichnenden Namen Mala Vita," d. i. böses Leben und ist für die Provinz Apulien das, was dieCamorra" für Neapel und die Maffia" für Sicilicn ist. DieMala Vita" ist eine organisierte Gesellschaft mit eisernen Regeln, und ihr Zweck besteht in Raub und Meuchelmord. An ihrer Spitze steht ein Verwaltungsrath, welchem die Pflicht obliegt, die durch die Verbrechen der Gesellschaft gemachte Beute zu vertheilen. Die Führer erhalten 50 Prozent, die that­sächlichen Verüber 25 Prozent und die übrigen 25 Prozent werden in einen Reservefond gezahlt. Bei der Ausnahme neuer Mitglieder in den Bund pflegte der Hauptmann auf dem Boden einen Kreis zu beschreiben und in dessen Mittelpunkt einen Dolch mit der Spitze nach oben zu stecken. In diesen Kreis wurde der Neuling geführt, leistete den Eid der Treue gegen den Bund, versprach, seine Familie zu verlassen und mit dem einen Fuß immer im Grabe zu stehen. Nach diesem Schwur zog der Haupt­mann den Dolch aus der Erde und brächte dem Neu- aufgenommenen eine leichte Wunde an der Brust bei; das hervorquellende Blut ließ er von einem Genossen ablecken. Der Hauptgrundsatz der Gesellschaft ist, - daß die Reichen die Armen unterhalten sollten, unb daß der Mittellose das Recht hat, auf Kosten der Begüterten zu leben. Strenge Strafen, sogar der Tod, sind auf Ungehorsam und andere Vergehen gesetzt. Vor kurzem wurden 179 Mitglieder dieser Bande mit schweren Kerkerstrafen belegt. E. A.

Telegraphenstangen.

Die berühmten Mannesmannschen nahtlosen Röhren bürgern sich allmählig ein. Neben der Verwendung der­selben zu Lanzen sind besonders die für Ostafrika be­stimmten Telegraphenstangen zu erwähnen. Eisenpfostcn von 8 m Länge durch Träger oder Saumthiere zu be­fördern ist nicht leicht; und so werden für die afrikanischen Linien Mannesmann-Röhren verwandt, die aus zwei Theilen bestechen, welche sich leicht zusammenfügen lassen; die Hauptsache ist aber, der obere Theil wird beim Trans­port in den unteren geschoben, sodaß man nur mit 4 m langen Stangen zu thun hat.

Höhle.

Eine der größten Höhlen, die man kennt, befindet sich auf der Insel Corsica. Man betritt sie durch eine un­scheinbare Oeffnung, befindet sich dann aber sogleich in einem ungeheuren Saale, dessen Wände bis zu 20 Meter Höhe ansteigen. Aus diesem Vorsaale führen schmale Spalten in weitere Hallen, von denen eine hinter der anderen liegt, ohne daß man bis jetzt das Ende derselben hätte erreichen können. Ein kühner Bergmann unternahm vor kurzem das Wagniß, diese Höhle zu erforschen, nach- dem er sich genügend mit Lebensmitteln und Fackeln ver­sehen hatte. ' Er blieb nicht weniger als fünf Tage auf seiner unterirdischen Wanderschaft und legte dabei einen Weg zurück, den er auf 40 Kilometer schätzt. Zuletz wurde er durch einen großen unterirdischen Teich zur Um kehr gezwungen, ohne das Ende des ungeheuren Höhlen baues erreicht zu haben.