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Der Ackersmann.

Wer baut uns Hirse, Gerst' und Wein, Mohrrüben und den Kohl, Und Linsen, Bohnen obendrein, Und Erbsen ebenwohl?

Wer füttert Schweine und das Rind, Deß Fleisch man essen kann? O nennt den Mann, nennt ihn geschwind, Der uns schafft Zucker an!

Es ist und bleibt in aller Welt Nur einer, der das kann, Nächst Gott, der alles schafft und hält, Allein der Ackersmann.

Arbeitslöhne.

Es ist ein Kunstgriff der Socialdemokraten, daß sie jedermann mit seiner Lage unzufrieden machen wollen. Sie rechnen so: haben wir erst die Leute unzufrieden gemacht, so blüht unser Weizen; dann hetzen wir sie in die Revolution hinein und können alle Ordnung in Staat und Kirche umstürzen. Darum bemühen sie sich auch, dem ländlichen Arbeiter vorzureden, daß es ihm recht schlecht gehe, ja schlechter als dem städtischen Arbeiter. Wer das Elend in den Städten kennt und wer mit den länd­lichen Arbeitern gelebt hat, der weiß, daß sie eine Noth und Armuth, wie sie in der Stadt sich findet, nicht kennen und an ihrem bescheidenen Theil sich mit ihren Familien eines gesunden und sorglosen Daseins erfreuen.

Freilich wenn der Mann sich dem Trunk ergiebt oder wenn die Frau unordentlich ist und nicht wirth­schaften kann, dann geht der Hausstand zurück. Das ist aber nicht bloß auf dem Lande so, sondern auch in der Stadt. Fleiß, Ordnungsliebe, Mäßig­keit und Haushalten sind die unwandelbaren Grund­lagen des häuslichen Glückes für jedermann. Und darum ist die Gottesfurcht das Geheimniß allen Erfolges, denn sie ist die Hüterin des häuslichen Wohles bei Alt und Jung. Daran werden keine schlechten Zeiten und keine Wühlereien etwas ändern.

Die Arbeitslöhne der ländlichen Arbeiter sind in den verschiedenen Gegenden sehr verschieden, in­dem sie entweder in barem Gelde oder in Natural- lohn, Wohnung, Ackerland, Futter für eine Kuh, Brennmaterial und Tagelohn'bezahlt werden. Für Westpreußen berechnet man das Jahreseinkommen eines Tagelöhners, bei den allergeringsten Ein­nahmen aus mindestens 720 bis 740 Mark. In anderen Gegenden erhalten die ländlichen Arbeiter ihren Lohn in barem Gelde. Ihr Tagelohn ist höher, da sie aber eine Wohnung niiethen und alle Bedürfnisse bar bezahlen müssen, so kommt es auf eins heraus. Dazu kommt, daß die Ausgaben für Lebensmittel in den Gegenden mit Barlohn hoch sind. Aber überall stehen sich die ländlichen Arbeiter reichlich so gut als die städtischen, die vielleicht eine doppelt so große Einnahme haben. Außerdem sind die ländlichen Arbeiter besser genährt und gesünder, als die meisten Fabrikarbeiter.

Und nun höre man die gewissenlosen social­demokratischen Hetzer! Da behaupten sie, daß die ländlichen Arbeiter die schlechtesten Speisen essen, ja, daß sie überhaupt nur Kartoffeln essen, die sie in Heringslake tunken. Sie wohnen, sagen sie, in

Lehmhütten, der Fußboden sei von festgestampftem Lehm, so daß bei nassem Wetter die Stube voller Schmutz und Schlamm liegt. Das.Ende vom Liede ist, schreibt ein socialdemokratisches Blatt, daß mancher alte Mann nach einem Geben voll mühseliger Arbeit seinen Tod durch Erhängen oder Ertrinken herbei- führt. Nun, wer ordentlich gelebt hat, der hat noch nie durch Selbstmord zu enden brauchen.

Wir kennen keine Gegend, in der die ländlichen Arbeiter von Kartoffeln und Heringslake leben, aber wir kennen Gegenden, wo es die Regel ist, daß die strebsamen Arbeiter nicht nur sich einer besseren Lebensstellung erfreuen als viele Bürger in den Städten, sondern auch noch ein hübsches Sümmchen auf der Sparkasse liegen haben. ' Die Waffen der Socialdemokratie sind Lügen und Hetzen.

Der berühmte Arbeiterfreund Franklin hat ein- mot den Arbeitern zugerufen:Wenn einer zu euch kommt und euch einen andern Grund des Wohl­standes anpreist als Fleiß, Ordnung, Mäßigkeit und Sparsamkeit, so glaubt ihm nicht, er ist ein Lügner!" Wer diese Tugenden und eine tüchtige Arbeitslust und Pflichttreue nicht besitzt, der kann im Leben nicht vorwärtskommen, mag er nun viel oder wenig Geld einnehmen.

Für A««,vandermrgstirstkge.

Daß auch in Amerika heutzutage das Gold nicht mehr auf der Straße zu finden ist, sondern auch dort wie bei uns in schwerem Kampf mit Mühe und Arbeit errungen werden muß, weiß freilich jedes Schulkind. Aber doch machen wir üns noch immer viel zu günstige Vorstellungen von den amerikanischen Erwerbsverhältnissen. Einen Beweis dafür giebt der neueste Bericht des amerikanischen Arbeits­kommissars. Dieser Beamte Matthews mit Namen hat nämlich alljährlich einen Bericht über die Arbeiter­verhältnisse in den verschiedenen Staaten Nordamerikas zu erstatten, und da hat er nun kürzlich über den kleinen Staat Maine, der an der Küste des atlantischen Ozeans liegt und zu den bestbebauten und am stärksten bevölkerten Staaten Nordamerikas gehört, folgendes berichtet: In 497 von den 509 Kreisen dieses Staates giebt es zusammen 3310 leerstehende Farmen oder Bauernhöfe, welche von ihren Besitzern wegen ungenügender Erträge aufgegeben oder verlassen worden sind. Käufer für dieselben giebt es nicht, und so stehen die Häuser eben leer und sehen dem Verfall entgegen. Nach dem Bericht des Kommissars gehören zu diesen 3310 verlassenen Bauernhöfen etwas über 100 000 Hektar Land zu einem Steuerwerth von über 5 Millionen Mark. Jede Farm ist also doch jedenfalls so groß, daß sich nicht nur eine Familie, sondern sogar zwei unter hiesigen Verhältnissen recht anständig davon nähren könnten. Dabei sind die Preise aller landwirthschaftlichen Erzeugnisse im Staate Maine wegen seiner günstigen Lage höher als im Inneren Nordamerikas. Wenn daher die Farmen dort trotzdem nicht bestehen können, wie mag es dann erst ihren Kollegen im fernen Westen Nordamerikas gehen. So läßt uns der Bericht des Arbeits-Kommissars ein Massenelend im Stande der amerikanischen Landleute ahnen, wie wir es bei uns zum Glück nicht kennen und auch in Amerika nicht für möglich halten würden, wenn hier nicht zweifellos richtige Zahlen aus amtlicher Veröffentlichung vorlägen. Sieht es aber drüben so trübe für die Besitzer aus, wie mag es dort dann erst für die ländlichen Arbeiter aussehen?' Da wollen wir doch, statt an Auswanderung zu denken, lieber das alte Wort beherzigen:Bleibe im Lande und nähre dich redlich."