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Hel-enmuth.

Auch in unseren Tagen kommt es noch vor, daß Diphtheritis, Typhus und in neuerer Zeit die tückische Influenza wie Würgengel ganze Länder durchziehen. Aber selbst die Schrecken der Cholera treten zurück gegen die Verheerungen, welche die Pest, jene schlimmste Gottes- . geißel, einst anrichtete, blühende Städte und Dörfer in wüste Stätten und Kirchhöfe verwandelnd. Wo sie auf- , trat, ergriff lähmende Furcht alle Gemüther und ließ sie die einfachsten Maßregeln vernachlässigen, durch die einer Ausbreitung der Seuche vorgebeugt werden konnte. Nur wenige behielten in solcher Zeit allgemeiner Bestürzung und Rathlosigkeit einen klaren Blick und ein festes, wüthiges Herz. Von einem solchen möchte ich hier er­zählen.

Es war im Jahre 1666, als die Pest zum letzten Male in London wüthete. Durch Unvorsichtigkeit eines Krämers wurde sie mit Kleiderstoffen in ein entlegenes Dörfchen in Derbyshire eingeschleppt, dessen Bewohner sich durch Bergbau ernährten. Ein Schneider in Eyam, der die unseligen Stoffe gekauft, fiel mit seiner ganzen Familie noch an demselben Tage der furchtbaren Seuche zum Opfer. Zugleich erkrankten andere, die mit ihm in Be­rührung gekommen, mit den unverkennbaren Anzeichen der Pest. Schreck und Verzweiflung ergriff das ganze Dorf. Keiner wollte Hand anlegen, die Verstorbenen zu be­graben. Jeder dachte nur daran, durch schleunige Flucht sich der Gefahr der Ansteckung zu entziehen. Geschah dies, so war ein Weitertragen der Seuche in die benach­barten noch nicht heimgesuchten Orte unvermeidlich. Mit klarem Blicke erkannte dies Mompesson, der Pfarrer der Gemeinde. Er rief die Männer zusammen und stellte 1 ihnen mit beredten Worten vor, wie keiner von ihnen sicher sei, ob er nicht schon den Keim der Ansteckung in sich trage. Wieviel schwerer, in der Fremde zu sterben mit . dem furchtbaren Bewußtsein, den Tod, vor dem man zu fliehen gewähnt, nun in andere Häuser, Familien und Ortschaften getragen zu haben.Gottes Hand hat diese Zuchtruthe über uns verhängt. Uns bleibt als wackeren Männern nur eins: durch muthiges Ausharren die Seuche auf ihren Herd zu beschränken, statt durch feige Flucht an anderen zum Mörder zu werden, ohne uns zu retten. Gefällt es Gott, so ist sein Arm nicht zu kurz, uns auch hier zu bewahren."

Zugleich legte er selbst Hand an, die Pcstleichcn nicht auf dem nahe der Kirche gelegenen Friedhof, sondern auf einer Anhöhe außerhalb des Dorfes feierlich zur Erde §u bestatten. Von seinem Wort und Beispiel hingerissen, er­klärten seine Beichtkinder sich bereit, allen seinen Anord­nungen sich zu fügen und das Gebiet ihrer Feldmark nicht zu überschreiten. Es war ein heldenmüthiger Ent­schluß, um so mehr, da die Pest in den nächsten Wochen furchtbar in dem rcichbevölkertcn Dorfe wüthete. Immer neue Hügel wölbten sich auf dem Pestkirchhof und mancher, der am Morgen noch den Spaten mit ansetzte, ward, ehe die Sonne unterging, schon selbst zur letzten Ruhe gebettet. Pfarrer Mompesson leistete fast Uebermenschliches in dieser Zeit. Er ging von Haus zu Haus, die Sterbenden vor- ' bereitend, die Ueberlebenden tröstend, während seine Frau die Kranken mit Wäsche und zweckmäßiger Nahrung ver­sorgte. Anfangs hatte sie den Mann angefleht, um seines und seiner Kinder Leben willen Eyam zu verlassen. Er wies sie darauf hin, daß er als guter Hirte bei seiner Herde aushalten müsse bis zuletzt. Da er wußte, daß in Zeiten einer Seuche nichts gefährlicher ist, als eine Ansammlung von Menschen in geschlossenen Räumen, Ver- , legte er die Gottesdienste ins Freie. Nie zuvor war s wohl mit größerer Inbrunst gebetet worden, und doch schien es, als sei das ganze Dorf dem Untergänge gc- weiht. Fast vier Fünftel der Bewohner sterben dahin. Auch Mompessons junge, innig geliebte Gattin erlag der Seuche.

Aber das Opfer war nicht vergeblich. Keine der um­liegenden Ortschaften wurde von der Bruche berührt und Tausende von Familien dankten, menschlich gesprochen, den heldenmüthigen Bewohnern von Eyam Glück und Leben. Auch das schwer heimgesuchte Dorf blühte, nach­dem die Pestgefahr vorüber, bald wieder auf. Die glänzendsten Anerbietungen wurden Mompesson gemacht. Er aber lehnte sie alle ab und blieb seiner Gemeinde treu, in der er in schwerer Zeit so Großes geleistet unb deren Liebe und Dankbarkeit ihm bis über das Grab hinaus folgte. H. N.

Bergarbeiter.

Am 14. Februar d. I. brachen plötzlich verborgene Wasser in das Bergwerk zu Jeanesville bei Hazletou in Pennsylvanien. Die in der Mine befindlichen Arbeiter wurden völlig überrascht. Das Wasser füllte in wenigen Minuten die Gänge bis oben hin; alles, was in den Gängen war an Menschen und Vieh, ertrank. Nur vier Arbeitern, Polen, gelang es, sich in einen, am äußersten Ende des Bergwerks etwas höher gelegenen, eben erst an­gefangenen kleinen Gang zu flüchten, den daS Wasser nicht erreichte. Da waren die vier Männer nun lebendig begraben und blieben daselbst zwanzig volle Tage. Sie zehrten die ersten Tage von ihrem kärglichen Vorrath, den sie für den einen Tag mitgenommen hatten; dann tranken sie das Oel von ihren Lampen, um ihr Leben zu fristen; dann löschten sie den immer brennender werdenden Durst mit dem schmutzigen Wasser, das in die Mine ein- aedrnngen war, das der stärkste von ihnen im Filzhute holte. So brachten sie als lebendig Begrabene die Tage hin, während sie immer schwächer und elender wurden und langsam verschmachteten.

Ihre Kameraden auf der Oberfläche der Erde waren inzwischen nicht müßig. Sie arbeiteten und pumpten Tag und Nacht, um daS Wasser aus dem Schacht zu entfernen. Das Wasser nahm denn auch allmählich ab. Öente wurden in den Schacht gelassen, um die Toten zu suchen. Sie fanden mehrere unb. förderten sie an die Oberfläche. Während die Sucher noch in dem Wasser der Gänge umhergehen, um andere Gipser zu entdecken, hört einer plötzlich ein leises Klopfen. Er horcht. Richtig, es wieder­holt sich.Da leben noch einige!" ruft er seinen Ge­fährten zu und watet und schwimmt nun unaufhaltsam nach der Richtung, woher das Klopfen kommt. Unb richtig, er kommt zu dem kleinen höheren Gang und findet da vier noch lebende Bergleute! Drei davon sind so schwach und elend, daß sie kaum noch lispeln können, einer aber, von mächtiger Gestalt, Josef Metusky mit Namen, der für die anderen das Wasser im Filzhut geholt und auch das Klopfen besorgt hat, kann noch sprechen. Mit Blitzes­schnelle wird die Nachricht nach oben gesandt. Aerzte kommen und nehmen sich der vier Lebendigbegrabenen an, die zu Gerippen abgemagert sind. Vorsichtig wird das nur noch glimmende Lebenslicht in ihnen wieder angefacht; zunächst in der Tiefe, denn sie sind zu elend, um sofort emporgenommen zu werden. Das geschieht erst nach einiger Zeit. In Decken gewickelt wurden sie endlich am 24. Februar aus der Tiefe emporgebracht.

Um die Oeffnung des Schachtes stand mit Thränen der Freude und des Mitleids im Auge die Menge in banger Erwartung der Dinge, die da kommen sollten. Als der Obersteiger David Me. Farlane, ein Riese von Gestalt, den Geretteten vorauf aus den: Schachte zu Tage kam und die Rettung der vier Männer verkündigte, stimmte einer in der Menge den Lobgesang an:Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren!" und die ganze Menge sang mit. Im Hospital fanden die Geretteten Aufnahme und erholten sich bald. Gewiß werden sie allezeit der großen Gefahr, in der sie geschwebt, und der mächtigen Hand Gottes, die sie errettet, eingedenk bleiben.