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Ertappt.

Erst halb eins! schlägt's draußen an der Thurmuhr. Friedel seufzt tief auf. Noch eine ganze halbe Stunde muß er in der dumpfen Schulstube sitzen und draußen singen die Vögel so lustig und scheint die Sonne so hell. Warum hat er auch heute gerade das Lesebuch wieder vergessen, wo er weiß, daß es zu Hause sein Lieblings­gericht giebt Klöße mit Backobst! Der Lehrer hat's gesagt;Junge! vergißt du noch einmal dein Buch, mußt du nachsitzen" und nun ist das Unglück geschehen, er ist schon seit 12 Uhr eingesperrt und darf vor 1 Uhr nicht heraus. Was fängt er vor langer Weile an? Erst zieht er den Pantoffel aus und schlägt rechts und links die Fliegen tot damit. Aber o weh! die Fliegen merken bald den wilden Jäger und setzen sich in die obere Hälfte der weiß getünchten Wand da kann Friedel sie nicht erreichen. Dann legt er­den Kopf auf den Tisch und versucht zu schlafen. Da scheint gerade ein Sonnenstrahl durch die Ritze des Vorhanges und läßt ihm keine Ruhe, er muß immer hinüber­blinzeln nach der Wand, wo die schwarze Tafel hängt. Die Kreide liegt davor. Plötzlich springt Friedel auf. Beinahe hätte er laut aufgejauchzt vor Freude, denn nun hat er eine Unterhaltung gefunden. Mit ein Paar- Strichen steht ein Bild da, bei dessen Anblick dem Jungen das Herz im Leibe lacht.Nun noch eine Brille," schmunzelt er leise und zeichnet zwei große Kreise dem Männlein ins Gesicht, und oben auf die Kappe muß eine Troddel!" jubelt er,wie schade, daß die anderen Jungens es nicht sehen können! Wie schade". ja weiter ist der Friedel in seinen Betrachtungen nicht ge­kommen, denn leise, leise naht sich das Verhängniß ein fester Griff an Friedels Ohrläppchen läßt ihn den Kopf umwenden, und da steht der Lehrer hinter ihm er ist er­

Ertappt.

tappt! O, Friedel! wie Wird's nun mit den guten Klößen werden, die daheim in der Röhre dich erwarten? Wird der Lehrer sich in deiner schönen Malerei erkennen oder wird er noch einmal Gnade für Recht ergehen lassen und denken, daß er auch einmal Schulbube war und manchen lustigen Streich ausführte? R.

Gut nt fuß.

Fräulein Zoe Gayton oder, wie ihr richtiger Name lautet, Zoreka Loprezo ist auf ihrem Fußmarsch von San Francisco. nach . New-Aork zur festgesetzten Zeit in New- Aork eingetroffen. Der 1 Marsch mußte in 226 Tagen vollendet sein, wofür Fräulein Gayton eine Belohnung von 2000 Dollars bekam, wenn er ihr gelang, sie durfte jedoch, wie ausdrücklich ausgemacht war, nur Eisenbahn­

geleise für ihre Wanderung benutzen. L>ie hat den Weg am 27. August 1890 angetreten und mußte am 9. April 1891 in New-Iork eintreffen. Ihr Marschanzug bestand aus einer dicken wollenen Bluse, einem ebensolchen Rock, einem langen, braunen Ulster und derben Schuhen. Die Gesamtzahl der zurückzulegenden Meilen betrug 3500.

Wuthkraukhcit.

Bei einem Sergeant R. von dem in Königsberg i. Pr. garnisonierenden 1. Pionier-Bataillon, welcher daselbst am 18. Januar von einem tollen Hunde gebissen war, ist vor einigen Wochen die Tobsucht ausgebrochen, welcher er erlag. Der Unglückliche war der Sohn eines Werft­beamten in Danzig und. stand im Alter von noch nicht 27 Jahren. Das tollwuthskranke Thier, von dem R. angefallen war, hatte am 17. und 18. Januar in Königs­berg 13 Personen ge­bissen, darunter auch ein 14jähriges Mädchen, welches von der Bestie förmlich zerfleischt wurde und lange Zeit in ärzt­licher Behandlung blieb. Bei keinem der Gebissenen haben sich indessen bis jetzt Spuren von Toll- wuth gezeigt. Auch der verstorbene Sergeant R. fühlte sich bis vor kurzem ganz gesund. Nachdem er die Bißwunden (an der Nase und am rechten Arme) erlitten, wurde er zur Beobachtung in das Garnisonlazareth ge­bracht, wo der Patient 14 Tage in Behandlung blieb. Da sich indessen nichts Auffälliges zeigte, die Wunden regulär ver­heilten, so wurde der Sergeant entlassen; der­selbe fühlte sich auch völlig wohl und that seinen Dienst mit ge­wohnter Pünktlichkeit.

Da plötzlich brach die Tollwuth bei ihm aus; er wurde daher wieder ins Lazareth gebracht, wo ihn nach dreitägigem entsetzlichem Leiden nun­mehr der Tod erlöste.

Ein Kobspruch auf das Maurer-Handwerk.

Der Vater des Thomas Carlhle, eines berühmten englischen Geschichtsschreibers, war ein Maurer.Ein edles Gewerbe ist das eines Maurers," sagte erein gutes Gebäude wird länger dauern, als die meisten Bücher, als ein Buch von einer Million Lehrer. Laßt mich von Meinem Vater lernen, laßt mich meine Bücher schreiben, wie er seine Häuser baute und ebenso tadellos wie er durch diese Schattenwelt gehen, um, wenn Gott es will, dereinst wieder mit ihm vereinigt zu werden. Ich habe einen geheiligten Stolz auf meinen Vater, den Bauer, und möchte ihn nicht austauschen gegen irgend einen König, den ich kenne." F. St.