man entgehen, dem Zorne Gottes nicht. Darf und muß aber nun nicht Gott denen zürnen, die sich zwar von seiner JSonne gern bescheinen lassen und die Gaben des natürlichen Lebens begierig ergreifen, aber gerade das verschmähen, worin sie ihn selbst, den Geber, am sichersten finden könnten? Sie betrügen sich um diese allerbeste seiner Gaben. An Gästen wird es dennoch niemals fehlen. H.
Gefundheitstehre.
Das „Betten machen" ist gewöhnlich eine der ersten Arbeiten, welche die Hausfrau des Morgens verrichtet oder verrichten läßt. Nun ist es zwar von großer Wichtigkeit, daß das Schlafzimmer jeden Morgen sorgfältig gesäubert und womöglich naß ausgenommen wird, damit aller Staub daraus entfernt werde, aber das Bettenmachen sollte man nie sofort vornehmen, und zwar aus Gesundheitsrücksichten. In der Nacht scheiden wir viel Stickstoff und verbrauchte Körper- substanzen aus, athmen dagegen den in der Luft enthaltenen Sauerstoff in Menge ein. Daher ist des Morgens bei dem Aufstehen die Luft des Schlafzimmers mit Stickstoff angefüllt, in und zwischen den Betten aber lagern sich die Körper-Ausdünstungen ab, welche im Schlafe in erhöhtem Maße vor sich gehen. Es ist infolge dessen durchaus nothwendig, daß die Betten gründlich gelüftet werden, zu welchem Zwecke man sie am besten mehrere Stunden an das offene Fenster auslegt, von Zeit zu Zeit umwendet, ausklopft und aufschüttelt. Wer diese Regeln nicht befolgt, wird die folgende Nacht in verdorbener Luft schlafen und darf sich nicht wundern, wenn er die erhoffte Erquickung nicht findet.
Kindererxiehmrg.
Suche es zu verhindern, daß deine Kinder sich gegenseitig zum Zorn reizen. Im Zorne haben die Menschen schon unsägliches Unglück auf sich und andere gebracht, darum suche diesen bösen Geist von deinen Kindern fernzuhalten. Aus Neckereien und Spötteleien entwickelt sich oft die Ursache zu den heftigsten Zornesausbrüchen — wirke darauf hin, daß deine Kinder solchen Hänseleien keinen Werth beilegen, und daß sie sich beherrschen, wenn der Zorn sie übermannen will. Das Beispiel der Eltern ist hierbei sehr wichtig. Bleiben sie ruhig und gelassen, wenn sie einmal gereizt werden, so wird das Kind es verstehen lernen, daß auch es nicht aufbrausen und sich feinem Zorne hingeben darf — lassen sich die Eltern hingegen so recht in ihrem Zorne gehen, so ist es kein Wunder, wenn sie auch hierin Nachahmer in ihren Kindern finden. Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen.
Fragekasten.
H. i. D. 1. Die rechtzeitige Beibringung der Marken für die Alters- und Jnvaliditätsversicherung kann vom Vorstände der Versicherungsanstalt durch Ordnungsstrafen er- zwungen werden. An diesen wird sich also der Arbeiter zu wenden haben, wenn der Arbeitgeber die Marken nicht ein- klebt. 2. Verlorene Quittungskarten sind durch neue zu ersetzen. In die neue Quittungskarte sind die bis zum Verlust der Karte entrichteten Beiträge, soweit dieselben nachweisbar geleistet worden sind, in beglaubigter Form zu übertragen (§ 105 des Gesetzes). Zuständig sind in Preußen die Ortspolizeibehörden (Bürgermeister, Amtsvorsteher u. s. w.).
S. W. D. In Ihrer Angelegenheit müssen Sie sich an den Notar wenden.
F. H. in M. Ein Ehegatte, welcher eine neue Ehe eingeht, bevor seine Ehe aufgelöst, für ungiltig oder nichtig erklärt ist, wird nach § 171 d. Str.-G.-B. mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren bestraft. Um die Bestrafung Herbeizufuhren, bedarf es einer Anzeige bei der Polizei, dem Amtsgerichte oder der Staatsanwaltschaft.
C. M. in O. Mit Zustimmung des Eigenthümers können Sie die Ihnen als Pfand hinterlassene Uhr unbesorgt verkaufen und sich aus dem Erlöse für Ihre Forderung bezahlt machen. Der etwaige Mehrerlös ist an den Eigenthümer abzuliefern.
Räthsel.
Zweisilbig.
Jeder muß das erste haben, Daß er gründlich es betreibt, Und sodann auch in dem zweiten Nicht ein armer Stümper bleibt. Hier und dort an Scheunen, Ställen Wird das Ganze noch erscheinen; Theils aus Holz und theils aus Steinen. W.
Auflösung des Räthsels in Nr. 22: Nußschale.
Umschau.
Unser Kaiser hat bei seinem Besuche in Elbing in Erwiderung auf die Begrüßung des Oberbürgermeisters die zuversichtliche Hoffnung ausgesprochen, daß der Friede voraussichtlich auch für die nächsten Jahre erhalten bleiben werde.
Nach einem Berichte des Generalkonsulats der Vereinigten Staaten zu Berlin ist die Ausfuhr aus sieben deutschen Städten, wie Berlin, Bremen, Hamburg rc. in Folge der Mac-Kinley-Bill im ersten Viertel dieses Jahres um gerade zehn Millionen Mark geringer gewesen als vor der amerikanischen Absperrungspolitik. Neuerdings klagt auch der „Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller", daß auch das Eisen weniger nach auswärts verlangt wird als früher, da viele Länder in der Erstarkung ihrer ein- heinnschen Industrie weitere Fortschritte gemacht haben.
Die mit Oesterreich-Ungarn abgeschlossenen Handelsverträge haben die Frage der Getreidezölle wieder zur Verhandlung gebracht. Zahlreiche Handelskammern sprechen sich für Herabminderung der Lebensmittelzölle aus. Der Landwirthschaft aber ist damit nicht gedient. Graf Udo v. Stollberg beantragte daher kürzlich im preußischen Herrenhause „eine vorübergehende Herabsetzung der Eisenbahn-Gütertarife für Getreide und Mehl zur Verhütung einer möglichen Getreidevertheuerung."
Ueber die sociale Frage hat der Papst Leo XIII. ein Rundschreiben veröffentlicht, welches er sowohl allen regierenden Fürsten mit einem Geleitschreiben, als auch den leitenden Ministern aller Länder zustellen ließ. Es werden darin Eigenthums- und Erbrecht als natürliche göttliche Rechte vertheidigt und Grundsätze über die Pflichten des Staates gegenüber den Arbeitern aufgestellt, welche im Großen und Ganzen den von der Berliner internationalen Arbeiterschutzkonferenz aufgestellten entsprechen.
In Belgien hat allmählich die Ausstandsbewegung aufgehört; auf den meisten Werken hat wieder die Arbeit begonnen und ist Ruhe eingekehrt. Die verheißenen Beihülfen aus England, Deutschland und Frankreich sind ausgeblieben und die belgischen Arbeiter konnten allein die Mittel für ihren Unterhalt während des Ausstandes nicht aufbringen.
In Frankreich hat Präsident Carnot, nachdem er eine Anzahl der anläßlich der Ausschreitungen vom 1. Mai verurtheilten Personen begnadigt, eine Reise nach dem Süden angetreten und ist überall sympathisch empfangen worden. In einer Rede in Limoges betonte er die lebhafte Fürsorge der Regierung für die Arbeiter und die Absicht, Reformen zur Besserung ihrer Lage durchzuführen.
Portugal hat mit England über die südafrikanischen Besitzungen eine neue Vereinbarung getroffen, nach welcher die Verbindung der portugiesischen Besitzungen von der Ostküste bis zum westafrikanischen Guinea gesichert ist.
Das kleine Königreich Serbien war der Schauplatz von Erregungen und Aufständen. Die Königin Natalie wurde von der Regentschaft, welche für deren minderjährigen Sohn regiert, wegen Einmischung in Regierungs- angelegenhcitcn ausgewiesen.