Die Lebensdauer.
In hochliegenden Gegenden findet man durchweg mehr alte Menschen und diese in höheren Jahren, als in den tiefliegenden — in kälteren Himmelsstrichen wird der Mensch im ganzen älter als in den heißen. Die höchste Kälte hingegen von Grönland, Island u. s. w. verkürzt wieder das Leben. — Ganz vorzüglich zuträglich zur Verlängerung des Lebens ist die Gleichförmigkeit der Luft, besonders in Hinsicht der Wärme und Kälte, Schwere und Leichtigkeit. Daher sind die Länder, wo schnelle und starke Abwechselung im Barometer- und Thermometerstandc gewöhnlich ist, der Lebensdauer nie Vortheilhaft, denn jene schnellen Abwechselungen sind eben so viele innere Revolutionen, und diese mitten die Kräfte und Organe ab. Dies gilt z. B. auch von Deutschland, wo man oft in einem Tage zugleich Frost und Hitze erlebt, und wo der März sehr warm und der Mai beschneit sein kann.
Ein zu hoher Grad von Trockenheit ist ebenso wie zu große Feuchtigkeit der Lebensdauer nachtheilig. Hingegen ist eine ständig mit einem gewissen Grade von Feuchtigkeit gemischte Luft die beste, um ein hohes Alter zu erreichen. Daher sind die Inseln und Halbinseln die Wiegen des Alters. Von jeher wurden die Menschen auf den Inseln älter, als auf dem dabei unter gleicher Breite liegenden festen Lande. So leben die Menschen auf den Inseln des Archipels länger, als in dem gleich dabei liegenden Kleinasien; auf der Insel Chpern länger als in Syrien; auf Formosa und^Japan länger als in China; in Schottland, Dänemark, L-chwedcn länger als in Deutschland. Das Seewasser also wirkt sehr wohlthätig, und die Seeleute werden daher sehr alt. Stillstehende, süße Wasser hingegen schaden durch ihre Ausdünstungen.
Je mehr der Mensch der Natur .unb ihren Gesetzen treu bleibt, desto länger lebt er; je weiter er sich davon entfernt, desto kürzer. Daher wurden die Bewohner einer und derselben Gegend, so lange sie das einfache und gesunde Hirten- und Jägerleben führten, alt; sobald sie aber zivilisierter wurden und dadurch in Ueppigkeit und Faulheit verfielen, sank auch ihre Lebensdauer. Daher haben nicht die Reichen und Vornehmen, sondern vorzüglich die Bauern, Ackersleute, Matrosen u. s. w. die gegründetste Hoffnung, alt zu werden.
In einer gewissen Mittelmäßigkeit des Standes, des Klimas, der Gesundheit, des Temperaments, der Leibes- konstitution, der Geschäfte, der Geistesarbeit, der Diät u. s. w. liegt also das große Geheimniß, alt zu werden. Auch lehrt die Erfahrung folgenden bemerkenswerthen Umstand: Alle sehr alten Leute waren verheirathet unb mitunter öfters als einmal, und gewöhnlich noch im hohen Alter. Man hat kein einziges Beispiel, daß ein lediger Mensch, Junggeselle, ein sehr hohes Alter (d. h. über 100 Jahre hinausgehend) erreicht hätte.
Es werden der Anzahl nach mehr Frauen als Männer alt, daS höchste Ziel des menschlichen Alters erreichen aber doch nur Individuen männlichen Geschlechts.
In der ersten Hälfte des LebenS ist ein thätiges und selbst anstrengungsvolles Leben, in der letzten Hälfte aber eine ruhigere und gleichförmigere Lebensart zum Alter zuträglich. Kein einziges Beispiel findet sich, daß ein Müßiggänger ein ausgezeichnet hohes Leben erreicht hätte. Nach Bacons Beobachtungen erreichen Söhne von alten Vätern und jungen Müttern ein hohes Alter, und Söhne, welche der Mutter ähnlich sehen, durchschnittlich ein höheres Alter, als solche, welche mehr dem Vater gleichen.
Betrachten wir endlich die einzelnen Menschenrassen in Bezug auf ihre längere oder kürzere Lebensfähigkeit, so scheint die kaukasische Rasse im allgemeinen eine größere Lebensdauer zu haben, als die mongolische und malayische.
H, T.
Krim ProfrJTor Koch.
Die Abgeordneten des preußischen Landtages besuchten vor kurzen den Arbestssaal des großen Forschers Professor
Koch und ließen sich die kleinen Krankheitserreger zeigen, deren Natur er erforscht. Die Regeln, nach welchen dieses Forschungsgebiet arbeitet, wurden erläutert und an einer großen Reihe von Gegenständen dargestellt, die Züchtungen der verschiedenen Arten wurden vorgewiesen, und eine große Anzahl von Mikroskopen vermittelten die Anschauung derselben. Wohl mochte manchen der Zuhörer ein eigenthümliches Gefühl beschleichen, wenn er wie eine neue Auflage der Büchse der Pandora kleine Fläschchen mit lebensfähigen Keimen der asiatischen Cholera, des Milzbrandes, der Diphtherie und anderer Ansteckungskrankheiten in seiner Hand hielt. Wahrhaft staunenerregend und einzig in ihrer Art waren die Bilder, welche mit Hülfe des Mikroskopes und der elektrischen Beleuchtung in 4000facher Vergrößerung auf eine Wandfläche geworfen wurden und welche die Bacillen der Cholera und Tuber- eulose, die Spirillen des Rückfalltyphus, u. a. die Fortpflanzung dieser Krankheitserreger durch Theilung oder Sporenbildung, ihre Bewegungsorgane, die sogenannten Geißeln, zur gleichzeitigen deutlichsten Anschauung aller Anwesenden brachten. Wie weit ist die Wissenschaft mit allen diesen Entdeckungen gelangt! Wenn man nur erst wüßte, wie man diese Krankheitserreger mit Erfolg be- kümpfen kann, nachdem sie in den menschlichen Körper gelangt sind. ' E. A.
Marine-AnssteUnng.
In dem der Riesenstadt London benachbarten Chelsta haben die Engländer eine Marine-Ausstellung eröffnet. Hier lassen sich Geschichte und Wachsthum der englischen Marine bis in die kleinsten Einzelheiten verfolgen. Zu den Sammlungen haben alle öffentlichen und Privatgalerien und Museen des vereinigten Königreichs beigetragen. Da findet sich im Garten ein riesiger Eisberg, in dessen Leib man die Mitternachtssonne, das Nordlicht und das Polarmeer studieren kann; dann ein riesiges Holzmodell des Leuchtthurmes von Eddystone, 170 Fuß hoch, von dessen Spitze ein elektrisches Bogenlicht von 5 Millionen Kerzen- stärke allabendlich den Garten beleuchten wird; ein vollständig aufgetakeltes Modell des Schlachtenschiffes Victory, auf welchem Lord Nelson bei der siegreichen Schlacht von Trafalgar starb; ein Panorama besagter Schlacht und ein künstlicher See, auf welchen sich Modelle von bekannten Panzerschiffen unb Torpedobooten bekämpfen werden. Das Modell der Victory macht fast denselben Größeneindruck wie das wirkliche Schiff, das im Hafen von Portsmouth verankert ist. Es heißt die britische „Marine-Kathedrale", weil man dort zur Sterbestätte Nelsons wallfahrtet. Auf dem Zwischendeck des Modells ist die Sterbescene nach dem Bilde des Malers Devis in Wachs ausgeführt. Der Wahlspruch der Ausstellung ist auf dem Sockel des Standbildes der Britannia zu lesen: „Auf der Marine beruhen mit dem Beistande der Vorsehung unser Wohlstand, Gedeihen und Frieden." A.
Ansrrihrr.
Das Auswanderungsfieber hat in Charkow fünf Gymnasiasten im Alter von 13 bis 16 Jahren ergriffen. Einer dieser jugendlichen Robinsons hat seinen Eltern einen Ab- schiedSbries hinterlassen: „Liebe Eltern! Wenn ihr diesen Brief leset, weile ich nicht mehr in den Mauern Charkows. Ich bin weit, weit weg — klaget und trauert nicht darum! Nach zehn Jahren kehre ich zu euch zurück, nicht als Gymnasiast, sondern als amerikanischer Millionär, als Besitzer reicher Goldbergwerke oder als Häuptling eines indianischen Stammes. DaS letzte wäre besser. Ich werde mich mühen, neue Länder zu entdecken und unseren Namen zu ewigem Ruhme zu erheben." Die Polizei hat bisher die angehenden Millionäre nicht ermitteln können. E.