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Gottes Segen.

Wenn du, o Gott, an uns gedenkst, Zu rechter Zeit uns Regen schenkst, So wird die Aehre schössen; Dann schütze sie durch deine Hut Bor Mäusen, Sturm und Wasserflut!) llnb vor den bösen Schlossen.

So endlich wird das ganze Land Durch deine große Wunderhand Ein ausgedehnter Speicher. Dann geht die liebe Ernte au, Dann mähet in er nur mähen kann, lind alle werden reicher.

DaS Alles aber mußt du thun! Der Mensch läßt nur das Saatkorn ruh'n, Du magst darüber malten 1 Erhör des armen Landmanns Fleh n, Laß Korn bei Korn im Keime geh'n, Daß wir viel Frucht erhalten. M. C.

Wachrichten.

Nach einem Ministerialerlaß vom 24. Januar d. J. sollen die Kriegervereine in Preußen veranlaßt werden, ihren Satzungen folgende Bestimmungen beizufügen:Mit­glieder, welche sich durch ihr Verhalten mit dem Zwecke des Vereins in W/derspruch setzen, insonderheit solche, welche der Anforderung der Pflege und Bethätigung der Liebe und Treue zu Kaiser und Reich nicht entsprechen, sind aus dem Verein auszuschließen."

Ein Ackerwirth in Skrzynki, Kreis Schrimm, baut seit zehn Jahren ununterbrochen Gurken auf demselben Feld­stück (reichen drainierten Aueboden), indessen mit der Vor­sicht, daß die Pflanzenreihen und Zwischenräume stets mit einander abwechseln. Von der sieben Morgen großen Fläche hat derselbe im Jahre 1889 nicht weniger als 5000 Schock Gurken geerntet und diese im Durchschnitt zu 80 Pf. das Schock (60 Stück) verwerthet. Der Absatz hat keine Schwierigkeiten gemacht, und der fleißige Mann konnte in sein Hauptbuch einen Eintrag von 571 Mk. vom Morgen eintragen.

Ansmanderer.

Welches Schicksal der Auswanderer harrt, welche sich zur Auswanderung nach Brasilien verlocken lassen, lehrt neben vielen anderen auch folgender Vorfall: Vor kurzem kam ein Arbeiter Namens Sperlich mit seiner Familie durch Berlin, der vor fünf Monaten seine Heimath Lodz verlassen hatte, um sich in Brasilien ein neues Vaterland zu suchen. Er hatte wie vor ihm tausend anbere das erhoffte Glück in Brasilien nicht gefunden. Sperlich war glücklicherweise noch im Besitz der zur Rückreise er­forderlichen Mittel. Welche Verhältnisse die Auswanderer in Brasilien antreffen, in welchem Zustande die ihnen überwiesenen Ländereien sich befinden, darüber erzählte Sperlich folgendes: Durch das Uebersenden von Schiffs­karten zur freien Fahrt nach Brasilien und das Anpreisen über das Vorhandensein aller nothwendigen Lebensmittel nebst Gewährung von 125 Morgen Land seitens des Agenten in Bremen an die Einwohner von Lodz ließ ich mich ebenfalls verleiten, nach Brasilien zu ziehen. Meine Erwartungen wurden jedoch vollständig getäuscht. Zwar erhielt ich ein Stück Land in der Provinz S. Katharina angewiesen, dasselbe ivar aber bergig, steinig und bestand meist aus Wald, sonst nichts weiter. Die versprochenen Lebensmittel sehlten gänzlich, ich mußte dieselben mit meinen geringen Geldmitteln theuer ankaufen. Um nicht ganz unter freiem Himmel zu liegen, holte ich Holz aus dem Walde, un mir eine Bude zu erbauen. Die Bearbeitung dieses steinigen und bergigen Bodens und das Aushauen deS Waldes ist aber mit so großen Kosten und Blühen

verbunden, daß ich es vorzog, meine mitgebrachten Sachen zu verkaufen, um mit dem Erlöse und dem Reste meines Geldes die Kosten der Rückfahrt zu bestreiken.

Kriegervereine.

Die testen socialdemokratischen Parteitage haben sich alle mit der ländlichen Agitation befaßt; auf dem social­demokratischen Parteitage, der während des Osterfestes in Magdeburg abgehalten wurde, aber ging man weiter und empfahl als neues, sehr wirksames Agitationsmittel eine Einrichtung, die bisher für eine der besten Schutzwehren gegen die socialdemokratischen Umsturzideen galt. Eine ganze Anzahl Redner' forderte nämlich zum Eintritt in die Kriegervereine auf und rühmte sich der Erfolge, welche die Socialdemokratie durch dieselben erzielt habe. Ein Delegierter aus Leitzkau erzählte, daß er selbst als Vor­stand eines Militärvereins die Zahl der socialdemokratischen Stimmen in seinem Orte auf 55 zu bringen gewußt habe. Der Kriegerverein sei dann freilich von der Behörde auf­gelöst worden. Auch ein Vertreter aus Aschersleben war recht zufrieden mit der socialdemokratischen Agitation, welche durch die Kriegervereine erzielt sei; ein Redner aus Magdeburg empfahl deshalb lebhaft den Eintritt in die Kriegervereine, um durch dieselben für die socialdemokratischen Lehren namentlich in den Dörfern und in den kleineren Städten zu wirken. Die Socialdemokratie hat also hier auf einen neuen Weg ihrer Agitation hingewiesen, auf dem man sie niemals zu treffen glaubte; mögen die Krieger­vereine sich vorsehen.

Frühe Gemüse.

Für die zu verpflanzenden Gemüse, welche früh ini Jahre ausgesäet werden, theilt man Unterabtheilungen im Garten ab und wählt dazu die wärmste und geschützteste Lage. Schutz vor Erdflöhen verschafft man sich durch Ueberstreuen von Asche und frischem Pferdedünger; die Zwiebelmade entfernt man durch einen kräftigen Guß von frischem Kalkwasser mit der Brause; die Eier des Kohl­weißlings finden sich vor dem Ansätze der Köpfe auf der unteren Blattfläche und geben sich durch gelbe Flecken zu erkennen; indem man sie aufsucht und zerdrückt, sichert man die Ernte; die Gartenschnecken entfernt man am besten dadurch, daß man die Pflanzstellen mit Ofenruß bestreut und darauf die Pflanzen einsetzt. A.

Srutregeln.

Lasse nicht brüten vor Anfang März und nicht nach Anfang Juni. Die Bruteier nimm nur von den besten Thieren, deshalb mußt bu die besten Legermnen kennen. Nimm die Eier so bald als möglich, nachdem sie ge­legt sind, aus dem Neste, damit sie nicht angebrütet werden, sonst kommen die jungen Küchlein ungleich heraus. Schreibe das Datum auf die Eier; höchstens 14 Tage alte Eier dürfen zum Brüten genommen werden. Die Bruteier müssen rein sein, sonst erstickt das Thierchen int Ei. Nimm Eier womöglich nicht von Thieren unter einem Jahr alt; die Küchlein werden sonst leicht zu schwach. Am sechsten Tage untersuche die Eier, ob sie befruchtet oder klar; die klaren sind in der Küche zu ver­wenden. Bezeichne jedes Ei, z. B. mit einem Kreuz, damit etwa dazu gelegte Eier erkannt und entfernt werden können. Das Brutnest sei an ruhigem Platze, sicher vor anderen Thieren. Versorge die Brüterin mit frifcfjcm Wasser und Körnern, am liebsten Mais, er füllt rasch den Kröpf; Wasser und Futter stelle nicht ans Nest, sonst ver­läßt das Huhn die Eier nicht, denn zeitweilige Abkühlung ist nöthig; zudem beschmutzt es Nest und Eier mit Dünger.