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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. .Gemeinnützige Blätter" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

103.Mittwoch, den 24. Dezember 1890.

Abounements-Einiadung.

Bestellungen auf das 1. Quartal 1891 (Januar, Februar, März) der

WW-8ck»küHterner Zeitung" '^W

bitten wir durch die Post (auch Landbrieftrö r) oder Boten gefälligst machen zu wollen und zwar möglichst bald, da die Nach­lieferung bereits erschienener Nummern nich^ mmer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten das Blatt vom Tage der Be­stellung an bis zu Ende d. Mts. gratis.

Schlächtern, im Dezember 1890* Der Herausgeber.

Deutsches Reich.

Münche«. Wenn sich die Nachricht bestätigt, daß der Kaiser im September nächsten Jahres auf dem Lechfelde beide bayerische Armeecorps gegeneinander manövcriren lassen wird, so würde dies, wie dieMagd. Ztg." bemerkt, das erste bayerische Truppenmanöver sein, das seit Kaiser Karl VII., der aber selbst ein bayerischer Kurfürst war, ein deutsches Reichsoberhaupt commandirt hätte. Ueber die vierte deutsche Armee- Inspektion, zu der u. A. auch die bayerischen beiden Armeekorps gehören, hat von 1871 bis 1888 der deutsche Kronprinz den Oberbefehl geführt und mit Ausnahme seines letzten Lebensjahres jeden Herbst in Bayern durch seine herzgewinnende Persönlichkeit der Reichsidee neue Anhänger zugeführt; als Kaiser ühcr< trug er dann die vierte deutsche Armee-Inspektion an den Feldmarschall Grafen Blumenthal. Es ist ein öffentliches Geheimniß, daß der MünchenerHof für den zweiten Sohn des Prinz Regenten, den Prinzen Leopold, eine deutsche Gcncralinspektion wünscht, nachdem Prinz Georg von Sachsen und die Großherzoge von Baden und von Hessen solche führen; vielleicht könnte sichln jenes Kaisermanöver in Bayern diese militärische Aus­zeichnung anschließen. Seit Kaiser Wilhelm I. ist die bayerische Armee von Reichs wegen nicht mehrinspicirt worden. Von ihrem Zustande offizielle Kenntniß zu nehmen oder durch einen Bevollmächtigten nehmen zu lassen, besitzt nach den Versailler 'Verträgen der Deutsche Kaiser zugleich das Recht und die Verpflichtung.

In Berlin ist ein nach Koch'scher Methode behan­delter Patient, Simons-Elberfeld, nach we igen In­jektionen unter eigenartigen Erscheinungen verstorben. Prof. Koch selbst erklärte, hier sei der erste Fall, wo mit Sicherheit anzunehmen sei, daß die Injektionen den Tsd veranlaßt hätten.

Nachträglich wird jetzt durch dieBad. Ldsztg." bekannt, daß Dr. Levy, den der ärztliche Ehrenrath zu Berlin jüngst fürmakellos und rein" erklärte, außer dem Bremer in Davos auch von einem Karlsruher, NamenS Berger, für zweimaliges Einspritzen je 300 M. sich Hot geben lassen und für dieses schöne Geld seinen Patienten auch richtig todt gespritzt hat.

Prof. Virchow will sich über den Werth der Kocherei nicht früher äußern, bis die Zusammensetzung der Lymphe bekannt und das Jmpfverfahren 23 Jahre erprobt sei. Die Lymphe fei sehr gefährlich für Kinder und für hochgradig Schwindsüchtige. Daß die Koch'sche Lymphe eine sichere Diagnose für alle durch Tubekkel- bazillen verursachten Krankheiten ermögliche, könne er vorläufig noch nicht zugeben. --

Breslau. 17. Dez. In eine hiesige Augenklinik kam dieser Tage ein Mann aus Goldberg, der auf der Straße aufgeglitten und unmittelbar nach dem Fall erblindet war; der dortige Arzt glaubt an eine Ver­schiebung tut Augcn-Ncrven infolge der Erschütterung.

Köln, 17. Dez. Der jüngst durch das Trichinen­schauamt fcftgeftellte Befund von Trichinen in Speck, der aus Holland eingeführt war, hat eine eigenthümliche Aufkläruug erhalten. Die Nachforschungen der Polizei haben ergeben, daß der untersuchte Speck, in welchem die Trichinen gefunden wurden, nicht holländischer, son­dern amerikanischer Abkunft ist. Ein holländischer Händler sandte seit längerer Zeit amerikanischen Speck in größeren Mengen aus Holland, mit holländischem Ursprungszeugniß versehen, an hiesige Händler; so jüngst auch an den hiesigen Agenten 3 Waggonladungen. Diese wurden von der Polizei dem städtischen Fleisch- schaueramte überliefert, welches nach genauer Unter­suchung fest stellte, daß der Speck sinnig und mit Tri­chinen durchsetzt sei. Auf irgend eine Art wußte der Kölner Agent seinen holländischen Lieferanten, Namens

Andrissen, nach Köln zu locken, wo er ihm Vorwürfe über die schlechte Sendung machte; dabei gestand der Holländer, daß es nicht holländischer, sondern ameri­kanischer Speck sei, den er verkauft. Der Agent veran­laßte die Verhaftung des Holländers. Die Untersuchung gegen den Mann ist in vollem Gange.

Münster, 18 Dez. Aus unerklärte Weise ist, wie derKöln. Volkszeitung" gemeldet wird, ans der hie­sigen Infanterie-Kaserne ein Gewehrschloß des neuesten Modells abhanden gekommen. Der Ditbstahl erregt in militärischen Kreisen Aufsitzen.

Delsisch, 15. Dez. Ein schwerer Verlust in seinem Viehbestände hat den Gutsbesitzer W-ise in Naundorf betroffen. Demselben starben binnen einigen Tagen an Milzbrand nicht weniger als 25 Kühe, meist Pracht­exemplare des Kuhstalles, wodurch ihm ein Schaden von wenigstens 10,000 Mk. erwächst.

Bröckenau, 17. D z. In dem nahen Riedenberg hat ein 13jähriges Mädchen, das vom Teufel besessen Dein sollte, die Bevölkerung des Ortes und der ganzen Hingebung in den letzten Tagen aufzuregen verstanden. Tag und Nacht fanden sich Neugierige im Hause der Besessenen ein. Arzt und Bezirksamt machten jedoch dem Spuke ein plötzliches Ende. Körperliches Leiden des Mädchens und die Noth seiner Eltern und Ge­schwister haben sich, wie man demFrk. Volksbl." mittheilt, als Ursache des Spukes herausgestellt.

Groß-Umstadt, 16 Dez. Ein Geleimter. Ein Reinheimer Zögling der hiesigen Realschule verfiel dieser Tage in jugendlichem Uebermuthe während der Fahrt von Reinheim nach Wiebclsdach auf die Jde?, Sitz und Rücklehne einer Wagenabtheilung mit einem starken Klebestoffe zu überstreichen. Das Opfer dieses Bubenstückchens wurde ein Reisender, der bei seiner Ankunft in Wiebelsbach förmlich von seinem Platze losgeschnitten werden mußte. Der Urheber wurde in= dessen bald ermittelt und erhielt zum Lohne eine em­pfindliche Diziplinarstrafe, hat überdies den unbrauch bar gewordenen Anzug des R äsenden zu ersetzen und dürfte wohl auch im Ellernhause ein kleines Nachspiel erfahren haben.

Lokales und Provinzielles.

* Schliichtern, 23. Dez.

* Die Schuldner der LandeSkreditkasse machen wir darauf aufmerksam, daß sie ihre Kapitalabträge wie sonstige Kapital-Rückzahlungen an die Landeskredit­kasse mit 3*/s pEt. rosa Landeskreditkassen-Obligationen Serie 44, statt mit baarem Gelde bewirken können. Da nun genannte Obligationen jetzt zum Kurse von 98 pEt. käuflich sind so machen diejenige» Hypolheken- schuldner, die mit Obligationen der Serie 44 statt mit baarem Gelde zurückzahlen, einen Gewinn von 2 pEt.

* Die neueste LebenSmittelpreistabelle der Stat. Korr." läßt erkennen, daß die Getreidepreise im Nov. an den meisten Marktorten noch gestiegen sind, während die Fleischpreise zum Theil nicht unerheblich zurückgegangen sind; Speck und Schmalz folgten dem Fleisch, bei Kartoffeln und Roggenmehl überwogen die Preiserhöhungen.

A^r» Als außerordentliche Beilage ist der heutigen Nummer ein I l l u st r i r t e s W e i h n a ch t s - B l a t t auß^r denGemeinnützigen Blättern" extra für die Abonnenten beigelegt. Wir wünschen denselben dabei recht vergnügte Feiertage.

4 Eine warme Decke. Wer nicht in der glück­lichen Lage ist, ausreichendes Bettzeug namentlich zum Zudecken zu besitzen, möge Papier, nöthigenfalls alte Zeitungen, zu einem entsprechend großen Stück zu­sammenkleben und diese Papierdccke über die Feder- decke oder wollene Decke legen. Papier ist der denkbar schlechteste Wärmeleiter und selbst die ärmlichste

Decke macht behaglich warm, wenn eine Papierdccke über dieselbe angebracht wird.

Aus der Rhön, 16. Dezbr. Kohlgrund, ein kleiner Ort von nicht mehr als 14 Familien, verließ vor einigen Jahren heimlich ein Bauer und ging mit einem jungen Mädchen nach Amerika, dem Eldorado vieler Treulosen durch, seine Frau und Kinder sammt dem schönen Hof im Stiche lassend. Letzterer wurde bald hernach ver­kauft und der neue Besitzer trat genau in die Fuß­tapfen seines Vorgängers, indem er vor einigen Tagen auchzur Veränderung" über das Wasser machte. Nicht genug, daß demnach zwei Frauen in einem so kleinen Dorfe einem H ause dieStrohwittwenschafl" verdanken, das Vrhängniß oder der Zufall führte den beiden Betrogenen noch eine dritte Leidensschwester zu. Einer dortigen, gut fitnirten Frau wurde von Amts­wegen der Mann von der Seite genommen, um im hicsigen Amtsgerichtsgefängniß seiner Verhandlung wegen Meineids entgeg nzusehen. So hat sich die gewiß große Seltenheit gefügt, daß sich in einem der kleinsten Rhö.!- dörfer drei Fronen über den Verlust ihrer Männer die Aeuglein roth meinen können.

Aus fest Rhön, 14. Dezbr. Wie einmal vor 13 Jahren, so kommt auch jetzt wieder vom Kreuzberge, dem interessantesten und besuchtesten, auf baierischem Gebiete belegenen Berge der klippenreichen Rhön, die betrübende Nachricht, daß die Tage des dortigen Klosters weit­hin bekannt und gelobt durch seine ebenso frommen, als gastlich-freundlichen Mönche gezählt sein dürften, wenn demselben nicht finanziell unter die Arme gegriffen und neue Einnahmequellen zugeführt würden. Die dortigen wenigen Mönche sind Mendikanten und bezüg­lich ihres Unterhaltes auf das Terminiren angewiesen. Eine Hauptuutcrstützung floß ihnen verdientermaßen früher aus dem Kreise Gersfeld zu. Seit derselbe aber preußisch und dort das Terminiren untersagt worden ist, mußte diese reichliche Quelle für die Kreuzberger Mönche fast ganz versiegen, ohne daß sich bis jetzt ein entsprechender Ersatz anhaltend hat finden lassen. Es liegt aber nicht nur im Interesse der von Jahr zu Jahr zunehmenden Rhöntouristen, welche ohne Unterschied der Konfession im Hospitium auf dem Kreuzberge stets die freundlichste Aufnahme und sorgsamste Verpflegung ge­funden Küche und Keller im Kloster Kreuzberg haben eine Art Ruhm, sondern auch der gläubigen Ver­ehrer des begnadeten Wallfahrtsortes, die nach Tausen­den aus den Frankenländern jährlich dahin wallen und dort Hilfe in den verschiedensten Anliegen des Leibes mb der Seele zu finden hoffen also, in doppeltem Interesse liegt es, daß das Kloster erhalten bleibe, nicht weil," sondernobgleich" es ein Kloster ist.

Mellrichstadt a. d. Rhön, 15. Dcz. In einer Gemeinde d-s hiesigen Amtsbezirkes zitirte, als die Neuwahl eines Ausschusses vorgenommen wurde, ein Wähler auf seinen Wahlz-ttel Jesais 41, Vers 24, welcher lautet:Siehe, Ihr seid aus nichts, Euer Thun ist auch aus nichts, und Euch wählen ist einGräuel."

Marburg, 16. Dez. Am Sonnabend erschien in dem hiesigen St. Elisabethhause ein in den vierziger Jahren stehender gutgckleideter Mann, stellte sich als Arzt vor und gab an, man habe ihn mit einer Revision der gesammten Anstalt beauftragt. Die Vorsteher der Anstalt schenkten dem Manne Glauben und Letzterer be- sichtete unter ihrer Leitung alle Räume des Hauses. Nach beendigtem Rundgang erbat sich sodann der Herr Doctor auch noch eine Tasse Kaffee. Da die Zube­reitung derselben jedoch etwas lange dauerte, so ent­fernte sich der Mann mit dem Versprechen, am Abend noch einmal wieder kommen zu wollcn. Man erwartete denselben jedoch vergeblich und es stellte sich später heraus, daß man es mit einem Schwindler zu thun gehabt habe.