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Erscheint Mittwoch u. SamstagPreis mitKreisblatt" u. ,.Gemeinnützige Blätter" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 P f

AS 102. Samstag, den 20. Dezember 1890.

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ScfifücMerncr Zeitung"

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Schlächtern, im Dezember 1891. Der Herausgeber.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Dez. Ihre Majestät die Kaiserin ist gestern Abend gegen neun Uhr von einem Prinzen entbunden worden. Dem Kaiser wurde die freudige Mittheilung während der Opernvorstellung üb erbracht. Derselbe begab sich sofort ins Schloß zurück.

Die vom Landeseisenbahnrath empfohlene Herab- s-tzung der Kohlentarife wird von der Eisenbahnver- waltuug entgegenkommend ausgenommen.

Ein paar eigenartige Geschäftsleute haben jüngst einem Kaufmann in Mrosche» zu ungewöhnlicher Zeit ihre Aufwartung gemacht, mit ihm ein ganz außer­gewöhnliches Geschäft abgeschlossen und ihn dabei um 10,000 Mark geprallt. Der Kaufmann P. spielte, wie man hierzu berichtet, in der Weimarer Geld-Lotterie und eS war auf sein Loos ein Treffer von 40,000 M. gefallen. Hiervon wußte der Gewinner aber noch nichts, als eines Nachts zwei Unbekannte bei ihm vorfuhrcn. ihn herauStrommelten und mit ihm über den Verkauf des Looses zu handeln begannen. Die beiden Unbe­kannten verfuhren sehr schlau und nahmen dem noch halb Schlaftrunkenen schließlich das Versprechest ab/ daß, wenn er 40,000 Mark in der Lotterie gewonnen hätte, er ihnen 10,000 abgeben wolle. Kaum hatte P. dieses Versprechen auch nur gegeben, als einer der Un­bekannten ihm 30,000 Mark auszahlte, das Loos an sich nahm und dann sich mit seinem Collegen empfahl. Am nächsten Tage war P. zunächst des Glaubens, daß er geträumt, die 30,000 Mark waren jedoch von über­zeugender Wirklichkeit und in der Gewinnliste fand P., daß auf sein Loos 40,000 Mark gefallen waren. Die beiden Unbekannten waren aber bereits über alle Berge. Man vermuthet, daß sie solche Geschäfte berufsmäßig betreiben.

Aus Nordschleswig, 10. Dez. Eine wunderbare Rettung aus giausiger Gefahr. Während des letzten Sturmes wollte der Sohn des Fischers Hansen in Broacker das einzige Boot besser befestigen, bevor die Nacht hereinbrach. Das Tau lag indeß im Boote, weshalb der Knabe hineinstieg. Da wälzte sich eine ungeheure Woge heran, riß das Boot los und trieb es seewärts in den tosenden Sturm und tn die schauerliche Finsterniß. Der Anfangs vor Schreck erstarrte Junge schrie laut um Hilfe, doch das Brausen des Orkans übertönte seine Hilferufe; der Knabe schien in seiner Nußschale auf dem wlldbewegten Meere unrettbar ver­loren. Inzwischen wartete die Mutter zu Hause auf den Knaben, der Vater wvr verreist; sie glaubte, er sei zu dem Nachbar geflüchtet; allmälig stieg die Fluth höher; die Frau mußte sich in das Haus deS Nach­bars flüchten, wo sie zu ihrem Entsetzen den Knaben nicht fand; alles Suchen blieb vergebens; man nahm an, der Kleine sei von der Fluth verschlungen worden. Da traf kürzlich aus einem Fischerdorf auf der dänischen Insel Fühnen ein Bri.f ein, der die Nachricht brächte, man habe den Knaben in kläglichem, besinnungslosem Zustande im Boote gefunden; er sei aber jetzt so weit hergestellt, daß er die Heimreise antreten könne. Der hocherfreute Vater segelte sofort nach Fühnen und brächte den Todtgeglaudten heim.

Aus Thüringen. Einen sehr unangenehmen Ab­schluß hat einSchlachtfest" bei einem Landwirth in Kostplatz bei Weißenfels gefunden. Mit befriedigter Miene legte der Fleischer die letzten fünf Würste in den Kessel und begab sich dann in das Wohnzimmer", um sich durch einen kräftigen Schluck zu stärken. Kaum hatte er die Flasche angesetzt, da erhob sich draußen ein jämmerliches Geheul; erschreckt eilte er in die Küche hinaus, wo sich jedoch zu seiner Verwunderung niemand vorfand. Als später aber der Schlächter die Würste aus dem Kessel nehmen wollte, fand man den Haushund tsdt im Sessel vor. Das Thier war, durch den lieb­

lichen Geruch der Würste angelockt, auf den Kesselrand geklettert und in die siedende Brühe gestürzt. Natür­lich war nunmehr der Gesellschaft der Appetit auf die Wurstsuppe und das Wellfleisch verdorben. Ein im Oberland ansässiger ehemaliger Krieger aus dem deutsch­französischen Feldzug hat in voriger Woche auf Grund des endlich erfolgreich geführten Nachweises des von der Kriegszeit herzuleitenden Ursprunges seiner Inva­lidität durch Bermittlung der Fürstl. Reuß. Staatskasse 6000 Mk. auf einmal ausgezahlt erhalten. Natürlich ist ihm auch für die Zukunft ein anständiger Rentenbezug zuerkannt worden. Ein Dienstmädchen als Wohl­thäterin. Wie aus Vechta gemeldet wird, hat die Dienst­magd Hoene, die volle 66 Jahre im Haus des dort wohnenden Kammerherrn v. Feydag gedient hat, ihr gesammtes Baaroermögen, etwa 18,000 Mk., testamen­tarisch zu milden Zwecken vermacht. Sie ist im hohen Alter von 90 Jahren gestorben.Sollen die Jesuiten wieder kommen? Das ist jetzt die große Frage. Zu Leutenberg, einem Schwarzburgisch - Rudolstädtischen Städtchen an der Sormitz, hat der Einsender ds. vor

Jähren das romantisch gelegene Schloß oberhalb der Stadt besucht. Es war einst nach dem 30 jährigen Krieg der Wohnsitz einer Schwarzburgischen Seitenlinie, die durch die Jesuiten wieder zum katholischen Glauben bekehrt worden war. Die Zimmer des Schlosses wimmelten noch von den J.'suitenzeichen I. H. S. und das Schrecklichste war, daß im hintersten Zimmer einer ganzen Etage eine Diele mit sog. Scharnieren versehen war zum Hinunterklappen. Unter dieser Diele befand sich das Burgverließ in einer Tiefe von etwa 200 Fuß. Wozu hatten wohl die frommen Bewohner des Schlosses dieseMenschenfalle" gebaut? Was mögen die..Väter Jesu" dort alles habenreinfallen" lassen? Ob die Menschenfalle noch vorhanden ist und noch gezeigt wird, weiß ich nicht, aber bezeugen kann ich's noch heute, daß ich sie gesehen habe und das Jesuiten-Zeichen dazu!

Miesbach, 4. Dezember. Eine überraschende Ent­deckung machte vor einigen Tagen die Stadtlerin Gambs in Thann. In einer überdeckten Oessnung im Fuß­boden ihres Anwesens gewahrte sie einen Blechkasten, der Werlhpapiere im Betrage von über 70000 Mk. enthielt. Diesen ungewöhnlichen Aufbewahrungsort wählte ihr erst kürzlich verstorbener Mann bei Lebzeiten als Versteck seines Reichthums und dies blieb sein Ge­heimniß bis ins Grab,

Ein auch anderwärts Nachahmung verdienendes Verfahren bezüglich der. Jnvaliditäts- und Altersver­sicherung hat der Bürgerverein zu Schweinfurt a. M eingeschlagen. Derselbe läßt in einem Vortrag einem größeren Kreis die Hauptgrundzüge des Gesetzes er­läutern. Die großen Schwierigkeiten, die durch die neuen Einrichtungen erwachsen, konnten gewiß zum Theil verringert werden, wenn auf ähnliche Weise allenthalben aufklärend vorgearbeitet würde.

Luxemburg. Herzog Adolf von Nassau Ut nunmehr als Großherzog von Luxemburg den Bersassungs- eid geleistet und sein Sohn, der Erbgroßherzog, besucht dir Höfe von Berlin, Wien und London um die Thron­besteigung seines Vaters offiziell anzuzeigen. Zu dem­selben Zweck hat sich Prinz Nikolaus von Nassau nach Petersburg begeben.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 19. Dez. Gestern Nachmittag wurde auf den Wiesen zwischen Schlüchtern und Niederzell unweit der Schauberger'schen Mühle die Leiche des Schuhmachers Nicolaus Müller von Bellings aufge­funden. Müller hatte sich am Montag nach Neuen- gronau und von dort nach Schlüchtern begehen, woselbst er bis 9 Uhr geblieben war und sich sodann auf den Heimweg gemacht hatte. Das hiesige Gericht halte sich

alsbald nach dem Auffinden der Leiche an Ort und Stelle begeben und wurde später die Leiche in daS hiesige Wachtlocal verbracht.

* Morgen Sonntag sind die Schalter sämmt­licher Postanstalten wie an den Wochentagen offen ge­halten.

* Die Meldung,daß Zinsscheine zu Schuld, verschrejbungen der Landeskreditkasse von den Königlichen Steuerkassen vom 1. Januar 1891 nicht an in Zahlung oder Umtausch genommen werden," ist dahin zu ergänzen, daß vom 1. Januar 1891 ab an deren Stelle die stän­dischen Landesrentmeister treten und bei denselben die Zahlung und Umtausch der Zinsscheine bewirkt werden kann.

* Für die Annahme einer Pathenstelle durch den Kaiser sind folgende Bestimmungen maßgebend: Auf Ansuchen der Eltern von sieben Söhnen, wenn ihre Persönlichkeit keinen Anlaß zu Bedenken gibt, wird die Annahme einer Pathenstelle bei dem siebenten Sohne seitens Seiner Majestät zugestanden und die Eintragung des allerhöchsten Namens als Taufzeugen in ba» Klrchr.chuch gestattet. Die Annahme einer Pathenstelle findet, wenn nicht schon beim siebenden Sohne geschehen, auch beim achten Sohne noch statt, doch wird die Ge­nehmigung nur ertheilt, wenn die sämmtlichen sieben bezw. acht Söhne in derselben Eh- in ununterbrochener Folge ohne Dazwischenkunft von Töchtern geboren sind und die Eltern keinen Anspruch auf ein Pathengeschenk oder eine Unterstützung erheben.

* Der Kettenhund im Winter. Alle Menschen richten sich im Winter ihre Wohnungen behaglich ein, Vieh und Pferde erhalten eine sorgfältige Stallpflege nur die armen Hunde werden leider gar zu oft ver­gessen ! Ich spreche hier sagt ein Hundefreund nicht von den verweichlichten Stubenhündchen, die aus seidenen Betten ruhen, sondern vorzugsweise von den unglücklichen Geschöpfen, welche jahrein jahraus an der Kette liegen und nichts weiter als eine offene Hütte mit schlechter Unterlage haben. Was sollen wir thun, um solchen bedauernswerthen Vierfüßlern ihr herbes Loos zu erleichtern? Zunächst unterwerfe man die Hütten einer sorgfältigen Besichtigung und verstopfte sämmtliche Risse, so daß Wind und Regen nicht eindringen können. Dann gebe man recht reichlich Heu und Stroh hinein, damit der Körper weich und warm Inge. Diese Unter­lage muß mindestens alle Wochen erneuert «erden denn Schmutz und Ungeziefer sammeln sich darin.' Ueber den Eingang zur Hütte nagle man ein Stück Decke so, 'daß es bis zur Erde herabhängt und der eisige Wind nicht hineinbläst. Die Umgebung der Hütte soll täglich gereinigt werden, um die Luft von dem Uu- rath nicht verpesten zu lassen, desgleichen sind Wasser- und Futeriläpfe rein zu halten. Am Tage müssen die Hunde mehrere Stunden umherlausen können, damit sie sich durch Bewegung erwärmen, Sehnen und Muskeln stärken und die entstehende Steifheit verhindert wird. Zum Schutze gegen schlechte Witterung und Krankheiten sollte man die Hunde während der kältesten Monate Dezember, Januar und Februar in einem geeigneten warmen Stall unterbringen oder wenigstens die Hütte mit Stroh und Erde bedecken. Wie oft hört man ganze Nächte hindurch das Winseln und Heulen der zitternden Geschöpfe. Es wird für Ungezogenheit gehalten, man bringt sie mit Peitsche und Stock zur Ruhe, und schließ­lich ist es nichts als Frost und vielleicht Hunger, der sie ungeberdig macht. Im Winter bedürfen alle der Kälte ausgesetzten Thiere mehr Futter als im Sommer, weil hungernde Körper der niedrigen Temperatur viel weniger widerstehen als gut gefütterte. Wenigstens eine tägliche warme Mahlzeit ist durchaus erforderlich

* Das auf den Eisenbahnanlagen anfgefunden' sogenannte Fallwild, welches bisher von der Stagtse