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beläuft sich auf hunderttausend- von Mark. Hier ist gestern Abind ein Hülfskomit4 zusammengetreten. DaS Elend hier ist herzzerreißend. Mögen sich viele mit­fühlende Herzen und offene Hände finden!

Daß dem geringen Mann durch die Theuerung der nothwendigsten Lebensmittel seine Existenz ungemein erschwert wird, liegt somit auf der Hand. Hier muß eine auffällige Jnconsequenz unserer inneren Politik constatirt werden. Während nämlich der Staat durch die soziale Gesetzgebung, deren bisheriges segensreiches Wirken auch von den anfänglichen Gegnern derselben nicht mehr bestritten werden kann, die Lage der ar­beitenden Klaffen zu verbessern ernsthaft bestrebt ist, wird durch die Lebensmitteltheuerung der geringe Mann nur zu oft in eine recht mißliche Lage gebracht, welche ihn den Bestrebungen der Umsturzparteien verhültniß- mäßig leicht zugänglich macht. Wenn indessen alle staatserhaltenen Elemente in der Bekämpfung dieser Bestrebungen einig sind, w rd man einen positiven Er­folg derselben kaum zu befürchten haben. Durch unsere indirekten Steuern, namentlich durch Getreidezölle und Branntweinsteuer werden die ärmeren Klassen am em­pfindlichsten betroffen und muß es als eine Forderung ausgleichender Gerechtigkeit angesehen werden, die Er­leichterung von diesen drückenden Lasten anzustreben. Der hierdurch entstehende Ausfall in den Staatsein­nahmen kann sehr wohl durch stärkere Heranziehung der größeren Einkommen, sowie durch endliche Auf­hebung der gänzlichen Steuerfreiheit bar ehemals ReichS- unmitlelbaren gedeckt werden. Die Einführung einer Kapitalrentensteuer für den Anfang d-s g mzen Reichs wäre trotz aller entgegeustehenven technischen und prak­tischen Schwierigkeiten bei ernstlichem Wollen jedenfalls nicht unmöglich. Was die Aufhebung der Steuerfreiheit der Standesherrn betrifft, so ist dieselbe in dem gegen­wärtig dem preußischen Landtag vorliegenden Einkommen- steuer-Gesitzentwurf allerdings in Aussicht genommen, jedoch erst vom 1. April 1894 und gegen Entschädigung der Betheiligten. Wenn man berücksichtigt, daß die meisten regierenden Fürsten Europas im Laufe dieses Jahrhunderts ihre absoluten Souveränitätsrechte zu Gunsten des Constitutionalismus erheblich einschränken mußten, ohne dafür entschädigt worden zu sein, kann man auch von den Standesherrn ohne erhebliche Be­denken verlangen, ein Vorrecht aukzugeben, welches mit den Prinzipien des constitutionellen Staates gänzlich unvereinbar ist und dessen weiterer Fortbestand nicht dazu führen kann, die stark belasteten ärmeren Klassen mit unseren heutigen Verhältnissen zu versöhnen. Etne angemessene Heranziehung der zumeist in den glänzendsten finanziellen Verhältnisse lebenden Standesherrn zu den Stantslasten wäre jedenfalls "weit eher ein Act der Ge- rcchtigkfit als die hohen Zölle auf die unentbehrlichsten Lebensmittel. Von dem gegenwärtig wieder versammelten Reichstag bttrf man mit ziemlicher Sicherheit auf ein energisches Eintreten für baldigste Ermäßigung der Gc- treidezölle rechnen.

Die agrarische Richtung unserer Wirthschafts­politik.

Von Friedrich Weitzel, Schlächtern.

(Schluß.)

Aus dieser hohen Zollcinnahme kann man ersehen, wie erheblich die deutsche Getreide-Produktion hinter dem Verbrauch zurückbleibt. Durch die gegenwärtige Höhe der Zölle ist deren ursprünglicher Charakter als Schutzzoll zurückgetreten, sodaß dieselben als reine Finanz­zölle angesehen werden können. Eine gänzliche Auf­hebung dieser Zölle, dürfte indessen auch nicht angängig sein, da dieselbe ohne schwerste Schädigung unserer heimischen Landwirthschaft nicht durchzuführen sein wird. Erfolgreiche Concurrenz unseres Getreides ist auf dem internationalen Getreidemarkt ohne Schutzzoll gänzlich unmöglich, da in Oesterreich-Ungarn und Rußland, welche in erster Linie für den deutschen Getreide-Import in Betracht kommen, die einschlägigen Verhältnisse be­deutend günstiger liegen, als bei uns. Einerseits ist die Qualität dieses ausländischen Getreides in Folge der günstigeren Bodenbeschaffenheit erheblich besser, ander­seits sind die Altzeitslöhne in diesen, industriell noch wenig entwickelten Ländern ungewöhnlich niedrig. Durch diese Umstände sind die erwähnten Staaten im Stande, ihr Getreide zu einem Preis auf den Markt zu bringen, bei welchem der deutsche Landwirth schlechterdings nicht bestehen könnte. Die gänzlich zollfreie Einfuhr dieses Getreides würde unsere Landwirthschaft also vollständig unrentabel machen und eine Entwerthung von Grund und Boden herbeiführen, welches unseren gesammten Volkswohlstand schwer schädigen müßte. Insoweit ist die agrarische Behauptung, daß die landwirthschaftlichen Zölle für den gedeihlichen Fortbestand unserer Land­wirthschaft unerläßlich seien, wohl richtig, doch läßt sich hiermit die jetzige exorbitante Höhe derselben hiermit keineswegs rechtfertigen. Den meisten Vortheil von den hohen Zöllen hat selbstverständlich der Großgrund­besitz, der mittlere Gutsbesitzer kann bei günstigen Ernten wohl auch noch Vortheil daraus ziehen, doch sind die­selben für den Kleinbauer ohne irgend welchen Nutzen; hier kommt es sogar nicht selten vor, daß derselbe den angeblich in seinem Interesse eingeführten hohen Zoll au» eigener Tasche bezahlt. Dieser Fall tritt nämlich dann ein, wenn die Ernte an Brodfrucht so gering ausfällt, daß sie nicht auf das ganze Jahr «Äreicht und deßhalb das theure Getreide oder das noch theuere Mehl hinzugekauft werden muß. Als natürliche Folge der Lebensmitteltheuerung muß das Steigen der Arbeits­löhne angesehen werden. Von dieser Erscheinung wird der Großgrundbesitz verhältnißmäßig weit weniger be­troffen, als der mittlere und kleine Gutsbesitzer. Ersterer kaun^nämlich die enormen Fortschritte, welche die Ma­schinentechnik auch auf landwirthschafMchem Gebiet ge­macht hat, vollkommen ausnötzen und hierdurch eine wesentliche Verringerung der früher nothwendigen Ar­beitskräfte erzielen, was den kleineren Landwirthen mit Rücksicht auf den geringen Umfang ihres Betriebs in vielen Fällen nicht möglich ist. Die Theuerung der Lebensmittel veranlaßt oder zwingt ferner die Arbeiter, welche sehr oft eine zahlreiche Familie zu ernähren haben, sich nach besserem Verdienst umzusehen; in Folge dessen gehen dieselben aus unseren Gegenden massenhaft nach den westphälischen und rheinischen Jndustriebezirken, wo sie einen Lohn erhalten, der ihnen auch nicht an­nähernd von unseren Landwirthen gezahlt werden kann. Hierdurch werden unserer Landwirthschaft viele der tüchtigsten Arbeitskräfte entzogen und tritt sehr oft em­pfindlicher Sirbettermangel ein. In unserem Kreis werden diese V-rhältuisse am besten durch die Thatsache illustrirt, daß sich in diesem Frühjahr eine Anzahl Bauern Knechte aus Schlesien kommen lassen mußten. iffflMmMi,*WW5!,M*^^

Lokalschulaufsicht.

Bekanntlich richtet sich seit langem die Agitation in der Lehrerwelt gegen die Lokal-Schulaufsicht. Wie sich die Regierung zu dieser Sache stellt, geht aus folgendem Erlaß derselben vom 14. Nov. d. J. hervor, welcher an den Vwstand des Hessischen Lehrervereins geriefte ist.Bei der am 29. und 30. September d. Js. in Eschwege abgchalteneu Jahresversammlung des Höfischen Lehrervereins hat der Vertrag des Lehrers Zieprecht über die Lokalschulinspektion, bezw. die Nothwendigkeit des Wegfalls der geistlichen Lokalschulaufsicht einen Gegenstand der Tagesordnung gebildet. Wenn schon die Wahl eines Themas, welches auf eine abfällige Kritik über eine zu Recht best hende, den Volksschule lehrern Vorgesetzte dienstliche Instanz hinzielt, in einer Versammlung, an welcher auch Geistliche theilnahmen, als der amtlichen Stellung der Lehrer nicht entsprechend bezeichnet werden muß, so erscheint es doppelt bedenklich und für die Autorität der betreffenden Beamten nach- theilig, wenn über den Inhalt eines derartigen Vortrags und die darüber ausgestellten Thesen eine weitgehende Verhandlung stattfindet. Wenn sich auch der Vortrag selbst wie die Diskussion von Ar-feindungeu und Aus­

fällen gegen die Kirche freigchalten, so genügte doch schon der Umstand, daß dem geistlichen Stande die Be­fähigung für das ihm vertraute Amt der Ortsschul- aussicht durch die ihm dienstlich unterstellten Lehrer iu theilweise wegwerfendem Tone «bgesprochen wurde, um die Standesehre der Geistlichen in hohem Grade zu verletzen. Deshalb hat sich auch das hiesige König­liche Consistorium veranlaßt gefunden, in einem au uns gerichtetem Schreiben diesem Gefühle Ausdruck zu geben. Ein solcher Schritt war um so berechtigter, als die in der Tagespreise erschienenen Referate aus dem Verlauf der Versammlung größtentheils in einseitiger Weise das für den Wegfall der geistlichen Lokalschulinspckton An­geführte hervorheben, dagegen die Ausführungen unseres Vertreters zu Gunsten der seitherigen Ortsschulaufsicht ganz Übergängen oder in abgeschwächter Fassung wieder« gegeben haben. Der Erfolg ist denn auch gewesen, daß die Behandlung des Gegenstandes, weit entfernt, den Frieden zwischen Kirche und Schule zu fördern, wie der Berichterstatter in Aussicht stellte, im Gegentheil Verstimmung und Unfrieden gesäet hat, zum Nachtheil des gerade in unseren Tagen nothwendigen, einträchtigen Zusammenwirkens von Schule und Kirche. Nach solchen Erfahrungen halten wir es für unerläßlich, daß uns künftig das Programm der in Aussicht genommenen Verhandlungen vor der Hauptversammlung mitgetheilt wird, wobei mir bemerken, daß die rechtzeitige Vorlage des Programms sich durch schriftliche Abstimmung der Bezirkso-reine über die Vorschläge des VereinSvorstands recht wohl ermöglichen lassen wird. Wir werden dadurch in die Lage versetzt werden, die Tagesordnung unter dem Gesichtspunkte der von u is zu vertretenden staatlichen und Schulintercsse zu prüfen ttttö nach Be­finden, wenn auch zu unserem Bedauern, auf eine Vertretung bei der Jahresversammlung zu verzichten, etwaige Ausschreitungen aber demaä hst in disciplinare Erwägung zu ziehen.

Kgl. Regierung, Abtheilung für Kirchen-und Schulsachen. 9^. Opitz.

Vermischtes.

Aus einer Dorfschule. Lehrer: . . So, jetzt spricht jeder einen Satz, und dann wollen wir deuieldcu in die Befehlsform verwandeln!" Michel:Der Ochse zieht den Wagen!" Lehrer:Nun Michel, sag' die Befehlsform von diesem Satz!" Michel: .Hüh!"

Wichtige V.reinsthätigkcit. Frau:Ich möcht' nur wissen, was Ihr in Euren ewigen Versammlungen immer auszumachen habt!" Mann:Wichtiges! Das verstehst Du eben nicht!" Frau:Nun zum Beispiel!" Mann:Zum Beispiel, wo mir das nächste Malzufamm-ukommen !" Frau:Sooh?!"

Markt- und Handelsnachrichten.

Frankfurttt. Dezember. Der heutige Viehmarkt ««r mit 409 Ochsen, 8 Bullen, 490 Kühe Stieren, und Rindern 284 Kälbern, 433 Hämmeln und 43 i Schweinen befahren. Die Preise stellten sich wie folgt: Ochsen 1. Qual. Mark 70-72' 2. Ou«i. 60 64, Bullen 1. Dual. 5557, 2. Qual. 50-54. Kühe Rinder und Stiere 1. Dual. 60 62, 2. Dual. 4850 Alle« per 100 Pfd. Schlachtgewicht. Kälber 1. Dual. 6570 Pf« 2. Dual. 5560 Pf. Hämmel l.Dual. 6166 Pfg. 2. Dual' 5052 Pf. Schweine 1. Dual. 5860 Pf., 2. Dual. 565' Pfg. Aller per 1 Pfd. Schlachtgewicht.

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Sonntag den 14. Dezember 1890 Morgengottcsdienst: Herr Superintendent Heck. Nachmittagsgottesdienst: Herr Hülfs Pfarrer Schoener. Wochendienst: Herr Pfarrer Hartmarin.

Die S-ar- u. Vor- schußkassc in Schluchten, ist in der Zeit vom 22. bis 31. Dezember 1890 geschlossen.

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Bekanntmachung.

In Gemäßheit §. 43 der Statuten laden wir unsere Mitglieder zu der Sonntag, den 21 Iecemßer 1880, Nachmittags 2'^ Mr im hiesigen Rathhaussaale stattfindenden

45. ordentlichen Gencralversa '

hiermit ein.

Tagesordnung:

L Neuwahl der Voistandsmitglicder.

2. Neuwahl zweier Aufsichtsrathsmitglieder.

3. Geschäftsbericht.

Steinau, den 9. Dezember 1890.

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Aer Kufstchisratst: Klein, Vorsitzender.

Alk Worstand:

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