fischen Juden bekommen einen verständlichen Wink, der ihnen ebenfalls nichts schaden kann.
Mainz, 5. Nov. Der Hessisch- Baucrn-Vereinj hat in seinem Vereins Organ durch folgenden Aufruf Stellung gegen die Sozial-Demokratie genommen: „Achtung ! VereinSgcnvssen! Gebt Acht auf Euere schlimmsten Feinde — die Sozial - Demokraten. Gegen unsern Bauernstand, das festeste Bollwerk des Staates, geg-n unsere Religion, unsere Familie, unser Eigenthum wollen sie ihren Zcrstörungs-Feldzug beginnen. Wohlan! Den uns aufgedrungenen Kampf müssen und wollcu wir mit männlicher Zuversicht, aber auch mit kluger Umsicht aufnehmen und durchkämpfen. Auf die Führer des Bauern-Vereins könnt ihr bei diesem Kampfe sicher zählen! Darum berichtet es ihnen sofort, sobald jener Landschaden in euerm Dorfe einbrechen will, um mit seinen verderblichen und wahnwitzigen Lehren euch zu betören und zu vergiften. Eu-re Voreinsführer w-rden auf eueren Ruf alsbald auf dem Plan erscheinen und dem Feind die Lust verleiden, ein zweites Mal bei euch einzufallen."
Mannheim, 7. Nov. In dem unweit von hier belegenen Orte Sennfeld ist eine schreckliche Mordthat verübt worden. Dort hat der verheirathete Schneider Matter, nach Aussage seiner in Untersuchungshaft genommenen Ehefrau, sein fünf Jaare altes Söhnchen zuerst mit einem glühenden Bügeleisen gebrannt, dann mit dem Bügeleisen todt geworfen, den Leichnam in einem Korbe fortgetragen und verscharrt. Matter ist flüchtig. Der Leichnam des armen Kindes konnte bis jetzt noch nicht aufgefunden werden.
Freiturg i. B., 5. November. Ein überraschendes Ergebniß hatte eine dieser Tage in der chirurgischen Klinik vorgenommene Operation. Der Patient, ein Mann aus der Umgebung, hatte bei seinem Eintritt in die Klinik über Schmerzen in der linken Brnstscite geklagt, und es zeigte sich auch, daß sich an jener Körperfülle eine eiternde Fistel befand, bei deren Untersuchung man in ziemlicher Tiefe auf einen harten, anscheinend metallischen Gegenstand stieß. Es wurde nun zum operativen Eingriff geschritten, und nachdem Theile zweier Rippen entfernt waren, fand man unter diesen, unweit den Herze,>s ein Taschenmesser in fast zug klappten, Zustande. Aus den Angaben deS Patienten geht hervor, daß dieser eigenthümliche Eindringling eine Eiinnerung an das Land der Kastanien, daS schöne Spanien ist. Dorthin war nämlich der Betreffende arbeitssuchend auSgcwar.de, t. In einem Raufhandel mit heißblütigen Söhnen deS Südens hatte er einen ihn betäubenden Schlag auf den Kopf und wahrscheinlich gleichzeitig einen Stich in die Brust erhalten. Wie es kam, daß daS Messer zusammen- klappte und ganz in der Wunde verschwinden konnte, wie es kam, daß die spanischen Aerzte, dir ihn mehrere Wochen in einem dortigen Spital behandelten, daS Corpus delicti nicht auffinden konnten, enthält immer noch manches Wunderbare und Unerklärliche.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 11. Nov.
* — Gemäß § 22 deS Gesetzes betreffend dieJuva- liditäts- und Altersversicherung vom 22. Juni 1889, ist der durchschnittliche Jahresarb-itsverdicnst für die in der Land- und Forstwirthschaft beschäftigten Personen des Regierungsbezirks Kassel wie folgt festgesetzt worden.
Für erwachsene (über 16 Jahre alte) Personen: männlichen weiblichen
Geschlechts.
Geschlechts.
1. Kassel, Stadtkreis, auf
600
400
2. „ Landkreis, „
540
350
3. Kreis Eschwege, „
500
350
4. „ Frankenberg „
450
310
5. „ Fritzlar „
500
350
6. „ Fulda
a) für die Stadt „
600
450
b) „ „ übr. Orte „
500
350
7. Kreis Gelnhausen „
500
350
8. „ GerSfeld „
400
280
9. Hanau, Stadtkreis, „
700
550
10. „ Landkreis „
600
450
11. Kreis Hersfeld „
420
300
12. „ HofgeiSmar „
500
350
13. „ Homberg „
400
280
14. „ Hünfeld „
420
300
15. „ Kirchhain „
450
310
16. „ Marburg
-
a) für die Stadt „
600
450
b) „ „ übr. Orte „
500
350
17. Kreis Melsuvgen „
450
310
18. „ Rinteln „
450
310
19. „ Rotenburg „
450
310
20. „ Schlüchtern „
450
810
21. „ Schmalkalden „
500
350
22» „ Witzenhauseu „
500
350
23. „ Woffhagen „
400
280
24. „ Ziegenhain „
400
280
♦ — Bei der bevorstehende» Besetzung der Schier gericht', welche zur Durchführung der I validitäts- und Altersversicherung errichtet werden und am 1. Januar 1892 in Thätigkeit treten, sollen nach einer Mittheilung der Minister des J-ncrn und des Handels an den ^ufi pdmfw auch geeignete richterliche L.aml: .uch
werden, den Vorsitz oder stellvertretenden Vorsitz zu übernehmen. Für j dm Kreis (Stadtkreis wie Land- LriS) ist ein besonderes Schiedsgericht zu errichten, zu welchem die Landiälhc in der Regel deshalb nicht wohl herangezogen werden können, da sie bei Einleitung des Verfahrens auf Grund des § 75 des Reichsgesetzes vom 22. Juni 1889 ein vorläufiges Gutachten abzu- geben haben und daher in den Augen der Partei als nicht ganz unbefangen dstehen könnten. Deshalb wird vor Allem in kleinen Kreisorten die Mitwirkung von Richtern für unentbehrlich erachtet und auf dieselbe um so sicherer gerechnet, als den Berufenen an ihrem Theile zur Erhaltung des sozialen Friedens beizutragen Gelegenheit geboten werden wird. Der Justizminister rechnet darauf, daß die als geeignet in Aussicht genommenen richterlichen Beamten sich den kö iglichen Regierungen gegenüber, von denen betreffende Anfragen alsbald zu erwarten sind, zur Uebernahme des ihnen zngcdachten Nebenamtes bereit erklären werden, welches zudem nach Maßgabe verfügbarer Mittel voraussichtlich mit einer Vergütung verbunden sein wird.
* — In diesem Jahre scheint mit wenigen Ausnahmen in Folge aller möglichen Umstände jede Waare einen Preisaufschlag erfahren zu haben. Kaffee ist und bleibt theuer, Thee hat merklich angezogen, ReiS ist gestiegen, getrocknetes Obst ist 50°/o lheuerer wie im Vorjahre. Eier sind so hoch im Preis wie nie zuvor, Kohlen durch PreiSringe 5O°/o mehr werth als vor 2 Jahren — wo soll das hinaus für alle solche L ute, wie Beamten mit kleinem Gehalt und solche, die ein kleines, durch den Zinsrückgang so wie so vermindertes Einkommen besitzen. Daß die erhöhte Lebenshaltung nicht ohne Rückwirkung auf den Absatz solch er Waaren wirkt, die nicht geradezu Bedürfniß sind, ist erklärlich und liegt hierin der Grund, daß solche Geschäfte jetzt nicht den Umsatz der Jahre erzielen, wo Lebensmittel billig waren und manches Andere gekauft werden konnte. Jede haushälterische Familie schränkt sich eben so viel wie möglich ein, wie dies auch vernünftiger Weise nicht anders sein kann. Hier bewährt sich aber der alte Spruch: „Wenn Preise niedrig sind, ist auch das Geschäft lebhaft."
* — Die Photographie wird demnächst im öffentlichen Interesse eine neue Anwendung erfahren. DaS Ministerium beabsichtigt nämlich, anzuordnen, daß in ganz Preußen die Leichen aller gefundenen oder gelandeten unbekannten Personen vor der Beerdigung oder Obduktion photographirt und die Bilder aufbewahrt werden, um auf diese Weise noch nach Jahren ein Re- kognoSziren zu ermöglichen.
* — Trauringe sind nach einer gerichtlichen Entscheidung nicht pfändbar. Nach der SBftimmung und symbolischen Bedeutung derselben müssen sie als mit dem Träger verwachsen abgesehen werden und sind ebenso wenig wie ein Körpertheil des Trägers pfändbar.
* — Die Zeit, welche uns von Weihnachten trennt, wird immer kürzer, und die für viele Geschäfte flotteste BerkaufSpcriode, die eigentliche Ernte beginnt allmählig. Auß-rdem machen Hausstand und Wirthschaft geradezu Beginn der Wintersz-it die meisten Ansprüche. Mir halten deßhalb diesen Zeitpunkt für am geeignetsten, um das Publikum wiederholt darauf aufmerksam zu machen, ihre Einkäufe nur bei Geschäftsleuten hiesiger Sladt zu machen. Warum in die Ferne schweifen, wo das Gute liegt so nah? Die frühere „Mode", eS für nobel anzuschen, für theueres Geld geringe Waare von auswärts zu beziehen, muß gänzlich schwinden. Zudem muß es im Interesse eines jeden Einwohners liegen, wenn der Geldumsatz in der Stadt selbst ein recht reger ist. Die Ausrede, daß man nicht alles bei einheimischen Geschäftsleuten haben könne, ist durchaus hinfällig, denn wenn dieselben von dem Konsum deS kaufenden Publikums Kenntniß haben, werden sie auch nicht ermangeln, den Wünschen ihrer Kunden in jeder Hinsicht gerecht zu werden. Also nur bei hiesigen G-schä Meuten eingekauft
* — „Kritische Tage." Für das Jahr 1891 macht Rudolf Falb folgende „kritische Tage" namhaft: Kritische Tage erstcrOrdnung: 18. September, 17. Oktober, 10. März, 8. April, 19. August, 9. Februar, 16. November,
8. Mai. Kritische Tage zweiter Ordnung: 10. Januar, 21. Juli 25. März, 15. Dezember, 6. Juni, 24. April, 3. Oktober, L November, 23, Mai, Kritische Tage dritter Ordnung: 23. Februar, 22. Juni, 8. September, 31. Dezember, 1. Dezember, 4. August, 25. Januar, 6. Juli. Für das laufende Jahr ftpen noch vier solcher Tage bevor. Es sind dieS: der 12. Nov mber und der 12. Dezember, kritische dritter Ordnung
* — DaS Verhalten der städtischen Behörden gegenüber der TageSpresse bildete u. A. einen Gegenstand der Tagesordnung, welcher den Obcrschlesischcn Städte- tagin seiner ersten Tagung, die am vergangenen Sonnabend in Ratibor stattfand, beschäftigte. Er bezeichnete sein Thema als nicht sehr angenehm. Es sei mitunter peinlich, in der Presse Kritiken auSgesetzt zu sein, zumal in jener Presse, die weit verbreitet ist. Man sprech gleichwohl nicht etwa der Presse das Recht ab, zu be/ richten und zu kritisiren, die Berichterstattung sei i^ Recht, ja sogar ihre Pflicht. Holte sie sich bei der Be- lichterstatlung nicht an die Thatsachen, dann könne m gegen sie das Strafgesetz anrufen. Auch daS Ren der K-itlk, das der Bürger am Biertisch für sich in An .
spruch nehme, stehe der Presse zu. Die Preßfreiheii dürfe und solle nicht in Frage gestellt werden. Die öffentliche Meinung sei in der R-get ja doch anständig. Komme eS zu Konfl kteu, so sei der Schuldige nicht immer auf der einen Seite zu suchen. Mitunter sei die Presse gereizt, wenn sie sehe, daß ihr gegenüber eine gewisse Enthaltsam k-i t^geübt wird. Zur Vermeidung von Konflikten gebe eS VorbeugungSmaßregeln. Man setze sich mit der Presse in Verbindung und gebe ihr freiwillig, waS sie sonst auf Nebenwegen sucht. Man komme der Presse entgegen. Mans ig-r chtund unbefangen und schreite nur da ein, wo man s-he, daß Bosheit wilke. — Diese zum Theil recht wohl angebrachten Ermahnungen verdienen überall Beherzigung.
Fulda, 6. Nov. Die Frage, ob nach Fulöa oder HerS^eld die neu zu errichtende Kriegsschule gelegt wird, ist nun definitiv erledigt — sie kommt nach HerSfeld'. Damit Fulda aber nicht ganz teer ausgehe, erhält es, in Berücksichtigung seines tiefkotholischen Charakters nicht unpassend, vorläufig eine Niederlassung von „Barmherzigen Brüdern" und für später die AuSsicht, wenn einmal das Jesuitengesetz gefallen sein wird, auch noch eine Niederlassung derer von der Gesellschaft Jesu zu erhalten. Das gesellschaftliche Leben dahier ist ohnedies bei seinem Rückgänge auf abschüssige Bahn gedrängt; bei dem herrschenden Regiment, daS auch den Herren Ministern nicht unbekannt zu sein scheint, kann dies auch Niemand Wunder nehmen. In Folge mini» fterielhrfeits gemachten Schwierigkeiten nimmt auch die Aktiengesellschaft „Harmonie" davon Abstand, ihren in den Plänen fertigen großen Saalbau auSzuführen, ein Entschluß, der ihr um so mehr vieles Weh verursacht hat, als nun der „Bürgervereis" es übernehmen wird, diese Bedürfnißfrage zu lösen. — Die Freude der Hersfelder über ihr großes Glück im R iegSminifterium wurde gleichzeitig dadurch etwas vergällt, als einer ihrer geachteten Mitbürger, der Chef des seit Menschen- gedenken bestehenden Bankhauses I. C. Zickrud alh, pleite ging, der Konkurs ist bereits angem-ldet. Der Schaden der Bethätigten ist groß.
Hersfeld, 7. Nov. Der „Hess. Morzenztz." wird mitgetherlt, daß Ende März n. J. eine Kriegsschule hierher verlegt werden wird. ।
Eisenberg 6. Nov. In der benachbarten Gemeinde K. war dieser Tage eine große Treibjagd ungesagt. Eben war daS erste Trcib-n beendet, 71 Hasen waren zur Strecke gebracht, und unter den Schützen herrschte stolze Freude über das befriedigende Ergebniß, als plötzlich der — Gerichtsvollzieher auf der BUdfläche erschien und die ganze Jagdbeute im Amftrare . eines Gläubigers deS JagdpächterS pfändete. Unter solchen Umständen fand natürlich daS Jagdvergnögcn ein vorzeitiges Ende.
Oldendorf, 7. Nov. Als sich vorgest in Ab:nd die Ehel-ute P. zu B tt begeben wollte», fanden sie ihr 15 Monate als Kind todt im Pett. Ein hcrzug-rufencr Arzt konnte nur den vor einer Stunse ci»getretene» Erstickungstod konstatieren. Ein größer-S Kind, w-lcheS bei dem verstorbenen in demselben B- te lag, hat j denfallS die Decke imSchlafe über das kleine Brüderch n gezogen.
Fl'orSheim a. M., 5, Nov. Der hiesige Fisch-r Ph. Kohl, welcher wegen des V-rdachl^S, durch Ocffncn des Wehrthores bei Kostheim im Frühjahr dics-S Jahres den Tod zwei-r hiesigen Fischer verschuldet zu haben, in Untersuchungshaft genommen war, hat sich im Amts- gerichts-Gefängniß zu Hochheim erhängt und dadurch der irdischen Gerechtigkeit entzogen. Um ein 3;lb deS sozialen Elends zu entrollen, welches d^r Vorfall bereits im Gefolge hatte, wollen wir denselben hier a'urz wiederholen. Im Mai d. J. ertianfen in der Nähe deS Nadelwehrcs bei Kostheim der hiesige FischcrPetcr Nauheimer und sein vierzehnjähriger Sahn. Einige Zeit darauf g-uas die Wittwe deS erst reu b.S siebenten KindeS und einige Wochen spät r starb die Wittwe, sechs Kinder im Alter von 1 bis 12 Jahren als W apen zurücklassend. Im vorigen Mo-iat erfolgte die Verhaftung deS Fischers Ph. Kohl und einige Woch n Püt-r machte derselbe seinem Leben durch Eihä,agen ein gewaltsames Snbe,.feine Frau m t fair uimünd-gei Kindern in (restlosen Verhältnissen zurücklassci d.
Ausland.
Hont, 4. Nov. Ung heureS Aussehen erregt die heute Nacht erfolgte gräßliche Ermordung d-S reichen belgischen Geistlichen Don St-sa: o Halleus, btr unfern deS PeterplatzcS ein überaus elegantes Appartement bewohnte. Die Leiche dcS Prsist-rs wurde mit eilige» schlagencm Schädel aufgefunden. Alle Umstä sde deuten auf einen Raubmord hin, den ein anderer Priester begangen haben soll.
-.................... »...»l ............ , ......... I. NH „ ! L 1 ■!»J..L_|Jr-.LtM>
Aäuerin und Hmfin.
Roman von Theodor Mügge.
„Davon muß e$ geheilt werden und soll er geheitl werden," sagte Lydia. „Sie sollen mich begleiten, Cousin Rudolf. Ich will aus ei fern stolzen Republikaner einen getreuen Unterthanen machen.^
„Das wird, wie ich vermuthe nicht schwer halten," lächelte der alte Herr, „indem er seinen Soh a blick» und sein GlaS aufhob. Viele sind schon in so süß k Weise von ihren Ftkiheitslräum N betest wölben-"