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machten 1'/» Mark. Werkverdingungsverträge, Inhalts deren der Uebernehmer auch das Material ganz oder theil- weise anzuschaffen hat, sind bei Herstellung beweglicher Gegenstände wie Lieferungsverträge zu versteuern. Handelt es sich um nicht bewegliche Sachen, so ist der Werkver- dingnngsvcrtrag so zu versteuern, als wenn ein Lieferungs­vertrag über die zu dem Werk erforderlichen beweglichen Gegenstände und außerdem ein Arbeitsvertrag geschlossen wäre. Aus dem Vertrage muß daher der Preis der er­wähnten beweglichen Gegenstände und die Vergütung für die Arbeit hervorgehen. Die Angabe des Preises in der Stempelberechnung genügt hierzu nicht.

* Straskammersitzung vom 27. Oktober. Ein in Weichersbach wohnhafter Taglöhuer von Rieneck ist beschuldigt, vor 3 oder 4 Jahren aus einem Steinbruch in der Vollmerz'schen Gemarkung einen sogenannten Geisfuß, und im Winter 1888 auf 89 von der Wiese eines Bauern von Sterbfritz drei Holzhaucr-Aexte ent­wendet zu haben. Der Angeklagte will den Geisfuß von einem ihm sonst unbekannten Arbeiter Namens Jean" gekauft haben und beschuldigt zur zweiten An­klage den Denuncianten, einen Nebenarbeiter von ihm, als den Dieb, dem er nur Beihülfe geleistet habe. Der Gerichtshof erkannte jedoch den Angeklagten der zwei ihm zur Last gelegten Diebstähle schuldig und verur- theilte denselben, da er im Nückfall sich befindet und es nicht darauf ankommt, ob er bei der That noch einen Mitwisser und Helfer hatte, zu 6 Monaten Gefängniß und in die Kosten. Ein Taglöhner von Steinau ist beschuldigt, im Frühjahr 1889 seinem Dienstherr», dem Pachter des Domänenhofs Steinau, aus einem ver­schlossenen Keller mittelst Erbrechens eines Lattenver- schlags etwa 18 Liter Branntwein und eine Milchkanne entwendet zu haben. Der Ang-klagte gibt zu, am Tage seiner Entlassu- g, um seinem Herrn einen Schabernack zu spielen, eine Kanne voll Branntwein mitgenommen zu haben. Die Thür zum Keller sei offen und in dem Lattenverschlag seien 4 Latten lose gewesen, die er nur zurückgeschoben habe und wodurch es ihm möglich ge­worden sei in den Branntweinkeller zu gelangen. Der Pächter ist offenbar mehr wie einmal auf diese Weise bestatten worden, jedoch konnte durch die heutige Ver­handlung nur f-stgestellt werden, was der Angeklagte selbst zugab. Mit Rücksicht darauf, daß der ganzen Ausführung des Diebstahls ein gewisses Raffimment zu Grunde liegt, wurde der Angeklagte mit 6 Wochen Gefängniß und den Kosten besinnt.

* Der Provinziallandtag der Provinz Hessen- Nassau ist auf den 4. November nach Kassel einberufen worden. Demselben schließen sich die Sitzungen des Lommunallandtages für den Regierungsbezirk Kassel unmittelbar an.

Gelnhausen, 27. Oct. Die diesjährige Weinlese findet vom nächsten Montag an statt und zwar am Montag den 3. November vom Schnepfenrain bis zur Dürich, am Dienstag den 4. Nov. von der Dürich bis zur Platte-Hohl, und am Mittwoch den 5, Nov. von der Platte-Hohl bis zum neuen Berg. Wenn es gutes Wetter gibt, so wird es auch diesmal trotz des geringen Ertrages an Freude und Vergnügen nicht fehlen.

Kassel, 19. Oktober. Am gestrigen Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig vollzog sich auf demgroßen Forste" hierselbst ein Akt pi tätvoller Erinnerung, welcher alle Vaterlandsfreunde mit Befriedigung erfüllen wird. Unter der mitten auf dem Platz stehenden Eiche ruhen jene sechs hessischen Männer, die für ihr mannhaftes Auftreten in dem Kampfe für Freiheit und Recht als Opfer der französischen Fremdherrrschakt gefallen sind. Jene Sechs, welche hier im Jahre 1809 ihr Leben unter den Kugeln der Unterdrücker aushauchten, waren: 1) Lieutenant F. W. v. Hasserodt aus Wahlhausen (am 13. Mai erschossen); 2) Oberst Andreas Gemme- rich aus Kilianstaedten (18. Juli); 3) Professor I. H. Sternberg aus Marburg (19. Juli); 4) Ackersmann W. Günther aus Sterzhausen (19. Juli); 5) Ackrs- mann D. Muth aus Ockershausen (19. Juli) und 6) Wachtmeister Ch.Hohmann aus Wahlhausen (11. August 1809 erschossen). Um ihr Andenken für alle Z fiten zu ehren, wurde bei der 50jährigen Gedenkfeier der Völker­schlacht bei Leipzig, am 18. Oktober 1863, der Grund­stein zu einem Denkmahl in erhebendster Weise gelegt ; auch der Kurfürst, welcher der Sache großes Interesse entgegenbrachte, wohnte der Feier bei. Leider verzögerte sich die Ausführung des Denkmals in unerwarteter Weise, woran die eintretenden politischem Ereignisse nstcht ohne Schuld gewesen sein mögen. Erst lange nach­her;, in den siebziger Jahren wurde das vom Prof. Kampert ausgeführte Denkmal für die Gefallenen, das Heffsendenkmal" errichtet, aber an anderer Stelle näm­lich In der Carlsaue. Auf dem Forste selbst, der Ruhe- flätte der erschossenen Freiheitshelden, machte nur die einsam stehende Eiche die Stätte von weitem kenntlich; ferner war ein Stein mit kurzer Inschrift darunter an­gebracht, welcher sehr verwittert war und in seinem schlechten Zustande einen unwürdigen Eindruck machte. Die Behörden der Stadt Kassel haben daher einen neuen G-d nkstein auf dieser historisch denkwürdigen Stätte an­bringen lassen, welcher gestern aufgerichtet wurde. Es ist ein Granitblock (rother schwedischer), auf welchen in goldenen Lettern zu lesen ist:Hier fielen hessische Männer als Opfer der Französischen Fremdherrschaft",

Bäuerin und KMn.

Roman von Theodor Mügge.

(Fortsetzung.)

Auf morgen also," sagte er.Ich bin begierig zu Wissen, welche Wahl Du getroffen hast. Jedenfalls hat er von Glück zu sagen, und an meinem Segen soll es nicht fehlen."

Als er den Abhang erreicht hatte, blickte er aus das Haus zurück, stand still und begann zu horchen.Wenn das wirklich so sein könnte," begann er,wenn dieser dankbare Taugenichts so weit sinken könnte, es würde ein erhabener Schluß für diese Idylle sein. Es ist ein allgemeines Naturgesetz, daß alle göttlich geschaffenen Wesen sich täuschen und betrügen sollen, Niemand darf sich davon ausschließen. Ich habe als redlicher Mann das Meinige gethan, somit kann ich mich beruhigen. Er blickte auf die Straße hinab, wo soeben der Wagen heranrollte, welcher Lydia und Rudolf aus der Stadt zurückbrachte.Da kommen sie!" sagte er.Wie die Leute stillstehen, wie sie ihnen nachblicken; ein wonnig­lich junges, von allen Göttern gesegnetes Paar. Aber dieser Narr des Glücks wird so oder so wie ein Narr enden!"

Der Tag rrrging den Gästen in slohtster Weise,

darauf folgen die Namen derZ sechs Patrioten. Der Bildhauer Max Dötöne hat das Ganze in recht wür­diger Weise ausgeführt.

Kassel, 27. Okt. Auf Einladung des Herrn Landes- Direktors v. Hundelshausen in Kassel waren heule die Mitglieder des konstituirenden Ausschusses der Jovali- ditäts- und Altersversicherungs-Anstalt für die Provinz Hessen-Nassau und das Fürstenthum Waloeck im großen Sitzungssaale des Ständehauses dahier zu einer nicht öffentlichen Sitzung zusammengetreten. Es waren die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer erschienen. Den Vorsitz in der Versammlung führte Herr Landes» Direktor von Hundelshausen. Nach Begrüßung der Versammlung durch den Herrn Landes-Direktor wurde zunächst in die Berathung desStatuts der Ver- sichcrungs-Anstalt Hessen-Nassau" eingetreten, welches im Entwurf vorlag. Derselbe wurde nach eingehender Erörterung der getroffenen Bestimmungen mit geringen, vom Herrn Landesdirektor in Antrag gebrachten Ab­änderungen und Zusätzen einstimmig angenommen. Von der Bestellung eines Aufsichtsraths ist von dem Aus­schuß abgesehen worden. Sodann wurden die erforder­lichen Wahlen vorgenommen. Es wurden gewählt: Kommerzienrath Wurmbach von Bockenheim zum Vor­sitzenden des Ausschusses, Oberförster Gleinig von Allendorf a. W. zum stellvertretenden Vorsitzenden, Werkführer Breithaupt von Kassel und Lackirer Stolz von Wiesbaden als Beisitzer zur Unterstützung des Vor­sitzenden, Nechtsanwalt Dr. Häuser von Höchst zum Schriftführer. In die Kommission znr Vorprüfung der Jahresrechnung wurden gewählt: Schreinermeister Ruetz von Kassel, Exp dient Huber von Frankfurt a. M., Domänenpächter Görg von Laubach. In den Vorstand der Versicherungsanstalt wurden gewählt: I. Zur Vei- tretung der Arbeitgeber Rittergutsbesitzer v. Skockhausen zu Abgunst, Kreis Hofgeismar, als Mitglied, Fabrikant Carl Beck zu Kassel als erster Ersatzmann, Gutsbesitzer und Bürgermeister Beinhaner von Vollmarshausen als zweiter Ersatzmann. II. Zur Vertretung der Versicherten Schlosser Otto Kell zu Kassel als Mitglied, Schrift­setzer Fandet zu Kassel als erster Ersatzmann, Gärtner Schmoll zu Kassel als zweiter Ersatzmann. Für die 43 Schiedsgerichte der Versicherungsanstalt wurden die erforderlichen Wahlen der Schiedsgerichtsbeisitzer und Hilfsschiedsgerichtsbeisitzer vorgenommen und zwar wurden unter Annahme der vom Herrn Landesdirektor hinsichtlich der zu wählenden Persönlichkeiten gemachten Vorschläge für jedes Schiedsgericht, sowohl aus dem Stande der Arbeitgeber, als auch aus dem der Ver­sicherten je fünf Personen zu Schiedsgerichtsbeisitzern und außerdem je fünf Hilfsschiedsgerichtsbeisitzer ge­wählt, welche am Sche d.s Schiedsgerichts aber in dessen nächster Umgebung wohnhaft sind und theils zu den Arbeitgebern, theils zu den Versicherten gehören.

AnSland.

Australien. Eine Belohnung von 125000 Dollars (500 000 Mark) hat eine Kommission in Melbourne Demjenigen ausgesetzt, welcher ein Mittel erfindet, wie der Kaninchenplage in Australien ein Ende gemacht werden kann. Ueber vierzehnhundert Rathschläge sind bereits eingelaufen und zum größten Theil erprobt worden, jedoch keiner hatte einen Erfolg aufzuweisen. Die Kommission sieht nur in der Erfindung einer Krank­heit Abhülfe der Plage, das Wegfangen und Vergiften der Thiere gewährt keine Abhülfe. In sieben Jahren von 1882 an hat die Regierung von Neu-Südwales allein 3 661 180 Dollars für Experimente ausgegeben, ohne auch nur annähernd eine Wirkung erzielt zu haben. Selbst Professor Pasteur, der die Vogel Cholera als Kaninchenvertilgungsmittel benutz n wollte und nahe daran war, den Beifall der Kommission zu erlangen, mußte zuletzt zurücktreten. Infolge der Unmassen von Kaninchen ist die Schafzucht um neun Zehntel zurück­gegangen und der Werth der Farmen stetig gesunken.

der alte Herr selbst war nicht weniger beglückt. Lydia schien es sich vorgenommen zu haben, alle Welt durch ihre Liebenswürdigkeit zu bezaubern, sie war in der heitersten und glücklichsten Laune. Ihre zärtliche und vertrauliche Sorglichkeit verjüngte den greisen Diplo­maten, dci i hr jedes Scheichelwort durch eine Lieb­kosung vergalt, welche zugleich auf seine Hoffnungen und Wünsche zielte. Lange Zeit ließ er sich von ihr und von seinem Sohne in den schattigen Gängen um­her führen, und seine Absicht war es gewiß, eine Er­klärung herdeizuführen, allein Rudolf schien nicht den Mutb zu haben, um den rechten Augenblick zu benutzen.

Als der Abend kam, sank die Sonne in ein glühendes Wolkenmeer, und östlich stieg der Mond über die welligen Schwyzer Berge und mischte sein blasses, träumerisches Licht mit dem feurigm Schein, welcher auf dem See und auf allen Höhen bräunte. In diesem magischen Schimmer ging Lydia mit ihrem Verwandten bis zur Rebenlaube auf der Spitze des Hügels. Sie hatte sich in ihren großen indischen Shawl gehüllt, den die rosige Luft wie eine leuchtende Wolke umschwebte. Ihr Gang war so leicht, als berühre sie kaum den Boden, der Abendwind spielte mit ihren Locken, und die köstlichen Steine ihrer Nadeln und Gehäuke funkelten nicht feuriger wie ihre Augen, die so stolz und siegreich umherblickten.

Der Legationsrath halte ihr den Erfolg seines Spazierganges mitgetheill, welcher so wohl gelungen war. Sie hatte sich sehr an seiner Darstellung ergötzt. Also nichts als Geld und Gier nach Geld war in der Hütte auf dem Berge. Eine Hand voll Gold mehr sollte sie reichlich haben. Es mußte eine eigenthümliche Scene geben, und sie freute sich mit einer gewissen Begier darauf. Mit dem Jnstincte der Frauen hatte sie entdeckt, daß Rudolf diesem Bauernmädchen sein Wohlwollen zuwandte, sie hatte es an seinen Blicken und Worten bemerkt, und daß diese Dirne bei dem Sturm auf den Steinen im See so unerschrockenen Beistand leistete, hatte ihren Neid vermehrt. Weiter kam Vreneli nicht in Betracht. Sie war ein zu ärm­licher Gegenstand, um ihn ernstlich zu bedenken; allein es war Lydia lieb. wenn sie mit großmüthigem Lohn zugleich ihn gänzlich beseitigte, und es kam ihr vor, als ob sie den Mann ihrer Wahl um so sicherer an sich fesselte.

Dessen war sie keinen Augenblick zweifelhaft, denn sie kannte ihre Ueberlegenheit und kannte alle Hoffnungen, welche sie in diesem Landhause erregte. Der Legations­rath hatte ihr nichts ve> schwiegen, und sie sah, wie beglückt der alte Herr von seinen Wünschen war, wie deutlich er sie zu verstehen gab. Die Blödigkeit ihres Cousins, seine scheue Ehrfurcht, seine ungesch dtia Huldigungen machten ihr dagegen Vergnügen. Er war so unerfahren und so unschuldig, so zaghaft und doch so aufrichtig, daß sie immer zu lachen und zu necken hatte, und sie fand es allerliebst, in dieser Art noch ein Weilchen fortzufahren, ehe sie ihn zu ihren Füßm brächte. Anfänglich hatte es ihr gefallen, zu ihm herunterzusteigen, jetzt gefiel es ihr, ihn zu sich empor- zuheben, und die erfahrene, im Glänze der großen Welt erzogene Dame erfreute sich nicht weniger daran, dieS Naturkind zu formen und zu bilden und einen dank­baren, liebeuswüroigen und gläubigen Mann daraus zu machen.

Ihre Ueberlegenheit und G-wißh fit machte sich auch jetzt geltend. Als sie auf dem Hügel vor der Laube standen, lag die köstliche Abendruhe auf S'c und Thal. Kein Mißton des Menschenlebens drang zu ihnen herauf. Stille war weit umher, leichte Nebel ringelten an den Bergseiten, darüber schwamm goldiges Licht; leise Heerdenglocken allein klangen von den Matten in der Tiefe.

Lydia legte ihre Hand auf Rudolf's Schulter und blickte ihm ins Gesicht. Sie stand in dem rosigen Schern vor ihm und lächelte übermüthig.Sie sehen mich so ernsthaft durchdringend an, als wollten sie sich mein Bild fest einprägen," sagte sie.

Das will ich auch," erwiderte er.

Und wie erscheine ich Ihnen?"

Wie ein Engel Gottes," antwortete er in seiner aufrichtigen Weise. (Fortsetzung folgt.)

Markt- und Handelsnachrichten.

Frankfurt, 29. Detobet. Der heutige Viehmarkt war mi 56 Ochsen, Bullen, 435 Kühen, Rindern und Stircen, 364 Kälbern, 70 Hämmeln und 280 Schweinen befahren. Die 'Preise stellten sich wie folgt: Ochsen 1. Qual. Mark 69-72, 2. Oual. 63 66, Bullen 1. Qual 55 -56, 2. Qual. 51-56, Kühe Rinder und Stiere t. Qual. 60 63, 2. Qaal. 52 -56. Alles per 100 Pfd. Schlachtgewicht. Kälber 1. Qual. 70 75 Plg-, 2. Oual. 6065 Pf. Hämmel l. Qual. 6z66 Pfg., 2. Oual. 4852 Pf. Schweine 1. Qual. 65 67 Pf., 2. Oual. 6364 Pfg. Alles per 1 Pfd. Schlachtgewicht.

gulda, 25. Okt. Der heutige Schweinemarkt war 70 Läufern und 320 Ferkeln betrieben. Der Durchschaitt-pr<>k stellte sich bei Läufer auf 29, bei Ferkel auf 8 Mk. per Stück.

Kirchlicher Aureltzer für Schlüchteru.

Samstag, Buß- Bet- und Danktag. Morgengottesdienst: Herr Pfarrer Hartmantt. Nachmittagsgottcsdicnst: H.rr Hülfs-Pfarrer Schoener.

Sonntag, den 2. November 1890. Morgengottesd'tnst: Herr Superintendent Heck. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer HartmaM- Wochendrenst: Herr Pfarrer Hartmanu,