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AS 87. Mittwoch, den 29. Oktober 1890.
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Die Mollke Feier.
Wurde dem Grafen Mollke am Sonnabend der warme Dank des Volkes dargebracht durch Veranstaltung eines glänzenden Fackelzuges, so war der Sonntag, der Geburtstag, der Tag der feierlichen Gratulation durch den Kaiser, die Fürsten, Generale und Deputationen aller Art. Auf dem Königsplatze herrschte schon am frühen Morgen reges Leben. In das festlich geschmückte Generalstabsgebäude flossen die Geschenke nur so hinein, Adressen und Telegramme gingen in unzählbaren Mengen ein. Die Fürsten Deutschlands, ja ganz Europa's, betheiligten sich ohne Ausnahme an der Beglückwünschung, und von Städten, Industriellen und Privatpersonen kamen Geschenke jeden nur denkbaren Charakters. Dem Jubilar wurde ein Morgenständchen von einem Gesangverein und eine Morgenmusik von einer Militärkapelle gebracht. Zugleich erfolgte die Gratulation der Anverwandten und der Offiziere des Generalstabes. Gegen Mittag erfolgte die Auffahrt der hohen Generalität und der Fürstlichkeiten, welche dem Feldmarschall ihre Glückwünsche darzubringen gedachten. Zugleich verkündete schmetternde Musik vom Brandenburger Thor her Pas Heraurücken der Standarten Eskadron und der Fahnen- Kompagnie, welche die Feldzeichen zum Heim des Gefeierten brachten. Ein donnerndes Hochrufen verkündete die Ankunft des Kaisers, welcher in großer Uniform herbei- gefahren kam, zunächst die Fahnen-Abtheilungen besichtigte und dieselben alsdann an sich vorüber in das Generalstabsgebäude bringen ließ. Der Monarch begab sich alsdann in den großen Festsaal, in welchem sämmtliche Armee-Inspekteure und kommandirenden Generale, der Reichskanzler, die General- und Flügeladjutanten aufgestellt waren. Seine Majestät begrüßte zunächst die Herren und hielt baun eine kurze Ansprache, in welcher betont wurde, welche Dienste Mollke dem Vaterlaude geleistet habe und wie am besten ihm durch Nacheiferung gedankt werden könnte. Darauf nahmen die Fahnen- und Stan- dartenträger an den Saalwänden Aufstellung, und der Kaiser stellte sich an. die Spitze der glänzenden Versammlung. Eine kleine Pause der Erwartung, und durch die Flügelthüren herein schritt rüstig und kraftvoll Graf Moltke, mit dem Marschallstab in der Hand, gefolgt von den Generalen von Waldersee und Wittich. Der Kaiser salutirte, mit ihm alle Anwesenden, die Fahnen senkten sich, während Graf Moltke mit mühsam verhaltener Bewegung nach allen Seiten dankte. Nun sprach der Kaiser Namens der ReichSarmee und in seinem eigenen seinen Glückwunsch aus. Er dankte nochmals für die großen Dienste, welche der Jubilar oen verewigten Kaisern und dem deutschen Vaterlaude geleistet, er betonte, wie es unmöglich sei, jene Dienste zu vergelten, wie aber Alle bereit sein würden, dem großen Borbilde nachzueiferu. Mit einem Hurrah schloß der Kaiser seinen mit warmer Herzlichkeit ausgesprochenen Wunsch für das fernere Wohlergehen des greisen Helden, und draußen stimmte der eherne Mund der Geschütze ein. Der Feldmarschall wollte sich auf die Hand des obersten Kriegsherrn niederbeugen, aber der Kaiser verhinderte dies, er umarmte seinen Mollke wiederholt auf das Herzlichste. Nunmehr wurden die Fahnen und Standarten im Saale aufgestellt, und es erfolgte die Gratulation durch die anwesenden Fürsten und Herren. Der greife Marschall war auf das Tiefste bewegt, wiederholt versagte ihm die Stimme zum Danke. Langsam verließen dann die Herren von der Armee das Generalstabsgebäude, und die übrigen Gratulanten erschienen. Nach einander kamen Deputationen des Bundes- ratheS, des preuß. Staatsministeriums, des Reichstages U(?b des Preußischen Landtages, des Hofstaates, der deutschen und fremden Regimenter, bereit Chef Graf Moltke ist, der teutschen Städte, der Universität und der Studenten, von Korporationen und Vereinen, von Teutschen im Aus- Innbe, zahlreiche dem Geburtstagskinde persönlich befreundete Herren u. s. w Die Adressensammlung wuchs mit jeder Bieitelftmibe; freundlich und liebenswürdig alle Herren begrüßend, hielt der Fcldmarschall die Strapazen des Empfanges mit erstaunl cher Frische aus. Bei der Tafel im Neuen Palais saß Graf Mollke zwischen dem Kaiser und der Kaiserin, und in kräftigen Worten brächte der Erstere das Hoch auf seinen Gast aus. Der Feldmarschall dankte in bescheidenen Worten, er versicherte, wie er keinen höheren Lohn gekannt habe, als den, dem Kaiser und dem Reich treu dienen zu können, und dem Kaiser galt auch «nHoch. I« Berlin, wie in Potsdam waren am Abend vielfach die Häuser illuminirt und fanden festliche Kund
berg als Botschafter des deutschen Reichs in Wien accreditirt und behielt diese Stellung, bis er am 29. Mai 1878 zum preußischen Staatsminister ernannt und bald darauf auch mit der allgemeinen Stellvertretung des Reichskanzlers beauftragt wurde. Nach dreijähriger Wirksamkeit schied er aus diesem Amt, lebte drei Jahre auf seinen Besitzungen und wurde 1884 zum Oberst- Kämmerer und fnnvertietenbeu Minister des königlichen Hauses ernannt, welches Amt er vor zwei Jahren an Herrn von Wedell-Presdorf abgab. Seit dieser Zeit lebt Graf Stotberg auf Schloß Wernigerode. Wie mit« getheilt wird, ist die jetzt vom Grafen Stolberg angenommene Standeserhöhung demselben in früheren Jahren schon des Oefteren angetragen, von ihm jedoch stets abgelehnt worden. Es verlautet, daß auch den Kindern des Fürsten Stolberg die Titel „Prinz" und „Prinzessin" zuerkannt seien.
Abermals hat sich in Berlin ein schreckliches Familien- drama abgespielt, das mit dem Tod von 4 Personen geendet hat. Ein ehemaliger Oekonom, Namens Gast, der kürzlich seine Stelle verloren hatte und nach Berlin gekommen war, um sich eine neue Existenz zu begründen, hat aus Verzweiflung über den Mißerfolg seiner Bemühungen sich und seinen 5 Kindern Gift, wahrscheinlich Arsenik, gegeben, das auch bei ihm und dreien der Kinder, zwei Knaben im Alter von 13 und 11 Jahren und einem Mädchen von 3 Jahren, die gewünschte tödliche Wirkung gehabt hat. Die beiden anderen Kinder, ein fliahriges Mädchen und ein 2jähriger Knabe, sind dem Tod dadurch entgangen, daß sie das Gift alsbald wieder ausgebrochen hatten. Die Frau des Unglücklichen war während der Schreckensthal abwesend. Als sie nun nach Hause zurückk-hrte, fand sie ihren Mann und 2 Kinder bereits als Leichen, das dritte Kind verschied wenige Augenblicke später. Die herbeigcrufcucn Aerzte, die leider ziemlich spät erschienen, stellten Wiederbelebungsversuche an dem Mann und den drei Kindern an, aber leider ohne Erfolg.
— Laut Bekanntmachung des Amtsgericht in Schwiebus ist über das Vermögen des Rittmeisters a. D. Job Freiherr« von Manteuffel auf Hopper der Konkurs eröffnet worden. Der Genannte ut der Sohn des ver- ftorbenen General-Feldmarschalls und Statthalters von Elsaß-Lothringen, Freiherr» Edwin v. Manteuffel, der die beiden Rittergüter Topper I. und II. im Kreis Krofsen besessen hat und in Topper beigesetzt ist. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn die beiden Güter, welche 2152 Hektar, davon 1104 Hektar Acker, umfassen und einen Grundsteuer-Reinertrag von 15352 Mk. haben. Der Eindruck, welchen jene Bekanntmachung verursacht, wird noch vermehrt durch die vom Gerichtsvollzieher in Silben veröffentliche Anzeige, nach welcher in einigen Tagen auf dem Rittergut Topper außer Wirthschafts, gegenständen werthvolle O-lg.mäloe, Büsten, Basen, sehr werthvolle Gold- und Silbersachen in großerZahl, eine „große Siegessäule", ein „Schiffsmodell" u. |. w. zur Zwangsversteigerung kommen sollen. Man wird nicht fehl gehen, wenn man diese Gegenstände als einen Theil des beweglichen Nachlasses des Feldmarschalls anfiehl; manche Ehrengeschenke, die diesem zu Theil geworden sind, werden jcht wohl unter den Hammer kommen.
Halle, 24. Okt. Ein sinniger Zufall hat es gefügt, daß gerade an einem der ersten Tage des hier zusamnien- getretenen Sozialisten-Kongresses „Mey u. Eolichs Abreißkalender" folgendes satirische Gedichtchen I. Trojans enthalten hat:
Einheit und Frieden! ist ihr Ruf,
Alles wollen sie ordnen und schlichten, Doch müssen sie zu dem Behuf Alles vorher zu Grunde richten.
Es ist schon eine alte Geschieht'
Uod wird stets wieder vorgetrag'tl:
Es können Manche die Menschen nicht
Beglücken, ohne sie lodtzuschlagen.
Halle a. S. Vor der Strafkammer wurde ein Mannsfelder Kollekteur, welcher einem Reisenden '/» Antheil an 3/s verschiedene Loosen der Schloßfreihcir- Lotterie verkaufte und demselben die bezüglichen Nummern durch Postkarte mittheilte, zur Zahlung des auf *s Loos gefallenen Gewinnanthcils von 500,000 Mark verurtheilt. Der Kollekteur hatte, nachdem obiger Gewinn auf eine Nummer gefallen war, g ltend gemacht, daß der Reifende an anderen */« doofen
gebungen in Vereinen und Versammlungen statt. Für die Garnison warau diesemTagedasTragendesHelmes vorgeschrieben. — Graf v. Moltke besitzt nach Ausweis der Rang- und Quartierlifte 44 Auszeichnungen, von denen 43 in Ordensdecora ionen und eine in einem türkischen Ehren- säbel besteht. Unter den Orden befindet sich einer, den außer -dem Gefeierten Niemand weiter trägt: der Stern des Ordens pour le merite mit Eichenlaub und dein Bildnisse Friedrichs d-s Großen. Der Stern wurde dem General-Feldmarschall von Kaiser Wilhelm I. bei der Feier seines sechzigjärigen Dienstjuviläums am 8. März 1879 verliehen. Außerdem ist Graf Moltke der einzige Offizier in der Armee, welcher den Orden pour le m^rite für Wissenschaften und Künste besitzt.
Deutsches Reich.
Berlin. Der große Fackelzug zu Ehren Moltke's gestaltete sich zu einer imposanten, in diesem Maßstabe kaum noch dagewesenen Kundgebung. Den Zug eröffneten 1 Herold, Fanfarenbläser und Paukenschläger. Dann folgte der Ausschuß zu Pferd bezw. zu Wagen. Daran schloffen sich die Studentenschaften der 5 Berliner Hochschulen mit Musikchören. Als 2. Gruppe folgten Schützen und Sänger und als 3. Gruppe die Bürger- Vereine der 6 Berliner Wahlkreise, die Arbeiterschaften einer Anzahl großer Fabriken u. s. w. Eine weitere Gruppe bildeten die Radfahrer und die SanitätSkolonne. Dann kam eine farbenprächtige Abtheilung, der Künstler- zug, in historischen Kostümen. Den Schluß bildeten die Innungen. Als der Festausschuß am Generalstabs- gebäude angelangt war, brächte der Vorsitzende ein jubelnd aufgenommenes Hoch auf den Grafen Moltke aus, in das die Musik mit schmetterndem Tusch einfiel. Alsdann wurde dem greifen Feldmarschall ein silberner Lorbeerkranz überreicht. Es war ein erhebender Moment, der allen Theilnehmern unvergeßlich bleiben wird. Dann tog der Zug langsam unter unausgesetzten Hoch- und Hurrahrufen vorüber. Noch einmal hielt er, die Länger traten zusammen und intonirten Mücke's: „Gott grüße Dich!" Der Zug, der vom Lustgarten ausgegangen war, bewegte sich durch die Linden, Beaudenburger Thor, die Sommerstraße nach d-m Königsplatz und von da bis zu den „Z lten" im Thiergarten, wo Die Fackeln gelöscht wurden.
— Die badische Regierung hat beim Bundesrat einen Antrag auf Abänderung des Brandwciasteuerge- setzes zu Gunsten der Kleinbrenner eingebracht. Der j Antrag schlägt vor, daß Branntw-in in einer Jahresmenge von nicht mehr als zehn Liter reinen Alkohols, welcher als Hanstrunk aus selbstgewonnenen Wein- und Obstrückständen in einfachen Brennvorrichtungen mit unmittelbarer Feuerung hergestellt wird, steuerfrei sein soll. Der Antrag empfiehlt ferner zu den Paragraphen 2 und 3 des Gesetzes entsprechende Steuererleichterungen für die Kleinbrennereien. In der Begründung wird ausgeführt, daß das Brandweinsteuergesetz bei den badischen Kleinbrennern eine tiefgehende Mißstimmung hervorgerufen habe. Bei der jetzigen Sachlage wurde das Brennen von Fallobst, W in- und Kernobsttrebern so gut wie unmöglih gemacht. Daher komme es, daß Trester, die ehedem auf Branntwein verarbeitet worden seien, jetzt einfach auf den Dünger geworfen würden.
— Der regierende Graf zu Stolberg-Wernigerode ist vom Kaiser in den erblichen Fürstenstand erhoben worden, was der Monarch dem Grafen in Blankenburg persönlich mitgethellt hat. Otto Graf zu Stolberg- Wernigerode, das Haupt dcs mediatisirten, seit dem 11. Jahrhundert urkundlich erwähnten gräflichen Hauses Stolberg, ist geboren am 30. Oktober 1837 zu Gebern im Großherzogthum Hessen, besuchte das Gymnasium zu Duisburg, studirte 1856 — 1858 zu Göttingen und Heidelberg Jura und Cameralia und gehörte 1859 bis 1861 als Officier der preußischen Arm e an. Nachdem er sich hierauf mehrere Jahre der Verwaltung feiner ausgedehnten Güter gewidmet hatte, wurde er 1867 zum Oberpräsidenten der Provinz Hannover ernannt, welche Stellung er bis 1873 innehalte und auf welchem Posten er sich hohe Verdienste erwarb. Seit 1867 gehörte er dem constituirenden Reichstage und seit 1871 dem deutschen Reichstage als Mitglied an. Auch dem Herrenhaus- gehört Graf Stolberg als ^erbliches Mitglied an und nahm in demselben von 1872—1876 den Präsidentensitz ein. Im März 1876 wurde Graf Stol