Erscheint Mittwochs und Sonnabends.— Preis mit .Gemeinnützige Blätter" vierteljährl. 1 Mark.— Anzeigen kosten die kleine Zeile'oder deren Raum 10 Pfennig
Mittwoch, den 1. Oktober
1890.
^»n^IhnirtOM auf die „Schlüchterner Zeitung" Jlt 11U Hye- H werden noch fortwährend von allen —_«!!!!!«■■■;"■.'».''■''.''" — Postanstallen undLandbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
o. Vom 26« Congrest für innere Mission in Nürnberg.
I.
Bom 15. bis 18. September war der Congreß für innere Mu'sion in Nürnberg versammelt. Aus allen Theilen Deutschlands, ja über dessen Grenzen hinaus waren zahlreiche Theilnehmer — an 1200 — dorthin geeilt, um für das Werk der inneren Mission sich aufs neue anregen, sich neue Mittel und Wege zeigen zu lassen, wie dasselbe gefördert werden könne, neue Arbeitsgebiete sich eröffnen zu lassen, deren Inangriffnahme zur Linderung und Beseitigung von Nothständen sich dem geschärften Blick als nothwendig erweist. Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, was die innere Mission erstrebt, in welcher Weise und mit welchen Mitteln sie den leiblichen und geistlichen, religiösen und sittlichen Nothständen entgegmarbeitet. Doch mag erinnert werden an die Diakonissenanstalten, AuSbildungsanstalten für Armen-, Kranken- und Kinderpflegerinnen, an Diakonenanstalten, welche junge Männer ausbilden zu Hausvätern von Herbergen zur Heimath, zuStadtmissionaren, zu Vorstehern von Rettungsanstalten, es mag erinnert werden an die Herbergen zur Heimath, — 1889 bestanden 332 — welche den reisenden Hand- werlsburschen ballige, ordentliche Unterkunft, Schutz vor Ausbeulung, Aibeilsnachweis gewähren, an Anstatt n für entlassene Sträflinge, an Kranken- und Si- cheuhMser, an die Bestrebung zur Besserung der Lage der arbeitenden Classen, an Magrmlemrchiius.tr, an Mägdeherbergen und Mägdebildimgsanstalten, an Arbeitercolouren rc. und wir haben uns wenigstens einigermaßen das weite Arbeitsgebiet und die Arbeitsmittel der inneren Mission vergegenwärtigt. Auf diesen G.bieten und mit all ihren Mitteln geht aber die innere Mission darauf aus, die Segenskraft des Evangeliums wii ksam werden zu lassen, so daß alle Dinge dieser Erde im Lichte des Evangeliums geschaut, ei strebt, genutzt werden, daß Alle ihre Stellung zu ihren Mitmenschen sich dictieren lassen von dem Evangelium. Und wodurch wird dies hohe Ziel erreicht? Die innere Mission hat kein neues Universalmittel ent- deckt, um die durch die falsche Stellung zu den Dingen dieser Erde und den Mitmenschen herbeigeführten Nothstände unfehlbar zu heilen, um so nachdrücklicher verweist sie auf das alle: auf Jesum Christum. Worin die unfehlbare Heilkraft desselben besteh! ? Darin, daß er die Selbstsucht austreibt, darin daß er die Liebe wirkt. Nachdem die Liebe Gottes in Christo erschienen, Mensch geworden, Fleisch von unserem Fleisch, Bein von unserem Bein, soll sie nunmehr auch menschliche Gestalt behalten, in der Gestalt von Menschen d. h. lebendigen Christen umhergehen, retten, trösten, helfen, heilen. Dazu wollte der Congreß für innere Mission aufrufen und zwar nicht nur die unmittelbaren Theilnehmer seiner Verhandlungen, sondern das ganze evangelische Deutschland. Einem Theilnehmer desselben mag es erlaubt sein, diesen Aufruf an die Leser dieses Blattes weiter zu geben. Es ist ihm nicht darum zu thun dieselben durch alle Verhandlungen hindurchzuführen, sondern Eindrücke und Gedanken mitzutheilen, welche ihm besonders werthvoll erschienen, in der Hoffnung, daß sie auch für den Leser anregend werden mögen.
Der Congreß wurde eröffnet mit einem Gottesdienste in der großartigen 1278 —1472 erbauten St. Lorenz- kirche. Oberconsistorialrath von Stühlin aus München hielt die Festpredigt über 1 Cor. XIII, 8-13 und rief der die sehr große Kirche überfüllenden Fcstg meinde zu: Die Liebe hört nimmer auf, ein Trost- und Mahnruf an die Kirche der Gegenwart. Die christliche Liebe hat nicht aufgehört, sie wird nicht aussen. Nur ein Passus mag aus derselben, eine Inhaltsangabe ersetzend, hervorgehoben sein: Gott müßte aushö:en die Liebe zu sein, wenn die Stimme seiner Liebe je auf dieser Erde verklingen würde, die Menschheit müßte auhören Menschheit zu sein, wenn Niemand mehr von dem Ueberschwung göttlicher Erdarmung zur Gottes- und Brüd.rliebe sich entzünden ließe. Seitdem die Krippe und das Kreuz auf dieser Erde gestanden, ist sie hochgeimiht zu einer Aldeüsstätte der Liebe, zur Wahlstatt für einen ewigen,
Lokales und Provinzielles.
Schlächtern, 30. S'pt. Als Kreis-Rentmeister für die mit d m 1. Januar 1891 ins Leben tretende Ständische Kreiskasse für den Kreis Schlüchtern ist Herr LandeSkreditkasje Sckretariats-Assistent M- Fasold zu Cassel designiert worden.
* — Das hiesige Postschalter ist nicht, wie infolge Druckfehler in Nr. 77 angegeben war, Sonntag Nachmittag von 5 bis 7 Uhr, sondern nur von 5 bis 6 Uhr geöffnet.
* — Die Mitverwaltung der Pfarrei Salmünster wurde dem Herrn Pfarrer O r t h zu H rolz übertragen.
* — Die Einberufung der Rekruten findet, wie nunmehr bestimmt ist, für die Provinzial-Jnfantcrie, Jäger, Artillerie, Pionire rc. in den Tagen vom 5. bis 7. November statt.
* — Zur Warnung für solche, welche trotz Ermahnungen und Belehrungen es nicht unterlassen können, Radfahrer durch Redensarten und noch weitergehende Ungebührlichkeiten zu belästigen, wie man dies häufig bemerken kann, führen wir einige Urtheile auf, welche in der letzten Zeit in obiger Angelegenheit gesprochen sind. Das Amtsgericht in Rossen verurtheilte einen Menschen, welcher durch Hinhalten eines Spazierstockes in das Rad einen Radfahrer zu Fall gebracht hatte, zu 6 Monaten Gefängniß wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und groben Unfugs, sowie zur Tra- gung sämmtlicher Kosten. In Oppenheim wurde ein Winzer, welcher Abends mehrere Radfahrer in muth- williger Weise belästigte und ihnen nicht ausweichen wollte, zu 3 Wochen Gefängniß verurtheilt. In Rem- scheid wurde ein junger Mann, welcher nach Radfahrern geworfen hatte, wegen groben Unfugs mit vier Wochen Haft bestraft. Ebendaselbst wurde ein Schleifer, der durch böswillige Beschädigung eines Fahrrades, welches vor einem Gasthofe hingestellt war, den späteren Sturz des Radfahrers herbeigeführt hat, zu zwei Monaten Gefängniß und in die Kosten des Verfahrens, sowie zur vollen Entschädigung an den betreffenden Radfahrer verurtheilt. Es kann nur gebilligt werden, daß die Gerichte mit solchen empfindlichen Strafen in dieser Angelegenheit vorgehen, und dürfen dadurch auch in hiesiger Gegend manche Burschen, w.lche glauben, ihr Müthchen an ruhig des Weges fahrenden Radfahrern kühlen zu können, zur Einsicht gebracht werden. ,
Hanau. In den letzten Tagen hat sich hier das Geschäft in Kelteräpfeln recht lebhaft entwickelt. Wie wir hören wird für das Malter (100 Klg.) gutes Obst 7—8 Mark bezahlt.
Schmalkalden 27. Sept. Die Kartoffelpreise sind hier infolge starken Angebots in letzter Wache ziemlich heruntergegangen. Der Centner wurde schon vielfach mit 2,10—2.20 Mk. verkauft.
Eschvege, Sämmtliche Cigarrensabrikanttn in
immer siegreich-^, oder doch aus jeder Niederlage wieder mit neuem U bei wo d rmuth hervergehenden Kampf, für einen be.ligcn Krieg der Liebe. Düse Erde gehört nicht den gottfeindlichen Gewöllen, sondern dem, der auf ihr fein Blut vergoss in und seinen ewigen Sieg errungen sie gehört ihm und seiner erlösten Gemeinde. Auf zum Kampf und zur Arbeit der Liebe in der Kraft seiner Liebe, sein's Kreuzes ! In diesem Zeichen siegen mir. — Was dem dssen nicht gewohnten Theilnehmer an diesem Gottesdienste besonders bemerkenswerth und eindrucksvoll war, war die Betheiligung der Gemeinde an demselben. Nicht nur im Gesang des Liedes und neuerdings einiger wenigen Stücke in der Liturgie trat dieselbe hervor, wie bei uns, sondern in viel weiterem Umfange ist die Liturgie auf die Mitwirkung der Gemeinde angewiesen. Insbesondere machte einen mächtig erhebenden Eindruck das seitens der ganzen Gemeinde lautgesprochene B kenntniß des apostolischen Glaubensbekenntnisses, sowie auch in einem späteren Gottesdienste das gemeinsame laute Beten des Vaterunsers. Soll unsere Kirche nicht nur Stätte der Belehrung sein, sondern auch Stätte des Gebets, des gemeinsamen Gebets, ja das Gebet in Bitte, Fürbitte, Danksagung ein Hauptstück unseres evangelischen Gottesdienstes, so entspricht die liturgisch reichere Ausstattung desselben, das gemeinsame laute Gebet und Bekenntniß den sich daraus ergibenden Forderungen.
(Fortsetzung folgt.)
Eschwege richteten an ihre Arbeiter die Aufforderung, aus d.m „Bremer Fachverein" auszutret n, welcher daran schuld sei, daß die Eschweger Cigarrenmacher eine Lohnerhöhung von 1 Mark pro Mille Cigarren beanspruchten. Da die Arbeiter diesem Verlangen nicht entsprochen haben, wurde auf einmal 300 Arbeitern gekündigt, die Fabrikanten erklären, lieber ihre Etablissements schließen zu wollen, als durch Bewilligung höherer Löhne mit Verlust zu arbeiten. Der durchschnittliche Wochenverdienst der Cigurrenarbeiter wird auf 20 Mark angegeben.
Kirchhain, 25. Sept. Aus eigenthümlichen Motiven hat ein junger Bauernsohn in Allendorf (Kreis Kirchhain) das Gehöft seines Vaters vorsätzlich in Brand gesteckt, so daß dasselbe ein Raub der Flammen wurde. Nachdem es in Allendorf in den letzten Tagen wiederholt gebrannt, wurden die Bewohner abermals durch den Feuerruf erschreckt, es standen die Gebäulich- keiten des Nikolaus Biecker am Hellen Mittag in Flammen. Es stellte sich sofort heraus, daß vorsätzliche Brandlegung vorlag und alles fragte verwundert nach Thäter und Motiv. Alsbald ermittelte die Behörde, daß der zweite Sohn des Biecker die ruchlose That verübt hatte. Er hatte am Abend vorher mit einigen Dragonern, die dortselbst im Manöver lagen, Karten gespielt und seine ganze Baarschaft verloren. Er borgte beim Wirth Geld und verlor auch dieses, er spielte weiter, verlor auch dieses, er spielte weiter, verlor wiederum und konnte nicht zahlen. Darob entstand Streit mit den Soldaten und auch zwischen dem Biecker, seinem Vater und den andern Brüdern kam es zu einem heftigen Auftritte. Die Folg: war, daß der beschränkte, boshafte Mensch seinen Angehörigen das Haus überm Kopie anftedte. Er sitzt bereits im Gefängnisse.
Kassel, 26. September. Die Brandstiftungen durch Kinder mehren sich von Jahr zu Jahr. In Kassel und in der Provinz Hessen sind in den letzten Tagen eine ganze Reihe solcher Brandstiftungen vorgekommen. So wurden vorgestern Abend dicht vor den Thoren Kassels zwei Strohhaufen angesteckt, die total eingeäschert wurden, als Thäter wurde ein elfjähriger Schüler in Haft genommen. — In Allendorf (Kreis Kirchhain) brannten mehrere Gebäude nieder, bei denen die Entstehungsursache ebenfalls auf vorsätzliche oder fahrlässige Brand- legung durchKinder zurückgeführt wird. —In Fuldaent-, stand Feuer in einem Otkonomiegebäude, in welchem Stroh. H olz zc aufbewahrt wurde, glücklicherweise wurde es ge löscht, ehe es weiter um sich greifen konnte. Als Brandstifter wurden Kinder ermittelt, die mit Feuerzeug gespielt hatten. — Auf der Gerhardsmühle bei BöckelS brannte ein Waizenschober ab, welcher 3000Mk. werth war. Er gehörte dem Gutsbesitzer Comitti und war nicht versickert. Die Entstehungsursache wird auf Kinder, die mit Zündhölzchen spielten, zurückgeführt. Am schlimmsten ging es in dem Städtchen Neustadt a. d. Main- Weser-Bahn zu. Mehrere Kinder wollten beim Soldatenspiel den einquartirten Soldaten nachahmen und Bivouak hinter dem Hause spielen, weshalb sie eine Menge Stroh zusammentrugen und dasselbe absichtlich ansteckten. Die Folge war, daß das Kahnsche und Fonhersche Gehöft in Brand geriethen und mit allen Vorräthen total eingeäschert wurden.
Muerin und Krästn.
Roman von Theodor Mügge.
(Fortsetzung.)
„Am meisten aber wartet der grimmige Major, und Fräulein Babctte ist allerdings keine zu verachtende Parthic, denn dieser Tölpel, der nichts Angenehmeres auf Erden kennt, als Batzen sparen, spart für die liebliche gräfliche Braut in Mariahall."
„Sehr luftig! Sehr lächerlich!" rief Lydia, „aber fort damit! Wenn er dies häusliche Ungethüm begehrte, stand es ihm nicht schon längst zu Diensten? Mein bescheidener Cousin hat besseren Geschmack. Niemals hat er daran gedacht, sich so weit zu vergessen.
„Es ist möglich, daß sein Geschmack eine noch seltsamere Richtung genommen hat," lächelte Herr von Springfeld.
„Was meinen Sie damit?" fragte sie lebhaft. „Sie meinen mich, Sie finden das noch seltsamer — nicht wahr? Wenn es so wäre —" sie stützte den Kopf in ihre Hand und sah ihn an.