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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis mitGemeinnützige Blätter" vier eljährl. 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

As 78. Samstag, den 27. September 1890.

Bestellungen auf das 4. Quartal 1890 (Oktober, November, December) der

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bitten wir durch die Post (auch Landbriesträger) oder die Boten gesl. aufgeben zu wollen, und zwar möglichst bald, da Nachlieferung bereits erschienener Nummern nicht immer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung bis Ende d. Mts. gratis. M^- Alls vielfach ausgesprochenen Wunsch aus unserm Leserkreise werden wir von jetzt ab noch eine GratisbeilageGemeinnützige Blätter für Haus,- Garten- und Landwirthschaft" regelmäßig unserer Zeitung besiegen; der Abonne­mentspreis bleibt dabei doch der bisherige. Die Redaction.

Deutsches Reich.

Berlin. Zur Raiferbegegt urg in Rohnstock schreibt der Deutsche Reichsanziger:Ist der hohe Besuch zunächst auch nur den militärischen Uebungen gewidmet, welche in diesen Tagen vor den Augen Ihrer Kaiserlichen Majestäten sich abspielen wcrdcn, so darf doch die That­sache der Begegnung beider Majestäten als ein neues Unterpfand der wie S ' Majestät der Kaiser sich bei dem für die Provinz Schleswig-Holstein am 5. Sep­tember in Grafenstein gegebenen Festmah-l ausdrückte engen Beziehungen innigster Freundschaft und festester Waffenbrüderschaft gelten," welche zwischen den beiden Monarchen bestehen. Das deutsche Volk ruft dem er­habenen Freund unseres Kaisers bei seinem Betreten deutschen Bodens ein herzliches Willkommen zu, mit welchem es den Wunsch verbindet, daß auch diese Be­gegnung den hohen Zielen, welche beide Majestäten für daS Wohl ihrer Völker verfolgen, sich förderlich erweisen möge."

Die Kaiserin wäre dieser Tage in Pots­dam beinahe auf einer Spazierfahrt verunglückt. In der schmalen Berlinlstraße drohte ein sehr schwerer Zu- sammenprall mit einem anderen Wagen, der nur mit knapper Noth verhindert wurde.

Die Neichsregierung soll sich entschlossen haben, einer von freisinniger Seite gegebenen Anregung folgend, den Invaliden der Unterklasse aus den Kriegen von 1866 und 1870 mit Rücksicht auf die seit 1871 ver­änderten Veihältnisse eine Zulage aus den Mitteln des Jnvalidevfonds zu gewährev.

Gestern erschoß sich Graf Julius von Schaum- burg, der als Sohn des Prinzen von Hanau der hessi­schen Fürsten-Familie augehörte. Seine Mutter, eine geborene Alberti e Slauber, war mit dem Fürsten Wilhelm von Hanau, Grafen zu Schaumburg, morga- nalisch v'lheiralhet. Der noch in jugendlichem Alter stehende Graf wird als ein flotter Kavalier bezeichnet, doch war er auf den Rennplätzen nur ein gelegentlicher Gast, und auch in seinen materiell n Verhältnissen ist ein Grund für seine That nicht zu suchen, denn er ver­fügte noch am Tage seines Todes über bedeutende Geld­mittel. Vor etwa drei Monaten lernte er im Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater eine dort beschäftigte Choristin, Hedwig Helle, kennen. Er trat zu ihr in nähere Be­ziehungen, die schließlich zu einer Uebersiedelung des Grafen in die Wohnung des Vate?» des Mädchen Chausseestraße 28, sühnen, der seine großen Räume meistens an Offiziere vermiethet. Im Laufe des gest­rigen Tages soll nun angeblich in Folge von Eifersüchte­leien ein sehr erregter Wortstreit entstanden sein, in dessen Verlauf der sehr erregbare Graf sich in seinem Zimmer einschloß und sich dort durch einen Revolverschuß in den Kopf entleibte. Der Grat ist erst 24 Jahre alt.

Uebcrreich an tragischen Ereignissen sind die letzten Tage gewesen. Neben den furchtbaren Brand- katastrophen hat die Selbstmordchronik eine entsetzliche Bereicherung erfahren, und jetzt hat sich hierzu leider auch noch ein frevelhafter Mordanschlag auf daS Leben eines ruhigen, allgemein geachteten Bürgers gesellt, der mitten aus seiner friedlichen Beschäftigung, aus seinem glücklichen Familienleben durch die tückische Kugel eines Mocdgcsellen herausgerisse» worden ist. Es ist Rohr- beck, der ohne j-de Veranlassung am Sonntag Morgen auf offener Straße einem Revolver attentat zum Opfer gefallen ist. Die einzige Erklärung für diesen Vorfall ist, daß der Mörder, der sich nach dem Attentat selber eine Kugel durch den Kopf jagte, die That im Irrsinn begangen haben muß; denn es fehlt, wie gesagt, jeder Grund zu derselben. Ferner hat in der Nacht zum Montag eine entsetzliche Brandkatastrophe stattgefunden, tndcm bei einer von etwa 30 Personen besuchten Hoch- zeitsfejkr ein gestikttlirender Festredner unversehens die

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchteru, 26. Sept.

* Am 22. September halten sich die Mitglieder des Vorstandes des VereineS zur Beschäftigung Arbeits­loser zu Frankfurt im Römer zusammengcfnnden. Es konnte mit Befriedigung conftatirt werden, daß dir Colonie Neu-Ullrichstein seither eine segensreiche Wirk­samkeit entfaltet habe. Gegenüber der Laudesangehörig- kUt stellte der Regierungsbezirk Cassel die meisten Colonisten, weßhalb man es für gerechtfertigt erkannte, daß in Bezug auf einen größeren als den bisherigen Beitrag auS dem Kommunal Verbände Cassel reflectirt werden dürfte, wie man auch dafür hielt, daß ein Heran­ziehen der einzelnen Kreise resp. Kreiskassen zu regel­mäßigen Beiträgen als zweckentsprechend zu empfehlen sei. Bon der Errichtung eines Trinker-Asyles in Neu- Ußticßftcin sah man mit Rücksicht auf die eng gezogenen Grenzen der Anstalt ab, entschied sich aber, um dem Zudrang Arbeitsloser, die guten Willens, noch mehr emsprechen zu können, für Vergrößerung der Anstalt durch Aufstellung von 10 -20 weiteren Lagerstätten,

Hängelampe herunterriß, welche explodiere und ihren flammenden Inhalt fast über alle Festtheilnehmer ergoß. Die meisten der Gäste haben schwere Brandwunden da- vongetragen. Die Mutter der Braut ist bereits an den erhaltenen Wunden gestorben, während eine Freundin derselben hoffnungslos darniedcrlicgt. Die übrigen ver­letzten Personen befinden sich außer Gefahr.

Herford, 15. Sept. Vor einigen Tagen wurde bei dem hiesigen Schweineschläch'er R. eine größere Parchie Wurst beschlagnahmt. Veranlaßt wurde die Maßregel durch eine Anzeige eines ehemaligen Gesellen des Schläch­ters, wonach zur Herstellung der Wurst verdorbenes Fleisch verwandt sein sollte. Gleich nach der Anzeige wurde im Geschäft des R. polizeilich eine Revision ab­gehalten, und wurden im Verkaufsladen stark h Fäul- niß übergegangene und mit Maden durchsetzte Leber- würste, in der Borrathskammer Mettwürste zweiter Sorte und zwei Stücke mageren Specks vorgefunden, die entsetzlichen Geruch verbreiteten. DaS zu diesen Mettwülsten verarbeitete Fleisch soll von den Kunden als verdorben und mit Maden durchsetzt zurückgebracht sein. Der Geselle soll ferner bekundet haben, daß von Kunden zurückgeschickte verdorbene und stark mitMaden durchsetzte Fleischwaaren zu Würstchen verarbeitet worden wären, die an hiesige Speisewirthe verkauft wurden. Auch sei bei Fabrikation sogen. Kostwürste ein Zusatz von Kartoffelmehl zur besseren Verbindung des Fleisches und Wassers stets verwendet worden. Das klingt ja geradezu haarsträubend und könnte Einem das Wurst­essen auf Jahre hinaus verleiden.

Aus Thüringen, 20. § cpt. Ein viel begehrter neuer Weltbürger. Bei Lengnitz wurde dieser Tage von einer Fabrikarbeiterin aus Gera auf freiem Felde ein Knabe g-boren, und zwar gerade da, wo die Grenzen dreier Herren Länder lR, Weimar und Altenburg) Zusammenstößen. Es machte deshalb, wie die Geraer- Ztg. berichtet, gewisse Schwierigkeiten, die Orts- und Staatsangehörigkeit des Neugeborenen festzustellen. Die Feststellung ist nun g stern Vormittag im Beisein der Wöchnerin durch Urkundpersonen, welche mit den Grenzen bekannt sind, bewirkt worden.

Mainz, 23. Sept. Mit Beginn des kommenden Jahres den 23. Jan. feiert das hier garniso- nirende Hessische Jnfanterie-Regimenl Nr. 118 den hundertjährigen Gedenktag seines Bestehens. Zu diesem Gedenktag sind größere Festlichkeiten in Aussicht ge­nommen, an welchen mit Rücksicht darauf, daß das Regiment sich aus Rheinhessen refrutirt, voraussichtlich auch die Civilbevölkerung der diesseitigen Provinz leb­haften Antheil nehmen wird.

wozu die disponiblen Gelder vorhanden sind. Eine ziem­lich lebhafte Debatte entspann sich bei dem Anträge, in j-dem Kreise Vertrauensmänner aufzustellen, die mit Rath und That dem aus der Anstalt Neu-Ullrichstein zur Arbeit überwiesenen Colonisten zur Seite stehen einerseits, anderseits der Anstalt durch Berichterstattung über den Colonisten zur Hand gehen. Erfahrungsgemäß werden von der Anstalt an den Arbeitgeber gerichtete Fragebogen meist unbeantwortet gelassen, was zur Hebung und Belebung der Anstalt nicht förderlich ist. Man beschloß zur Förderung dieser Angelegenheit die in den einzelnen Kreisen wohnhaften Mitglieder deS Vereines zur Beschäftigung Arbeitsloser damit zu be­trauen. Diese Mitglieder werden sich der kleinen Mühe gern unterziehen, in regen Verkehr mit dem Arbeit­geber und Arbeiter zu treten. Die große Calamität, die die Landplage Arbeitsloser unS bringt, sollte jeden antreiben zur Beseitigung derselben beizutragen und dürfte darum auch in immer weiteren Kreisen daS In­stitut des Vereines zur Beschäftigung Arbeitsloser als heilf-rr erkannt und unterstützt werden.

* Warnung. In Amerika hat sich eine Gesell­schaft gebildet, welche zahlreiche Agenten nach Europa entsendet, um dort ftimmbegabte und talentvolle Kinder anzuwerben, die dann für hohe Summen an Musik­kapellen oder sonstige herumziehende Künstlergesellschaften abgegeben werden. Aus Italien hat man schon Dutzende solcher Kinder weggeführt, so daß die dortigen Blätter ernstliche Warnungen vor den Agenten veröffentlichen. Diese, sobald sie ein paffendes Kind entdeckt haben, stellen sich den Eltern als Kunstfreunde vor und geben an, in der humansten Weise für das Kind Sorge tragen zu wollen, um es später als gefeierten Künstler den Eltern zurückzubringen. Sobald nun diese Herren eine bestimmte Anzahl von Kindern gefunden, bezahlen sie die Ueberfahrt auf Zwischendeck mit 115 Franken und nehmen drüben in Castle Garden, dem HauptlandungS« platz, 4 - 500 Franken für jeden Kopf entgegen. Nie­mand erfährt dann weiter etwas von den armen Ver­lassenen; die Agenten gehen von neuem aufGeschäfts­reisen" und kümmern sich nicht um die von den Eltern vertrauensvoll übergebenen Schützlinge. Da auch nach Deutschland eine Anzahl dieser Agenten geschickt werden oll, sei hiermit gewarnt.

* Von grundsätzlicher Bedeutung für die Nord­häuser Branntwein-Industrie sind zwei neuerdings von verschiedenen Gerichten gefällte Erkenntniss-. In beiden Fällen hatten Verkäufer von Branntwein, der nicht von Nordhausen stammte, vielmehr anderweitig ßer gestellt war, alsNordhäuser" verkauft. Daraufhin erfolgte Bestrafung wegen Vergehens g-gen das Nahrungsmittel- g'setz vom 14. Mai 1879. Beide Urtheile gehen von der Auffassung aus, daßNordhäuser" Branntwein unbedingt von Noedhausen bezogen sein muß.

Zur Alters- unb Jnoaliditätsversicherung bringt dieKöln. Ztg." folgendes: Es ist fast unglaublich, mit welcher Theilnahmlosigkeit ein Theil der Arbeiter dem Alters- und Juvaliditätsversicherungsgesetze gegenüber* steht. Obwohl dieses Gesetz den altersschwachen und arbeitsunfähigen Arbeiter vor den drückendsten Sorgen schützen soll, bringt man demselben vielfach nicht nur kein Interesse, sondern sogar ein gewisses Mißtrauen entgegen. Der Aufforderung, sich zeitig die Arbeits­nachweise zu verschaffen, kommt man wenig nach und die Arbeiter geben sich herzlich wenig Mühe, sich über ihre Pflichten und Rechte bezüglich des Gesetzes zu unterrichten. Es wird uns mitgetheilt, daß auf einem größeren Werke alles gethan worden sei, um die Arbeiter zur Beschaffung der Arbeitsnachweise zu veranlassen, durch Anschlag in der Fabrik und Beschaffung von Er­läuterungen und Gesetzesauszügen. Doch Niemand hat sich darum gekümmert, noch den erforderlichen Arbrits-