Einzelbild herunterladen
 

WilchternerMmg

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

J0 65.

Deutsches Reich.

Berlin. Kaiser Wilhelm wird Sonnabend Nach­mittag England verlassen haben und wird am Sonntag, nach einem Besuch auf H.lgvland, in Wilhelmshaven landen, von wo am Abend die Abfahrt nach Berlin er«

Mittwoch, den 13. August

folgt. Am. 12. August findet bei Berlin die große Herbstparade des Gardecorps statt, am 14. August über Kiel die Abreise nach Rußland.

Die Besitzergreifung Helgolands ist vollzogen. Amtlicherseits veröffentlicht man folgenden Allerhöchsten Erlaß nebst daran sich schließender Bekanntmachung: Auf Ihren Bortrag bestimme Ich, daß bis zur ver- fassungsmäßigeN Regelung der Verhältnisse Helgolands im Wege der Reichsgesetzgebung die Regierung der Insel in Meinem Namen, aus Grund der dort bestehenden Gesetzgebung und unter Schonung der vorhandenen V.r- waltungs Organisation, durch den Reichskanzler geführt werden soll. An Bord meiner JachtHohenzoltern", 9. August 1890. Wilhelm, J. R., von Caprivi. An den Reichskanzler."

Die Militärausgaben der Dreibunds - Mächte. Aus einer soeben veröffentlichten Schrift eines unge­nannten, offenbar sachkundigen Verfassers, lassen sich folgende Zahlen-Angaben über die Militär-Ausgaben der verl ündeten Mächte entnehmen. Die Gesammtausgaben bclrcfen sich in den sechs Jahren von 1882 bis 1887 auf mehr als 34 Milliarden Lire (Francs), wobei für Italien die 65 Millionen-Anleihe behufs Aufhebung des Zwangskurses außer Berechnung geblieben ist. Die Militär-Ausgaben Machten mit 7/a Milliarden 22 43 pCt. der Gefammlausgade aus. Natürlich ist das Behältniß in den drei Staaten ein verschiedenes: Die Milichr- ausgaben betragen in Oesterreich-Ungarn 18,35, in Deutschland 24,34, in Italien 24,37 pCt. Den 34 Milliarden Ausgaben standen in dem angegebenen -Zeit­raum 3iP/i Milliarden Einnahmen gegenüber. Bor den Einnahmen entfielen auf den Kopf der Bevölkerung in Oesterreich - Ungarn 274, in Deutschland 293, in Italien 281 Lire, von den Ausgaben bezw. 285, 299 und 281 Lire. Hingegen entfallen von den Militär- Ausgaben auf den Kopf bezw. 52,30, 72,70 und 68,50 Lire. Die Slreitkrä;te, welche die drei verbündete, Staaten iu's Feld stellen können, belaufen sich au, 5,151,478 Mann, 653,000 Pferde und 6784 Geschütze Bon den ersteren entfallen auf die stehende Truppen macht 3,300,OoO, auf die Reserven 1,803,000, auf di Flotte 48,478 Mann, von den zweiten auf das stehend Heer 647,000 Pferde. Nicht eingerechnet sind der Landsturm in Deutschland und die entsprechende Milizia Territoriale in Italien. Zu diesen Streich ästen trägt Italien 20,61 pCt. (35 auf das Tausend der Bevöl­kerung), Oesterreich-Ungarn 28,32 pCt. (36 auf das Tausend) und Deutschland 51,37 pCt. (55 auf das Tausend) bei. Von den Flotten-Streitkräften hingegen entfallen auf Oesterreich-Ungarn 21,77 pCt. (mit 101 Schiffen), auf Deutschland 37,93 pCt. (mit 176 Schiffen), auf Italien 40,30 pCt. (mit 187 Schiffen).

Die überseeische Auswanderung ist im laufenden Jahr bisher etwas geringer gewesen, als im entsprechen­den Zeitraum der drei Vorjahre. Es sind nämlich nach dem letzten reichSstatistischen Monatsheft im ersten Halb­jahr 0. I. 49,084 Personen auS dem D Nischen Reich über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amster­dam ausgewandeO gegen 51,003, 56,653 und 57,181 im ersten Halbjahr 1889, 1888 und 1887. Abge- nommen hat im Vergleich zum Vorjahr insbesondere die Auswanderung aus Bayern (5012 gegen 6053), sowie aus den westlichen und nordwestlichen Provinzen Preußens, auch aus Westpreußen, während die Aus- wanderung aus Posen und zumal aus Pommern größer ist, als im vorigen Jahr.

Schwerin, 12. Juli. Riesige Epheustämme finden sich in den Mecklenburgischen Waldungen, besonders in den Eichenwäldern. Für die stärksten Stämme galten bisher zwei in der Nähe von Bützow, von denen der eine 46, der andere 57 Ctm. Umfang hat. Diese beiden aber werden weit über troffen durch einen Ephcu bei Waren, der in der Höhe von 83 Ctm über dem Erd­boden einen Stammumfang von 74,5 Ctm. hat.

Lübeck, 10. August. In dem Coupee eines stark­besetzten Waggons im Lübeck-Hamburger Postzug spielte sich gestern Abend kurz vor der Station Wandsdeck ein schreckliches Vorgang ab, Eiurr der Milfahrruden, ein

1890.

kommen. Derselbe ging wie gewöhnlich des Morgens um 8 Uhr zur Schule. Hierselbst während der zweiten Stunde (Schrerbunterricht)piecte" ihn aus Scherz sein Nebenschüler mit einer noch Tinte enthaltenen Feder an den Hals. Gegen Abend nun stellten sich bei den Kleinen heftige Kopfschmerzen und gegen Mitternacht anhaltendes Erbrechen ein. Am anderen Morgen fanden die Eltern ihren Sohn, den oberen Theil dcs Körpers blau überlaufen, entseelt vor seinem Bette liegen. Kaum auch nicht mit Bestimmtheit behauptet werden, daß der Tod in Folge des erwähnten Vorkommnisses eingetreten ist, so mahnt dasselbe doch Eltern und Lehrer, die Kinder nur mit giftfreier Tinte schreiben zu lassen.

Hohenlimburg, 8. August. Ein Dienstmädchen in Berchum litt seit längerer Zeit an furchtbaren Kopf­schmerzen, gegen welche es bei den verschiedensten Aerzten Rath und Hilfe gesucht hatte. Endlich schien einem Ärzte in Remscheid das Gehörorgan des Mädchens nicht in Ordnung zu sein. Die Untersuchung fand statt und der Arzt entfernte aus dem Gehörgange eine lebende Kellerassel. Sehr bald teerte aber das Mädchen zurück und klagte über noch h ftigere Schmerzen. Es gelang nun dem Arzte, noch 20 Stück der Thiere aus dem Ohre zu entfernen.

Crefeld, 11. Aug Bei heftigem Gewitter stürzte gestern Abend infolge eines KanalbrucheS ein von 50 Personen bewohntes Haus ein. Zwanzig Personen wurden gerettet, sechs wurden todt aus den Trümmern gezogen. Die Uebrigen find noch verschüttet. Die Rettungsarbeiten sind in vollem Gange.

Kotzlenz. Ein Kurgast in Wiesbaden fuhr nach Eins und machte dort die Bekanntschaft eines Fremden, welchem er im Gespräche feinen Namen, Wohnort rc. mittheilte. Dieser fuhr sofort nach Koblenz, logirte sich unter dem Namen deS Kurgastes in einem hiesigen Hotel ein und' tclegraphirte an dessen Frau um eilige Zu­sendung von 500 Mark. Die Frau sandte das Geld und bat um Empfangsbescheinigung, die aber nicht ein« traf. Darauf wandte sie sich ans hiesige Postamt, wo­durch es sich herausstellte, daß die Frau das Opfer eines Schwindlers geworden ist, der noch unermittelt ist.

Forbach, 5. August. Die Militürbarack-n aus Pappendeckel bewähren sich vortrefflich und finden all­gemein Anerkennung. Ein ganzes Bataillon wurde während des vergangenen Winters in zwölf solchen in Forbach angefertigten Baracken einquartirt, und es konnte feftgefkllt werden, daß bei denselben erheblich weniger Krankheiten, insbesondere Erkältungen vorkamen, als bei den Mannschaften von drei anderen in den Kasernen verbliebenen Bataillonen. Sie besitzen ein Gerippe aus Holz; alles Andere: Wände, Dächer, Thürfüllungen besteht auS Pappendeckeln, und zwar sind die Wände so fonftruirt, daß ein Hohlraum entsteht, welcher mit Torfmull und sterilisirter Holzwolle auS- gefüllt ist. Durch diese Jsolirschicht wurde eine aus­gezeichnete Heizbarkeit der Räume im Winter erreicht, wobei die Luft durch die dcsinfizirendcn Eigenschaften deS Torfmulls rein und gesund blieb. Im Sommer wirken diese Jsolirschichten natürlich im entgegengesetzten Sinne, d. h. sie halten den Einfluß der strahlenden Sonnenwärme ab, und die Räüme bleiben kühl.

Ganz ausfällig viel falsches Geld ist schon seit einiger Zeit in Bayern, besonders in oen größeren Städten, im Umlauf. In Nürnberg vergeht keine Woche, ohne daß von der Strafkammer falsche Geldstücke eingezogen würden. Dabei scheint es nicht zu gelingen, den Falsch­münzern, die ein sehr schwungrxicheS Geschäft betreiben müssen, auf die Spur zu kommen.

Rufs', stach plötzlich einem anderen Passagier ein Messer in die Brust und verletzte denselben lödtlich; sodann stach er einem Kinde ein Auge aus und verletzte fünf andere Passagiere schwer durch Messerstiche. Der wahr­scheinlich von plötzlichem Irrsinn befallene Unhold ward auf dem Bahnhof Wandsbeck nach Heft gem Kampf von den Bahnbeamten dingfest gemacht.

Memel. Wie gefährlich der Triebsand der Wander­düne der Nehrung Personen werden kann, die seine ge­heimnißvolle Tücke nicht kennen, darüber berichten zum Königsberger Markte gekommene kurische Fischer folgendes: Am Sonntage wanderte ein Tourist aus Memel aus der Nehrung dahin, um das F scherdorf Rossiten zu erreichen. Unweit des Dorfes PrUkoppen, wo der Trieb­sand nie zur Ruhe kommt, fiel es ihm auf, daß der Sand nicht nur immer tiefer wurde und ihm das Gehen ungemein erschwerte, sondern daß er sich auch fortgesetzt kehrte und drehte, obgleich nur schwacher Wind von der Haffseite her wehte. Als ihm das Gchen immer schwerer wurde, wollte e nach dem rberqalb der Dürre liegenden Wege abbi -gen; doch schon nach wenigen Schritten stand er tief im Sande, vermochte sich nicht mehr fortzubewkgcn und gewahrte mit Schrecke t, wie er immer tiefer sank, so daß er bald bis zum Knie im Triebsande steckte. Sobald er versuchte, die Hände zur Befreiung der Füße zu Hülfe zu nehmen, begannen sofort auch diese einzusinken, sodaß er jetzt erst die große Gefahr erkannte, in der er sich befand. Aus Leibes­kräften begann er jetzt um Hülfe nach der Pillkopper Seite hin zu rufen, was auch von dortigen Fischern, die zufällig am Strande ihre Nctze trockneten, gehört wurde: Sie eilten sofort zur Rettung des jungen Mannes herbei, der inzwischen bereits bis zum Leibe -ingesunken war. Diese gefährlichen Triebsandstellen sind übrigens durch Warnungstafeln g. kennzeichnet worden; doch da der junge Mann abseits des Weges ging, hatte er diese Tafeln nicht bemerkt. Bei der Ge­legenheit sei noch daran erinnert, daß vor etwa 20 Jahren in derselben Gegend ein Landbriefträger ver­schwand, der trotz alles Suchcns verschollen blieb. Nach zwei Jahren wurden seine Gebeine, welche an der ehernen Brieftasche und dem in derselben befindlichen Gelde erkannt wurden, von den Stürmen im Dünen- sande ausgeweht. Noch heute steht dieser traurige Fall in den Akten deS Postamts Memel verzeichnet.

In Pillkallen ereignete sich der wohl kaum dage­wesene Fall, daß ein Gemeindelehrer wegen Fettleibigkeit von der militärischen Uebung, zu welcher er einberufen war, befreit wurde. Für Landw hr mb Reserve werden auf den Montirungskammcrn schon größere und weitere Kleidungsstücke vorräthig geholten, für genannten Lehrer fand sich jedoch kein solches vor, welches ihm gepaßt hätte.

Altenbnrg. 6. August. Einer Bekanntmachung des Landrathsamtes zufolge wird Vereinen, welche nur des Vergnügens halber neugegründet werden, Tanzcrlaubniß ferner nicht ertheilt. Als Grund dieser Maßnahme wird angeführt, daß auf dem platten Lande in genügender Weise für derartige Belustigungen gesorgt ist.

Eine verhängnißvolle Sparsamkeit hat ein Bauer in Oe. bei Hildesheim ausgeübt. Als derselbe in sehr hohem Alter starb, fanden seine Enkel in das Kopfkissen seines Bettes ciogenäht ein dickes Päckchen Kassenscheine, im Werthe von mehreren tausend Thalern. Auf den Banknoten aber zeigte sich das springende Roß des Königreichs Hannover und Wappen anderer Staaten des deutschen Vaterlandes, die ihre Selbstständigkeit als solche längst verloren haben, auf Zehnthalerscheinen, Fünfthalerscheinen und Einthalerscheinen. Der ganze Schatz, der Jahrzehnte hindurch unfruchtbar als Schlummerrolle unter dem Kopfe deS sparsamen Bauers­mannes gelegen hatte, ist nun für die Erben desselben nicht werthvoller, als ein Päckchen ZeitungSpapier.

Minden, 8. August. Ein unvermutheter Schatz fiel dieser Tage einem Bürger aus Hürtchen in die Hände. Der Mann hatte für 6 Mark ein fast werlhloscs, aus einem Nachlasse stammendes Klavier erstanden. Als er den Klimperkasten reinigte, entdeckte er an einem ver­borgenen Plätzchen die nette Summe von 12,000 Thalern. Das Geld wurde von dem ehrlichen Schatzfinder sofort an die rechtmäßigen Erben übermittelt.

Bschum. Durch geringfügige Ursache ist dieser Tage ein ca. 9 jähriger Schulknäbe hierselbst zu Tode ge­

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 12. Aug. Am vergangenen Sonntag Abend fand in der Bierhalle dahier eine sehr zahlreich besuchte Versammlung des hiesigen Bürgervereins statt, deren Verhandlungen für die gesummte Einwohnerschaft unseres Kreises von großem Interesse sein dürften Gegen­stand der Tagesordnung war die Be'prechuug von Kreis- Angelegenheiten, speciell Stellungnahme gegen die Kreis- steuer. Man war allgemein der Ansicht, daß eine Ein­schränkung des Kreis-Budgets, welche es möglich machen würde, die lau erben Bedürfnisse des Kreises aus den der Kreis-Kommnualkasse zur Verfügung stehenden Mitteln zu bestreiten, wohl durchführbar sei, umsomehr, als die dem Kreis gemäß der lex Huene - Gesetz vorn U. Mai