Erscheint Mittwochs und Sonnabends. — Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
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AS 62. Samstag, den 2. August 1890,
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Deutsches Reich.
Berlin. Erscheinend von offiziöser Seite erfährt jetzt die TMbung, daß Kaiser Wilhelm auf der ÜCiid= reise von England einen kurzen Besuch in Helgoland machen werde, Bestätigung. — Fürst Bismarck wird am Sonnabend, Nachmittags, in Kissingen eintreffen und seine alte Wohnung in der oberen Saline beziehen. Die ihm zur Verfügung gestellten Königlichen Equipagen sind heute aus München angenommen. Auch sind für den Fürsten dieselben telegraphischen Einrichtungen getroffen wie früher. Es heißt, Fürst Bismarck werde vom Prinz-Regenten Luitpold von Bayern empfangen werden.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 1. August. Durch die di sjährigen Herbstübungen der 25. Division, welche im Vogelsberg stattsinden, Mommt der westliche Theil des Kreises Schlüchtern sehr starke Einquartierung. So erhält die Stadt Schlüchtern in den Tagen des 17. 18. 20. und 21. September an Einquartierung 108 Officiere, 2076 Mann und 508 Pferde, Steinau erhält 117 Officiere, 1958 Mann und 487 Pferde, Ulmbach 31 Officiere. 728 Mann und 275 Pferde, Elm 35 Officiere, 658 Mann und 228 Pferde; die anderen Gemeinden, wie Herolz, Hohenzell, Nicderzell, Bllings, Breitcudach, Kressenbach rc., erhalten ebenfalls s.hr viel in Bezug auf ihre gewöhnliche Leistungsfähigkeit. Der Grund dafür ist, daß die Truppen sonst zu weit ausgedehnte Märsche mache« müßten, waS in Verbindung mit den Manöver- strapazen die Leute zu sehr anftrengen würde. — Im Uebrigen verweisen wir auf die diesbezügliche amtliche Bekanntmachung in dem der heutigen Nr. beiliegenden Kreisdlatt Nr. 32.
* — Die Leser unseres Blattes, vor allen die Landwirthe und Pferdeliebhaber, werden die Mittheilung mit Freuden begrüßen, daß au f A nre gung des land- w i r t h s ch a f t l i ch e n K r e i s v e r e i n s Schlüchtern der Provinzialrath für die Provinz Hessen-Nassau die Abhaltung von besonderen Pf c rd e in ä r k l e n in unserer Nachbarstadt Fu lda genehmigt hat. Der erste Pferdemarkt in Fulda findet in diesem Jahre am 26. und 27. Augu st (siehe Jnflratemheil) statt und empfehlen wir Käufern und Verkäuf.rn von Pferden den Besuch des Marktes auf das Angelegentlichste.
* — Es ist schon wiederholt darauf hingewiesen worden, in wie geringem Maße die Arbeiter es sich angelegen sein lassen, sich die Nachweise zu verschaffen, auf Grund deren sie der Vortheile der Nebergangs- beftimmungen der Jnvaliditäts- und Altersversicherung theilhaftig werden können. Vielleicht verdient deßhalb das Vorgehen des „Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezuk Dortmund" Nachahmung, welcher jüngst beschlossen hat, den Zechenv rwaltungen zu empfehlen, ihren sämmtlichen Arbeitern und den mit einem regelmäßigen Jahresverdienst von höchstens 2000 Mark eingestellten Beamten die erforderlichen B-scheini- gungen schon sitzt auch ohne Antrag der Bethciligten auszustellen. Die Geschäftsführung des genannten Vereins hält die Formulare bereit. Aus den maßgebenden Bestimmungen des Gesetz S fei noch einmal Folgendes hervorgehoben: Jede in Betracht zu ziehende Beschäftigung muß in die Zeit nach Vollendung des 16. Lebensjahres fallen; eine vor Erreichung dieses Alters liegende Beschäftigung ist also in die Bescheinigung nicht aufzunehmen. Für die Erlangung des Anspruchs auf Invalidenrente kann die versicherungSpflichtige Beschäftigung innerhalb der vor dem Inkrafttreten des Gesetzes liegenden fünf Kalenderjahre in Betracht kommen. Es ist also jede in der Zeit seit dem 1. Januar 1886 stattgehabte B schäfrigung in der Beschönigung zu be- tukunden. Für alle diejenigen Personen, welche am 1. Januar 1890 das 59. Lebensjahr schon zurückgelegt hatten, ist es wichtig, auch einen Nachweis über die Höhe des von ihnen seit dem 1. Januar 1888 bezogenen Lohnes zu besitzen, weil von der durchschnittlichen Höhe dieses Lohnes für sie die Höhe der Altersrente abhängt. Die Unterschrift der Verwaltung bezw. des von ihr mit der Ausstellung der Arbeitsbescheinigungen beauftragten Beamten bedarf der Beglaubigung durch die Ortspolizei- bkhörde bezw. den Gemeindcvorstand. Die ausgefüllten Brscheinigungen sind deßhalb vor der Aushändigung au
| den Arbeiter der zusrä digen Behörde zur Beglaubigung vorMegev.
ih GemÜNden a. M, 28. Juli. Der heute dahier abgehaltene erste Viehmal kt verlief im Ganzen recht zufriedenstellend und verspricht das Unternehmen durch seinen günstigen Anfang auch weiteres Gedeihen. Aus den Nachbarbezirken, sowie aus dem Hessischen und der Fuldaer Gegend waren zahlreiche Käufer erschienen, so daß der Zutrieb insbesondere von Ochsen der Kauflust nicht entsprechen konnte. Die in Folge des plötzlichen günstigen Witterungsumschlags dringenden Erntearbeiten, sowie das zum Glücke unbegründete Gerücht der Maul- und Klauenseuche in mehreren Nachbarorten hielten eine größere Anzahl von Viehbesitzern ab, verkäufliche Ochsen beitreiben zu lassen. Am Schweinemarkte ging das Geschäft ebenfalls sehr flott und zeichnete sich in der Qualität insbesondere eine große Parthie Ferkelschweine eines Händlers von Hannover aus. Der nächste Markt findet am 25. August statt und läßt nach den vielfach gemachten Zusagen eine noch bedeutend größere Ausdehnung erwarten.
Ausland.
St. Etienut, 30. Juli. Gestern Abend hat in den Gruben von Pelissier eine furchtbare Explosion schlagender Wetter stallgefuudcn, gerade als die Nachtschicht in der Grube anlangte. Bisher wurden 10 Arbeiter unverletzt, 35 verwundet herausgcschaffl; die Zahl der Todten wird auf 120 geschätzt.
Wärterin und Hräsin. Roman von Theodor M ü g g r. (Fortsetzung.) 4.
Nach einigen Tagen hatte sich das Gleichgewicht des Lebens in dem Landhause hergestellt und eine gewisse Ordnung festgesetzt, nach welcher sich die Geselligkeit regelte. Am Vormittage that Jeder, was ihm beliebte, oder was nöthig war. Der alte Herr stand spät auf und kam erst zum Vorschein, wenn die Sonne alle Nebel und Dünste fortgeschafft hatte. Dann wurde ein Frühstück im Gartensaale oder im Garten selbst aufg« tragen, bei dem es außer Speisen und Getränken auch mancherlei geistige Genüsse gab. Der alte Herr hielt eine Anzahl Zeitungen, schweizerische, deutsche und französische, welche jeden Morgen sammt den neuesten Büchern und Schriften aus der Stadt gebracht wurden und dann den Tisch bedeckten. In allen wurde gelesen und geblättert, die vorhandenen Neuigkeiten mitgetheilt und gestritten, gespottet und gelacht, so lange Lust, Stoff und Zeit dazu vorhanden. Gewöhnlich zeigte sich Rudolf am wenigsten geneigt, viel zu lesen und lange auSzuhalten, ober den Gesprächen seines Vaters mit dem Baron dauernde Theilnahme zu schenken, obwohl sie zuweilen interessant genug waren. Die beiden Herren kannten nicht allein die Verhältnisse der Tages- geschichte sehr genau, sie kannten auch die verschiedenen Beweggründe und die vornehmsten Leiter und Führer der damaligen CabinetSvolitik. Ais Diplomaten standen sie ohne Zweifel auf sehr verschiedenen Standpunkten, allein das hinderte sie nicht, mit der größten Höflichkeit über Personen und Zustände ihre Meinungen auszu- tauschen. Der Legalionsrath war der entschiedenste Gegner sogenannter Freisinnigkeit und spöttelte über Alles, was danach schmeckte. Der alte Herr dagegen zeigte sich als constitutioneller Aristokrat, mit noblen Grundsätzen, wie sie ein geborener Pair hat. Wenn Rudolf sich davon machte, und Fräulein Babette ihr Hauswesen bestellte, dauerten die pikanten Mittheilungen zwischen den beiden Herren noch einige Zeit, ehe sie mit einer scherzhaften Wendung abgebrochen wurden. Der Baron ging dann in die Bibliothek, oder er betrachtete Gemälde, die ihm besonders gefielen, oder er schrieb Briefe, machte Toillelte und endlich eine Promenade, bis die Zeit zum Diner da war. Drei Tage vergingen also in ziemlicher Gleichmäßigkeit, denn Besuch aus der Stadt fand sich nicht ein; es kam Niemand als der Major Murhard, welcher regelmäßig jeden Abend erschien, wenn er aus seinem Geschäft kam, das eine halbe Stunde entfernt am Seeufer lag, und so lange blieb, bis es dunkel wurde. Seine Gesellschaft wurde dem feinfühlenden Baron fortgesetzt lästig und schon
1 um dessrutwillen hätte er diesen Ort je eher je liebe verlassen mögen; allein da er bestimmt wußte, daß diel nicht möglich sei, ertrug er mit der Beherrschung det vollendeten Weltmannes, was sich nicht ändern ließ Lächelnd beobachtete er in diesen drei Tagen das Be> nehmen der Gräfin Lydia, und so viel er daran zu tadeln hatte, hütete er sich doch vor jeder Spötterei oder jedem Anlaß, der sie zu Streit und Vertheidigung herausfordern konnte.
Wenn der junge Graf sich vom Frühstückstisch davon machte, weil er, wie er sagte, allerlei Geschäfte abzuthun hatte, begleitete ihn Lydia, und sobald er zurückkehrte, war sie bei ihm. Sobald sie seine Stimme im Garten hörte, oder der ungeschlachte Hund ihn durch Gebell ankündigte, war sie am Fenster und empfing ihn mit ihren Neckereien und Schmeicheleien. Gräfin Lydia war keine Putz- und Modeheldin, allein sie gehörte doch zu den eleganten Frauen, deren Anzug von dem feinsten Geschmack zeugt; jetzt jedoch schienen ihr alle ihre Gewänder nicht einfach genug zu sein. Sie kam täglich in demselben ältesten und unscheinbarsten Reisekleide zum Vorschein, das sie besaß, ließ, zum Schrecken ihrer Kammerfrau, ihr Haar in den schlichtesten glatten Scheitel kämmen und verbannte allen Schmuck. Warum sie dies that, war dem Legationsrath gewiß kein Geheimniß, daher machte er keine Bemerkuug barüber; es schien ihm nichts auJufallen, aber er bemerkte, daß Graf Rudolf diese äußerste Bescheidenheit seiner Cousine wohlgefällig aufnahm und sich ihr jedenfalls offener und zwangloser näherte, als wenn sie in prächtigen Roben und mit Blumen und Steinen verziert ihm ihre Freundschaft ungebeten hätte.
Das Einzige, was der Legationsrath that, war, daß er selbst sich mit verdoppelter Sorgfalt mit seinem An zuge beschäftigte und nichts verabsäumte, als befände er sich in der auserwähltesten Gesellschaft. Er wechselte nach den Tageszeiten seine Kleider; seine Wäsche war von ausnehmender Feinheit und Frische, seine Brillant- ringe und Busennadeln durften niemals fehlen, eben so wenig die zartesten Handschuhe, sobald er das Haus verließ. H-rr von Springfeld besaß für Lie feine Toilette sehr bedeutende Vorzüge. Er war groß und stattlich gebaut, jede Bewegung hatte die schicklichste" Gemessenheit, und sein Gesicht mit klugen, scharfen Augen und vollen Wangen drückte eben so viel Wohlwollen, wie feine Beobachtungsgabe und alle Eigenschaften des vollendeten Weltmannes aus. Jung war Herr von Springfeld allerdings nicht mehr, denn er zählte vierzig Jahre, allein er sah jünger aus, als er war. Nirgends ließ sich ein Fältchen entdecken, nirgend etwas, das einem grauenden Haare glich. Das Rasirmesser hielt seine Haut so frei von jedem Keim eines Bartes, daß das schärfste Auge nicht entdecken konnte, ob überhaupt die Möglichkeit dazu vorhanden sei; und wie dies glatte, behagliche Gesicht, |o war Alles glatt und behaglich an dem Baron, der seine lächelnde Ruhe niemals verlor, mochte geschehen, was da wollte.
(Fortsetzung folgt.)'
Geschichte der Stadt Schlüchtern.
Entworfen von I. Rullmann, Dr. theol., weiland Pfarrer in Kesselstadt.
(Fortsetzung.) Fünfter Abschnitt.
Schlüchtern eine Stadt.
Ob und welche Veränderungen in der inneren Einrichtung des Gemeindewesens in Schlüchtern durch dessen Erhebung zu einer Stadt eingetreten sind, darüber kann ich keine Auskunft geben. Es wird wohl im Anfänge alles so geblieben sein, wie es vorher war, und nicht das Gemeindewesen wird eine Umänderung erfahren, sondern nur die Namen werden gewechselt haben. Das Siegel, welches die Stadt annahm, stellte einen Engel vor, der in seiner Rechten eine Wage hielt und sich mit der Linken auf ein Schwert stützte.
.Die Vernichtung der alten , in der Einleitung erwähnten Briefschaften und Uikunden hat für die vorliegende Specialgeschichte die beklagenswerthe Folge, daß keine hervorragenden städtischen Persönlichkeiten können namhaft gemacht werden, welche sich um Mit- und Nachwelt durch ihre Amtsthätigkeit bleibende Ber»