Manche betheuern, daß dies ein sehr verrufenes Zimmer f».“
„WaS gibt eS denn für Eisch-iuu.gen?" fragte Lydia, indem sie den großen Raum musterte.
„Selten betritt jetzt Jemand das Gemach," sagte Rudolf; „in der ersten Zeit nach dem Tode meiner Mutter war jedoch mein Vater oft tief in der Nacht hier. Man bemerkte Licht, bemerkte einen Schatten, der sich a uf und nieder bewegte unv hörte zuweilen Musik, das hat zu manchen Gerüchten Aalaß gegeben.
„Grausevoll, Cousin! Aber Musik muß hier vor trefflich klingen. Das hohe weile Zimmer mit seiner düstern Holztäfelung und der tiefen Nische dort, die so schwarz aussieht wie ein Sarg, ist für Musik und Gespenster wie gemacht. Doch lassen Sir uns gehen, denn dies ist ein heiliger geweihter Ort."
Rudolf schlug das Instrument auf und bat sie, zu bleiben. Der gute Geist, welcher hier einst wohnte, sagte er, umschwebt uns vielleicht noch heut, und wird er sich freuen, wenn die Melodien aufwachen, die so lange darin geschlafen haben.
Fräulein Babette kam jetzt mit dem Major herein, der sogleich sagte: „Ich habe den Kasten da lange nicht gesehen, aber Keiner kennt ihn besser als ich, denn durch meine Hände ist das theure Spielzeug daher gekommen. Keine drei Jahre vorher, ehe die Gräfin starb, schenkte es ihr der Graf zu ihrem Geburtstage, von PariS ließ er es kommen, und ich bezahlte das Geld. Heidenmäßig kam's zu stehen, das alte wäre noch lange gut gewesen, wurde aber um ein Spottgeld verkauft."
„Sie haben es gekauft, Herr Major," sagte Babette.
„Richtig, Bäbli, ich kanffls, weils durchaus gleich auf der Stelle fort sollte, und hab' ein paar Batzen dabei verdient. Der reiche Oberst Kurtz hat es noch, all’ seine acht Töchter haben darauf spielen gelernt und sind mächtige Talente geworden. Der theure Kasten hier hat Niemandem was genutzt."
„Warum kauften Sie ihn nicht ebenfalls?" fragte Lydia ergötzt.
„Ich wolli'S thun, und der Graf hätte kaum die Hälfte von seinem GAd verloren, aber solche Herren verstehen nichts vom praktischen Gesichtspunkt. Es mußte sthen bleiben, wo es stand, sollte nicht veräußert werden, und so steht's da und verzehrt Zinsen und Capital."
„Wache auf du edler Geist!" rief Lydia, indem sie mit einigen achromatischen Läufen über die Saiten fuhr. Wache auf, und jage die Wechsler und Taudenhäudler aus Deinem T-mpel! Sie setzte sich nieder und begann zu spielen. Der Flügel war von vorzüglicher Güte, und obsowohl so lange Z it außer Gebrauch, doch unbedeutend verstimmt. Der Legationsrath suchte aus einem großen Notenstoße einige Musikstücke classischer Op-rn heraus. Etüden und Symphonien konnte Lydia auswendig, und sie spielte so meisterhaft und mit solcher Innigkeit und solchem Feuer, daß der Baron mit wiegendem Kopf und entzücktem Lächeln neben ihrem Sessel alle Stadien enthusiastischer Bewunderung durchmachte. In der schwarzen Nische auf dem Sopha dagegen streckte sich der Major aus und machte die Augen zu, Fräulein Babette saß neben ihm und strickte, am Fenster aber lehnte Graf Rudolf, den Kopf in seine Hand gestützt, über den See fortstarrend, als wären seine ©ebai.fen weit entfernt.
„Köstlich!" rief der Baron endlich, himmlisch! göttlich! Ich habe Sie lange nicht so gehört, es war ein bezaubernder Genuß. Ja die wahre Musik ist zaubermächstg, ich begreife, wie Orpheus den ganzen Orcus damit einschläfern konnte."
Er lächelte dabei zu dem Grafen hin, dem Lydia, die aufgestanden war, sich näherte. „Sie haben genug davon, nicht wahr, Cousin?" fragte sie ihn.
am
Sie spielen besser, als ich es zu beurtheilen ber= | roürb, von ydem Fuder zwölff Heller und von der Om« erwiderte er. -zw-ne Heller, darnach ein Maß vil oder wenig helt,
darnach sal auch der Zolle in obgemelter maßen ongewerlich genomen und gegeben werden.
mag
llber was thun wir nun? Was verstehen $
„ Sehr wenig, Cousine Lydia, „Woll.'n Sie mit einer Bolzeubüchse oder mit Pistolen schießen? Oder Billard spielen, oder wollen wir im Garten Kaffee trinken und dann auf den See hinaus fahren in einem Segelboote?"
„Wir wollen alles versuchen, Cousin, und ich glaube im Voraus, daß Sie überall ein Meister sind. Spielen Sie oft Billard?"
„Wenn ich zu Haus bin, täglich. Mein Vater spielt selbst noch zuweilen und findet Unterhaltung am Zusehen."
„Wer aber spielt mit Ihnen, wenn er zusieht?"
„Oh, gewöhnlich Babette. Sie ist ein gefährlicher Gegner, man muß sich vor ihr in Acht nehmen."
(Fortsetzung folgt.)
Geschichte der Stadt Schluchtern.
Kuttoorfen von I. Rullmann, Dr. th eol., weiland Pfarrer in Kesselstadt.
(Fortsetzung.)
Item obe Amants umb Slüchter uff des Stisfts Eygenthum turnen, Ecker oder Wisen machen wolt, der soll das thun mit Wissen und Willen unser Apts und Convents oder unser Nachkomen, onverhindert unser Grave Reinharts und unser Erben.
Item das Angeld zu Slüchter uns Grave Reinhart und uns Apt und Convent gleichmeßig zusteht, ist ab- geredt, das ein Zentgrave und Schultheis von unser gemeltcu beyder Theile wegen die Win gesammtschafft, und Ire ferner ou den andere an selben sollen, damit man wissen möge, was verongeldet were.
Item, es sollen auch die Bürgermeister zu Slüchter iglichs Jares einem Apt Ire Ampt halben auch geloben.
Item ist abgeredt, das wir Apt und Convent und unser Nachkome einen Schultheis zu Slüchter haben mögen, der uns, unser und unsers Stiffls dry Gericht im Jare daselbst halt und hege, der auch die Vorgepol daran zu thun haben sal, unverhindert unser Grave Reinharts und unser Erben, und obe gewissen Urteile noch daran geschehn Hülfs Not sie worde, dieselb Hülff sal geschcen, wie und durch wene die Schesfen desselben unsers Gerichts zu Recht wissen und erkennen ongewerlich.
Item das Cleyne Zehenden. Im Doiff Slüchter und des Dritteils halben des ihenen in die Pfarrkirchen daselbst gesell, das wir Apt und unser Pfarnncr ge= furdert haben. In Meinung uns gepüren und zustendig fin solle, ist abgeredt, dieweil die Gcm.yne zu Slüchter ny kein Cleynen Zehenden geben haben, als sie sagen, das sie auch fürther des fry und k ynen zu geben schuldig sin sollen, doch onschedlich dem Pfarnner an finem Cleynen Zehnden, des er im Beseß ist ußerhalb des Dorffs Slüchter, derhalb sal yme folgen und werden wie bißhcre und hiermit nit vertheidigt fin, aber was fürther in die gemelten Pfar-Kirchen gefall, wie wol das auch nyt herkomen ist, daran sal einem Pfarnner das Drittelt folgen und werden.
Item des Cleynen Zols wegen, den wir Christian, Apt und Convent obgenannt zu Slüchter herbrocht haben, daby sollen wir und unser Nachkome, wie in Stückswise hernach folgt, bliben, nämlich so ein Pfert zu Slüchter verkauft wird, davon sal uns und unsern S-ifft zu Zoll: folgen und werden Sechs Heller; Item von einem Ge- spalden Fuß, Jungk oder Alt, ein H-Uer; It m was von Schöffen oder Hcymeln in diesen nachgeschrieben Dorffen unb Flecken verkaufst werden, nemlich zu Hun- gcrftcina, Cressenbach, Breydenbach, Walrode, Elma. Allerspach, Hoenzelle, Nidderzelle, Bellings, Jossa, Ryde und Lindenberge, y von ydem ein Heller.
Item als manch Fuder Wins zu Slüchter verkaufst
Item was von Saltz, Brodt, Zwobeln, Bire, Apssel und Nüssen, uff Karren zu Schlüchter fehle helt vor den Karren dry Heller.
Item was von Wole zu Slüchter verkaufst und ge< wogen werd ydes Clude zu Zolle ein Heller; doch sind die von Steina und Slüchter alles Zolles fry Herkommen, die sollen auch fürther des fry fin und bliben, daran sollen wir Reinhart Grave zu Hanawe und unser Erben sie nit verhindere, ungeverde.
Item ober icht altere Brieffe oder Vertrege wider diesen unsern Vertragt und Entscheidt besagen, über kortz oder lang ümmer funden oder fürbracht oder gezeigt worden vor Gericht, geistlichen oder weltlichen oder ußerhaiben Gerichts, dieselben Briefe oder Vertrage sollen in allen Iren Artickeln, Punckten und Clau- selu, wo sie wüder diesen unsern Vertrags sagen und nit ferner, todt, Crafftlos und abe sein, und diesen unsern Entscheidt in kheine Wise kränken, sunder dieser unser Vertragt sal nu ewiglich in allen sinen Artickeln, Punckten und Klauseln in alle Wege cresftig fin und bliben, inmaßen wir Reinhart Grave zu Hanawe für uns und unser Erben, Und wir Christian Apt, Prior und Convent für uns, unser Nachkome und Stifft, das alles und ydes befunden, stede und veste zu halten und dem in alle Wege nachzukomen gereden und versprechen auch, das also in und mit Crafft des Brieffs darwider nit zu sin, zu thun noch schicken gethan werden in kcyne Wise noch Wege, alle Gevehrde und Arglist hirrin ver- mytten sin und bliben sollen, und des alles zu waren Urkunde han wir Reinhart Grave zu Hanawe, unser Angcborn, und wir Christian Apt unser Apty, und wir Prior und Convent unser Convents Jngesigel unden an diesen Brieffs wissentlich thuen Hencken, uns, unsern Erben, Nachkomen und Stifft allen abgeschriben Sachen damyt zu besagen und wir Philips, Grave und Herre zu Hanawe, des obgenanten Grave Reinharts Vetter, bekennen auch in diesem Bricsf, Vertragk und Entscheyde und was er enthalt, mit unserm gutten Willen und Verhenckniß zugangen und uffgericht ist, geben auch unsern Willen und Verhenckniß darzu mit diesem Briefe und das zu warer Sicherheit han wir unser Jngesiegel zuvorderst auch unden an diesen Brieff thun hencken, der geben ist uff Dornstag nach St. Peterstag ad vincula get. Anno Domini Millesimo Quadringintesimo Nonagesimo Sexto. (L. 8.) (L. 8.) (L. 8.) (L. 8.)
In einem Nachtrage zu vorstehendem Vertrage aus demselben Jahre bekennet Graf Reinhard, es seien einige Stücke zu ordnen vergessen worden, die er noch anerkennen und bescheinigen wolle, „daß der Apt und Convent zu Slüchter mit andern Diensten auf jeglichen Dorfe im Trimperg'schen Gerichte järlich eine Weinfuhr haben, darzu 2 Fuder Bannwein im Jahre zu Slüchter im Dorfe ohne Ungeld zu verschenken, desgleichen von jeglichem Krämer, der nicht zu Slüchter oder Steina sitzet, und daselbst zu Markte feil hält, 3 Heller Zoll gehabt und herbracht." (Fortsetzung folgt.)
Markt und Handelsnachrichten.
Frankfurt, 27. Juli. Der heutige Viehmarkt wärmst •j81 Ochsen, 33 Bullen, 317 Kühen, Rindern und Stieren, 280 Kälbern, 70 Hämmeln, 254 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich wie folgt: Ochsen 1. Qual. Mark 69-72, 2. Qual. 65 67, Bällen 1. Qual. 51 — 56, 2. Qual. 50- 53. Kühe, Rinder und Stiere 1. Qual. 65 67, 2. Qual. 55—59, Alles per 10) Pfd. Schlachtgewicht. Kälber 1. Qual. 47- 72 Pfg., 2. Qual. 57—62 Pf. Hämmel 1. Qual.61—66Pfg., 2. Dual. 46-48 Pf. Schweine 1. Qual. 66-67 Pf., 2. Qual. 63-67 Pfg. Alles per 1 Pfd. Schlachtgewicht.
gulva, 26. Juli. Der heutige Schweinemarkt war mit 10 i Läufern und 350 Ferkeln betrieben. Der Durchschnittspreis stellt« sich bei Läufer auf 50-6) M., Ausiegeschweine 80—90M, Ferkel auf 20—28 Mk. per Paar.
für Mit- und ÄiimMende.
Künstliche Zähne, Zahnziehen, Schmerzloses Ausziehen von Zähnen u. Wurzeln, Heilung kranker Zähne durch Eialegen von Medicin, Rnurgen und Plomviren der Zähne, Abänderung unpasflnoer und Reparasur zerbrochener künstlicher Gebiss -, Behandlung von Mundkrankheiten, Cou- sultation bei Kopfleiden, welche häufig, ohne daß es der Patient ahnt, aus dem Munde herstammen, Behandlung von Kindern während des Zahnwechsels rc. rc.
Kr. Wanz,
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Bemerkung: Damit Jedermann meine Hülfe _ in Anspruch nehmen kann, nehiiie ich auf die Bermögensverhä taisse meiner Patienten gerne Rücksicht.
^Arme und die Waisenkinder des Kreises Schlüchtern behandle unentgeldlich, mit Masse« und Vereinen schließe Verträge.
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