Einzelbild herunterladen
 

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

M 59. Mittwoch, den 23. Juli 1890.

iMfllmiflMt ßuf b,f »«ckiluchlnver Zeitung"

U werden noch soilwÜhrend von allen

---- ............= Postanstalten undLandbliesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Daraus folgt, daß das Armeekorps aus eigenen, mitg-'ühilen Mitteln sich nur 8 Tage ernähren kann, die Reiterei sogar nur 6 Tage, die Reitpferde tbnu falls nur 6 Tag-. Es ist also eine fesigefetzte Wieder- ergänzung der -verbrauchten Vorrärhe nothwendig, wenn nicht eine Hungersnoth ausbrechen soll. Allerdings wird in einem reichen Lande die Verpflegung dadurch wesentlich erleichtert, daß man soweit wie möglich auf Kosten des Landes lebt. Es leuchtet ein, daß dies je nach den Umständen verschieden sein wird. Ein Land, dessen Landwirthschaft in Blüthe steht, wird zur Zeit der Ernte Großes leisten können, weniger im Frühjahr bezw. im Winter. Man kann aber nur bei einem fortwährend siegreichen Bewegungskriege vom Lande leben; auch dann wird man noch in die Lage kommen, Gegenden durchziehen zu müssen, welche der geschlagene Feind vorher bereits ausgesogen hat und deren Hilfs­quellen erschöpft sind.

Handelt es sich aber z. B. um die Einschließung einer großen Festung bezw. deren Belagerung, so liegen die Verhältnisse ganz anders. Straßburg kann z. B. ernsthaft nur von 5 Armeekorps belagert werden, das sind 170,000 Mann und 55,000 Pferde, wobei wir von der Belagerungsartillerie und den Belagerungs- pioniren ganz absehen. Eine solche Armee gebraucht täglich für ihre Verpflegung 16,740 Centner, in einem einzigen Monate mithin schon 502,200 Centner! !

Es ist also gar nicht daran zu denken, daß das umliegende Land, mag es auch noch so reich sein, diesen gewaltigen Bedarf an Verpflegungsmitteln decken kann. Die Grundlage aller Operationen muß daher ein wohl organisirtes Eisenbahnwesen sein. Es ist aber weiter nothwendig, daß diese Eisenbahnen auch absolut sicher sunktioniren können; dazu gehört wieder ihre Sicher- fteßung durch zahlreiche Elappentruppen, deren Ver­pflegungsbedarf gleichfalls sichergestellt werden muß. Nun werden in jedem Lande die Eisenbahnen durch Festungen gesperrt, also ist ihre Benutzung bis zur Eroberung dieser Festungen ausgeschlossen. Wo Eisen­bahnen nicht durch Festungen gesperrt werden, wird der geschlagene Gegner durch Zerstörung von Brücken, von Tunnels, durch Ausführung des gesummten Eisen­bahnmaterials, durch Zerstörung der Wasserstationen u. s. w. dafür sorgen, daß der siegreiche Feind die Eisenbahnen nicht benutzen kann.

Wir sehen daraus, daß dem menschlichen Geiste überall Grenzen gesteckt sind und die Bäume auch anno 1890 noch immer nicht in den Himmel wachsen.

Wir haben nur von der Verpflegung gesprochen, das ist aber nur ein einziger Punkt des Heereshaus- Halts im Kriege. Die Ergänzung der Munition, der Nachschub von Mannschaften und Pferden, der Rück­transport der Verwundeten, der gemachten Gefangenen, der eroberten Geschütze rc. treten hinzu. Dies Alles fällt den Eisenbahnen zur Last. Aus dem Gesagten geht die ungeheure Wichtigkeit der Eisenbahnen klar hervor. Man könnte vielleicht so weit gehen, die Be­hauptung aufzustellen, daß im nächsten Kriege endgültig derjenige Sieger bleiben wird, dessen Eisenbahnnetz das entwickelst?, dessen Eisenbahn-P--rsonal unb Material am leistungsfähigsten und geübtesten ist. Wer nun in einem zukünftigen Kriege die Hülfsmittel am besten ausnutzen wird, das muß die Zukunft lehren. Nur soviel steht fest, daß Rußland in dieser Beziehung sehr übel daran ist. Wenn man heute immer nur von Millionen Soldaten spricht, so hat dies ja Berechtigung. Wer aber glaubt, daß diese Millionen auf einem einzigen Schlachtfeld? vereinigt werden können, der irrt gewaltig. Die einzelnen Heere werden die Stärke der großen Armeen von 1870/71 nicht wesentlich über­schreiten, daS verbietet die Rücksicht auf den zur Ent­wicklung nöthigen Raum und die Rücksicht auf die Verpflegung.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat am 18. d. Mts. Olden verlassen, um nach der am Ende des Nordfjord gelegenen Geiranger zu fahren. Auf die projektieren Ausflüge verzichtete er trotz prachtvollen Wetters, um Staatsge­schäfte zu erledigen. Derselbe ist am Abend des 18. Juli nach herrlicher Fahrt durch Storfjord in Geiranger angelangt.

Berlin, Der Kaiser als Grundbesitzer in den

Ueber die Verpflegung eines Heeres im Kriege schreibt der miluarlsche Mitarbeiter derB. N- N. :

In unseren Tagen des bis an die Zähne bewaffneten Friedens ist es Mode geworden, zukünftige Schlachten durch Journalisten mit Druckerschwärze auf dem Papier durchkämpfen zu lassen. Ohne Zweifel hat diese Art der Kriegführung große Volzüge, sie erspart jedes Blut­vergießen, kostet außerordentlich wenig; und da fast regelmäßig Deutschland Sieger bleibt, so erfüllt sie auch noch das Herz manchen biederen Lesers mit Genug­thuung. Die Massen, mit welchen sedergewaudlc Journalisten auf dem Papiere herumwerfen, erreichen mitunter eine geradezu erstaunliche Höhe, die Verluste sind oft grausam zu nennen; wie aber solche Massen ernährt werden sollen, das bekümmert die Verfasser moderner, mit Druckerschwärze ausgeführter Schlachten- gemäide wenig. Davon unseren Lesern einen Begriff zu geben, ist der Zweck dieser Z ilen.

E-n einziges mobiles deutsches Armeekorps hat eine Verpflegungsstärke von 38,000 Mann und 11,000 Pferden, es führt ausschließlich der Geschütze und Mu- nitionswageu für die Artillerie nicht weniger als 500 sechsspännige, 300 vierspännige und 950 zweispänisige, zusammen also 1750 Fahrzeuge mit sich, welche mit rund 6000 Pferden bespannt sind. Wenn ein mobiles deutsches Armeekorps nur auf einer einzigen Chaussee marschirt, so nehmen die fechtenden Truppen allein eine Tiefe von beinahe 3 Meilen ein; die große BaoMe, die-Munitionskolonnen und die Trains crfoid.rn weisere 3'/r Meilen Tiefe. Man stelle sich nun eine Chaussee vor, welche auf G'/g Meilen Tiefe von Truppen und Fahrzeugen bedeckt ist, man berücksichtige, daß diese Massen von Menschen und Pferden täglich gut verpflegt werden müssen, wenn sie etwas leisten sollen, und daß eine Proviantkolonne allein etwa fünf Meilen marschiren muß, wenn sie aus dem ihr am Ende der Marsch­kolonnen zug-wicscnen Platz zu der Avantgarde vorge­zogen werden soll.

Die tägliche Feldmundportion für den Soldaten be­steht aus: 1. 750 g Brod, 2. 375 g frischem oder ge­salzenem Fleisch, oder 250 g geräuchertem Fleisch, oder 170 g Speck, 3 125 Gramm Reis, Grütze oder Graupen, oder 250 g Hülsefrüchtcn, oder 1500 g Kartoffeln, 4. 25 g Salz, 5. 25 g gebrannten oder 30 g unge­brannten Kaffee. Das Maximalgewicht dieser Portion beträgt mithin 2680 g, das Minimalgewicht 1095 g, der mittlere Durchschnitt 1887 g täglich. Der durch­schnittliche Bedarf eines einzigen Armeekorps an Lcbcns- mitteln für einen Tag erreicht die Ziffer von 71,706,000 g, oder von 1434 Centnern!!

Eine schwere Ration für ein Pferd beträgt 5650 g Hafer, 1500 g Heu, 1750 g Stroh. Die leichte Ration beträgt 5000 g Hafer, aber ebensoviel Heu und Stroh als die schwere. Da nun die gesammte Kavallerie, die gesammte Artillerie, die Generale und Adjutanten, der Gcncralstab, die sümmtlichcu Zugpferde aller Kolonnen die schwere Ration erhalten, so kann man den Durch­schnitt der täglichen Ration auf 8700 g beziffern. Die 11,000 Pferde eines einzigen Armeekorps gebrauchen also täglich 95,700 kg oder 1914 Centner Hafer, Heu und Stroh. Der Gesammtbedarf eines Armeekorps an Nahrurgemitteln für Mannschaften und Pferde beträgt somit täglich nicht weniger als 3348 Centner!!!

Hierbei ist noch nicht ein einziges Gebund Stroh für das Biwak berechnet, sondern die Unterbringung der Mannschaften und Pferde in den Ortschaften als Grundlage der Berechnung angenommen. Man sieht ja schon aus diesen Zahlen, welche gewaltigen Schwierig- keiten die Verpflegung einer ganzen Armee macht.

Nun führen die Truppen an sog. eisernen Portionen bezw. Rationen mit sich: Die Infanterie und die Ar­tillerie 4 Portionen für die Mannschaften, 2 Rationen für die Reitpferde, 3 Rationen für die Zugpferde. Die R itcrei 2 Portionen für die Mannschaften und ebensoviel Rationen für die Reit- bezw. Zugpferde wie die Infanterie und Artillerie. Die gesummten Proviant- Und Fuhrparkskolonnen eines Armeekorps führen mit sich U 4 Portionen bezw. Rationen pro Mann und Pferd.

R ichslander. Die Thatsache, daß Kaiser Wilhelm sich unw.il Metz angckaufl hal, entbehrt nicht eines polmsch- palriotischen Hintergrundes. In den RelchStanven wird der 1870,77, begründeten Ordnung der Dinge durch nichts wirksameren Vorschub geleistet, als durch dauernde Ansiedelung alt-deutscher Elemente, und zwar nicht nur in den Städten des Landes, von wo eine Loslösung eintretenden Falles bald bewerkstelligt wäre, sondern durch Erwerb ländlichen Besitzes, der zwischen dem Eigenthümer und dem Grund und Boden ein festes, nicht im Handumdrehen zu lockerndes Band hcr- stellt. Jeder in Elsaß-Lothringen sich als Grundeigen- thümer niederlassende Altdeutsche bildet ein dem schlichten Verstände der Retchsländer mehr einleuchtendes nrAuwell- tum ad hominem zu Gunsten des Bestandes der jetzigen Ordnung, als noch so emphatische Versicherungen in Rede und Schrift. Indem nun gar der Kaiser persönlich Jmmobilbcsitz, und zwar in nächster Nähe der Reichslandsgrenze gegen Westen erwirbt, ist ein hoffentlich reiche und dauernde Frucht tragender Präcc- denzfall geschaffen, der sich für die Einfügung der Ge­müther unserer reichsläudischen Landsleute in die end- giltige Zugehörigkeit zu Deutschland entscheidender er­weisen dürste, als jahrelange politische Propaganda.

Die Kronprinzessin Sophie von Griechenland, Schwester des deutschen Kaisers, ist Samstag Morgen 9 Uhr, früher als man erwartet halte, glücklich von einem Lohne entbunden worden.

Eine interessante Entscheidung hat die preußische Strafkammer zu Glatz im Regierungsbezirk Brestau gegeben. Dieselbe verurtheilte den Schuhmachermeister Glogar, Mitglied der sozialdemokratischen Partei, der bei eimm Hoch auf den Kaiser allein demonstrativ sitzen geblieben war, wegen Majestätsbeleidigung zu einer Festungshaft von zwei Monaten. Von der Innung wurde Glogar bald nach dem Vorgang aus­geschlossen.

Am 22. und 23. September wird derErste deutsche Hebammentag" in Berlin versammelt sein.' Um einem tiefgefühlten Bedürfnisse abzuhelfen, wird die Versammlung der weisen Frauen u. A. den Antrag erörtern, ob der NameHebamme" nicht inGeburts­helferin" umzuändern sei.

Jüterbogk, 18. Juli. Ein erschütternder Unglücks- fall hat sich heute Abend gegen 6 Uhr auf dem Cum- mersdorfer Schießplatz ereignet. Bei der heutigen Schießübung cxplodirte beim Abfeuern eines Geschützes eine Granate schwersten Kalibers. Die Folgen der Explosion waren die schrecklichsten: es wurde ein Ka- nonicr auf der Stelle gelödtet. Ferner sind sechs Be­dienungsmannschaften schwer verwundet. Sie wurden auf den auf dem Platze vorräthigen Militärlazarethwagen nach dem Garmsonlazareth in Tempelhof übergeführt. Der Marine-Ofsicier, Graf Monts, wurde ebenfalls sehr schwer verletzt.

Elbing, 16. Juli. Folgenden Geniestreich hat ein hiesiger Lehrling vollführr. Ein Bäckermeister sandte zu Beginn dieses Monats seinen Lehrling mit einer Postanweisung zur Einzahlung eines Betrages von einigen fünfzig Mark auf die Post. Um dem Burschen, der, auch wenn er einige Jahrhunderte früher auf die Welt gekommen wäre, das Pulver nicht erfunden hätte, recht verständlich zu machen, wo er auf dem Postamt das Geld abzugeben habe, sagte ihm der Meister, er (der Lehrling) solle den Betrag nur in das zweite (Schalter) Fenster hineinlegen. Dieses merkte sich denn auch unser Held sehr genau; denn als er in dem großen Abfertigungsraum des Postamts angelangt war, suchte er das zweite nach der Straße belegene Fenster auf und steckte in Erledigung seines Auftrages Geld und Anweisung in den unter dem Fensterbrett befindlichen Wasserkasten, vergnügt über die schnelle Ausführung des meisterlichen Befehls. Dieser Tage wurde nun der Bäckermeister plötzlich an die Begleichung der Schuld, die er längst bezahlt wähnte, erinnert. Er nahm den Jungen ins Gebet und dieser erzählte denn, wie er den ihm ertheilten Auftrag erledigt hatte.' Man ging auf die Post und siehe da unberührt fand sich in dem Wafferkasten sowohl das Geld als die Anweisung vor.

Oelsnitz, 16. Juli. Die Kreuzottern bringen be­kanntlich lebendige Junge zur Welt. Dem Gemeinde- vorstand zu Schönbrunn brächte ein Jun-e eine soeben