Einzelbild herunterladen
 

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

M 52.

Samstag, den 28. Juni

1890.

Bestellungen auf das 3. Quartal 1890 (Juli, August, September) der

S ch l ü ch t c r n c r Z e i t il ii k" bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gefälligst machen zu wollen und zwar möglichst bald. Neu zutretende Abonnenten erhalten das Blatt vom Tage der Bestellung an bis Ende d. Mts. gratis.

Schlächtern, im Juni 1890. Der Herausgeber.

Deutsches Reich. dringenden Verdacht steht, Helfershelfer des Telephon-

Berlin. Die Ernennung des Oberbürgermeisters Schwindlers zu sein.

Dr. Miguel zum preußischen Finanzminister ist vollzogen | Potsdam, 25. Juli. Der Kaiser und die Kaiserin

und bereits imReichsanzeiger" veröffentlicht. Dr. M quel wird die Leitung der Geschäfte am 1. Juli übernehmen. In parlamentarischen Kreisen will man wissen, daß er das Amt erst nach längeren eingehenden Verhandlungen mit dem Reichskanzler und dem Kaiser angenommen habe, bei welchen die Grundlagen einer umfassenden Steuerreform vereinbart worden seien. Wie verlautet, wird demnächst auch das Verhältnis des Reichsschatzamts zum preußischen Finanzminister eine Aenderung erfahren. Andere Veränderungen im preußischen Finanzministerium, die für nahe bevorstehend gehalten wurden, scheinen vorläufig anigeschoben zu sein. Die Ernennung Miguels ist nichts weniger als überraschend gekommen, da bei der seltenen Gunst, die er an höchster Stelle genießt, seine Aussichten auf einen Ministerposten schon lange als absolut sichere galten. Der neue Minister ist am 21. Februar 1829 zu Neuenhaus (Grafschaft Bentheim) - in Hannover geboren, und steht mithin im 62. Lebensjahr.

Es wird uunmehr offiziell bestätigt, daß der Finanzminister v. Scholz sein Eutlassungsgesuch ein- gereicht hat und daß die Genehmigung desselben, sowie die Ernennung des Nachfolgers unmittelbar bevor'"-b^ Herr v. Scholz hat sich überzeugt, daß das ernste Augenleiden, welches ihn seit längerer Zeit befallen hat, ihm die Fortführung des Amtes unmöglich macht. Als sein Nachfolger wird der nationalliberale Reichs- tagsabgeordnete und Oberbürgermeister von Frank­furt a. M. Dr. Miguel genannt. Man nimmt in

. Berlin an, daß auch im Reich ein Wechsel in der Finanzleitung bevorsleht, und daß die Stelle eines ver­antwortlichen Reichsfinanzministers geschaffen wird, welcher eine Acrä wichtiger Steuerreformen zu er­öffnen hätte.

Nachdem im Herbst neue Bestimmungen über das Verhalten der militärischen und der Marine-Bc- hörden bei Reisen Sr. Majestät des Kaisers und Königs, Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin sowie anderer Fürstlicher Personen in den preußischen Staaten zur Geltung gelangt sind, steht auch eine Rg-lung der Be­stimmungen über das Verhalten der Cwilbchörden in gleichen Fällen in Aussicht. Es wird dem Vernehmen nach bcalsichtigt, eine Einschränkung der zu den ver­schiedenen Empfängen zu entbietenden Kategorien von Civilbcamten herbeizuführen.

* Wie dieTgl. Rdsch." hört, hat sich die bei den neueren Jnfant-richelmen getroffene unschöne Ein­richtung, wonach der Vorderschirm ohne Metallschiene am unteren Rande blieb, auch praktisch nicht bewährt, und es soll künftig wieder diese Schiene am Helme angebracht werden. Ferner soll außerhalb des Dienstes und in den Fällen, wo ein Aufpflanzen des Seiten­gewehrs nicht erforderlich ist, das neue Dolchmesser der Linie wieder dem älteren größeren Modell, wie es die Garde beibehalten hat, Platz machen. Die neue Waffe ist, wenn sie nicht zum Stechen verwandt wird, über­haupt keine Waffe, als Dolch gebraucht aber zu gefährlich.

Das Berliner Schwurgericht verhandelte am Sonnabend gegen den SchneidergcscllenFriedrich Klausing, welcher im vorigen September eine Frau Vaneß und deren 75jätjrige Mutter ermordet und beraubt hat. Der Angeklagte leugnete hartnäckig, wurde aber durch zahlreiche Beweise überführt und zum Tode verurtheilt.

Berlin. Ein sensationeller Schwindel per Telephon ist hier verübt worden. Einem Bankgeschäft wurde den Fernsprecher mitgetheilt, ein alter Runde, ein Kauf-

verbleibt dort zwei Tage und reist dann nach Kopen­hagen und Christiania weiter. Die Kaiserin kehrt nach Potsdam zurück und begibt sich am 27. d. M. nach Saßnitz auf Rügen.

Hamburg, 23. Juni. Heute Morgen kamen mit der Eisenbahn 3 Waggons an, die unter Aufsicht mehrerer Privatpersonen am Brookihor auf dem dortigen Geleise der Bahn standen. Diese 3 Waggons enthielten 3 Millionen Francs in Silbergeld, welches von dem Wiener Bankhause M. Thorsch Söhne für Rechnung der rumänischen Regierung durch das hiesige Speditions­haus Schenker u. Co. nach London versendet wird, und wird diese werthvolle Ladung am Schuppen 1011 Kaiseiquai auf den DampferGemma" verladen werden. In der allernächsten Zeit sollen nach denHamb. Nach." noch weitere 15 Wagen mit Silbergeld von Wien nach hier folgen. Die Silberversendung aus Rumänien soll mit der Einführung der Goldwährung dort zusammen- hängen und sind diese Silbermünzen zum Verkauf in England bestimmt.

Breslan, 22. Juni. Kürzlich berichteten verschiedene Blätter über einen in Salzwedel angestellten Versuch, der Stadt durch Auffindung von Quellen gutes Trink- wasser zu verschaffen. Der Magistrat hatte sich an den als Hydrognost (Quellenfinder) bekannten Grafen Alexander Wrschowetz Sekerka von S dezicz in Villa Schäferei bei Neisse gewandt, welcher das Vor­handensein von Quellen in dortiger Gegend covstatirt hat. Von Interesse dürften einige Mittheilungen über das Verfahren des Grafen Wrschpwetz sein. Sobald an denselben die Aufforderung herantritt, eine Quelle oder unterirdisch fließende Wasserader zu suchen, studirt er die Umgebung des in Frage stehenden O.tes geologisch und prüft dann unter Zuhilfenahme eines Apparates das etwa vorhandene Wasser auf seine Ergiebigkeit. Wie die Praxis gezeigt hat, ist Graf Wrschowetz im Stande, von der Erdoberfläche aus zu bestimmen, wieviel Liter Wasser zu erwarten sind, und in welcher Tiefe dasselbe ungefähr angetroffen werden kann. In Betreff der Tiefenlage kann allerdings hin und wieder eine Differenz vorkommen, doch pflegt es sich dann nur um einige Meter zu handeln. Was das Honorar anbelangt, so pflegen folgende Forderungen gestellt zu werden: 1. für Trinkmasserbrunnen ca. 300 Mk ; II. für Dampfbetrieb und Fabrikationszwecke, sowie größere Güter und Rittergüter 400500 Mk.; III. für Zuckerfabriken je nach Anforderung 400600 Mk.; IV. für Stärkefabriken und Färbereien, wo eS hauptsächlich auf gutes Wasser ankommt, ca. 700 Mk.; V. für Städte und Bäder bis 1500 Mk., je nach An­zahl der Brunnen und den Schwierigkeiten, welcher sich der Arbeit des Aufsindens entgegenstellen. Bei Kranken­häusern, Wohlthätigkeitsanstalten nnd als arm bekannten Gemeinden berechnet der Graf nur die Reisespesen. Graf W., dessen Vater sich schon auf demselben Gebiete auszeichnete, sieht bereits auf eine mehr als zehnjährige Thätigkeit als Hydrognost zurück. Die Zahl der Dörfer, Güter, Badeorte und Städte, welche durch Graf W. wasferrreiche Brunnen erhalten haben, ist eine sehr große.

Leipzig. Welch sonderbare Blüthen die Jubiläums - wuth unserer Z it hervorbringt, dafür diene folgende Notiz eines sächsischen Lokalblattes:Frau Fleischer P. von hier besucht das Tr. Schützenfest nun schon seit 25 Jahren und ist Inhaberin einer Würstchenbude. Auch jetzt besucht sie das daselbst stattfindende Schützen­fest. Aus diesem Anlässe zog am Donnerstag Nach­mittag die Wachmannschaft mit Musik und Fahne vor die Bude der Frau P., und bei präsentstem Gewehr hielt der Oberschützemmister Herr F. an die Jubilarin

»anri, gebrauche 15,000 Mark, das Geld werde durch Dienstmann Nr. So und so gegen Quittung abgeholt werden. Der Dienstmann erschien und erhielt das Geld und dem Kaufmann wurde die Summe aufls Üonto gesetzt. Sehr bald ergab sich aber, daß dieser,. - .. . - . . -

Von der ganzen Geschichte nichts wisse. Das Geld war eine kurze Ansprache, überreichte ihr einen Lotbeeikianz verschwunden. Inzwischen ist der Buchhalter der ge«. und machte die Mittheilung, daß nach Dircktoriums- chädigteg Balksirma verhaftet worden, weil er imi beschluß sie vom Standgeld befreit sei, Frau P. dankte

sind Abends 10 Uhr nach Kiel abgercist. Der Kaiser

sichtlich gerührt für die ihr zu Theil gewordene Aus Zeichnung. Die lorbeerbekiänzte Würstchenhündlerin ein geradezu klassisches Bild!

Ausland.

Spanien. Die asiatische Cholera ist nunmehr von dem spanischen Gesundheitsrath amtlich festgestellt. Eine Depesche aus Madrid vom 24. d. M. fügt dieser Nachricht hinzu: Mit Rücksicht auf die Ausdehnung der Epidemie sind die Absperrungsmaßregeln, welche für die infkirUn Ortschaften eingerichtet waren, vollständig auf­gehoben worden. Von Montag auf Dienstag waren in Puebla de Nugat, in Montichelvo und in Garcia weder neue Eikrankungen noch neue Todesfälle vorgekommen.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 27. Juni Mit einem schönen Sommer scheint es nun doch in die Brüche zu gehen, denn heute, am Siebenschläfer-Tage, regnet es, zwar leise aber anhaltend. Nach alter bekannter Bauernregel soll es nun, wenn's am Siebenschläfertag- regnet, noch sieben Wochen jeden Tag regnen. Das wäre schade!

* Das Branntwein-,, Schmieren." Unter vor- stehender Spitzmarke veröffentlicht derRhein. Kur." in einem Artikel:Vom Main, 17. Juni," Folgendes: Bekanntlich ist der Branntwein in Folge des mit dem 1. Oktober 1887 in Kraft getretenen Steuergesetzes in hohem Grade verfeuert worden und eine Folge hiervon ist wieder die Thatsache, daß der Verbrauch des Brannt­weins wesentlich abgenommen hat. Die redlichen Ge­schäftsinhaber, welche nur reine und unverfälschte Waare verkaufen, können daher auch den unlauteren Mit­bewerbern gegenüber kaum noch bestehen. Wird doch nicht selten und besonders den Wirthen auf dem Lande der Trinkbranntwein zu einem Preise an- geboten, welcher noch weit unter dem beim Massenver- kaufe verwilligten Preise bleibt; der redliche Geschäfts­mann fragt sich erstaunt: Wie ist es nur möglich, daß jene Geschäftshäuser bei den hohen Spesen, bei den Zinsen und bei dem Fässerverluste so billig verkaufen können? Schreiber dieses kann darüber einigen Aufschluß geben. Seit einiger Zeit ist einePaprika-Essenz" in den Handel gebracht worden, welche denjenigen Branntwein- wirthen, die dasSchmieren" betreiben, dazu dient, dem zu sehr mit Wasser verdünnten Branntwein einen schärferen Geschmack beizubringen. Auf diese Weise wird ein auf kaum mehr als zwanzig Prozent Alkohol verwässerter Branntwein in einen wahrhaftigenRachen­putzer" umgewandelt. Diese Paprika-Essenz ist so scharf, daß schon ein Tropfen, davon auf die Zunge genommen, ein stundenlanges schmerzhaftes Brennen verursacht. Wir holten uns verpflichtet, im öffentlichen Interesse auf diese grobe gesundhcilsgcfährliche Betrügerei auf­merksam zu machen. Die Käufer dieser billigen Sorten Trinkbranntweins aber mögen sich von ihren Lieferanten schriftlich bescheinigen lassen, daß die getaufte Waare nicht mit Paprika-Essenz versetzt ist, um nöthigen Falls das Lebensmittel-Untersuchungsamt anrufen zu können."

* Das 450jährige Jubiläum der Erfindung der Buchdruckerkunst wurde am Geburtstage (24.) des Er­finders, Johannes Gutenberg, von den Jüngern der schwarzen Kunst überall festlich begangen. In Cassel, Marburg, Frankfurt a. M., Mainz und in fast allen größeren Städten Deutschlands fanden Ausstellungen von Druckwerken alter und neuer Zeit statt, verbunden mit entsprechenden Festakten und Toasten.

* Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß die Verwaltung des städtischen Centralviehhofes zu Berlin bestes, gutgeerntetes Heu in jedem Posten kauft. Die Lieferungsbedingungen sind durch die Verwaltung zu beziehen.

* DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ab­änderungen der Post-Ordnung, welche jüngst beschlossen worden sind. Die Abänderungen betreffen die Be­förderung von Munition für Hand-Schußwaffen, die Nachsendmiß von Packeten und Briefen mit Werth-