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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

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Jf 5L Mittwoch, den 25. Juni 1890.

Bestellungen auf das 3. Quartal 1890 (Juli, August, September) der

Schlilchterner Zeitung"

bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gefälligst machen ^u wollen und zwar möglichst bald. Neu zutretende Abonnenten erhalten das Blatt vom Tage der Bestellung an bis Ende d. Mts. gratis.

Schlächtern, im Juni 1890. Der Herausgeber.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Juni. Der Kaiser wurde gelegentlich seines Besuchs der Krupp'schen Werke in der Ortschaft Kronenberg vor einer gewaltigen Albeitermenge von Geheimrath Krupp mit einer Ansprache empfangen, die in einem freudig aufgenommenen Hoch gipfelte. Der Kaiser wandle sich dann mit folgender Ansprache selbst an die Arbeiter:Ich spreche Euch meinen herzlichsten Dank aus, deutsche Arbeiter! Ihr wißt, daß unser Herrscherhaus von j- her für die arbeitenden Klassen ge- sorgt hat. Ich habe der Weit erklärt, welchen Weg ich gehen will und Ich sage heute wieder, daß Ich -den­selben Weg, den Ich bisher g-gang-n bin, auch weiter gehen werde. Es hat Mich besonders gefreut, aus Eurem Wohlverhalten ersehen zu können, daß Ihr Mich verstanden habt und daß Wir auf dem richtigen Wege sind. Bor allen Dingen aber freut es Mich, daß ich Gelegenheit habe, die Fabrik wicderzusehcn, deren Herr und deren Arbeiter für unser Baterland von ungeheurer Bedeutung sind. Die Krupp'fche Fabrik hat dem deutschen Arbeiter, der deutschen Industrie einen Weltruf ver schafft, wie keine andere Firma di.s gethan hat. Und so danke ich dem Herrn Krupp unD den Arbeitern und fordere Euch auf, mit Mir auf das Wohl des Herrn Krupp und der Firma Krupp ein kräftiges Hoch auszubringen. Die Firma Krupp lebe hoch, hoch, hoch!" Bon seinem Besuche in Wetnigerode und in Essen traf der Kaiser am 21. d. wieder in Potsdam ein, wohnte am Vormittag mit der Kaiserin und den beiden ältesten Prinzen der Fahnenweihe in Großlichlerfelde bei und halte für Nachmittags u. a. auch 40 Rcichs- «agsabgeordnete zu einem Gartenfeste nach der Pfauen- i.sel bei Potsdam eingeladen.

Königsberg, 17. Juni. Die Wanderdünen an der kurischen N hrung sind von den hZligeu Winden der letzten Wochen in Bew gung Vers tzt worden, so daß sie oft gewaltige Sandkreisel von mehr als hundert Fuß Höhe in die Luft sandten, die sich alsdann ins Haff, ins Meer, in die Dörfer od r auf die neuen Dünenbe- fefligungeit stürzten. So sind die wenigen, mit rast­losem Fleiß urbar gemachten Stückchen Landes fast gänzlich verschüttet worden. Eine halbe Meile von dem Fischerdorfe Soffitten entfernt, haben die Wanderdünen sogar Knocheuüberreste bloßgelegt in so großer Anzahl, daß man hier einen ehemaligen Kirchhof vermuthet.

Stettin, 18. Juni. Bei der Schießübung der Landw hr-Artillerie in Swincmünde ist eine Granade beim Einsetzen in das Geschützrohr geplatzt. Sechs Landwehrleute wurden schwer verwendet, einer davon verstarb bald. Hierüber schreibt man aus Swiue- munde: Ein furchtbares Unglück hat sich heute Vor­mittag 9/2 Uhr bei dem Gefechtsschießen ereignet, welches in der Ostbatterie der hiesigen Festung statEand. Dasselbe war ein Übungsschießen der Land­wehr des hier garnisonirenden Fuß-ArtiLerie-Kegiments von Hindersin (Pommersches Nr. 2.) Als die erste Granate in das linke Flügelgeschütz der aus 15 cm. Rtngkanonen bestehenden Ostbatterie eingesetzt werden sollte, er-pirte dieselbe und tödtete den Geschütz-Com­mandeur, einen U t.rvfsicicr der Reserve, augenblicklich. Von den 7 Bedienungsmannschaften wurden 3 schw.r verletzt, und zwar ist der Eine bereits seinen Leiden erlegen, während den anderen Beiden je ein Arm und eine Backe hinweggerifscn ist. Zwei Mann der Be­dienungsmannschaft sind unverletzt geblieben. Die Ur­sache des furchtbaren Unglücks scheint aus einem Ver­sehen beim Laden des Geschossts zu beruhen; es soll nämlich zu der Grauate M 72, versehen mit dem Gra­natzünder M 73, fälschlich statt des für die 15 cm« Granate bestimmten Vorstechers der für die 12 cm« Granate verwandt sein. Da derselbe aber für die be« sagte Granate zu kurz ist und somit ein unz-itiges Crcpircn derselben nicht verhindern kann, mußte noth­wendigerweise bei dem Einsetzen der Granate die Zünd- Pille von dem Zündbolzen angestochen und somit das Krepiren der Granate hervorgerufen werden. Der .

Umfang des Unglücks hätte leicht ein größeres werden können, da die zu diesem Schießen bereit gestellten Gra­naten sämmtlich mit dem falschen Vorstecher versehen gewesen sein sollen und hat erst das Crepiren der ersten Granate eine nochmalige genaue Untersuchung der übrigen Granaten herbeigcfühit.

Lissa, 21. Juni. Bei einem gestern Nachmittag in einer hiesigen Bäckerei ausgebrochenen Feuer entstand eine Explostou, durch welche Polizeiinspcktor Hopner, Branddirektor Glabisch und sechszehn Personen der frei« willigen Feuerwehr schw.re Brandwunden erlitten. Einer von den Löschmannschaften, Schneidermeister Friedel, ist bereits g>storbeu.

Hamburg, 18. Juni. Welche bedeutenden Opfer die Streikkassen erfordern, erhellt aus folgendem Falle. Die Frau eines hiesigen Werftarbeiters wendete sich, wie die D N." erfahren, heimlich an den Besitzer der Werft, wo ihr Mann arbeitet, mit der Bitte, ob ihr Mann, der doch am 1. Mai nicht gestreikt habe, nicht einen etwas höheren Lohn als 24 Mark per Woche erhalten könnte; denn bei aller Sparsamkeit sei es nicht möglich, die mit Kindern gesegnete Familie durchzubringen. An ihrem nicht geringen Erstaunen erfuhr sie nun, daß ihr Mann seit Wochen 36. Mark wöchentlich erhalte. Als h' nun ihrem Manne deswegen Vorstellungen machte, gcsiand derselbe nach einigem Zögern, daß er, wie jeder a bere Arbeiter, täglich zwei Mark, also wöchentlich 12 Mark, an die Streikkasse abliefern müsse.

Die Insel Helgoland, welche durch den deutsch­englischen Kolonialvertrag wieder an Deutschland gelaugt ist, liegt 44,5 Kilometer von der Küste entfernt; sie ist nur 1700 Meter lang, 600 Meter breit und hat 0,01 Quadratmcilc Flächengchalt, der aus dem Oberland und dein Unterland besteht, beide durch eine Treppe von 193 Stufen, seit einigen Jahren auch durch einen Auszug verbunden. Das Oberland ist ein 63 Meter hoher rother Thousteinfelsen, der einen kleinen Ort und einen Leuchtthurm trügt; das Unterland ist ein flaches, sandiges Vorland. Etwa 1200 MUer östlich von biefem liegt die Düne, eine 550 Meter lange Sandinsel, welche den Badestrand bildet; sie wurde am 31. Dezember 1710 von der Halbinsel durch das Meer losgerissen. Die Einwohnerschaft belauft sich auf rund 2000 Seelen; sie ist friesischen Stammes; die Kirchen- und Schul- sprache ist deutsch. England sandte bisher einen Gou­verneur nach Helgoland. Im englischen Besitz ist es seit 1807. ES gehörte ursprünglich den Herzögen von Schleswig Holstciu-Gottorp, ward aber 1714 im Kampf der königlichen und herzoglichen Linie von den Dänen erobert, denen die Engländer es in den napoleonischen Kriegen abnahmen; während der Kontinentalsperre war «Helgoland ein Hauptstapelplatz des Schmuggels. Seit­dem hat es nur noch dem harmlosen Zweck des See- bade-Lebens gedient; nebenbei bot es den heirathslustigen Paaren, welche daheim auf irgend welche Hindernisse stießen, die Möglichkeit, bequem zu ihrem Ziel zu ge­langen: man konnte in Helgoland sich fast so leicht ver- heiralhen, wie einstmals in der Schmiede von Gretna- Grcen. Das wird unter deutschem Gesetz allerdings aufhören. Die Erwerbung Helgolands bedingt eine Ab­änderung der Reichsverfassung, da diese im Art. 1 die Gebiete aufzählt, aus denen das Reich besteht. Auch wird bestimmt werden müssen, welche staatsrechtliche Stellung Helgoland im Reiche einnehmen soll: ob es Reichsland" wird, ober ob die Vereinigung mit Schles­wig-Holstein erfolgt, wozu es landschaftlich gehört. Wie demHamburger Korrespondenten" aus Helgoland ge­meldet wird, hatte sich am Mittwoch die Nachricht über die Abtretung Helgolands nach Eintreffen der Depesche wie ein Lauffeuer über die Insel verbreitet und wurde mit allseitiger aufrichtiger Freude ausgenommen. All­gemein würden die besten Hoffnungen an dieses Ereigniß g!knüpft und die lebhaftesten Kundgebungen würden nach der definitiven Übergabe sicherlich nicht ausbleiben.

Köln. Ein teuerer Kirschkern. Bei der jüngst von H. Lempertz Söhne in Köln abgehaltenen Versteigerung

Nürnberger Alterthümer hat ein Kirschkern den Preis von 6700 Mk. erzielt. Die Summe erscheint befremdlich in Anbetracht des winzigen Objekts. Wenn man aber erführt, daß dieser kleine Kirschkern von der kunstfertigen Hand Peter Flötner's mit einhundertdreizehn mit un= glaublicher Feinheit geschnittenen Porträtsköpfen bedeckt ist, erscheint der hohe Preis selbst einem Nichtsammler begreiflich.

Trier. In dem Luxemburgischen Städtchen Fels hatte eine Bauersfrau, um sich der Mäuseplage zu ent­ledigen, in ihren Wohnräumen Rattengift gestreut. Als Lockspeise hatte sie das Gift mit Brodkrume umhüllt. In Abwesenheiit der Eltern verzehrten nun die beiden kleinen Sprößlinge der Familie im Alter von 22 resp. 9 Monaten das verhängnisvolle Brod, das sie am Boden fanden. Die heimührende Mutter übersah sofort das entstandene Unglück und schnell herbeigerufene ärztliche Hilfe schien das Verhüngniß abgewendet zu haben; doch anderen^Tages starken die armen Würmer unter unsäg­lichen Schmerzen.

Dresden, 20. Juni. Der kürzlich zum Tode ver« urtheilte Raubmörder Beger ermordete heute Nachmittag in Gemeinschaft mit dem zu einer Zuchthausstrafe ver« urtheilten Uhrmacher Neubauer den Aufseher Rüppel in dem Augenblicke, als dieser die Zelle der Verbrecher betrat. Beger ward in einem Keller in der Mathilden- straße 54 durch einen Gendarm wieder eingefangen. Neubauer dagegen gelang es allerdings zunächst zu ent­weichen, er wurde aber später in Striesen bei Dresden verhaftet.

Halle a S., 19. Juni. Das hiesigeTageblatt" berichtet: Im vorigen und in diesem Jahre sind bis j tzt ca. 20 000 Stück junge und alte Krähen durch Schießen und Ausnehmen der Nester auf der benach­barten Rabeninsel getödtct worden. Eier aus den 3t steril sind so unzählige Massen im Frühjahre ausge­nommen, daß sich mit diesen, sowie den jungen Raben selbst ein wahrer Handelsartikel herausgebildet hatte. Die Herren Naumann, Kurzhalz und Einecke zu Böllberg haben anfänglich den Eierausnehmern für jedes Krähenei 2 Pf., später mehr bezahlt und sind die Eier in den dortigen Restaurants mit besonderer Vorliebe verspeist worden. Man hat solche sogar, da sie den Kibitzeiern sehr ähneln, im Handel nach Magdeburg und Leipzig versandt. Aber auch nach jungen Krähen, die anfänglich mit 10, 20 und 30, später sogar mit 50 Pf. bezahlt wurden, hat eine große Nachfrage ftattgefmiben. Dieselben stehen im Geschmack den Rebhühnern nicht viel nach. Sie werden nicht wie jene gerupft, sondern da sie eine ziemlich lederartige Oberhaut Haien, gleich abgezogen.

Vergißmeinnicht" nennt sich in Halle ein Ver- gnügungsverein, und wahrhaftig, viele der Mitglieder, die dieser Tage in demselben ein Tanzkränzchen mitgemacht haben, werden ihn so leichtnicht vergessen". Es kam dabei nämlich zu einer sehr blutigen Schlägerei, die sich noch auf der Straße fortsetzte und bei der etwa 15 Per­sonen verletzt, zumeist gestochen wurden. Ein Mann hatte allein 15 Stichwunden aufzuwefen.

Merseburg, 19. Juni. An der Kötzschauer Flur­grenze sollte kürzlich ein menschlicher Kops, an welchem noch die Haare befind.ich gewesen, gefunden sein. Man brächte dies in Zusammenhang mit einem vor Jahren plötzlich aus Kötzschau verschwundenen Knecht. Dieser Kopf hat sich nun als ein Holzkopf, wie ihn die Friseure und Hulmacher verwenden, herausgest.llt, welcher von dem früheren Besitzer auf den Düngerhaufen geworfen und mit diesem auf das Feld gewandert ist. Beim Um- arbeiten des Feldstücks ist der grausige Fund gemacht worden. Auch hat man ermittelt, daß der s. Z. plötzlich aus Kötzschau verschwundene Knecht anderswo in Arbeit getreten ist und sich wohl befindet. Seitdem dies Alles sestgestellt, schlafen die Kötzschauer ruhiger.

Lübbenan, 20. Juni. Von der sog. Lempfuhl'schen Millionen-Erbschaft war in letzter Zeit viel in der Presse die Rede. Ein nach Sagan gerichtetes amtliches