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Samstag, den 21. Juni

Bestellungen auf das 3. Quartal 1890 (Juli, August, September) der

H

bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gefälligst machen zu wollen und zwar möglichst bald. Neu zntretende Abonnenten erhalten das Blatt vorn Tage der Bestellung an bis Ende d. Mts. gratis.

S ch l ü ch t er n, im Juni 1890.

Der Herausgeber

Die wirthschaftliche Perspektive der gegenwärtigen Lohnbewegung.

Der Präsident des Reichsversicherungsamtes Dr.- diker hat jüngst in der Staatswissenschaftlichen Gesellschaft einen interessanten Vertrag nb-rdie wirthschaftliche Perspektive der gegenwärtigen Lohnbewegung" gehalten, der jetzt auch in den preußischen Jahrbüchern ver­öffentlicht wird. Er w'derlcgt die häufig wiederk hrende Ansicht, daß die Entwick lung der Großindustrie und die Anhäufung großen Kapilalbesitzes in einzelnen Händen zu einer Verdrängung des Mittelstandes, insbesondere zur Verminderung der Anzahl selbstständiger kleiner Betrielsunternehmer und kleiner Kapitalisten führe. Im Allgemeinen ist die neuere Lohnbewgung eine den Arbeitern günstige gewesen, nicht nur wurde nidfad) eine Erhöhung des Lohnes, sondern auch eine Ver­kürzung der Arbeitszeit herbeigeführt. In der Industrie und überhaupt in den Großstädten sind die Löhne seit dem Jahre 1850 mindestens auf das Topp lte g stiegen, stellenweise auf das Dreifache, während die Lebensrnittel- Preise sich keineswegs in gleichem Maße erhöht haben. An der Hand eingehender Tabellen wird bewiesen, daß das Brot nicht theurer ist als vor etwa 40 Jahren, billiger geworden sind in dieser Zeit Kartoffeln, Zucker, Pflaumen, amerikanisches Schmalz, Rüböl zur Speisebereitung, Petroleum, Seife; theurer dagegen Fleisch, Speck, Butter, Kaffee, Branntwein, Bier; theurer, allerdings auch weit besser geworden sind gleichzeitig die Wohnungen, theurer das Schuhw rk, billiger die übrige Kleidung, billiger der öffentliche Unterricht und leichter die Last der direkten Steuern und endlich kürzer die Arbeitszeit. Während sich also die Lebenshaltung der Arbeiter erfreulich ge­hoben, ist das Niveau der Besitzer kleiner Einkommen, Renten, Pensionen, Gehälter wesentlich erniedrigt. In den letzten 40 Jahren sind die Löhne der Arbeiter, wie gesagt, um 200 und 300 Prozent, die Gehälter der Uütcrbcamten u. s. w. kaum um 50 Prozent gestiegen. Sehr b.achtenswerth sind auch seine Ausführungen, daß im Interesse der Arbeiter weniger die Erhöhung des Geldlohnes als die Vermehrung der Güter an sich in Betracht kommt.

Des Weiteren wird ausgeführt, daß eine allgemeine Verbesserung der Situation eben nur durch eine Ver­mehrung der Genuß- und Gebrauchsmittel, von denen jeder nur einen Theil hab-m will, herbeigeführt werden kann. Die Idee, daß man die Millionen eines Banquiers nur zu Vortheilen brauche, um damit andere glücklich zu machen, würde, auf die Allgemeinheit angewandt, völlig fehlschlagen. Die großen Vermögen seien Spar- töpfe der Nation, auf denen die Aufrechthaltung der Kultur, der Kunst, Kunstindustric und Wissenschaft wesentlich mit beruhe. Ohne die Millionäre sähen unsere großen Städte ganz anders aus, man solle sich deshalb freuen, daß es erstere giebt. An sie lehnen sich mittlere und kleine Vermögen an, und so werde es um so mehr möglich sein, durch die Darleihung von Kapital an das Ausland dieses für unser Land arbeiten zu lassen. Denn das Ausland zahle uns feine Dahrlehuszinsen in seinen Produkten.

Interessensphären in Ostawka. Dasselbe enthält zunächst «erlebt zu hadern Das Schöffengericht beugt sich von die genaue Feststellung der Grenzlinie. Hervorzuheben ! ''

ist sodann: Deutschland überläßt England das Protectorat über Sansibar und die Schutzherrschaft über das Sultanat Witu und Somaliland. England wird seinen ganzen Einfluß aufbieten, um den Sultan von Sansibar zur Abtretung des von ihm der Deutsch - Ostafrikanischen Gesellschaft verpachteten Küstenstrichs an Deutschland zu bewegen. England tiiu vorbehaltlich der Ermäch­tigung des Parlaments die Insel Helgoland an Deutsch­land ab.

Der preußische Kultusminister hat an sämmtliche Provinzialschulkollegien einen Erlaß gerichtet, wonach er zur Sicherung des Bedarfs an Lehrkräften in den nächsten Jahren bestimmt, daß bis auf Weiteres allen Seminaranwärtern, sie mögen die Prüfung bei einem Seminar oder einer königlichen Präparandenanstalt ab­gelegt haben, die gewünschte seminaristische Ausbildung gewährt werde. Zu diesem Zwecke hat er ebenfalls bis auf Weiteres gestattet, daß bei jedem Schullehrer-Seminar und bei jeder königlichen Prüparandeu-Anstalt über die etalSmüßige Zchl von Zöglingen hinaus zehn Zöglinge eingestellt werden.

Breslau, Ist. Juni. In Schwientochlowitz lebt und wirkt Herr Adolf Kopera, seines Z ichens Kaufmann und zugleich Herrscher über diverse geheimnißvolle Naturmächte. Wenn Herr Adolf Kopera ein Fläschchen mit Brunnenwasser nahm es konnt: sogar fest zuge- piopft sein -, die Daumen auf die Mündung drückte, das Antlitz dem Nordpol zuwandte und das Fläschlein krüf ig schüttelte, dann war das Wasser darin magnetisirt, heilte alle Schäden und Gebrechen und kostete 1 Mark 50 Pfennig Reichswährung. Kam auch einmal im Sommer vorigen Jahres eine Bergardeiterfrau aus der Umgegend zu Herrn Kopera und verlangte eine Medizin für ihren kra teil Mann. Dieser zcigte sich nicht ab­geneigt; er ließ sich von der Frau beschreiben, was dem Manne fehle, und brächte ihr dann ein Fläschchen mit

der Wucht der Thatsachen und spricht den Angeklagten frei. Der Staatsanwalt legt Berufung ein und die

einer wass rhelleu eine Mark fünfzig lassen Sie Ihren einen v! deutlichen Kopera.Vorher

Flüssigk it, für welches die Frau

Pfennig Mann Schluck tüchtig

zu erlegen hatte.Davon f.üh, Mittags und Abends nehmen," verordnete Herr durchschütteln, nachher kalt-

stellen! Uebermorgen kommen Sie wieder und sagen

mir, wie die Sache steht.

Die Frau wandert

vergnügt nach Hause und läßt den Mann sofort einen tüchtigen Schluck nehmen. Der verzieht das Gesicht und meint verdrießlich:Schmeckt wie blankes Brunen- s waffer!" Die Frau kostet auch; wirklich, es schmeckt

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Juni. M-t Einwilligung Seiner Majestät des Kaisers und Königs, sowie unter Zu­stimmung Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich und Sr. Durchlaucht des Fürsten zu Schaum­burg,Lippe hat am heutigen Tage zu Potsdam die feier­liche Verlobung Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Friedcrikc Amalie Wilhelmine Victoria von Preußen, zweiten Tochter Sr. Majestät des hochftligen Kaisers und Königs Friedrich, mit Sr. Durchlaucht dem Prinzen Adolf Wilhelm Victor zu Schaumburg - Lippe stalt- gefunden.

Berlin, 17. Juni. Eine Extra-Ausgabe des Reichs- anzeigerS veröffentlicht das Ucbereinkommen zwischen dir deutschen und der englischen Regierung betreffs ihrer

wie Brunnenwasser! Beide gehen zum Apotheker; der kostet auch und sagt:Brunnenwasser!"Kostet aber fünfzehn Groschen!" ruft ärgerlich die Fran.Das hätten sie bei mir billiger haben können!" erwiederte der Apotheker. Das Ehepaar nimmt das Fläschchen zurück, geht zum Amtsvorsteher und zeigt den Wunder­doktor als einen Schwindler an, der Brunnenwasser für schweres Geld verkauft. Nun wird die Sache ernst; das Fläschchen wandert vom Amtsvorsteher zum Staats- anwalt, von diesem zum gerichtlichen Sachverständigen. Dieser vollzieht die Analyse und erklärt die Flüssigkeit für reines, mit keinerlei fremden Substanzen vereinigtes oder verfälschtes Brunnenwasser. Bald darauf steht Adolf Kopera vor dem Kattowitzer Schöffengericht.Ich bin kein Betrüger," vertheidigt er sich.In meinem Körper steckt thierischer Magnetismus, den ich nach Be­lieben übertragen kann. Ich fabrizire magnetisirtes Wasser, indem ich ein zugestöpfeltes Fläschchen mit Brunnenwasser nehme, den Daumen der rechten Hand auf die Oeffnung drücke, das Antlitz zum Nordpol kehre und das Fläschchen schüttle. Das Wasser ist dann mit Magnetismus imprägnirt und heilkräftig; ich habe schon Dutzende von alten Frauen damit furttt. Der Kreis- physikus Dr. H. wird mir's bestätigen." KreisphyfikuS Dr. H. wird vernommen und erklärt unter dem Eide, gelungene Kuren mittelst des Koperaschen magnetisirten HettwasserS schon mehrmals in der eigenen Praxis

Sache wandert zur Strafkammer in Beuchen O.-S. Dieselbe aber verdonnerte Herrn Kopera trotz Physikus und alten Weibern wegen Betruges zu drei Monaten Gefängniß und der Strafsenat des Oberlandesgerichts Breslau als Revisionsinstanz bestätigte einfach das Urtheil wider den Wunderdoctor in Schwientochlowitz.

Natibor, 15. Juni. Herr o. Dittrich-Bubowitz hat einen artesischen Brunnen bohren lassen. Es wurde, wie herzogliche Beamte ermittelt haben wollen, Bitter­wasser erbohrt. Echtes H unyady Janos soll an das Lubowitzer Bitterwasser kaum heranreichen, wie die Wasserprobirer herausgefunden haben.

Samttr, 14. Juni. Seit längere Zeit liegt es in der Absicht der Regierung, unser Nachbarstädtchen Scharfenort, mit nur 1000 Einwohnern, zum Dorfe umzuwandeln. Die Ausführung dieses Planes scheiterte aber immer an dem Willen der Majorität der dortigen Stadtverordneten, die hartnäckig sich dagegen sträubten. Auch der größte Theil der Bürgerschaft war von dem Vorhaben nicht sehr erbaut. Zur großen Ueberraschung hat diese Angelegenheit in der letzten Stadtverordneten­sitzung, in welcher dieser Gegenstand auf der Tages­ordnung stand, eine andere Wendung genommen. Von 6 Mitgliedern, aus welchem das Kollegium besteht, waren nur 4 erschienen und von diesen stimmten zwei für die Umwandlung und zwei gegen. Da nun aber auch der provisorische Verwalter der Bürgermeisterstelle für dieselbe stimmte, so ist die Umwandlung beschlossen.

Dortmund, 15. Juni. Ein interessanter Prozeß kam hier vor der Civilkammer des hiesigen Landgerichts zum Austrage. Im Jahre 1881 wurde der Sohn eines begüterten Landwirthes hiesiger Gegend wegen Körperverletzung zu einer längeren Freiheitsstrafe ver- urtheilt. Gegen eine Kaution von 6000 Mark, welche der Vater an die Regierungs-Hauptkasse zu Arnsberg zahlte, wurde der Bestrafte vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Bald nachher kam aber das Geld an den Ab­sender zurück, weil der Hinterlegungsbeschluß des Gerichts nicht mit eingesandt worden war. Nun halte der Vater den Sohn frei und das Geld wieder in der Truhe. Der Sohn brannte eiligst nach Amerika durch, natürlich hieß er die 6000 Mark mitgehen. Die Strafkammer hier erklärte aber die Kaution als dem Justizfiskus ver­fallen, und der Landwirth mußte schließlich mit den [6000 Mark herausrücken, klagte aber gleichzeitig gegen den Justizfiskus auf Herausgabe des Geldes. In dem gestern stattgefundenen Termine vor der Strafkammer des Landgerichts wurde der Landwirth mit seiner Klage abgewiesen wegen Unzulässigkeit des Rechtsweges in dieser Angelegenheit.

Nordhausen, 18. Juni. Die junge Bäckerswittwe Hake wurde vor einigen Tagen in Haft genommen, weil sie den Leichnam ihres heimlich geborenen unehelichen Kindes in eine Gießkanne gesteckt, mit Blumenpflanzen bedeckt, nach dem Friedhof getragen und in den Grab­hügel ihres vor einigen Jahren verstorbenen Mannes begraben und die Blumen darüber gepflanzt hatte. Die Polizei hatte durch einen anonymen Brief Kunde von der Sache erhalten und die Richtigkeit der Anzeige er­mittelt. Aus Furcht vor der in Aussicht stehenden Strafe hat sich die Frau G. in der vorletzten Nacht an ihrer Leibbinde erhängt.

In Zeulenroda muß eine gejunde Luft wehen, denn

es gibt dort viele hochbetagte Leute. Von den ältesten Bewohnern dieser Stadt sind nämlich einer 93, zwei 88, zwei 8 7, zwei 86, je einer 85 und 84, sechs 83, drei 82, sieben 81 und acht 80 Jahre alt.

In einem Dorfe bei Auerbach wettete ein schalk­hafter Bauersmann am Biertisch, daß erun noch eener" eine Tonne Einfachbier in 10 Minuten austrinken wollten. Die Wette wurde angenommen, der Bauer ging fort und holte deneenen", und in 5 Minuten schon war die Tonus leer. Wer war nun der,,«ne"?