Erscheint Mittwochs und Sonnabends. — Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig. ^E°»r»»^^«""»^M«ir«r»»»^>«»««>«>>«»W»i»!««»»»M»>»^iiMM>M-«il»^r^t«>7Ms.,,TV^»«»^-.^»«^^.^^«-*!2!S»«^>^'^»«>^^-.L<»»»^-^»^^^^^..^ ..^«^«^»«-EE-rmDEi-TNAimi>rrnminr" 7 m,wm f-—u»*»—~~~—»—-—*~——-—n-*-irnrnTT——HTtssTfs
J/S 47. Mittwoch, ben 11. Juni 1890.
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Deutsches Reich.
Berlin. Das Kaiserpaar hatte sich am Donnerstag von der Wildparkstation bei Potsdam aus nach Pase- walk begeben und hat dort über das Kürassierregiincnt „Königin" eine Parade abgehalten. Nach derselben hat ein Festmahl in den Räumen des Offizierkasinos statt- gefunden und am Abend ist der Kaiser mit seiner Gemahlin nach Potsdam zurückgekrhrt.
Berlin. Der Kaiser ließ am Sonnabend das Regiment der GardeS du Korps und daS Leib - Garde- Husaren-Regiment alarmiren und besichtigte die Truppen in Begleitung der Kaiserin, der kaiserlichen Prinzen, des Prinzen Heinrich u. A. m. — Der Kaiser wird zum festgesetzten Termine die Reise nach Christiana am treten, was gegenüber der Meldung, die Reise nach dem Norden sei aufgegeben, offiziös mit großem Nachdruck verbreitet wird.
* — Ueber die „Allgemeine deutsche Pferde-Ausstellung", welche demnächst in Berlin stattfindet, schreibt daS Brrl. Tgbl. u. A.: Die Baulichkeiten und Einrichtungen der „Ersten allgemeinen deutschen Pferde- AuSstellung" bei der zum ersten Mal die Leistungen der gesammten deutschen Pferdezucht nach einheitlichen Gesichtspunkten zur Anschauung gebracht werden sollen, bedecken einen Flächenraum von 13 Hektar und wird mit ihren 2000 Pferden und den reichen Kunstschätzen einen Werth von vielen Millionen repräsentiren. Für die Unterbringung der Pferde dienen 26 Stadtbahnbögen und 22 Stallgebäude. In den Ställen gibt es drei Arten von Ständen: Boxes, Kastenstände und Stünde mit Flankirbäumen. Der Schwerpunkt der Ausstellung wird naturgemäß in der Abtheilung für Zuchtpferde liegen. In erster Linie erscheint hier die königlich preußische Gestütsverwaltung, welche 42 Pferde vor- führen wird. An sie schließen sich an das kaiserliche Landgestüt für Elsaß-Lothringen, sowie die baicrischen, württembergischen, großherzoglich sächsischen und herzoglich braunschweigischen Gestüte mit zusammen 40 Pferden. Das preußische Kriegsministerium plant sodann eine instruktive Ausstellung von Arlnecpferden für die verschiedenen Waffengattungen. Eine Fülle trefflichen Materials wird von den 14 an der Schau bekheiligten landwirthschaftlichen und Pfeidezuchtvereinen vorgeführt werden. Allein der Landwirthschaftliche Centralverein für Littauen und Masuren stellt in Verbindung mit dem ostpreußischen landwirthschaftlichen Centralverein zu Königsberg 174 Zuchtpferde aus; die Kollektion des schleswig-holsteinischen Generalocreins umfaßt 137 Pferde. Ostfriesland schickt 59, Baiern 45, Mecklenburg 34, Oldenburg 32, die Mark 28, Rheinpreußen 22, Westpreußen 20, der Regierungsbezirk Kassel 15, Braunschweig 12, Westfalen 10 Zuchtpferde rc. Außer diesen Kollektivausstellungen sind die verschiedenen Provinzen Und Länder durch eine große Zahl Einzel - Aussteller vertreten. In den Traderklassen werden 331 Zuchtpferde ausgestellt werden. In der Ausstellung ganzer Gestüte und Zuchtgruppen konkurriren 50 Gruppen von Privatzüchtern mit 371 Pferden. In 18 Gruppen werden endlich noch ca. 150 im Jahre 1887 geborene Pferde ausgestellt, welche von den Besitzern der Militärverwaltung als Nemonten angeboten werden. Insgesammt umfaßt die Zuchtabttzeilnng etwa 900 Pferde. An den mit der Schau verbundenen außerordentlichen Reit- und Fahrkonkurrenzen werden außerdem noch etwa 500 Pferde theiltuhmen, welche nicht auf dem Aus- stelluiigsplatz eingestellt sind. Die Abtheilung der Gebrauchspferde umfaßt gegen 800 Pferde. Die Mehrzahl der Pferde wird bereits am 9. dieses Monats hier eintreffen. Zur Hilfsleistung bei der Ausladung und Ueberführung der Pferde werden 200 Mann kom- mandirt werden. Mit der Schau verbunden wird eine Ausstellung von Gegenständen, welche mit der Zucht, der Pflege und dem Gebrauche des Pferdes int Zusammenhänge stehen.
Braunschweig, 8. Juni. Man erfährt aus maßgebenden Kreisen, daß der Regent Prinz Albrecht von Preußen der Regentschaft in Braunschweig müde ist und lieber heute wie morgen von derselben entbunden sein möchte. Worin dies seinen Grund hat, darüber verlautet nichts.
Hamburg, 7. Juni. Der Hamburger Senat hat der Bürgerschaft die angenehme Nachricht zugehen lassen, daß sich im abgelaufenen Finanzjahr ein Überschuß don o Millionen 954,300 Mk. ergeben habe, Glückliche- Hamburgs
Potsdam. In dem Dorfe Krielow bei Groß-Kreuz im Kreise Zauch-Belzig ist in recht bedenklicher Weise die Milzbrandseuche und zwar bei dem aus etwa 30 Köpfen bestehenden Rindviehstand des Ortsvorstehers ausgebrochen. Das gefallene Vieh wurde durch den Abdecker aus Werder abgeholt und nach dem Walde geschafft, um dort vergraben zu werden. Dies konnte über nicht sofort geschehen, weil es dazu der Gegenwart des Krcisthicrarztcs bedurfte, an den erst geschrieben werden mußte. Eine wahre Panik ist nun in der ganzen Umgegend entstanden, weil ein Eisenbahnarbeiter, der von einer Fliege gestochen wurde, nach dreistündigem Leiden an Milzbrandvergiftung gestorben ist.
Rathenow, 4. Juni. Wie schädlich Fuchsbauten für die Jagd sind, und wie geboten die Ausrottung der Füchse ist, hat der Rittergutsbesitzer von Stechow auf Kolzen bei Rathenow erfahren. Derselbe fand in einem Fuchs-Bau, von denen er sechs Stück in seiner Feldmark hat, 2 alte Rehe, 2 alte Hasen, 2 junge Hasen, 1 Fasanenhenne, 1 wilde Ente und 6 Krähen.
Kosel, 3. Juni. Der Klempnermeister B. hierselbst hatte einen Gesellen aus Breslau angenommen. Der Meister zahlte dem Gesellen gern wegen dessen Leistungsfähigkeit ein hohes Gehalt. Nach 14 Tagen erklärte jedoch dieser dem Meister, er müsse wieder aus der Arbeit gehen. „Sie zahlen mir ja einen anständigen Lohn, aber was nutzt mir das Geld, wenn ich es nicht anbringen kann. Ich bin gewöhnt, gut zu leben und in noble Gesellschaften zu verkehren, und das kann ich hier nicht."
Pleß. Die in diesem Jahre so massenhaft vorhandenen Maikäfer ließ die fürstliche Forstverwaltung in Säcken sammeln, im Wasser ertränken und auf der Samendorre austrocknen, um sie haltbar zu machen. Die auf diese Art „präparirten" Maikäfer geben ein Mastfutter für die großen Karpfen in den Gewässern des fürstlichen Parks.
In Magdeburg und Umgegend sind jetzt auch die Arbeiterinnen, und zwar zunächst dir Feldarbeiterinnen, in die Lohnbewegung eingetreten. In der Vorstadt Suden bürg fand eine öffentliche Arbeiterinnenversammlung statt. Am Vorstandstisch sah man neben zwei Männern auch eine Arbeiterin mit einer hübschen Latzschürze. Die Arbeiterinnen fordern bei zehnstündiger Arbeitszeit 1 Mk. 25 Pfg. pro Tag und haben auch diese Forderung fast von allen Arbeitgebern bewilligt erhalten. Nur der Gutsbesitzer Schneider will nicht mehr als 1 Mk. pro Tag zahlen. Die Arbeiterinnen desselben, deren Zahl eine große ist, werden deshalb die Arbeit niederlegen.
Aus Sachsen. Eine Katzenstcucr. Die sächsische Regierung ist von dem Dresdener Vereine zum Schutze der Thiere ausgefordert worden, eine Katzensteuer von 1 Mark jährlich cinzuführcn. Die Regierung hat sich nun an die Städte gewendet, um deren Meinung zu hören. Nach der Darstellung des Thierschutzvereins vermehren sich die Katzen ins Unendliche und tragen die Hauptschuld daran, daß die Brut der Singvögel vernichtet wird.
Meininge», 7. Juni. Mit Verwunderung liest man aus Barmen, daß daselbst Lehrer um Herabsetzung ihrer Besoldung petitionirt haben, und zwar, wenn man sich die Sache genau besieht, aus recht triftigen Gründen. Durch die kürzlich erfolgte Aufbesserungen der Lehrer- besoldung beträgt nämlich daS Höchstgehalt der Lehrer 2415 Mark. Wegen dieser 15 Mark Mehr als 2400 Mark müssen die Lehrer ein M-hr von 12 Mk. Klassensteuer und 8 Mark Kirchensteuer bezahlen. Außerdem verlieren sie, als der 11. Steuerstufe ungehörig, nach den örtlichen Bestimmungen das Anrecht auf halbe Freistellung ihrer Kinder an höheren Unterrichtsanstalten, so daß den Lehrern durch jene 15 Mark eine Mehrausgabe von etwa 60 bis 100 Mark erwächst. Etwas ganz Aehnliches ist vor einer Reihe von Jahren auch in unserem Herzogthum vorgekommen, hier war es aber ein Geistlicher, der um Minderung seiner Besoldung nachgesucht hat. Zu der Besoldung dieses Geistlichen gehörte auch ein jährlicher Deputathase. Durch die Veranschlagung desselben in Geld überstieg das Einkommen des betr. Herrn Pfarrers gerade die Summe von 3000 Mark, wetzhalb derselbe aus der Klassen- in die Einkommensteuer kam und einen weit höheren Steuersatz zu zahlen hatte. Das Herzogl. Kirchenamt wies jedoch das Gesuch des Geistlichen ab und begründete diese Weisung Mßut, daß der dermälige Stefleuinhaber
durch Verzicht aus diese Hasen die Einkünfte feines bet' einstigen Nachfolgers nicht schmälern, der Pfarrei nichts vergeben dürfe! So kam es, daß dieser geistliche AmtS- hase in der Folge gar nicht mehr recht geschmeckt haben soll!
Nordhausen, 4. Juni. Ein Arbeiter, Vater von 2 Kindern, wettete gestern mit einem Kameraden, auf den von Heringen kommenden Zug springen zu können. Als er dies ausführen wollte, stürzte er auf das Geleise; es wurden ihm beide Beine derartig beschädigt, daß sie ihm abgenommen werden mußten.
Elberfeld, 7. Juni. Die hiesige Strafkammer ver- urtheilte eine Ehefrau, die, um ihrem ehemaligen Bräutigam gegenüber jünger zu erscheinen, ihre Geburtsurkunde gefälscht hatte, indem sie die Jahreszahl 1854 in 1857 veränderte, zu 2 Tagen Gefängniß.
Essen. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich vorgestern (Mittwoch) Nachmittag in Essen im Schmelzbau der Krupp'schen Gußstahlfabrik. Man war, wie von dort geschrieben wird, mit dem Gießen von Fayonguß beschäftigt, als plötzlich aus unbekannter Ursache die Form anscinderplatzte und sich der glühende Inhalt in den Raum ergoß. Siebzehn Menschen wurden verbrannt, darunter die Hälfte lebensgefährlich; zwei Arbeiter blieben sofort todt. Unter den Verletzten befindet sich auch Werkführer Popp und zwei Meister. Es war ein schreckliches Bild, als die Verletzten auf Decken gebettet in der Werkstatt nebeneinander lagen, wo ihnen von mehreren Aerzten der Firma, welche sofort zur Stelle waren, die erste Hilfe geleistet wurde, worauf dieselben in das Krankenhaus gefahren wurden. Zahlreiche Familien sind durch dieses Unglück in tiefe Trauer versetzt worden.
Mülheim a. d. R., 4. Juni. Auf der diesjährigen Kirmes wurde in mehreren Waffe lbuden auch Himbeerlimonade verschenkt. Die Untersuchung polizeilich entnommener Proben hatte folgendes Ergebniß: Limonade I. Lösung von Carmin in Wasser mit 3,264 Gr. Ammoniak in 100 Cbcm. der Flüssigkeit; Limonade II, Lösung von Fuchsin in Alkohol mit Fruchtäther par- fümirt; Limonade III. Lösung von Zucker in Wasser mit Fuchsin gefärbt. Die sämmtlichen Proben aus Lösungen von Carmin bezw. Fuchsin in Wasser oder Alkohol bestehen unter Zusatz von Ammoniak, Zucker oder Fruchtäther ohne jede Spur von wirklichem Fruchtsaft. Abgesehen von dem äußerst geringenWerth dieser Machwerke war Probe I infolge des Gehalts an Ammoniak als gesundheitsschädlich zu bezeichnen.
Wesel, 6. Juni. Der größte Flügelmann deS deutschen Heeres, ein Riese von 2,06 Metern Länge, weilt gegenwärtig hier zu einer achtwöchigen Uebung. Für diesen Soldaten mußte natürlich eine besondere Uniform angefertigt werden.
Bonn, 6. Juni. Ein Herkules aus Westfalen, der früher in einem Circus thätig war, stellte sich vor einigen Tagen in der hiesigen Klinik vor. Der Umfang seiner Hand am Knöchel beträgt 26'/a cm, der ganzen Hand 37 cm, während die Breite der inneren Handfläche 13 cm beträgt; der Zeigefinger hat bei einer Länge von 81/» cm 12hz cm Umfang, der Daumen bei 71/» cm Länge 11*/« cm Umfang.
Aus Nürnberg schreibt man dem Fr. J.: Der in der Nachbarstad t Fürth lebende Agitator S-gitz (Reichstagskandidat für Würzburg) hatte einen allgemeinen deutschen Metallarbeiter-Kongreß nach Weimar einberufen, der in diesen Tagen abgehalten wurde. Auf diesem Kongresse kam zur Mittheilung, daß die Former- ftrcikS, welche in verschiedenen Orten ausgebrochen sind und sitzt noch zum Theil währen, bis 1. April bereit» 180,000 (!!) Mark erforderten, so der Streik in Hamburg 80,000 Mark, in Braunschweig 37,000 Mark, in Altona-Ottensen 21,000 Mark, in Hannover 160,000 Mark, in Flensburg 8000 Mark u. s. w.
Bruck (Baiern), 7. Juni. Als sich die Fronleich- nams-Prozession durch den Ort Bruck bewegte, fingen im Anwesen des Oberpfarrers die Bienen aus einem Stöcke zu schwärmen an und setzten sich hauptsächlich im Zuge der Jungfrauen fest. In Folge dessen löste sich der Zug in größter Unordnung auf. Mehrere junge Mädchen wurden von den Bienen derart zugr« richtet, daß sie bewußtlos weggetragen werden mußten und schwer krank darnieder liegen.
Aus Schwabe». Vor dem Amtsgericht Mergenheim standen dieser Tage zwei Greise im Alter von 89 WH