Herr, befand sich derweilen im Wirthshaus?. Ein erwachsenes Mädchen ist über 900 Meter von ihren weiten Kleidern über Wasser gehalten und gerettet worden; an ihr hing ein bereits ertrunkenes Mädchen. Einige Knaben gelangten schwimmend an das User. Der Fährknecht hat einige Personen gereltet. Dieser wurde bereits in das hiesige Gefängniß eingeliefert. Er behauptet, daß er versucht habe, die Ueberfüllung des Kahns zu verhindern. Wie ferner verlautet, soll durch heftige Bewegungen eines Insassen der Kahn zum Kipven gebracht worden sein.
In Dirschau ist am Dienstag Abend der auf einem todten Geleise einlaufende Personenzug mit großer Geschwindigkeit über dasselbe hinaus gtfahren und hat die Mauer des Empfangsgebäudrs durchbrochen. Maschine und Tender liegen zum Theil im Keller, Packet-, Postun d zwei Personenwagen 2. Klasse sind erheblich beschädigt. Drei Personen wurden getödtet, und zwar der Lokomotivführer Henning, Heizer Grolh und ein Reisender Namens Schulte. Ein Eisenbahnbediensteter wurde schwer, drei andere Personen sind leicht beschädigt.
Neideudurg, 16. Mai. Vor einigen Tagen ist der Förster Kirstein aus Lay verschwunden, und man hatte Grund zu der Annahme, daß er von Wild- oder Holzdieben ermordet und sein Leichnam v rdorgen worden sei. Nach langem Suchen hat sich jetzt diese Befürchtung bestätigt. Vorgestern gelang es dem Oberförster Kampmann, den alten, treuen Hund des Kirstein, welcher bis dahin von dem Hause seines Heirn nicht weg zu bekommen war, auf die Suche mitzunehmen. Oberförster K. ging mit dem Hunde um den Layser See herum, da auf einmal blieb der Hand an einer Stelle stehen, schnupperte herum und sprang ins Wasser hinein, der Oberförster folgte und entdeckte den Obeikörper der Leiche im Wasser. Der See ist an der Stelle sehr tief und schlammig. Der Leichnam des Kirstein befindet sich einer gräßlichen Verstümmelung, die Hände stylen bis an die Arme, der Kopf und das Gesicht sind fchreck- lich entstellt. Ein großer Stein war in der Kniebeuge an die Beine mit einer stark n Leine gebunden, damit die Wellen ihn aus dem Schlamme nicht aus Ufer schlagen konnten. Da Kiistcin ein gewandter und stark r Mann war und mit einer Büchse, einem R volver und Dolch bewaffnet gewesen ist, müssen mehrere Personen den Angriff auf ihn gemacht und ihn gctödiet haben. Als dringend verdächtig, den Mord ausgeführt zu haben, wurden drei Personen verhaftet.
Lüdinghansen, 13. Mai. In großer GIchr schwebten die Schulkinder in Emkum b t dem schweren Gewitter, welches am Freitag in ganz Westfalen große Verheerungm angerichtet hat. Der Blitz schlug in das Schulgebäude, riß eine Menge Ziegeln vom Dach und zersplitterte einen Theil des Gebäcks. Der Vorsicht des Lehrers, welcher beim Ausbruch des Gewitters die Fenster hatte off ien lass n, ist es zu verdanken, daß die Kinder, etwa 100, keinen Schaden genommen haben. Der den ganzen Raum erfüllende Shwfeldunst hatte trotz des beständigen Luftzugs fast alle Kinder zu betäuben vermocht.
Darmstadt, 15. Mai. In unserer G g nd wird seit einiger Zeit unter den Rehen eine Krankheit beobachtet. Man findet zahlreiche elend ausiehcnde Rehe, von denen auch viele „eingeyen". Die Ursache dieser Erscheinung ist noch nicht genau ermittelt, doch sind manche Jäg r der Ansicht, daß das Wild auf Äeck r gerathen, welche mit chemischem Dünger bestreut waren. Immerhin wäre eS interessant, wenn die Krankheitsursache ststgestellt werden könnte und ob die gleiche Erscheinung auch in anderen Gegenden beobachtet wurde.
^Osfcnburg, 18. Mai. Die berüchtigte Nona-Krank- Heit hat in Offenburg ein Opier gefordert. Dasselbe wurde diesen Winter von der Influenza ergriffen, welche der „Nona", soweit sie epid misch auilritt, vorausgehen soll. Die Erkrankte, ein älteres Mädchen, starb nach ucuntägigem Schlafe unter unverkennbaren Symptomen der Hirnentzündung, welche auch durch die Obduktion bestätigt wurden.
Kirchheim, 15. Mai. Wenn man von Rudolstadt, dieser schön geleg neu Haupt- und Residenzstadt des Fürstenthums Schwarzburg - Rudolstadt an der Saale, die Reise in östlicher Richtung beginnt, kommt man in einer halben Stunde nach dem Dorfe Ammelstädt, Herzogthum Altenburg, von hier aus in anderthalb Stunden durch ein zum Fürstenthum Schwarzburg- Rudolstadt gehöriges Dorf Teich: öda, nach Sladt-Benda, Herzogthum Weimar, von da in zwei Stunden nach Wiylcden, Schwarzburg-Sondershausen, von da in eher halben Stunde nach Osthausen, Herzog-Hum Sachsen- Meiningen, dann in fünfviertel Stunden durch das große schwarzburg-rudolstädtische Kirchdorf Elxleben nach Kirchheim, Königreich Preußen, und von da nach dem Städtchen Jchtershausen, Herzogthum Gotha. Man hat also in 6 Stunden si ben deutsche Länder berührt.
Lokales und Provinzielles.
-o-Schlüchtern, 17. Mai. Wie sich unsere Leser erinnern werden, haben wir bereits voriges Jahr die Frage der Hebung des Fremdenverkehrs in unserer Stadt erörtert. Indessen wurden damals in dieser Angelegenheit keine weiteren Schritte gethan, sondern
— weil die Jahreszeit schon zu weit vorgeschritten war — alles auf dieses Frühjahr verschoben. Dabei hatte es auch bis jetzt sein Bewenden, und allem Anschein nach geht auch dieser Sommer zu Ende, ohne daß Schlüchtern erheblich mehr Fremde in seinen Mauern beherbergt hat als sonst. Warum wollen wir uns diese schöne Einnahmequelle entgehen lassen? Wir, die wir nicht in der glück.ichen Lage sind, in unsrem Städtchen eine lebhafte Industrie sich entwickeln zu sehen. Warum sollen wir, wenn uns dies versagt bleiben wird, nicht aus der herrlichen Lage unseres Städtchens in guter, kräftiger Gebirgsluft, umringt von prächtigen Wäldern, Kapital schlagen? Darum thut Euch zusammen, ihr Aerzte, Wirthe und Kaufleute, die ihr am meisten bei der Angelegenheit interessiert seid und berathet, wie ihr den Fremdenveikehr in unserer Stadt mit j bem Jahr mehr hebt und damit den Wohlstand eurer gesummten Mitbürger. Alle Wenn und Aber, besonders aber den Einwand des Mangels entsprechender Wohnungen oder gar eines Hotels auf dem Acisbrunnen beseitigen wir mit der obigen Aufforderung: Ziehet Fremde herbei! Alles andere findet sich mit der Zeit, mit dem wachsenden Fremdenverkehr. Dafür giebt es kein wirksameres Mittel als unsere Presse. Schildert die Lage, Umgebung und Luft und sonstige Verhältnisse unseres Stäbtd ens und g bt einen mäßigen Pensionspreis (mit Wohnung) vielleicht von 3 Mail täglich für die Person an. Bedient Euch bei Veröffentlichung in der Presse der weiteren Umg gend der Annonce sowohl als der sog. Correspondenzen — und der Erfolg wird sicherlich nicht ausbleiben. Allerdings werden die Publikationen 200 —250 Mark kosten, die jedoch leicht aufzubringen sein werden und vor allem kein verlorenes Geld sind. Drum gleich aus Werk, ehe es wieder für dieses Jahr zu spät ist! (Zu Vorstehendem bemerk n wir noch, daß uns seiner Zeit Lehrer Cronberger in Frankfurt a. M. Arnsburgerstraße 40, seine Bereitwilligkeit in der Förderung der Angelegenheit, namentlich in der Empfehlung von guten Kostkäusern, auch nur Zimmern und dergl. an Frankfurter freundlichst erklärte. Wer deshalb bereit ist, Fremde aufzunehmen, der möge sich an Herrn Cronberger wenden unter Angabe der Wohnung, Anzahl der Zimmer, ob mit oder ohne Pension u. s. w. nebst Preisangabe. Die Red.)
* — Der Sommer fahrplan für den Bezirk der Eisenbahn-Direction Frankfurt a. M. liegt der heutigen Nummer bei.
* — Am Schullehrer-Skminar dahier ist der bish rige kommissarische Lehrer bei dem Schullehrer-Seminar zu Usingen, Schulamtskandidat Eggert als Hilfslehrer angestellt worden.
Fulda, 13. Mai. Dem Berichte über das schreckliche Brandunglück in Rückers ist noch nachzutragen, daß 22Gebäude vollständig nieberbrannten. Dergrößtc Theil der abgebrannten Häuser liegt um die Kirche, welch' letztere selbst bis auf die Umfassungsmauern aus- gebrannt ist. Vier herrliche Glocken zerschmolzen voll stä dig. Das Sanctissimum konnte nur mit Lebensg fahr aus der Kirche entfernt werden. Drei Frauen wurden beim Anblick des großen Unglücks ohnmächt'g und mußten aus den brennenden Trümmerhaufen davonge- tragen werden, auch wurde eine kranke Frau von dem Anblick der lobernen Flammen so ergriffen, daß sie mit den Sterbesacramenten versehen werden mußte. Dem energischen Eingreifen der Feuerwehren ist es zu danken, daß das Feuer nicht noch größere Dimensionen annabm. Die meisten Leute haben ihr Mobiliar entweder gar nicht ober doch nur sehr gering versichert, was um so mehr zu bedauern ist, als nur Weniges gerettet werden konnte. Hilfe thut daher sehr noth. Daß das Fcue- durch Brandstiftung entstanden ist, wurde bereits be richtet.
Eschwcgk, 14. Mai. Die Fußgensdarmen der vierten GenSdarmeri-brigade sind seit einigen Tagen Mit Revolvern ausgerüstet worden, wodurch den Beamten, die bisher auf allen dienstlichen Gängen das an sich ja sehr leichte, auf die Dauer aber schwer werdende Gewehr mit sich führen mußten, eine wesentliche und lange ersehnte Erleichterung geschaffen worden ist. Das Gewehr behalten die GensdarMen bei, brauchen dasselbe aber nur bei außergewöhnlichen Gelegenheiten zu führen. - Das „KrSbL" schreibt: In letzter Nr. unseres BlatteS war eine Notiz enthalten, derzufolge in Cannstatt ein nur 35 Kilo wiegender Gestellungspflichtiger sich der Ersatz-Kommission gestellt haben soll. Wie man uns mittheilt, soll ein noch „mindergewichtiger" Staatsbürger sich hier seiner Gestellungspflicht unterzogen haben. Derselbe stammt aus Niddawitzhausen Und wiegt 28 (?) Silo. Der junge Mann ist 1 in 12 cm groß und durchaus wohl gebaut.
Ausland.
Madrid, 14. Mai. In mehreren Bergwerken in der Umgegend von Bilbao haben die Arbeiter die Arbeit eingestellt. Tausende von Bergleuten begaben sich zu den Gruben und vetanftalteten eine Demonstration zu Gunsten des achtstündigen Arbeitstages. Auch bi Arbeiter der unweit Bilbao gelegenen Eisengießerei
i haben heute Nachmittag Die Arbeit niedergelegt. Dieselben zogen nach den benachbarten Fabriken, um die dortigen Arbeiter zu veranlassen, sich dem Ausstandc
anzuschließen. Die zur Zerstreuung der Ansammlung abgesandte Abtheilung der Bürgergarde wurde mit Steinwürfen empfangen und mußte von der Feuerwaffe Gebrauch machen. Ein Arbeiter wurde getödtet, mehrere sind verhaftet. In Folge des Zunehmens der Bewegung hat der Civilgouoerneur die Leitung an die Militärbehörden abgegeben und ist der Belagerungszustand proklamirt worden. Auf mehreren Lokalbahnen ist der Verkehr eingestellt. Um weiteren Unruhen vor- zubeugen, sind die Bergweike sowie die Elfenfabrik und der Schiffbauplatz am Nervion unter militärischen Schutz gestellt. In den Bergweiken der Provinz Cor- b o d a ist ebenfalls die Arbeit eingestellt worden.
Konstuntiuvpel, 15. Mai. Nach einer Meldung der „Agence de Coustantinople^ sollen auf der kaiserlichen Domä ie Djedil und im Dorfe Bellek in der Nähe Bagdads von 13 verdächtig erkrankten Personen 6 g sterben sein; die Anzeichen deuten auf Cholera hin. Aerzte und ein Gensdarmeriecordon sind bereits nach Bück abg-gangen.
— lieber eine furchtbare Katastrophe, welche die Stadt Huanchaca in Bolivien zerstört hat, wird Folgend s geschrieben: Am 22. Februar explodirte das ganze Lager von Dynamit (100 Centner), welches in Huanchaca aufgefpeidiert war, nebst einer großen Quan- htät Pulver und Patronen. Nach der September- Revolution hatte Dr. Arce große Theile des Kriegsmaterials nach Huanchaca überführen lassen. Dieses Material war nicht weit vom Dynamitlager untergebracht. Als das letztere explodirte, griff ein furchtbarer Brand um sich und während der ganzen Nacht — die Explosion fand um 10 Uhr NachtS statt — und des vollen nächsten Tages explodirten in einem fort Munitionskästen, Pe-- troleumdüchsen und Pulverfässer. An Patronen waren
1 Hz Millionen aufgehäuft. Der Ort war gar bald ganz in Flammen eingehüllt, die entsetzte, etwa 4000 Seelen starke Bewohnerschaft glaubte zuerst, ein Erdbeben habe ftattgefnnben; als aber die Rauchsäulen gen Himmel stiegen, wußten sie bald, was geschehen war und ergriffen in panischem Schrecken die Flucht. Die Wirkung der Explosion glich indeß derjenigen eines großen Erdbebens, wenn sie nicht noch entsetzlicher war. Neben dem Dyuamitlager öffnete sich die Erde etwa 20 Nieter tief, nud die cinstürzenden, in der Nähe befindlichen Häuser und Mauern rollten in den Schlund hinab. Das Knattern der exvlodircnden Patronen mischte sich mit den grausigen Schmerzensschreien der Unglücklichen, welche lebend in den Erdriß geschleudert wurden; markdurchdringendeS Brüllen drang daraus hervor, und dazu fielen fortwährend Mauern und Trümmer hinein. Bald drangen auS dem Schlund Feuergarbeu gen Himmel; der Inhalt der explodirten Petroleumfäss-r drang in den Riß ein und verbrannteO^ was an Leuten noch nicht zerquetscht und zerdrückt war. Drei Tage dauerte der Brand. Als endlich das Element auSgetobt hatte, zog man aus diesem Erdspalt 60 verkohlte, gänzlich unk.nntlichc Leichname hervor. Die Geiammtzahl der Opfer konnte bis jetzt nicht fest« gestellt werden. Unter den Trümmern von fast allen Häusern wurden ein oder mehrere Leichname hervorgezogen. Der Schaden an Mateiial beträgt 3 bis 4 Millionen Piaster. Huanchaca ist sozusagen vom Erdboden verschwunden; vom ganzen Städtchen stehen nur ein paae zerrissene und gespaltene Häuser an einem Ende. Es wird wahrscheinlich auch nicht mehr aufgebaut werden, da die Amtssitze nach Antofagasta verlegt werden.
Die Launen des Ht'ücks. Ein Roman aus dem Leben von Paul Böttcher.
(Fortsetzung.)
„Wieso, Frau Hellert?" Ich glaube Ihnen schon einmal Gelegenheit gegeben zu haben, sich zu überzeugen
„Daß sie ein Ideolog sind," fiel ihm Elwira lächelnd in die Rede, „ja, das haben Sie mir seinerzeit bewiesen. Sie waren arm, ich noch ärmer — konnte Ihr Antrag wohl unpraktischer sein? — hätte es wohl eine ärmere Ehe geben können?"
„Wenn ich aber heute meinen Antrag wiederholte, was würden sie dann sagen? Würde ich nicht in den Verdacht kommen, einet jener Männer zu fein, wie Sie dieselben gestern Abend vor meiner Mutter zu schildern beliebten ?"
„Nein, das gerade nicht, denn Ihre Handlungsweise war bisher d-r Art, daß ich nicht berechtigt wäre, mir ein solches Urtheil von Ihnen zu bilden. Im Gegentheil glaube ich, daß Sie unter den von mir erwähnten Männern eine rühmliche Ausnahme machen."
„Also würden Sie meine Hand jetzt nicht mehr zurückweisen?"
„Das käme auf einen Versuch Ihrerseits an, Sie werden doch nicht verlangen, daß ich Ihnen einen Heiralhs-Antrag machen soll?" —
Wir sehen, Elwira war, wie alle Evastöchter schalkhaft und schelmisch, sie hatte längst gesehen, daß Arthur noch immer eine unbesiegbare Leidenschaft zu ihr hatte, und da sie die Hoffnung, noch einmal Ferdinands Gemahlin zu werden, längst aufgegeben hatte, so war sie