etwa 200 Mark, die Waldwärter mit je nahezu 60 Mark; bei der Verwaltung der direkten Steuern: die Vollziehungsbeamten bei den Kreis- und Steuerkassen mit je 150 Mark; bei der Verwaltung der indirekten Steuern: die Grenz- und Steueraufseher mit je 125 Mark, die Amtsdiener mit 160 Mark: bei der Justizverwaltung: Die Kastellane, Gerichtsdiener und Gefangenaufseher mit je etwa 195 Mark.
—r. Oberkalbach, 28. April. Gestern, Sonntag den 27. er., fand dahier die feierliche Einweihung des neuen Schulhauses statt. Herr Landrath Roth, welcher zu der Feier eingeladen war, sandte kurz vor 1 Uhr einen berittenen Boten, welcher dem Herrn Pfarrer Fontaine ein Entschuldigungsschreiben des Herrn Landraths überbrachte. Um *^2 erklangen die Glocken, um die Bewohner zu der im Morgengoitesdrenst ange- kündigten Feier in der Kirche zu versammeln. Nach dem Gottesdienste wurde ein Zug gebildet, welcher sich nach d:m Schulhause bewegte. Nachd m im Freien das Lied: „Glaube, Liebe, Hoffnung" verklungen war, ergriff Herr Pfarrer Fontaine das Wort und gedachte zunächst Se. Majestät des Kaisers und Königs, welcher zu dem neuen Schulhausbau die Summe von 5000 „M bewilligte. Er forderte alle Anwesenden auf, cinzu- stimmen in das dreimalige Hoch auf unsern Kaiser, worauf dann das „Heil Kaiser Wilhelm Dir" aus allen Kehlen erschallte. Hierauf sprach der Herr Pfarrer sein Bedauern aus, daß Herr Landrath Roth verhindert sei, an der Feier theilzunchmen, benachrichtigte dann die Zuhörer von dem Entschuldigungsschreiben und dessen herzlichsten Glück- und Segenswünschen, gedachte der wohlwollenden Unterstützung des genannten Herrn sowohl beim Baue selbst, als auch zur Erlangung des vorher erwähnten allerhöchsten Gnadengeschenks in warmen Worten, und schloß mit einem begeistert ausgenen mcncv dreimaligen Hoch auf den Herrn Landrath Roth, welchem dann der Gesang des bekannten Liedes „Freiheit, die id) meine" folgte. Im Folgenden gedachte Herr Lchrer Geschwindncr der Verdienste, Mühe und Arbeit des Herrn Pfarrers Fontaine um den neuen Schulhausbau und forderte die Anwesenden auf, mit ihm dem Herrn Pfarrer ein dreimaliges Hoch ausznbringcn. Nachdem Herr Lehrer Euler der Gemeinde den Dank ausgesprochen hatte für ihre anstrengende Arbeit, um für ihre Lehrer, ein freundliches Heim und für ihre Kinder gesunde Schulzimmer zu erhalten, ergriff Herr Pfarrer Fontaine nochmals das Wort und gedachte eines Mannes, dessen Name mit dem Schulhausbau eng verbunden^ ist, der aber durch Krankheit verhindert war, der Feier lieb zuwohnen, nämlich des Herrn Bürgermeisters Müller in Oberkalbach, sodann erwähnte er die unermüdliche Thätigkeit des Herrn Vicebürgermeisters Jost, der Ge- meindeherrcn und der Herren Lehrer für das Wohl der Gemeinde und beendete die Festlichkeit durch die feierliche Uebergabe des Hauses zu seinem Zwecke nach dem Wunsche des Herrn Landraths Roth, daß es werden möge „eine Pflanzstätte wa h rer G ottesfurcht und aller bürgerlichen Tugenden," mit einem dreimaligen Hoch auf die genannten Herren.
Fnlda. Am Freitag den 25. d. M. kam vor der hiesigen Königl. Strafkammer ein nicht uninteressanter Straffall zur Aburtheilung. Der Schneider Kaspar Maul aus Steinwand im Kreise Gersfeld, der von seinen 54 Lebensjahren bereits 25 Jahre im Zuchthause zugebracht hat, stieg an einem Sonntag sorgen im Januar d. I, in Stellberg in ein Haus ein, in welchem er vorher ein Fenster zertrümmert hatte, und stahl einem alten Auszüger seinen gesammten Baar- vorrath bestehend in 94 M., ferner eine silberne Taschenuhr, sowie einige Kleidungsstücke und Fleischwaaren. Er führte den Diebstahl aus während die Insassen des Hauses zur Kirche waren. Der Gerichtshof verurtheilte ihn in Anbetracht seiner vielen schweren Vorstrafen und mit Rücksicht auf den bedeutenden Werth des Gestohlenen, von welchem nur ein geringer Theil ersetzt ist, zu der hohen aber auch wohlverdienten Strafe von 10 Jahren Zuchthaus und ebenso lange Ehrverlust und Polizeiaufsicht. Damit ist ein gemeingefährlicher Einbrecher, der schon von demselben Gerichtshof wegen eines in 1882 zu Gersfeld begangenen Kirchendiebstahls zu 6 Jahren Zuchthaus vcrurlhcilt wurde, auf lange Zeit unschädlich gemacht. Ein gleiches Strafmaß wurde, wie wir uns erinnern, nur noch gegen den Verbrecher zur Anwendung gebracht, welcher s. Z. den schweren Diebstahl in der hiesigen Pfarrkirche ausführte.
Aus Oberhessen, 26. April. Ein an einem jungen Manne Namens Eckert aus Dudenhofen begangener Mord hält dre Gemüther der ganzen Umg gend in großer Aufregung. Der Ermordete brächte mittelst Wagen Stroh nach Offenbach, wofür er 95 Mark erlöste. Als gegen 12 Uhr Nachts das Fuhrwik allein nach Dudenhofen kam, begaben sich die Angehörigen des E. auf den Weg, um nach dem Verbleib desselben zu sehen. In der Nähe der Tannenmühle fand man den bereits erkalteten Körper des Unglücklichen im Graben liegen. Am Kopfe zeigten sich mehrere Stichwunden, Geld und Uhr waren geraubt. Der verhaftete Händler Kühn aus Mtsfenhausen ist trotz seines hartnäckigen LtUgncns der Leichenplünderung vollständig übersührt. Für die Annahme eines durch ihn an Eckert verübten Mordes mangeln inbefitu belangreiche Anhaltepunkte;
Sommer bevor. Bis 24. d. Mts. sollte noch milde Temperatur und veränderliches Wetter bestehen bleiben, alsdann jedoch wieder trockene, kühle Witterung cüt- treten.
* — Vom blauen Donnerstag. Die „Offenb. Ztg." schreibt: Den von sozialdemokratischer Seite für den 1. Mai geplanten internationalen Arbeiter-Feiertag malt in seinen letzten Konsequenzen höchst drastisch ein demokratisches Blatt in St. Gallen (Schweiz) wie folgt aus: „Man wird hoffentlich dabei ganz folgerichtig zu Werke gehen, indem alle Arbeiter ohne Ausnahme feiern. So gehört auch der Laternenmann unstreitig zu den Arbeitern ; er wird also Morgens früh die Straßenlaternen ganz ruhig fortbrennen lassen. Die Köchinnen sind auch Arbeiter und werden am 1. Mai das Kochen hübsch bleiben lassen. Ebensowenig wird Brot gebacken, Fleisch ausgewogen, Bier verzapft, rasirt oder eine Lokomotive geheizt. All' das ist am 1. Mai verpönt, denn es erfordert Arbeit. Noch mehr! Um Straßen und Wege kümmert sich an diesem Tage Niemand. Die Droschkenkutscher machen Ferien, desgleichen der Apotheker, der Milchmann, der Ivstbote. Der Arzt und der Todten- gräber gehen hinaus, waldwärts und suchen Veilchen. Der Schulmeister nimmt Urlaub, wie billig und recht, und so kommt auch die hoffnungsvolle Jugend zur Theilnahme an dem allgemeinen internationalen Blauen. So käme es, wenn am 1. Mai kein „Arbeiter" seinem Gewerbe nachgehen wollte. Als ob nicht alle Bürger, die ihre geschäftlichen Aufgaben treu und redlich erfüllen, Arbeiter wären und gegenseitig einander nöthig hätten. Leider vermag eine solche vernünftige Auffassung nicht überall durchzudringen, aber es ist schon viel, daß sie in den arbeiterfreundlichsten Blättern zum vollen Ausdruck gelangt."
— Einer Verfügung des Kriegsministeriums zufolge soll das in der Armee seit einiger Zeit eingeführte kurze Seitengewehr in Friedenszeiten nicht mehr getragen, sondern erst bei eintretender Mobilmachung ausgegeben werden. Veranlassung zu dieser Verfügung soll der Umstand gegeben haben, daß bei Streitigkeiten durch die dolchartige Form der Waffe viel mehr gefährliche Verwundungen vorgekommen sein sollen als früher, wo das lange Seitengewehr als Hiebwaffe benutzt wurde.
— Während in frühern Jahren bei der Kavallerie nur ausnahmsweise Uebungen für Mannschaften des Beurlaubtenstandes abgehalten wurden, werden in diesem Jahre 6900 Mann aus der Reserve und Landwehr einberufen, und zwar anstatt wie üblich auf 12, diesmal auf 28 Tage. Diese Maßregel ist eine Folge der Bewaffnung der gesammten Kavallerie mit der Lanze, mit welcher in der angegebenen Zeit die Mannschaften des Beurlaubtenstandes ansgebildet werden sollen. Im übrigen können bei der Kavallerie derjenigen Armeekorps, welche kein Kaisermanöver haben, nach dem Ermessen der Generalkommandos für die Dauer der Herbstübungen bis zu vier Mann bei jeder Schwadron behufs möglichster Erhöhung der Ansrückestäike eingezogen werden. Für die Infanterie und Jäger des Beurlaubtenstandes sind Bestimmungen bisher nicht ergangen ; es wird jedoch eine umfangreiche Einziehung solcher Mannschaften erwartet, da es sich bei denselben um die Ausbildung mit dem neuen Gewehr handelt.
* — Der Landesausschuß hat in seiner diesmaligen Monatssitzung die Atstellung von kommunal- ständischen Kreis -Rentmeistern beschlossen. Es sollen derer 22 und zwar in jedem Kreise einer bestellt weiden. Die Amtsthätigkeit derselben beginnt mit dem 1. Jan. 1891. Diese Kreis-Rentmeister haben in Zukunft nicht nur die bisher von den Königlichen Steuerempsängern im Nebenamt- besorgten Geschäfte für die Landes- Kreditkasse zu versehen, sondern sollen auch die Brand- kassengeldcr erheben; auch wird ihnen die Verwaltung der Kassen für die Straßen- und Wegebauten, die Einnahmen und Ausgaben für die ständische Schatzkasse u. s. w. übertragen werden.
* — An den Gehaltserhöhungen für die unteren und mittleren Beamten nehmen a. A. Theil die Oberförster mit je 600 Mark, die Verw.-Revierförstcr mit 100 Mark, bei der Eisenbahnverwaltung die Lokomotivführer und Maschinisten, 300 Kanzlisten und Zeichner, die Bctriebssckrctäre, die Stationsvorsteher erster Klasse, die Stationseinnehmer, Güterexpedienten und Güter- kassirer, die Werkmeister sowie 340 Bahnmeister, die Stationsaufseher und Stationsassistenten; bei der Bauverwaltung die Bauinspektoren mit 600 Mark; die Gerichtsvollzieher, die Gefängnißinspektoren mit 300 Mark; Elementar- und technische Lehrer an den höheren Unterrichtsanstalten in den Provinzen mit je 150 Mark. — Von den unteren Beamten haben an den Verbesserungen u. A. Antheil: Von der Eisenbahnserwaltung: die Telegraphisten und Lademeister mit je 166 Mark, die Rangier- und Wagenmeister mit je über 170 Mark, Zugführer und Steuerleute, sowie Packmuster mit je über 120 Mark, die Billetdrucker, Magazinaufseher, Weichensteller erster Klasse, Kassendiener, Lokomotivheizer, Maschinenwärter und Bureaudieuer mit durchschnittlich nahezu 100 Mark, die Portiers, Billetschaffner, Weichensteller, Schaffner und Bremser mit durchschnittlich je etwas über 100 Mark, die Bahnwärter mit je nahezu 100 Mark; bei der Forstverwaltung: die Förster mit je
vielmehr neigt man zu der Ausicht, Eckert sei aus Unvorsichtigkeit vom eigenen Wagen überfahren und dann von Kühn beraubt worden.
Marburg, 24. April. Vom Beginn des laufenden Sommer-Semesters ab ist an der hiesigen Universität ein zahnärztliches Institut errichtet worden, welches zunächst in der ehemals Roser'schen Privat - Klinik, Marbacherweg Nr. 1, untergebracht werden soll. Zum Vorsteher des Instituts und Lehrer der Zahn-Heilkunde an der Universität wurde der Zahnarzt Justus Witzel aus Lanqensalza widerruflich bestellt.
In Kassel haben die acht größten Gasthöfe durch ein Rundschreiben an ihre ständigen Tischgäste die Einführung höherer Preise für den Mittagstisch ange- kündigt; sie erklären, „in Folge der schon seit längerer Zeit bedeutend gestiegenen Preise für Fleisch und alle übrigen Lebensmittel" dazu gezwungen zu sein. Fortan wird in den Häusern 1. Ranges der Preis mit 1,75 M., in denen 2. Ranges mit 1,20 M. den Stammgästen berechnet.- Die Fuldacanalisation tritt nunmehr in Sicht. In dem gestern dem preußischen Abgeordneten- Hause zugegaugenen Nachtragsetat befinden sich unter den einmaligen und außerordentlichen Ausgaben 100,000 Mark als erste Rate zur Schiffbarmachung der Fulda von Münden bis Kassel. Die Gesammtbaukosten sind auf 3,348,250 Mk. veranschlagt, zu denen die Stadt Kassel 730,000 Mk. beiträgt.
Frankfurt a. M. Eine große Arbeiterversammlung beschloß den 1. Mai zu feiern. Es wird eine Betheiligung aller Arbeiter stattfinden, soweit das ohne einen Konflikt mit den Arbeitgebern möglich ist. Am Vormittag des 1. Mai werden hier Versammlungen zu Gunsten der Achtstundenbewegung stattfinden ; für Nachmittags ist ein gemeinsamer Ausflug nach dem nahen Fstnburg geplant. Es wurde ein Ordnungsausschuß von 17 Mitgliedern gewählt.
Wcilburg. Die hiesige Unteroffizier-Vorschule wird voraussichtlich nach Goslar oder Halle verlegt werden. Nach dem „Wcilb. Tagbl." werden als Gründe geltend gemacht, daß die hiesige Kaserne stellenweise feucht ist und dadurch Umbauten erforderlich werden. Es werden augenblicklich E hebungen darüber angestellt, ob die Verlegung der Schule größere Kosten verursacht als der Umbau.
Ausland.
Wien. Das „K. K. Telegraphen - Correspondenz- Birreau" meldet über die gestrigen Ausschreitungen in Viola.: Gestern Abend sammelten sich am Ringplatze in Viala ca. 1000 exccdirende Arbeiter, durchzogen die Vorstadt Ltpnik, drangen sn die Schankhäuser ein ühV beraubten dieselben. Ein Detachement Cavallerie und ei ist 'Compagnie Infanterie schritten ein. Als gegen den commandirenden Rittmeister zwei Revolverschüsse fielen, griffen die Truppen an, die Menge widersetzte sich, worauf die Infanterie mit dem Bajonette ein- schritt und, als dies erfolglos blieb, zwei scharfe Salven abgab. Hierauf ging die Menge auseinander. Drei der Excedenten wurden g tostet, zwölf verwundet, darunter zehn lebensgefährlich.
Die Raunen des Glücks.
Ein Roman aus dem Leben von Paul Böttcher' | (Fortsetzung.)
„Soviel und noch mehr, wie ihn alle Menschen zu fürchten haben; aber laß uns von etwas Anderem sprechen. Sage mir, Ferdinand, weißt Du mir nichts über jenes Mädchen zu sagen, welche an dem Morgen meiner Abreise den Tod im Wasser suchte? Die Sache interessirt mich deßhalb, weil ich seinerzeit gerade bei Euch war. Aber Du wirst jedenfalls selbst nicht viel davon wissen, Du warst gerade in Wien."
„Das Mädchen hat den Tod gesucht, wie könnt Ihr das wissen, Onkel? mir ist selbst bis heute nichts davon bekannt geworden. Wart Ihr denn dabei?"
„Ja — und — Nein 1 — Ich sah sie an jenem Morgen aus dem Hause gehen und wegen ihres verstörten Aussehens nichts Gutes ahnend, lief ich ihr nach. — Deine Tante schlief noch. — In der Gegend des Unterbaums war es, wo ich das Mädchen aus den Augen verlor, ich vermuthete deßhalb, daß sie sich ein Leid zugefügt habe. Aber eine Geschästssache, die mich eilig nach Frankfurt zurückrief, verhinderte mich daran, weiter in dieser Angelegenheit nachzuforschen."
Langsam, als wenn er jedes Wort überlegen müßte, hatte der Kranke seine Rede Ijemrgeftu&en, w-lchc auf Ferdinand einen unbeschreiblichen Eindruck machte. Aber Letzterer suchte die in seinem Innern tobende Aufregung gewaltsam zu bekämpfen und sagte nach einer längeren Pause mit einem Tone, dem man die mächtigen Kämpfe seiner Brust anmerfte:
„Da müßt Ihr Euch getäuscht haben, Onkel, oder aber, wenn Ihr richtig gesehen, so muß sie gerettet worden sein, denn ich hörte vor acht Tagen vau. ganz glaubwürdiger Seite, daß das Mädchen lebt und daß sie---"
Ferdinand fügte hier noch einige Worte hinzu, die er dem Kranken, sich tief über bitfeu herabbeugend, W# Ohr flüsterte.