Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
ein freier M
an« im Besitze eines be-l nickt unter 1,60 m. groß.
Für die Oekonomie-Truppen
auf die „Schlüchterner Zeitung
werden noch fortwährend von allenI träcktlichen Vecmögens sein würde. Hoffentlich miß«
Postanstalten undLandbriefträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen
Derrtschcs Reich.
Berlin. Der Kaiser ist am Sonnabend Morgen 9 llhr im besten Wohlsein aus Wiesbaden in Bei lin wieder eingetroffen.
— Dem Abgeordnetenhaus ist der Entwurf eines Gesetzes über die Termine bei Verträgen über Wohnungs- miethen in den Provinzen Schleswig-Holstein, Hannover und Hessen-Nassau zugegangen.
— An neuen denischen Münzen sind im Umlauf 2,440,976,915 Mark Goldmünzen, 452,235,649,40 Mark Silbermünzen, 44,138,014,85 Mark Nickel und 11,063,488.21 Mark Kupfermünzen.
Hamburg, 10. April. Der Füsilier Böttcher aus WandSbeck, welcher gegen seinen Vorgesetzten blank gezogen, wurde vom Kriegsgericht zu 10 Jahren Zuchthaus verurtheilt.
Bremen, 12. April. Die Unterschlagung des Kassirers Vetters und seiner Komplizin, der Frau Cohn, bildet hier noch immer das Tagesgespräch. Dazu trägt eines- thcils der noch immer wachsende Betrag des unterschlagenen Geldes und anderseits das Geheimniß bei, das die ganze Sache umgiebt. Allmählich hat sich herausgcstellt, daß nicht weniger als 1 300 000 Mark unterschlagen worden sind, und zwar bis auf etwa 30 000 Mark, welche schon von früher stammen, erst in den letzten drei Jahren. Da die veruntreute Summe so groß geworden ist, so verschwindet nach der „V. Z." jede Möglichkeit, daß sie in dem Cohn'schen Putz- und Kleidergeschäft zu Grunde gegangen sei. Wenn man das unwirthschaftliche Verfahren in dem letzteren auch noch so hoch veranschlagen will, so gelten 50 000 Mark doch als b:r bentaar hö h te Betrag, der in 3 Jahren in diesem Geschält verschleudert werden konnte. Man kann ja jetzt die Einnahmen und Ausgaben der Frau Cohn einigermaßen überflhen, um solch ein Urtheil wagen zu können. Seitdem die veruntreute Summe auf 1 300 000 Mark angcwacksen ist, hat der Glaube, daß sie in den bodenlosen Schlund des Cohn'schen Geschäfts gefallen fei, keinen Halt mehr. Mehr und mehr befestigt sich die Ueberzeugung, daß 800 000 Mk. oder mehr irgendwo in sicherer Obhut sind und in Ruhe verzehrt werden sollen, nachdem die Schuldigen ihre Strafe angesessen haben. In dieser Annahme wird)
man nicht allein dadurch bestärkr, daß Vetters keinen Fluchtversuch gemacht hat, sondern auch dadurch, daß er alles darauf anzulegen scheint, baldmöglichst rechtskräftig verurtheilt zu werden. Man macht sich hier auf die Sache folgende Theorie: Vetters hatte in den früheren Jahren 30 000 Mark unterschlagen, und zwar bei Kleinigkeiten. Er sah mit Sorgen der Entdeckung entgegen. Ob er sich nun einem Freunde seiner Geliebten anvertraut hat, ob dieser seine Lage gewittert oder ob er allein auf den Gedanken gekommen ist, kurzum von einem deutlich erkennbaren Tage an gehen die Unterschlagungen ins Große. Es wird nun mit einem Male gehandelt nach dem Grundsätze: gefaßt wirst Du doch, dann bringe soviel wie möglich in Sicherheit. Nun geht das Unterschlagen bei Hunderttausenden los. Wo sie geblieben sind, ist und bleibt dunkel und Vetters selbst trägt nickt das Geringste dazu bei, um die Sache
aufzuklären. Man glaubt also, daß er das Geld durch
sickere Helfershelfer irgendwo in Verwahrsam gebracht i werden. Es wird den Seminarien gestattet, über die '"»-«-"s—- «-i— ä.—etatmäßige Zahl hinaus zehn Zöglinge, eventuell ein
habe, um es nach der Verbüßung feiner Strafe in Ruhe
zu verzehre». Aber alle Bemühungen, auszufinden, wo es etwa untergebracht fei, sind fthlgeschlagen. Auch die Aufforderungen in den Zeitungen, alle irgendwie verdächtigen Depots namhaft zu machen, führten zu keinem Ergebniß. Man hat zwar einen Geschäftsmann Ungezogen, auf dem der Verdacht der Beihilfe ruht,
und daß er bereits einen Monat in Haft ist, spricht dafür, daß man ernstliche Handhaben gegen ihn zu haben glaubt, Aber so viel man hört, ist das Räthsel des Verbleibens deS Geldes auch dadurch nicht gelöst. Um^ diese Deutung noch wahrscheinlicher zu machen, verweist man darauf, daß Vetters seine Genössen, falls sie den Betrüger etwa betrügen wollten, mit der Drohung'
______ ö.„ _________, ........ doch wird auf dasselbe bei dem in diesem Jahre der Anzeige, bei welcher er nichts mehr zu fürchten hat,! herrschenden Ueberfluß an Mannschafts-Material wohl ssur Herausgabe zwingen kann, und daß er selber nach! kaum yerabgegangen werde». Zumeist sind die Rekruten
singt der Schurkenstreich doch noch!
Camburg. 10. Am i'. Vorgestern Nachmittag fand in dem Gastbofe zu Rodameuschel ein „Preis-Bratwurst essen statt, d. h. in einigen der zum Verkam bestimmten Bratwürste befanden sich fein säuberlich in Pergament papier eingehüllt Geldpreise von je 1 Mark und 2 Mark, in einer ein Hauvtpreis von 5 Mark, ersterer in silbernen 20 Pfennigstücken, letzterer in Gold. Der Glückliche, dem ein gütiges Geschick eine solche Preiswurst bescheerte, verdiente also auf die leichteste Weise sein Biergeld. Nun traf es sich, daß ein in die Geheimnisse der Bratwürste nicht eingeweihter Fremdling aus Zwätzen in Rodamruschel einkehrte und sich eine duftende Rostwurst bestellte. Und gerade er sollte eine Wurst erhalten, welche 2 Mark in kleinen 20 Pfennigstücken in ihrem Säwoße barg. Als ihm nun das Pergament mit dem Schatz unter die Zähne kam, spuckte er voll Grimmes die unappetitlichen Bissen zu Boden. J'tzt erst wurde er darauf aufmerksam gemacht, daß er einen kostbaren Sckatz unter den Tisch geworfen habe. Da wollte er noch schnell zugreifen, aber — der Hund des Ortsvorstehers war flinker gewesen und hatte schon Wurst und Pergament und ®4o verschlungen. Daß der Hund sofort in sicheren Gewahrsam gebracht und sorgfältig bewacht wurde, versteht sich von selbst. Schwerer aber dürfte die Frage zu entscheiden sein, wem der Schatz gehört, wenn er noch glücklich gehoben wird — ob dem Hundebcsitzer oder dem Bratwurstkäufer.
Neustadt a. S., 8. April. Eine Wettfahrt per Bcloccpev und Pferd kam gestern Vormittag dahier zum Austrag. Herr Endres, bekannt als Besitzer eines gutlaufenden Pferdes und: der berühmte Rodler, Herr Asten-Frankfurt legten die Strecke Neustadt-Münner-
statt und retour (ea, 22 km) in 50 Mistuten zurück. Trotzdem Herr Asten auf der Hinfahrt von starkem Winde am Fahren beeinträchtigt wurde, kam derselbe nur 8 Sekunden später aus Ziel.
Würzburg. In dem Prozeß gegen die Inhaber der Gclrcidcfirma H. Hirschberger und Eie. in Würzburg wegen Wechselfälschung (136 Fälle), Betrugs und einfachen Ba»kerotlS ist Moritz Sondhelm zu 3 Jahren 11 Monaten, Wilhelm Hirschberger zu 4 Jahren 2 Monaten, Julius Sondhelm zu 3 Jahren Zuchthaus und je 5 Jahren Ehrverlust und . Hirsch Lob Hirschberger zu 2 Wochen Gefängnis verurtheilt worden.
Gießen, H. April. Bei der Stichwahl ist der Antisemit Pickeubach mit ca. 1000 Stimmen Mehrheit gewählt worden.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 15, April. Die auf Anregung des hiesigen Bürgervereins am Sonntag Abend in der Bier- Halle dahier abgehaltene öffentliche Versammlung wegen Erbauung einer Friedhois-Kapelle wurde ziemlich schwach besucht; es waren im Ganzen ungefähr 40 Personen anwesend. Der ausführliche Bericht über den Verlauf, sowie die kritische Besprechung der gefaßten Beschlüsse wird in der nächsten Nummer b. Zlg. erfolgen.
* — Eine Ausdehnung der Lehrerseminarien ist vom
preußischen Kultusminister verfügt Bedarf an Lehrerkräften für die sichern, sollen bis auf weiteres alle sie mögen die Prüfung bei einem einer Präparändenanstalt abgelegt
worden. Um den nächsten Jahre zu
Seminaranwärter, Seminar oder bei haben, ausgebildet
Externst einzustellen. Wo ein Nebenkursus errichtet werden kann, sind die nöthigen Borbereitungen ohne weiteres zu treffen. Auch bei jeder staatlichen Präpa- randenanstalt können bis auf weiteres zehn Schüler über die etatmäßige Zahl hinaus ausgenommen und die Ertrüge aus dem Schulgelde zu Unterstützungen verwendet werden.
* — Anläßlich der bevorstehenden Rekrutirungen interessirl wieder die Frage nach dem Militärmaß. Man macht sich über die Größe, die ein deutscher Vaterlands-Verthsidiger haben muß, häufig noch Unklare Vorstellungen. Das Mindestmaß ist überhaupt 1,57 m,
sich aber nur mit den Füll n zu beschästigen, in welchen ein Vergehen gegen das Marken-Schutzgesetz vorlag, und verurtheilte demmlsprecheud den Händler zu 800 Mark, seinen Geschäftsführer Klein zu '•100 Mark Geldbuße. Im zweiten Falle handelte es sich um ein
(Schuhmacher, Schneider u. s. w.) ist kein Mindestmaß vorgesckrieben. Da kommt es weniger auf körperliche Tüchtigkeit, als auf gewerbliche Leistungsfähigkeit an. Das Mindestmaß von 1,57 in gilt für Linien-Jn- anterie, Jäger, Train und Deaganer. Dagegen müssen Pioniere, Feld-Artilleristen und Eisenbahn-Truppen wenigstens 1,62, Fuß - Artilleristen, Kürassiere und Ulanen wenigstens 1,67 m groß sein. Die Hälfte 'ber Garde-Rekruten soll über 1,75, die andere Hälfte nicht unter 1,70 m messen. Leichte Kavallerie ist ausgenommen. Auch über das Höchstmaß sind Bestimmungen getroffen, Jäger, Train, Feld-Artilleristen, Ulanen und Kürassiere sollen höchstens 1,75 m, Dragoner und Husaren 1,72 m groß sein. Für die Garde du Korps gelten besondere Bestimmungen.
— Post- und Eisenbahn-Fachschule. Wir halten es für angebracht, jetzt beim Beginn des Sommersemesters auf die in Cassel, Orleansstr. 28, best-hende Post- und Eisenbahnfachschule des Herrn Bolz, seitherigen Lehrers an der bewährten und bekannten Fachschule zu Cöln, aufmerksam zu mache«. In derselben werden junge Leute im Alter von 14 bis 21 Jahren, welche entweder die Elementarschulen oder die unteren Classen höherer Anstalten absolviert haben, oder solche, die bereits in einem praktischen Berufe thätig waren, sowie auch Milikäranwärter zu der Postgehülfen Prüfung vorbereitet. Die Laufbahn, welche die Postgehülfen ein= schlage«, ist eine verhältnismäßig günstige. Der Postgehülfe erhält bald nach Eintritt 1,50—2,25 M tägliche Diäten. Nach 4 Jahren wird er zum Postassistenten be- fördert und kann später die Stellung als Olnrpost- afjiftent und Postverwalter erreiche«. Nach dem Pro- ipeM erhalten diejenigen Estern, deren Söhne die Prüfung nicht bestehen und daher Aufnahme im Post-
. dienst nicht finden sollten, die gesammten Schulgelder i zurückerstattet. Jeder Schüler hat vor seiner Auf- ' nähme, die zu jeder Zeit erfolgen kann, eine 14tägige Vorprüfung zu bestehen. Diejenigen Schüler, welche ' sich nach dieser Probezeit für den gewählten Beruf : wegen mangelnder Anlagen oder Trägheit als ungeeignet erweisen, werden zurückgewiescn. Jedenfalls ein anerkennenswerthes Verfahren, so daß auf diese Weiss dem Schüler die Zeit, sich einem anderen Berufe zu- zuwenden, nicht verloren geht. Erwähnt sei noch, daß die betr. Zöglinge im Telegraphieren und in den einschlägigen praktischen Uebungen unterrichtet werden, «wodurch sie sich rascher in ihren Dienst einarbeiten und von Anfang an au ein s-lbstständiges Arbeiten gewöhnen. Die Anstalt ist besonders in der heutigen Zeit, wo in der kaufmännischen Welt alles überfüllt ist, gewiß ein Segen.
Messungen, 11. April. Ein gräßlicher Unglücksfall hat sich in Eiterhagen bei Melsungen zugetragen. Die Frau des dortigen Mühlenbesitzers gerieth beim Bedienen der Mühle einer Transmissionswelle zu nahe, ihre Kleider wurden erfaßt und sie buchstäblich langsam zu Tode gerädert. Als das Unglück entdeckt wurde, war die Aermste völlig zermalmt.
Frankfurt a. M , 5. April. Der gewinnsüchtigen Ausbeutung durch schwindelhafte Anpreisungen sind die hiesigen Gerichte neuerdings in zwei beachtenswerthen Fällen entgegengetreten. Ein Flaschenbierhändler Phil. Gutberlet hatte sich über Nacht in einen Champagner- Fa-rikantcn verwandelt und lieferte die feinsten französischen Marken nach Japan und den niederländischen Besitzungen in Asien. Die Firmen der Champagne waren nur wenig verändert, aus Heidsick war z. B. Heichieck gemacht, die Etiketten so ähnlich nachgeahmt, daß nicht bloß ein japanesisches oder hintcrindisches Auge dadurch getäuscht werden konnte, der Inhalt der Flaschen aber war größtentheils — Apfelwein- Champagner. Für das Inland wurde der in Schaum verwandelte Leibtrunk der Sachsenhäuser mit anderen zum Theil eigenartigen Aushängeschildern versehen: so gab es einen „Künstler-Sekt", dessen Flaschen mit "dem Bildniß unserer Operetten-Sängerin Sophie König als „König Jerome" geschmückt waren. Das Gericht hatte