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Deutsches Reich.

Berlin, 8. April. DerReichsanzeiger" veröffent­licht eine Kaiserliche Cabinctsordre, welche den Reichs­tag auf den 6. Mai einberuft.

Berlin, 8. April. Gegen den Luxus im Offizier- korps hat der Kaiser eine Kabinetsordre unter dem 29. März 1890 erlassen, welche imReichsanz." bereits veröffentlicht wurde. Die für den Reichstag be­stimmte neue Militärvorlage soll, wie dieNat. Ztg." behauptet, jährliche Mehrausgaben von 18 Millionen Mark zur Folge haben. Gegenwärtig wird die Frage der anderweiten Bekleidung der Truppen lebhaft er­örtert. DasMilil.-Wochbl." selbst hat bereits die Abschaffung des Jnfantriehelms, der das Schießen im Liegen erschwere und im Sommer höchst lästig sei, und seine Ersetzung durch die sächsische Schütze,,k ippe, sowie ferner die Beseitigung des Stetzkragens anempfohlen. Von anderer Seite wird arg kündigt, daß die Ein­führung des rauchschmachen P'lvers zur B siitignng alles blinkenden Uniformfchmuckcs und aller grellen und hellen Ausrüstungsstücke nöthige. Man könne fortan nur solche Kleidung zulassen, welche thunlichstim Ge­lände" verschwinde.

Aus dem Königreiche Snchsen berichtet das Chun- nitzer Tageblatt Folgendes: Den Militärvereinen Gablenz I, Oberhermersdorf und Borna war von Seiten des Präsidiums von Sachsens Militärvereinsbund" die Weisung zugegangen, eine größere Anzahl Mitglieder, welche sich an der Förderung sosialdemokratisch-r Be­strebungen bethciligt hatten, auf Grund der Bindcs- satzungen der Mitgliedschaft verlustig zu erklären. Einige Vereine hatten aber nur die lheilweise Aus führung dieser Weisung bewirkt, während andere mit großer Mehrheit beschlossen hatten, die verfügte Aus- weisung überhaupt nicht zu vollziehen. In Folge dessen ist die schimpfliche Ausstoßung d,r vorgenannten vier Militärvererue aus dem Bunde erfolgt. Das sächsische Ministerium des Innern hat hierauf angeordnet, daß diese vier Vereine mit ihrer Ausstoßung auch des königlichen Protektorates verlustig gehen, das in deren Vereinsfahnen geführte sächsische Wappen aus denselben zu entfernen ist, etwaige vom Könige verliehene Fahnen- geschenke zurückzufordern und die betreffenden Vereine des Rechtes zur Führung der Gewehre und der Ver­anstaltung von Reveilken au den Geburtstagen des Kaisers von Deutschland und des Königs von Sachsen zu benehmen sind.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 11. April. Unter Hinweis auf den vom Vorstand des hiesigen Bürgervereins in der vorletzten Nr. der Ztg. erlassenen Aufruf, betreffs Erbauung einer Fried- Hofs-Kapetle, machen wir unsere Leser hiermit auf die für nächsten Sonntag Abend zwecks Besprechung dieser An­gelegenheit in Aussicht genommene öffentliche Versamm­lung noch besonders aufmerksam. Eine zahlreiche Be­theiligung aus allen Kreisen unserer christlichen Ein­wohnerschaft dürfte im Interesse der Förderung des geplanten Unternehmens sehr wünschenswerth sein.

* Seit dem 1. April sind die Steinkohlen sehr im Preise aufgeschlagen. Nach den von diesem Tage ab , in Kraft tretenden Verträgen der rheinisch- westtälischen Kohlenzechen beiragen die Preise für Fett- sörderkohlen per Doppelwagen bis 120 M. ab Grube (gegen 60 M. der abgelaufenen Verträge) und für Flammsörderkohlen bis 125 M. (bisher 62 M.), für Gasflamuckohlen 135 M. (bisher 6568 M.) Rechnet man dazu noch Fracht und Fuhrlohn, und die Kohlen, wenigstens die westfälischen Steinkohlen, bürsten für fiele kleine Leute einfach unerschwinglich sein. Da bekommt die in letzter Nr. gebrachte Mittheilung über die bevorstehende Wiederinbetriebsetzung der Braunkohlen­grube Elm für die hiesige Gegend erst ihre rechte Be­leuchtung.

* Darf ein Reisender auf der Eisenbahn als Freigepäck Gegenstände mit sich führen, welche nicht sein eigen sind? Diese Frage beschäftigte dieser Tage die Strafkammer zu Münster. Ein Metzger aus Rheine

hat einem Rufenden einen Korb mit Fleisch übergeben, mit der Weisung, dasselbe auf einer nahen Station an eine bestimmte Person abzugeben. Dieser Fall muß nicht selten gewesen sein, denn nach Aussage des be­treffenden Bahnbeamten war er von seiner Behörde angewiesen, ein Auge auf solche Manipulationen zu richt u. Fraglicher Korb wurde also von ihm ange» halten und der angebliche Absender wegen versuchten Betruges resp. Schädigung des Eisenbahnfiskus pro- zessirt. Das Schöffengericht erkannte aber auf Frei­sprechung, weil im Eisenbahnbetriebs-Reglement nicht gesagt ist, daß die Sachen, welch: ein Reisender als Passagiergut bis zu einem gewissen Gewichtssätze mit­nehmen kann, auch sein Eigenthum sein müssen.

* Bei der Wahl des Berufes, den Tausende von Stiern gegenwärtig für ihre die Schule verlassen­den Söhne aussuchen müssen, wir» leider nur allzu oft nach einseitigen Gesichtspunkten verfahren. Es gilt nicht blos einen Beruf zu wählen, für den der betr. Knabe Lust und Liebe hat, und die Aussichten für ein gutes Fortkommen bietet, sondern der Knabe muß auch für den Beruf geistig und köiMktfch geeignet sein. Der gewissenhafte Lehrmeister wird eben falls nur ge­eignete Lehrlinge aufnehmen dürfen. Oft freilich sind Eltern und L chrmeister außer Schuld, daß sich erst nach einiger Zeit herausst.llt, daß der Knabe untauglich zu dem fraglichen Berufe ist. Deßhalb sei hier an eine Vielen unbekannte Reichsgerichtsentscheiüung erinnert, wonach ein Lehrvertrag keinerlei Verbindlichkeit hat, sobald sich herausstellt, daß der Lehrling zur Erlernung des betr. Berufes unfähig ist. Dies gilt auch, wenn die Unfähigkeit bereits vor Abschluß des Lehrvertrages vorhanden war. Diese Entscheidung ruht auf dem RechtSgrundsatze, daß Verträge über unmögliche Leistungen ungiltig sind.

Nicht genug können die Eltern in jetziger Zeit darauf aufmerksam gemacht werden, ihren Kindern das Sitzen aus Steinen, Thürschwellen oder auf der platten Erde zu verbieten. Dadurch schon an sich, besonders aber, wenn die Kinder durch vorhergehendes Spielen im Freien, welchem jetzt die Jugend schon fleißig ob­liegt, erhitzt sind, können die bedenklichsten und lang­wierigsten Krankheiten hervorgerufen werden.

* Der Herr O'ierpräsident der Pro­vinz Hessen-Nassau veröffentlicht im R-gierungsamls- blatt eine Nachwe jung der gemäß § 19 Absatz 2 des Gesetzes vom 13. Juni 1873 über die Kriegsleistungen für die Lieferungsverbände des Regierungsbezirkes Kassel festgeftellteu Durchschnittsmarktpreife, welche für Vergütung von Landlieferungen vom 1. April 1890 bis Ende März 1891 maßgebend sind. Dieselben be­tragen für die Kreise Fulda, Hünfeld, Gersfeld und Schlüchtern: Waizen 9,34 Mk, Waizenmehl 1l,27Mk., Roggen 8,04 Mk., Rozgenmehl 10,35 Mk., Hafer 6,73 Mk., Heu 2,94 Mk., Stroh 2,60 Mk. pro Zcntncr.

Fulda, 5. April. Unser historischer Nachbarort Bronzell gehört fortan zu denjenigen Plätzen, welche elektrische Straßenbeleuchtung besitzen. Wenn derselbe auch kein weithin strahlendes Bogenlicht aüfzuweisen hat, so sind es doch Glühlampen, die Licht in Stärke von größeren Gasflammen ausstrahlen. Wer hätte noch vor Jahresfrist geglaubt, daß die so lange ver­waist gewesene Hüttenmühle heute zur Butterproduktion benützt, in allen ihren Räumen bis ins Schlafzimmer ihres Besitzers elektrisch beleuchtet würde, und daß sie sogar ihr Licht den Weg entlang bis in unsern Ort leuchten ließe.

Bebra. Ein deutscher Sprachlehrer, Max Mayer aus Bebra, der unweit Paris, eine Karte der Um­gebung in der Hand, spazieren ging, wurde als Spion verhaftet.

Casfel, 1. April« Wegen vorsätzlicher Beschädigung von Eisenvahnanlagen würde der Bahnwärter W. aus Neustadt a. d. Werra, welcher bei seiner zwischen Malsfeld und Oberbeisheim gelegenen Wärterbude die Leitung des elektrischen Signalapparates durchschnitten hatte, zu 1'/-Jahren Gefängniß von der hiesigen Straf­kammer verurtheilt.

Hanau, 7. April. In unserer Nachbargemeinde Kilianstädten wurde vor etwa zwei Jahren aus der Nidda die Leiche eines dortigen Mannes gelandet und Niemand zweifelte an einem vorliegenden Selbstmorde,

Kürzlich legte jedoch ein K recht aus K.lianstädten ein Schuldbekenntniß ab, wonach er den vermeintliche l Selbstmörder aus geringfügiger Ursache erschlagen und dann in die Nidda gestürzt habe. Auf erstattete An­zeige hin wurde der Knecht verhaftet.

Frankfurt a. M., 9. April. Heute früh 6 Uhr entgleiste bei der Station Goldstein ein Arbeiterzug. 22 Personen wurden verwundet, 12 davon schwer. Der Schaden an Material ist erheblich. Heute Nacht ist die hiesige Schuhfabrik von Otto Herz u. Co. abge- brannt.

Musland.

Wien, 9. April. In Neulerchenfeld sind gestern Arbeiterexzesse vorgekommen. In verschiedenen Schank- lokalen wurden die Fässer zertrümmert, die Lokale selbst demolirt und der Branntwein angesteckt) in vielen Häusern, an den Pferdebahnwagen und Droschken wurden die Fenster eingeschlagen, auch mehrere Wagen und Droschken durch Steinwürfe zertrümmert. Die Alarmschüsse der Sicherheitswache waren fruchtlos, die Sicherheitswache mußte mit dem Seitengewehr vor­gehen. Zw^ Schwadronen und ein Bataillon haben den betreffenden Stadttheil besetzt.

England. In Bezug aufJack", den Londoner Frauenmörder, scheint man jetzt bestimmte Anhalts­punkte entdeckt zu haben. Wie aus London telegraphirt wird, wurde die Prostituirte Helena Montana des Nachts auf der Straße in derselben Weise verstümmelt und ermordet, wie früher die Opfer des mysteriösen Jack. Der Mörder entkam. Die Polizei verhaftete 30 Chinesen, vermochte aber noch nicht den Thäter zu identifiziren.

Amerika. In Chicago haben 5000 Zimmerleute behufs Erzielung höherer Löhne und eines achtstündigen Arbeitstages die Arbeit niedergelegt. Die Stadt Prophetstown (Illinois) ist durch einen Cyklon zerstört worden, wobei viele Menschen ums Leben gekommen sein sollen.

Die Launen des Ktücks.

Ein Roman aus dem Leben von Paul Böttcher (Fortsetzung.)

Wir können freilich sagen, daß die Züge kühn waren, daß die Stirn unnatürlich weit von den dichten Brauen bis zum schwarzen, grau durchstreiften Haare hervor- trat, daß in dem dunkelbraunen Teint eine lebhafte Gluth brannte, von straff angeschwellten Adern durch- theilt; aber keine Worte vermögen den vollen Eindruck jenes Gesichts zu beschreiben.

Kraft die Kraft eines starken Geistes; Gedanken­tiefe in hohem Maß, Gewissensbisse wegen der Thaten einer dunklen Vergangenheit, Ehrgeiz nach einer noch dunkleren Zukunft das Alles lag auf jenem Gesicht, prägte sich in jedem der Züge aus, schwoll in den Adern der mächtigen Stirn, brannte in den funkelnden Augen, die tief in ihre Höhlen gesenkt waren, zitterte in der kleinsten Falte der zusammengeklemmten Lippen, von welchen ein ewiger Hohn auf die Hoffnungen der ganzen Menschheit zu blitzen schien.

Der Kampf des Thierischen und Intellektuellen, welcher sich in diesem Antlitz prägt, durchbebt jeden Zug und verleiht dem Gesicht einen Ausdruck, welcher uns fesselt durch seinen seltsamen Contrast, seinen plötzlichen Wechsel von Licht und Dunkel und seine gedankenvoll blitzenden Augen.

Man darf nicht glauben, daß dieß ein bloßes Phan­tasiebild sei; es ist nur allzu entsetzlich wahr. Naturen gleich diesen erscheinen nicht oft in der Welt; wenn sie jedoch erscheinen, lassen sie den Eindruck ihrer Spur auf dem Zeitalter zurück; aber es ist nur der Fuß­stapfen eines Teufels auf einem unfruchtbaren Felsen.

Durch die ganze Weltgeschichte, von Zeitalter zu Zeitalter glühen solche, Gott sei Dank selten auftretende Naturen wie Leuchtthürme im Nebel, wenn es ihnen gelingt, sich eine höhere Machtstellung zu erringen, oder wenn ihnen die Geburt eine solche überwiesen hat. Jedoch hinterlassen sie gewöhnlich nur die Asche eines geschändeten Genius, das Echo eines Namens, welcher der unsterblichen Schande verfällt.

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Hellert besuchte selbstredend allein die Oper; Elwira