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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

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1890.

Samstag, den 1. März

verlangte Lohnvergütung für zwei Tage, widrigenfalls gestreikt würd?. Der Drohung folgte die That, die Arbeiter kamen am Montag nicht und der Firma blieb nickts übrig, als die Forderung der Leute zu bewilligen.

Essen, 18. Febr. 45 Schneidermeister haben hier­ein gemeinsames Berkaufsgeschäft eröffnet und wollen in der ruhigen Jahreszeit solide gearbeitete Kleidungs­stücke für das Lager anfertigen, sodaß sie nicht mehr nöthig hätten, für größere Geschäfte zu Spottlöhnen zu arbeiten.

Gaben, 24. Febr. Zu der sozialistischen Wahl­agitation bemerkt dieGub. Ztg." sehr charakteristisch: Nicht nur, daß die Sozialdemokraten im Kreise mit 68 Equipagen herumgefahren sind und überall eine sehr gute Zeche gemacht haben natürlich für die Groschen der Arbeiter, nein, der Herr Tapezier- und SattlergcscUe, sozialdemokratische Agitator und Reichstagskandidat Fritz Krüger aus Rixdorf fährt sogar auf der Eisenbahn zweiter Klasse! Dafür müssen also die Arbeiter ihre Groschen hergeben, damit Herr Krüger in den Sammtkissen der Koupees 2. Klasse hin­gegossen, eine feine Cigarre schmauchend, elegant und bequem per Dampf durch die Welt reifen kann! Oeffnet Euch das noch nicht die Augen, ihr Arbeiter?

Aus Thüringen. Welche Blüthen der SozialismuS bereits auf dem platten Lande treibt, das möge aus nachstehendem Vorgang erhellen: In Mammendorf, einem kleinem Dorfe des Kreises Wolmirstedt mit un­gefähr 70 Wahlberechtigten, in dem man noch vor drei Jahren den Sozialismus nur dem Namen nach gekannt hat und das bei der jetzigen Wahl nicht weniger als 22 sozialdemokratische Stimmen aufwies, fand man am Morgen nach der Wahl inmitten des Dorfes, oben an einem Hoftyor aufgehängt, einen todten Kater und an diesem ein Breit mit der Inschrift:So wie dieser Kater hier hängt, werden nach fünf Jahreu die Bauern gehenkt." Schöne Aussichten! Auch verschiedene Hof­thore sollen mit ähnlichen Versen beschmiert gewesen sein. Außerdem soll der Schlußakt der Wahl nicht ohne Störung seitens der .Sozialdemokraten verlaufen sein. In Grümpen bei Sonneberg wurde in der Nacht zum Donnerstag der dortige Müller mit Messer­stichen gelödtct und die Leiche dann in das Wasser ge­worfen. Ein politischer Streit im Wirthshaus soll die Veranlassung sein. In Klettbach bei Erfurt wurde am Tage vor der Wahl vom Ortsdiener ausgeklingelt: Morgen von 10 bis 6 Uhr ist ReichStagswahl. Nach dem wird ein Gänsehirt gewählt."

Regensburg, 20. Febr. In der Ortschaft Ebnath hat der Bauernsohn Schmucker in Gegenwart seiner kranken Mutter seinen Vater nach einem Wortwechsel mit einer Holzoxt erschlagen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlükhtcrn, 28. Febr. Nächsten Dienstag, den 4. März, findet dahier der sog. Größe Viehmarkt statt. Der auf denselben Tag angesetzt gewesene Vichmarkt in Gelnhausen ist verlegt worden.

t Der Landesausschuß hat in seiner letzten Sitzung die Summe von 15 000 Mark aus dem kommunal­ständischen Meliorationsfonds als Beihülfe zur Deckung der Kosten, welche die projektirte Regulierung des Kinzig- undSalzflusses in den Gemarkungen von Soden und Salmünster verursöchen, bewilligt. Da nunmehr auch die Beihülfe der Königlichen Staatsregierung in der Höhe von etwa 50000 Mark in sicherer Aussicht steht, so darf man erwarten,, daß der erste Spatenstich zur Beseitigung der vielbesprochenen Ueberschwcmmungs- noth im Frühjahr oder Sommer dieses Jahres gethan werden wird. Allerdings haben die beiden Städtchen Soden und Salmünster sich zu der respektablen Bei­steuer von 20 000 resp. 10 000 Mark verstehen müssen, aber dieses einmalige pekuniäre Opfer wird durch die Nachhältigkeit der Wohlthat, welche die Correktion im Gefolge hat, reichlich ausgewogen werden.

Der Beginn der 1. diesjährigen Schwurgenchts- periode zu Hanau ist auf den 24. März bestimmt. Zum Vorsitzenden des Schwurgerichts ist Herr Ober- landesgerichtSrath Bierhaus in Cassel ernannt. Als Ge­schworene wurden ansgeloost: 1. Weinhändler Orb hl Gelnhausen. 2. Kaufmann Wilh. H-ngsberger in Hanau. 3, Landwirlh Fr. W. Thg L in Ravolz- yauM. 4, Kaufmäun Jakob Widerfüm in Hanau.

An den gesunden Menschenverstand wieder die Socialdemokratie

wendet sich ein konservatives Flugblatt aus dem Wahl­kreise Teltom-Beeskow-Charlottenburg, wo Prinz Hand- jery mit einem Socialdemokraten zur Stichwahl steht, mit folgenden treffenden Ausführungen:Wenn die Socialdemokratie ans Ruder kommt, soll alle Noth, soll alles Elend verschwinden. Der Krieg soll abgeschafft, die stehenden Heere beseitigt werden. Die Arbeitszeit soll überall verkürzt und dabei die Löhne sämmtlich erhöht werden. Eine allgemeine Volksbewaffnung soll eingeführt und alle indirecten Steuern sollen aufgehoben werden.

Glaubt einer von Euch solchen sinnlosen Versprechungen?

Die Abschaffung des stehenden Heeres würde uns wehrlos machen. Undwehrlos ehrlos" sagt ein altes deutsches Sprichwort. Unsere Nachbarn warten auf diesen Augenblick, um über uns herzufallen und uns Alles zu nehmen, was uns lieb und theuer ist. Und jeder von Euch, der einst des Kaisers Rock mit Ehren getragen, der sei Richter zwischen uns und den Socialdemokraten in dem Streite darüber, ob eine anders organisirte Macht als unser stehendes Heer mit Franzosen und Russen fertig werden wird. Und glaubt Ihr, daß die sogenannte allgemeine Volksbewaffnung etwa weniger kosten wird, als unser stehendes Heer? Ein Thor nur kann das glauben! Die indirekten Steuern sollen abgeschafft und durch direkte Steuern ersetzt werden. Wer aber soll letztere bezahlen? Sollen und können etwa die paar hundert Millionäre, die es giebt, die taufende Millionen, welche das Reich all­jährlich braucht, auf ihre Schultern nehmen? Eine frevelhafte Lüge liegt deshalb auch in diesem Schlag­wort. Auf die breiten -Müssen, auf die Millionen des Volkes müßte diese direkte Steuer wieder umgelegt werden und statt der einen Mark Klassensteuer würdet Ihr in Zukunft .zehn, auch zwanzig Mark zu zahlen haben.

Und glaubt Ihr ferner wirklich, daß die Preis­erhöhungen für die Lebensmittel lediglich durch die Zölle herbeigeführt seien? Ihr seht doch, daß auch solche Gegenstände theurer geworden sind, die keinem Zoll unterworfen sind. Die Preiserhöhungen haben vielmehr ganz verschiedene Ursachen. Da sind die Miß­ernten, da ist der Börsenterminhandel, da sind die Vieh­seuchen im In- und Auslande, da sind nicht zum wenigsten die Streiks schuld, die die Streikenden ver­armen und alle Erzeugnisse theurer machen. Hätten wir die Getreidezölle nicht gehabt, als im vergangenen Jahr die Ernte so schlecht ausfiel, so wäre durch die ausländische Conkurrenz die deutsche Landwirthschaft ruiniert worden. Geht aber die Landwirthschaft zu Grunde, so folgt der Handwerkerstand, folgen die üb­rigen Erwerbsklassen alle nach. Von der Kaufkraft des Landwirths hängt der Erwerb aller Handwerker, Kaufleute, Gastwirthe ab, denn wenn der Landwirlh Geld hat, giebt er es wieder aus für Bauten, Haus- geräth, Möbel- Geschirr, Kleider, Wäsche, Schuhe rc., Deshalb gönnen wir dem Landwirth einen höheren Preis. Er verdient gleichwohl bei diesem höheren Preis, weil er im vorigen Jahre nur wenig Getreide übrig hatte, weniger als bet einer guten Erndte und ent­sprechend niedrigem Preise.--

Deutsches Reich.

Berlin. Vorläufige Berechnungen über den Stimmen­zuwachs oder Abgang der Parteien bei der ReichStags- Wahl vom 20. Februar haben ergeben, daß die Sozial­demokratin nahezu 500 000 und die Freisinnigen über 200 000 Stimmen gewonnen haben, Der sozialistische Abgeordnete Liebknecht behauptete sogar in einer Wahl­versammlung zu Braunschweig am 25. dS., daß schon jetzt 1500 000 Stimmen für die Sozialiften gezählt seien. Thatsächlich waren in 1887 bei dem ersten Mahlgang 6 Sozialiften gewählt worden und diesmal sind eS 20.

Lübeck, 25. Febr. Wie anderwärts, so setzten auch hier die Arbeiter am Wahltage die Arbeit aus. Die Firma Säger u. Klüßmann, die ein großes Sägewerk betreibt, wollte sich in dieser Weise nicht Maßregelu lassen. Sie schloß nun ihrerseits an den beiden foi- geuden Tagen die Fabrik. Die Folge war, daß sich pre Ärbeltrr als -cusaßreM.vttzgchrrW, ihr M»jch»8

5. Kaufmann Wilhelm Weinrank in Hanau. 6. Fabrik­direktor Rösler in Schlierbach. 7. Bauer Johann Fuß in Marjoß. 8. Kammerdirektor Prefer in Wächters­bach. 9. Kaufmann Jean Nicolay in Hanau. 10. Fabrikant Karl Hosse in Hanau. 11. Bauer Bleuel in Langenbieber. 12. Kaufmann Künstler in Fulda. 13. Kaufmann Ludwig Limbert in Hanau. 14. Bäcker Joh. .Heinrich Michel in Hanau. 15. Bauer Heil­mann in Elm. 16. Gutspächter Koch zu Baum- wieserhof. 17. Fabrikant Emil Junghenn in Hanau.

18. Oekonom und Müller Burchard in Hilders. 19. Freiherr von Trümbach inWrhrda. 20. Kaufmann Henkel in Hanau. 21. Mühlenbesitzer Traut in Steinau. 22. Gärtner Heinrich Seitz in Hanau. 23. Kaufmann Emil Weishaupt in Hanau. 24. Acker­mann Schneider in Roßdorf. 25. Schreinermeister Jakob Borger in Hanau. 26. Ackermann Bieber in Niedergründau. Kaufmann Hermann Voltz in Hanau, 28 Bauer Johannes Ziegler in Altengronau. 29. Ackermann Kaspar Förter I in Ostheim. 30. Bankier Gg. Bernius in Hanau.

Dällbach, 25. Februar. Am 23. l. M. erlegten die Fischotternjäger Roth von hier wiederum eine Otter männlichen Geschlechts im Gewichte von 20 Pfund zwischen Döllbach und Ultrichshausen. Die Pächter von Fischwasser sollten jetzt darauf bedacht sein, den Ottern nackzuspüren, da gerade in dieser Jahreszeit die Ottern von dem Großwasser in die Nebengewässer ziehen.

Aus Kurhessen, 25. Febr. Auffallend ist das plötz­liche Auflauchen einer starken antisemitischen Partei in Oberhessen. Ihr Ausgangspunkt ist Marburg, wo der bisher einzige antisemitische Abgeordnete Böckel wieder- gewählt worden ist; ferner hat die Partei den benach' harten, bisher von dein konservativen Landrath v. Gehren vertretenen Wahlkreis Homberg-Ziegenhain Fritzlar er­obert (gewählt ist dort Liebcrmann von Sonnenberg; der Prinz Philipp von Hanau erhielt nur 1100 St.); weiter kommen die Antisemiten in den angrenzenden Wahlkreisen Gießen und Alsfeld in die Stichwahl und endlich haben sie in : der Stichwahl des Kreises Alten« kirchen-Wetzlar zu entscheiden.

Kassel, 21. Febr. Der Bäcker und Wirth Hermann Zinser aus Gladenbach in Oberhessen, welcher einem aus fünf Personen bestehenden förmlichen Meincids- Complott angehörte, wurde vom Schwurgericht im Jahre 1888 zu 6 Jahren Zuchthaus verurtheilt und im Kasseler Zuchthause untergebracht. Nachdem dieses jedoch im März v. J. abgebrannt war, wurde Zinser unter schärfster Bewachung nach Halle transportirt und in dortiger Strafanstalt internirt. Vor etwa 3 Wochen gelang es dem ebenso schlauen als verwegenen Ver­brecher, zu entspringen und nach Amerika zu flüchten, nachdem er sich zweifellos mit den nöthigen Geldmitteln zu versehen gewußt hatte. Jetzt sind nun bereits Nach­richten in seiner Heimat angelangt, daß er in Amerika angelangt ist.

Heddesheim, 18. Febr. Ein heiteres Geschichtchen ereignete sich vor einigen Tagen bei einem hiesigen Bäckermeister. Um nämlich den angemachten Brodteig vor der grimmigen Kälte zu schützen, legte er über den­selben eine Decke. Der Sohn des Hauses, der nach einiger Zeit staik angesäuselt nach Hause kam, glaubte sein Bett vor sich zu haben, schlug die Decke zurück und legte sich in das vermeintliche Bett. Als nach einigen Stunden der Vater an's Backen gehen wollte, fand er dann zu seinem größten Erstaunen und Schreck seinen Sohn süßschluwmcrnd ,im Teig liegen, und zwar bis an den Kopfzugedeckt". Was nun folgte, darüber schweigt die Geschichte.

Rußland. Im russischen Heere sollen sich nach einer neueren Zusammenstellung nicht weniger denn 400 000 Heiden und 50000 Muhamedaner befinden. Dieselben nehmen fast 70 Prozent des russischen Kosackenheeres ein, unter welchem das kleinrussische Element christlichen Glaubens immer mehr abnimmt. Schon unter den Don'schen Kosacken sind die Hälfte Tataren und Kal­mücken, von denen sich nur ein kleiner Theil äußerlich zum Christenthum bekennt. Dagegen gewinnt der Islam unter denselben immer mehr Anhänger. Das ural'sche Heer zählte neben 10 000 Christen 20 000 Muhameda- ntr und 90 000 heidnische Raskolniks; das transbaikal»