in dem Sarge eingelagert hatte. Hasenbälge, Rebhuhnfedern rc. bewiesen, daß der Fuchs dort schon längere Zeit gehaust hatte.
Mewe, 28. Januar. Wie man dem „Ges." von hier schreibt, ist eine Arbeiterfrau von „Fünflingen" entbunden worden. Die Liliputaner, sämmtlich Knaben, sind wohl und frisch.
Lüneburg, 30. Januar. Nachdem der Kaiser ent- ' schieden hatte, daß derselbe von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch machen wolle, wurde, wie den „Hamb. Nachr." gemeldet wird, der Schneider Heinrich Lodders aus Drage, welcher wegen Mordes seiner Gattin zum Tode verurtheilt worden war, heute Morgen 8 Uhr auf dem Hofe des hiesigen Strafgerichtsgebaudes mittelst Fallbeiles enthauptet.
Lokales und Provinzielles.
Steinan. Nächsten Sonntag soll hier eine Wahlversammlung des nationalliberalen Vereins stattfinden. Da der Wahlkreis durch Fulda und Gersfcld den Ultramontanen vorläufig gesichert scheint, wird es sich um die Aufstellung eines sogenannten Zählcandidaten Handeln.
^ Salmünster, 2. Febr. Wie man ^ zuverlässig vernimmt, so hat sich vor einigen Tagen ein Unbekannter im Drang seiner unbequemen Gefühle die Erlaubniß genommen, in eine zu Birstein mit ungewöhnlicher Eleganz eingerichtete Kegelbahn einzukehren, und darin nicht allein ein eigenthümliches Andenken zu hinterlassen, sondern auch, wie es scheint, als ein großer Freund der Sauberkeit, einer gerade zur Hand liegenden Taseldecke sein plebejisches Familienwappen aufzudrücken. Um schließlich seiner Frevelthat die Krone auszusetzen, hat er gar noch, ähnlich wie ein zweiter Hciostratus, den Musentempel in Brand gesetzt. Leider war das Familienwappen so verwischt, daß es unmöglich war, die Identität des so frechen Gesellen festzustellen, wcß- halb laut des „Gelnhäuser Anzeiger" auf die Ermittelung desselben eine Prämie von 100 Mark ausgesetzt worden ist.
Uttrichshausen, 1. Febr. Am 19. Januar erlegten die Fischolter.jäger Roth von Döllbach eine Fischotter im Gewicht von achtzehn Pfund unterhalb Utt- richshausen. Ebenso erlegten dieselben eine Fischotter - am 31. Januar im Gewicht von neunzehn Pfund V zwischen Döllbach und Uttrichshausen, beide weiblichen Geschlechts. Es ist klar, daß bei dem hohen Wasserstand das Fangen von Fischottern sehr erschwert ist.
Frankfurt a. M, 28. Jan. Zur Beschaffung von Schuhwerk für arme Kinder hat der verstorbene Bürger Jgnaz Ph. Schuster eine Stiftung von 100000 Mark gemacht,
Hcrsfcld, 30. Jan. Beim Abgeordnetenhaus- ist eine Petition eingegangen, ■ betreffend den Bau einer Eisenbahn zwischen Hersfeld und Trcysa; dieselbe ist eingebracht von Hempsing u. Gen., Einwohper der. Kreise Ziegenhain und Hersfeld.
Rotenburg, 30. Januar. Ein schrecklicher Uyglücks- fall ereignete sich heute Nachmittag in einem Hiesigen Kaufmannsgeschäfte. Ein mit Rüböl gefülltes großes Faß sollte in den Keller hinabgelassen werden und war dabei der 16jährige Lehrling in dem unteren Theile des Kellers behülflich. Der dicke Strick mußte dabei auf irgend eine scharfe Kante gekommen sein und platzte, so daß das Faß mit aller Wucht in den Keller. hinab- rollte. Der Lehrling, über welchen das Faß Unrollte, wurde dabei so unglücklich getroffen, daß er sofort den Geist aufgab.
Arrsland.
Amerika. Newyork, 28. Januar. Der Senat beschloß, allen Staaten der Union sämmtliche während des großen Krieges gezahlten direkten Steuern zurück- zuerstatten. Bon April an werden alle Einwanderer in Regierungsdepots, wahrscheinlich auf Governors Island, im hiesigen Hafen gelandet werden, damit sie vor nach-, theiligen Einflüssen und Uebervortheilung bewahrt werden. — Auf der Zentral-Pacific-Bahn liegt der Schnee streckenweise 40 Fuß tief; trotz riesiger Anstrengungen liegen noch einige Züge unter. dem''Ichnee begraben. — Menschenblut trinkt, wie die Polizei entdeckt hat, in Kansas City (Nordamerika) eine Sekte. Einer ihrer Glaubenssätze ist, daß die Mitglieder ihr Blut Glaubensgenossen geben müssen, wenn es nöthig ist, um das Leben zu erhalten.' Zwei abgeinagcrte Kinder wurden vorgefunden, deren LebenSblut abgezapft worden war zur Heilung ihres Vaters, der sich im letzten Stadium der Schwindsucht befand.
Kanada. Staatliche Prämie auf Kinderreichthum. Die Legislatur von Quebec hat ein Gesetz genehmigt, welches jedem Familienvater von zwölf lebenden, ehelichen Kindern, mag derselbe in der Provipz geboren oder natutalisirt sein, 100 Acres öffentliche Ländereien schenkt.
,iiiiHWsa»im»«»»wlMi*M*rtM«MwwWitiM*w^ ,■,riiiitadi!tfWMw»Mi«Mw«Ma^ hm ww «t*:
Aus der guten alten Zeit.
. Töt mir liegt ein Büchlein, das mir von lieber Hand auf den WeibnachtStisch gelegt worden ist. Es führt den Titel; „Einst und jetzt!" Bilder und Gc-
> schichten aus dem Bürgerleben der guten alten Zeit., Ich habe das Büchlein mit großem Interesse gelesen und dabei kam mir der Gedanke, daß es vielleicht von Nutzen sein möchte, wenn auch die Leser der „Schlüch- terner Zeitung" etwas davon hörten, wie es in „der guten alten Zeit" bei unsern Vätern zugegangen ist, wie sie ihre Kinder erzogen, wie sie in den Ehestand traten, wie sie schlicht und einfach lebten, wie barmherzig sie waren, wie geduldig sie ihr Kreuz trugen, wie treu sie zu ihren Fürsten standen, wie fleißig sie in ihrer Bibel lasen u. s. w. Vor alledem will ich den Lesern dieser Zeitung aus dem Büchlein allerlei mittheilen und dabei soviel als möglichden Verfasser selbst reden lassen.
Zunächst theile ich etwas aus der Vorrede mit, in welcher der Verfasser die Frage beantwortet, wie er zu diesem Büchlein gekommen ist. Er bekennt von vorn herein, daß er ein unverbesserlicher Liebhaber und Lob- redner der guten alten Zeit sei. Doch ich lasse ihn nun besser selbst reden: Seitdem ich angefangen, alte Bilder und Papiere zu sammeln, alte Akten und Kirchenbücher zu studieren, in alten Archiven und Bibliotheken zu stöbern und mich in die alten Städte- und Dorf- chroniken meiner Heimath einzulesen, seitdem haben mirs die alten Edelleute und Edelfrauen auf ihren Schlössern, die alten Pfarrherrn und Bürgermeister mit ihren Schnörkeln und Absonderlichkeiten, aber auch mit ihrem biedern, ehrenfesten Wesen, die alten Handwerksmeister mit ihrem bürgerlichen Selbstbewußtsein und die alten Haudegen mit ihren furchtbaren Schnurrbärtell und gewaltigem Säbel angethan, so daß mich's immer wieder zu ihnen hinzicht und mir nichts lieber und angenehmer ist, als mich hinein zu vertiefen in den Geist jener Zeit, aus der uns ein so ganz anderer Geist anwcht, als der des neunzehnten Jahrhunderts.
Es giebt nun freilich, zumal in unseren Tagen, nicht wenige, die, wenn sie von jener Zeit reden, ihre Worte mit Lächeln und Achselzucken begleiten, als wollten sie sagen: „Ach, wie herrlich weit haben wirs doch gebracht gegenüber unsern Vorfahren zur Zeit des alten Fritz, wie unendlich weit liegt doch jene Zeit, geistig angesehen, schon hinter uns, obgleich sie in Wirklichkeit nur durch ein Jahrhundert von der Gegenwart getrennt ist, welche Riesenfortschritte haben wir mit den Sieben- meilensticfeln der Kultur und Bildung doch gemacht seit den Tagen, da der Großvater die Großmutter nahm! Wir müssen uns über uns selber wundern, daß wir so klug, so gebildet, so fortgeschritten sind, und müssen staunen, wenn wir bedenken, in welch einem Sumpfe von Unwissenheit, Rohheit, Geistesträgheit und Blödigkeit die sogenannte gute alte Zeit noch drinsteckte!" Kurzum, es gehört Heut zu Tage zum guten Ton und zum allgemeinen Anstande, die Gegenwart auf Kosten der Vek-s gangenheit zu preisen und über die Zeit, da unsere Väter und Großväter, Ahnen und Urahnen ihr, Dasein führten. Ja, ein gewisser Zeitungsschreiber hat sogar ein dickes, zweibändiges Buch verfaßt, das viele Thaler kostet, unter dem Titel: Die gute alte Zeit. . Und dieses Buch hat keinen andern Zweck, als den, der guten altech Zeit gar grausam und fürchterlich am Zeuge zu flicken, sie als eine böse, dumme, rohe, gemeine Zeit hinzustellen und sie nach allen Seiten hin ganz gehörig schlecht zu machen zur Ergötzung der Leser und zur Erhöhung des Ruhmes unseres großen und aufgeklärten Jahrhunderts.
Das ist freilich einzuräumen, in vielen Stücken steht die alte Zeit auch wirklich hinter der Gegenwart zurück. Das kann nicht anders sein und ist auch nicht anders zu verlangen. Wenn unsere Alten einmal verreisen wollten, so konnten sie nicht einfach zum Bahnhof wandern, am Schalter eine Fahrkarte lösen, in die zweite Klasse einsteigen, drinnen auf bequemem Polster sich niederlassen, im Fluge von einem Ende des deutschen Vaterlandes bis aus andere zu eilen und vielleicht gar während dieser Eilfahrt auch noch schimpfen über die grenzenlose Bummelei, mit der Man heutzutage mit dem Dampfwagen befördert wird — nein, sie mußten ganz schön sachte zu Fuße gehen, wie Abraham, als er von seiner Heimath nach dem gelobten Lande reiste, oder wie weiland Herr Seume, als er von Grimma nach Syrakus spazierte und wieder zurück. Nur wenns hoch kam reifte man mit einem Wägelein, und auch da mußte man froh sein, wenn man in soviel Wochen oder Monate aus Ziel kam, wie wir heute Stunden oder Tage dazu brauchen. Auch verstanden unsre wackeren Alten das Telegraphiren noch nicht, das uns heute fast unentbehrlich geworden ist; und daß sie das merkwürdige Ding Mit dem lackirten Kasten und den vielen Drähten gekannt hätten, das wir mit dem Namen Telephon bezeichnen, davon hat Mir mein Großvater selig aus seiner Jugendzeit auch nichts erzählt, und er hat mir ganz genau beschrieben, wie es dazumal in der Welt ausgesehen hat. Photographie und electri- sches Licht, Magazingewehr und Dynamitbomben, Kabeltelegraphen und Torpedos, und was dergleichen schöne Dinge mehr sind, das alles hatten unsre Väter nicht. Dafür hatten sie aber mancherlei andere Dinge, die wir nicht mehr haben, und die doch auch etwas werth sind, nämlich Zufriedenheit und Einfalt, Treue und Frömmigkeit. Und weil sie eben das hatten darum laß ich eben Nichts auf die gute alte Zeit kommen.
I Damit will ich nun aber keineswegs sagen, daß
|id) die alte Zeit zurückrufen möchte ganz so, wie sie war. Ach nein, ich fahre auch gerne auf der Eisenbahn, und sehne mich nicht zurück nach der grünen Diligence oder nach der gelben Postkutsche, die manchmal von der Schnecke am Wege überholt ward. Das Gaslicht seh ich auch lieber als den Kienspan, mit dem man noch in meiner Jugend auf den Dörfern die Stuben erleuchtete. Auch möchte ich keineswegs unser liebes, großes mächtiges Deutsches Reich mit seinem Kaiser und seinem Kanzler wieder draugeben und dafür das alle gebrechliche und altersschwache deutsche „Reich" von 1648, 1763 oder 1803 eintauschen, wo man alle zwei Stunden einen neuen Zoll zahlen mußte, weil das Land eines anderen Potentaten oder Potentätleins begann, und wo man in der Reichsarmee das schöne Liedlein sang:
„Immer langsam voran, immer langsam voran, daß die anderwcite Löffelgarde nachfolgen kann".
Nein, auch ich bin herzlich froh, daß diese faulem.-Zustände aufgchölt haben, und daß wir heute ein bequemeres und in vieler Beziehung menschenwürdigeres Leben führen können. Aber etwas vermisse ich doch in dieser bequemen Zeit, nämlich, das, was ich eben nannte, die Treue und Redlichkeit, die Einfalt und Genügsamkeit, die Biederkeit und Gottesfurcht der vergangenen Zeit. Das ists, was ich zurückrufen möchte für die Gegenwart aus dem Grabe der Vergessenheit. (Forts, folgt.)
Die „Jnfallernia".
(Von Pfarrer Hartmann—Schlächtern.)
„Ich will die Feder ergreifen und Euch einige Zeilen schreiben." So fangen bekanntlich die Briefe an, die aus Amerika kommen. Auch ich will wieder einmal die Feder ergreifen und einige Zeilen schreiben, — und ich weiß schon, manch' einer freut sich darüber, wie z. B. 'der Johann vam Land und seine Genossen. Manch ein anderer ärgert sich wohl auch darüber, ärgert sich schon, daß so ein Pfarrer überhaupt freie'Zcit hat und nun diese seine freie Zeit gar noch zu solch unnützen Schreibereien verwendet. Allein weil das Sich- ärgern gar nicht gut und der Gesundheit schädlich sein soll, so möchte ich diesen Leuten den wohlgemeinten Rath geben, solche Schreibereien gar nicht zu lesen. Einen Leser gibts auch, der bekommt wohl beim Lesen meines Namens einen gelinden Schreck und denkt: „Ach, so soll ja mein Neujahrswunsch doch nicht in Erfüllung gehen und der „Streit über Abrahams Sohn" soll ja wohl von Neuem Wiederbeginnen!" Nun diesem zur Beruhigung will ich gleich bemerken, daß eS sich diesmal nicht um Abrahams Sohn handeln wird, wiewohl ich nicht versprechen kann, daß er im Verlaufe dieser .... Abhandlungen überhaupt f nicht auf der Mid'flächc erscheinen wird. Denn wo er von selbst sich einftellt, kann ich nicht vorüdcrgehcn, ohne auf ihn hinzuweisen. Das aber kann ich versprechen, daß ich den Herrn Apotheker und die Mäganne in Ruhe lassen werde, — ersteren, weil ich mit ihm auf zu gutem,Fußezu stehen mich rühmen darf (wenn ich auch die Apotheke am liebsten das ganze Jahr hindurch nicht in Anspruch nehmen möchte), - letztere, weil ich mit ihr noch keine Bekanntschaft gemacht habe und ich über Dinge Nicht schreibe, die ich nicht kenne. Nur so viel glaube ich. zu wissen, daß sie für die ärmere Bevölkerung eine ganz gute Erfindung ist, also daß ich mit gutem Gewissen dem Herrn Renner einen reichen Absatz und den Konsumenten einen guten Appetit wünschen kann.
In den Briefen aus Amerika heißt's nun weiter: „Wenn Euch mein Schreiben bei guter Gesundheit am trifft, wie es mich verläßt, soll es mich sehr freuen." So will auch ich sortfahren. Ja eS soll mich von Herzen freuen, wenn dies mein Schreiben alle Leser bei guter Gesundheit antrifft. Aber ich fürchte es ist nicht so, ebensowenig als es mich bei guter Gesundheit verläßt. Denn die böse Influenza spuckt noch an allen Ecken und Enden, und wie sie mich selbst gar arg gerüttelt und geschüttelt und bis jetzt noch nicht ganz loS- gelassen hat, so wird leider auch mancher Leser von ihr Heimgesuch! sein, oder noch an ihren Folgen zu leiden haben. Diese Krankheit, sie ist eine wahre Welthxini- suchung Unseres GotteS; denn fast über die ganze Welt hin ist sie verbreitet, und wo sie nicht ist, wird, sie npch hinkommen. Da werden wir's wieder einmä^gewahr, welch' ein jämmerliches Gemachte wir sind, wenn Gott sich aufmacht und in solcher Weise zür Menschheit redet. Da gibt's kein Entrinnen; in die Paläste findet sie den Weg so gut, wie in die Hütte des Armen — diese heimtückische Krankheit und rafft Kaiserinnen und Fürsteit dahin, wie den armen Bettler. Ach, daß doch die Menschheit diese gewaltige Stimme deS lebendigen Gottes verstehen und sich aus ihrer Gleichgiltigkeit gegen sein Wort und Sein Reich aufschrecken lassen und sich zu Ihm bekehren wollte, damit unS nicht noch AergereS widerfahre! Will man doch beobachtet haben, daß in früheren Zeiten auf die Influenza noch andere, schwere Heimsuchungen gefolgt sind: Ruhr, Cholera, Pestilenz. Wie würde dann erst die Welt Einem großen Lazareth, Einem großen Sterbehaus gleichen! Welch' ein Jan»« mer, welch' ein Elend würde dann erst herrschen allüberall! Da können wir nur bitten; „davor behüt unS, ttcbep Herr Gott!"