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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. — Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
Mittwoch, den 29. Januar
1890.
gangszoll beträgt allerdings für das Pfund 0,10 Mk; trotzdem wird sich der Preis für Fleisch sowohl als auch für Speck immer noch niedriger stellen, als er in der letzten Zeit hier war. Die russische Regierung ist dem Unternehmen förderlich, da durch dasselbe dem russischen Landmanne ein neuer Markt für sein gemästetes Vieh eröffnet ist.
Flensburg. Einen wahren Simson hat die Polizeibehörde hierselbst in der Person des längst gesuchten schwedischen Dienstknechts Frietjof Wiebeck erfaßt, welcher im Sommer 1888 bei dem Ziegeleibesitzer Petersen in Holnis diente. Am 29. Juni des genannten Jahres sollte Wiebeck feinen Dienstherrn vom Strand in Glücksburg mit einem Fuhrwerk abholen. Ungeschicktes Fahren veranlaßte den Herrn, den Diener vom Wagen zu jagen. In Glücksburg holte der Schwede seinen Dienstherrn ein und bat diesen, ihn doch mitfahren zu lassen, was ihm auch schließlich gestattet wurde. Petersen fürchtete sich indes, nach dem Vorgefallenen allein mit dem Schweden nach Hause zu fahren; er bat in Glücksburg den Böttcher Birckholm und den Maurer Petersen, ihn zu begleiten. Dieses geschah auch. Im Wald überfiel nun der Schwede die Drei, prügelte zuerst seinen Dienstherr«, dann den kräftigen Böttcher und schließlich den herkulischen Maurermeister tüchtig durch, sprang dann zum Wagen, schirrte die Pferde ab und ritt mit demselben nach Holnis, den Wagen mit den drei Herren auf dem Weg stehen lassend. Der Schwede erhielt für schwere Körperverletzung 2 Monate Gefängniß.
Elbing, 21. Januar. Gestern wurde hier vom Schwurgericht ein doppeltes Todesurtheil ausgesprochen. Die Verhandlung entrollte ein schauriges Sittengemälde. Der Eigenkäthner Hochstein in Braunswalde bei Stuhl« verkaufte sein Besitzthum und zog mit einem Vermögen von 3000 Mark nach Berlin, um einen Milchhandel zu betreiben. Das Geschäft ging nicht. Die Hochsteinschen Eheleute, welche nur einen 5jährigen Knaben hatten, kehrten nach Braunswalde zurück und ei warben wieder ein kleines Grundstück, außerdem arbeitete der Mann in einer Ziegelei. Da wurde der Mann bettlägerig krank, und von jetzt war der Hausfrieden gewichen. Es mußte von der Baarschaft gezehrt werden. Die Frau versuchte ihren Mann mit Kohlendunst zu ersticke«, wobei sie selbst beinahe ums Leben kam. Dann ließ sie ihn entsetzlich hungern. Ferner flößte sie ihm Schwefeldämpfe ein, doch der Man« starb nicht. Da erwarb sie sich die Nachbarin, Arbeiterfrau Damalski, zur Rath- geberin. Im Februar v. I. kamen sie überein, den bedauernswerthen Mann regelrecht aufzuhängen. Sie setzten den Entkräfteten in der eigenen Wohnung und in Gegenwart des eigenen Kindes auf einen Stuhl, zogen einen Strick durch ein Loch im Balken und hängten ihn auf. Die Mutter sei es gewesen, sagte das Kind in der Untersuchung aus, die dem Vater den Stuhl fortgestoßen habe, so daß er in der Luft schwebte. Nach kurzem Röcheln sei dann der Vater still geworden. Beide Frauen gingen dann mit dem Kinde in das Dorf. Erst fremde Leute schnitten die Leiche ab. Während die Damalski das Urtheil auf Todesstrafe und fünf Jahre Zuchthaus stumpsinnig hinnahm, brach die Wittwe Hochstein in lautes Weinen aus, welches ihr jedoch nicht ganz von Herzen zu kommen schien.
Hannover, 22. Januar. Von den landwirthschast- lichen Genossenschaften der Provinz Hannover wurde heute hier eine Landesgenossenschaftskasse gegründet. Die Genossenschaft ist mit beschränkter Haftpflicht errichtet.
Göttingen, 21. Januar. In Booenden bei Göttingen spielte sich, wie hannöversche Blätter mittheilen, vor Kurzem eine Marderjagd mit verblüffendem Ausgange ab. Der Marder, auf den schon lange gefahndet war, flüchtete sich, verfolgt von einigen Jägern, in ein Haus und klemmte sich auf dem Boden desselben zwischen einem Ziegelstein und einem Dachsparren derartig fest, daß er weder vor- «och rückwärts konnte. Die Jäger kamen, einer derselben drückte muthig entschlossen fein Gewehr los und traf — nicht den Marder, wohl aber den für das eingeklemmte Thier so fatalen Ziegelstein, welcher in viele Stücke zersplitterte. Dadurch wurde das Raubthier aus feiner drangvollen Lage befreit und benutzte eilends diesen Umstand, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.
Nsüoliltnnsn °uf die „Schluchterner Zeitung., VI lll U Uliyt ll werden noch soitwÜhrend von allen ■^"■'e"^,'■....... "g......... Postanstalien undLandbriefträgern sowie von der Expedition entaeqen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der „Köln. Ztg." wird geschrieben: „In militärischen Kreisen wird erzählt, der Kaiser wolle dem Unwesen des Duells allmählig ein Ende machen. Ossi- zicre, welche Kameraden zu einem Zweikampf mit tödlichem Ausgang herausfordern, sollen aus dem Armee- Verband ausgestoßen werden. Eine derartige Anordnung würde auch einen heilsamen Einfluß auf den studentischen Duell-Unfug üben".
— Das Befinden des würitembergischen Königs- paares läßt andauernd zu wünschen übrig.
— Der Krankheitszustand der Kronprinzessin von Schweden wird als ein sehr bedenkliches Lungenleiden geschildert, dessen Ausgang das deutsche Kaiserhaus in nicht all eiserner Zeit mit neuer Trauer erfüllen dürfte.
— Nach einem Telegramm aus Sansibar lebt Dr. Peters und befindet sich gegenwärtig in Subatu am Tanafluß, wo er auf Waaren und Proviant wartet. Die gleichzeitig eingetroffenen Meldungen zweier in Mambossa eingetroffener Missionäre bestätigen diese Nachricht.
— Die reichsten Leute in Preußen. An das Haus der Abgeordneten ist durch den Finanzminister eine Nachweisung über die Anzahl der für das Jahr vom 1. April 1889)90 zur Klassen- und klassifizirten Ein- kommenstener veranlagten Personen und über den Betrag der für dasselbe Jahr veranlagten Steuer gelangt. Die Seelenzahl nach bin KlassensteuervAlen wird auf 28 704 639 angegeben. Die Anzahl der zur Klassensteuer veranlagten Personen beträgt insgesammt 5 674 886 mit einem Steuerbetrag von 33 705 672 M., diejenige der zur klassifizierten Einkommensteuer veranlagten Personen beträgt in sämmtlichen Steuerstufen 807 770 mit einem ©teuerbetrage von 47 109366 Mk. In der höchsten, der 120. Stufe der klassifizirten Einkommensteuer (Einkommen von mehr als 5 520 000 Mk. bis einschließlich 5 580 000 Mk., Steuersatz 165600 Mk.) findet sich ein Steuerzahler im Regierungsbezirk Düsseldorf (Krupp' in Essen), ebenso in den folgenden, der 95., 67., 59. Stufe, welche ein jährliches Einkommen von bezw. 4 020 000 M., 2 340 000 M. und 1860000 M. bedingen, und zwar in den Regierungsbezirken Wiesbaden, (Rothschild in Frankfurt), Berlin (Bleichröder) und Köln (Oppenheimer in Köln). In der nächstfolgenden, der 50. Stufe (Einkommen 1 320 000 M., Steuersatz 39 600 M.) finden sich schon 2 Steuerzahler in den Regierungsbezirken Breslau und Berlin. Die Zahl der Steuerzahler wächst, je weiter wir in der Stufe hinuntersteigen, naturgemäß allmählich an, beträgt aber doch erst in der 41. Stufe, wo sich der Steuersatz noch immer auf 22400 Mk. beziffert, 3; dann in der 40. Stufe (Steuersatz 21600 Mk.) schon 4. in der 38. Stufe (Steuersatz 18 000 Mk.) 5; in der 35. Stufe finden wir schon die doppelte Zahl von Steuerzahlern, nämlich 10. Gerade 100 Steuerzahler finden sich schon in der 27. Stufe, in der noch immer ein Einkommen von 108 000 bis 120 000 Mark erforderlich ist und der Steuersatz 32 40 Mark beträgt. Ungefähr schon 1000 Personen finden sich in der 17. Stufe (Einkommen 28 800 — 32 400 Mark), ca. 2000 Personen in der 14. Stufe (19 200 — 21 600 Mark). In der niedrigsten, der 3. Stufe, werden 25815 Personen besteuert.
Hamburg, 19. Januar. Schlächter von hier und aus Alton« sind in diesem Winter mit Personal und Kapital ausgerüstet nach Rußland gegangen und kaufen und schlachten daselbst Schweine in großen Massen, und zwar sollen die Gegenden von Charkow und Moskau hierfür besonders ergiebig sein. Dos Fleisch wird an Ort und Stelle gesalzen und in Fässern verpackt, theils ab Libau mit Dampfer nach. Lübeck verladen, theils auch direkt mit. der Bahn nach Hamburg geschickt. Das russische Fleisch läßt an Qualität und Geschmack nichts zu wünschen übrig. Es kommen hier in dieser Woche wieder zehn Waggons, enthaltend 200,000 Pfund gesalzenes Schweinefleisch, an, welches bereits verlauft sein soll. Am Rödingsmarkt ist eine Verkaufsstelle für den Großhandel errichtet. Der Ein-
Oppeln, 24. Januar. Am - 27. November v. I. sind aus einem Gelobriefe während der Postbeförderung 18,000 Mark in Rcichsbanknoten entwendet worden. Da der Diebstahl bis jetzt noch nicht aufgeklärt ist, hat der Ober-PostdireUor die anfangs für die Ermittelung des Thäters und die Herbeischaffung des Geldes ausgesetzte Belohnung von 750 Mk. auf 1500 Mk. erhöht.
Aus dem Boigtlande, 22. Jan. Es bestätigt sich die kürzlich aufgetauchlc Nachricht, wonach ein Fabrikbesitzer bei Reichenbach wegen Steuerhinterziehung, die das königliche Steueramt und die königliche Staatsanwaltschaft bei Revision der Geschäftsbücher entdeckten, eine Strafe von 312,000 Mark (exel. der zu wenig bezahlten Steuerbeträge) bezahlen muß.
Im städtischen Schlachthaus in Mühlhausen sind dieser Tage 250 Hammel geschlachtet worden. Die Fleischer- und Viehhändler-Firma Weyler in Straßburg hat sich mit der Firma Frank und Wachtel in Mühlhausen in Verbindung gesetzt und alle Hammel, die in Erfurt und Umgegend aufzutreiben waren, angekauft. Es sollen nun noch im Lauf der nächsten Tage 6000 Hammel geschlachtet werden. Köpfe und Geschlinge werden an den Markttagen billig verkauft, auch die Felle bleiben in Deutschland, während das Fleisch nach Frankreich geschafft und dort durchschnittlich für einen Franken pro Pfund an den Mann gebracht wird. Die Unternehmer bezahlen in Deutschland das Pfund durchschnittlich mit 50 Pfg.
Siegen, 21. Jan. Im unweit gelegenen Waideuau sollte dieser Tage eine an Milzbrand verendete Kuh verscharrt werden. Der mit der Arbeit betraute Mann glaubte das Fell für sich retten zu können und zog selbiges vor dem Verscharren ab. Am folgenden Tage zeigten sich Bläschen auf der Hand, die immer weiter um sich griffen. Es war Blutvergiftung eingc- treten, woran der Unvorsichtige bereits gestorben ist.
Mainz, 21. Jan. In der letzten Zeit ist es vielfach vorgekvmmcn, daß falsches Geld verausgabt wurde, meist Markstücke mit der Jahreszahl 1875; die Stücke waren gegossen, aber ziemlich mangelhaft auSgcsührt, o daß sie auch gewöhnlich erst nach eingetretener Dunkelheit in den Verkehr gesetzt wurden. Vorgestern Abend kam ein Mann in Arbeiterkleidung in ein Ci- garrengeschäft und gab derselbe als Zahlung ein Mark- 'tück hin; auf die Bemerkung, daß das Geldstück falsch ei, nahm der Arbeiter das Geld wieder an sich und entfernte sich. Bald darauf kam derselbe in eine Wirthschaft auf der gioßen Bleiche und gab zur Begleichung seiner Zeche abermals ein falsches Markstück hin. Der Wirth nahm das Geld, benachrichtigte aber sofort die Polizei und diese sah sich veranlaßt, den Arbeiter, welcher das Gud von einem Unbekannten erhalten haben wollte, zu verhaften. Es wurde sofort eine Haussuchung in der Wohnung des Mannes vorgc- nommen und wurden dabei eine Anzahl falscher Markstücke und die Formen, ein Tiegel und die Masse zur Anfertigung des falschen Geldes voigcfunden. Der Falschmünzer legte daraufhin ein Geständniß ab. Er ist vor noch nicht langer Zeit von Wiesbaden hierher übergefiebelt, heißt Fischer und ist seines Zeichens ein Schuhmacher.
Obermoschel (Rheinpfalz), 23. Jan. Ein großer Münzfund ist gestern hier von einigen Bergleuten gemacht worden, welche unter Leitung eines Ingenieurs am Moschel-LandSberg zum Zwecke der Wiederaufnahme der Arbeit an dem dort gelegenen Quecksilberbergwerk Untersuchungen anstelllen. Sie stießen dabei auf eine eiserne Kiste, welche ganz mit alten Gold- und Silbermünzen angefüllt war. Diese sind sehr verschiedenen Alters; einige rühren aus dem ZerstörungS- jahre der Mosel-Landsburg (1693) her.
Straubing, 20. Januar. Die exemplarischen Strafen, die das Schwurgericht in seiner jetzigen Sitzungsperiode ausspricht, finden in weiten Kreisen Zustimmung. Es müssen in Niederbaiern endlich einmal Exempel ftatuirt werden, die jene Messerhelden von dem Gebrauch des Messers bei Raufereien abschrecken. — Der ledige Bäckergeselle und Maurer Philipp Frey von Mainburg kam im Juni vorigen Jahres in das Konsumvereius-Wirths- Haus zu Mainburg, sah dort den Taglöhner Schöners- wald, dem er feindlich gesinnt war, folgte diesem, als er das Wirthshaus verließ, und versetzte demselben ohnr