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Temperatur unter Null gehangen hat, verletzt. Das Gebiß ist eiskalt, und die Zunge friert sofort an das Eisen au, ist auch nicht so leicht wieder frei zu bekommen, wenigstens nicht, ohne daß sie erst ein Stück Haut eingebüßt hat. Um nun die Pferde im Winter vor einem wunden Maule zu schützen, brauchte man das Gebiß vor» dem Einlegen nur in einen Eimer mit Wasser zu tauchen, wodurch der in dem Gebiß befindliche Kältegrad beseitigt wird.

* — Der Betrag der für die Naturalverpflegung zu gewähren den Vergütung ist für das Jahr 1890 dahin festgestellt worden, daß an Vergütung für Mann und Tag zu gewähren ist: Mit Brot für die volle Tageskost 80 Pfg., ohne Brot 60 Pfg., für die Mittags­kost 40 bezw. 35 Pfg., für die Abendkost 25 bezw. 20 Pfennig und für die Morgenkost 15 bezw. 10 Pf.

Birstcin, 19. Dec. Heute Nachmittag ist zu längerem Besuche seiner Schwester, der Frau Fürstin, der Erzherzog Johann Salvater hier eingetroffen, welcher nach Verzicht auf alle Rechte seines Standes im November d. J. den Namen Johann Orth ange­nommen hat.

Frankfurt a. M-, 19. Dec. „Herr Doktor," sagte gestern auf dem hiesigen königlichen Amtsgericht zu dem klägerischm Anwalt,eine Frau „soein Christkindsche hätten Siemir met zu schicken brauche; wie können Sie mich denn verklage, ich hab Sie ja in meinen jungen Jahren auf dem Arme getrage; ich bin ja die Settche, kennen Sie mich denn gar net mehr?" — „Das hat doch gar nichts mit der Klage zu thun," warf der Richter ein. „Nichts für ungut, man ist eben alt geworden. Sehen Sie (zu dem Anwalt), Sie hätten mich net zu verklagen brauche, in ihrem Elternhaus habe td) Ordnung gelernt, Ihr seliger Herr Vater hat immer gesagt, man müsse auch das kleinste Zettelchen über Geld aufheben, und das habe td) gethan, was glauben Sie, was ich hier hab' ?" Dabei faltete die Frau ein Papier auseinander und übergab es dem Richter, es war eine alte Quittung über die irrthümlich eingeklagten 16 Mark. Die Klage wurde hierauf kostenfällig abgewiesen. „Ja, was ist denn kostenfällig, Herr Doktor? — „Ei, der Kläger hat die Kosten zu bezahlen," belehrte der Richter die Be­klagte. „Und meine Kosten?" ich bin doch eine arme Wittfrau, welche von ihrer Handarbeit leben muß und ihre Zeit nicht unnöthig verlaufen kann." Da zog der klägerische Anwalt sein Portemonnaie und schenkte der Frau 10 Mark.

Fraukenberg, 18. Dec. Um für den Unfug des Neujahrsschießens sein Schießzeug in Ordnung zu bringen, versuchte heute ein junger Bursch in Röddenau einen alten Schuß aus einer allen Flinte ältesten Systems herauszubringen. Als dies durchaus nicht gelingen wollte, machte er in seiner Schlauheit einen eisernen Ladestock glühend, stieß mit demselben in das Rohr und erreichte auf diese Weise seinen Zweck. Daß durch den Erfolg seiner Bemühung auch seine rechte Hand zerschmettert wurde, ist wohl nicht wunderbar.

Allendorf, 18. Dec. Kürzlich wurde vor dem hiesigen Königlichen Schöffengerichte die Anklage wegen Sach­beschädigung gegen fünf junge Burschen aus hiesiger Stadt verhandelt. Die Jungen hatten an verschiedenen Tagen den unweit der Stadt belegenen Clausberg zum Ziel ihrer Excursion gewählt und hier in der rohesten Weise ihrer Zerstörungswuth freien Lauf gelassen. So haben sie in dem Restaurationshänschen Fensterläden und Scheiben eingeschlagen, die im Hause aufbewahrlen Bänke als Feuerungsmaterial benutzt, die verschiedenen Steiatische durch Abheben der Platten bemotirt, von dem allen, uus grauer Vorzeit stammenden Ansichts­thurm Steine losgebrochen und hinabgeworfen und sonstige Allotria getrieben. Für diese Rohheiten sind die Thäter vom Gericht strenge bestraft, indem einem Burschen 6 Wochen, einem andern 14 Tage, einem dritten 1 Woche und einem vierten 3 Tage Gefängniß zudictirt wurden. Ein Knabe wurde freigesprochen. Letzterer und der mit 3 Tagen Gefängniß bedachte Junge sind noch schulpflichtig. Möge dieser Strassall Andern zur Warnung dienen.

Rinteln, 16. Dec. Am letzten Sonntag starb in dem jenseits der Weser gelegenen Dorfe Asseln ein altes, 80jähriges Bruderpaar, der eine des Vormittags, der andere des Nachmittags. Beide liegen vereint auf dem Todtenlager und werden auch gemeinsam im Grabe ruhen. Ihre Bedürfnisse beschränkten diese beiden Männer, welche ihr Lebenlang zusammen ihr väterliches Gehösi verwalteten, auf das Allernothwcndigste. Ver- hePathet ist keiner von beiden je gewesen, sind also auch ohne direkte Erben gestorben. Ihre nicht unbe­deutende Hinterlassenschaft besteht aus einem schulden­freien großen Colonat nebst einer bedeutenden Summe Geldes, welch gesammtes Vermögendiese alten Brüder erst noch vor wenigen Tagen der Frau eines in Vlotho beschäftigten Zuckerfabrikarbeiters, welche auf dem Hofe als angenommenes Kind erzogen ist, testamentarisch vermacht haben.

Äusland.

St. Petersburg, 24. Dec. Im Artilleriearsenal zu Baku ist eine Granate explodier, die aus Unachtsam­keit von einem Arbeiter fallen gelassen worden war. Dadurch ist ein ganzes Granaten-, Raketen- und Pa­

tronenlager in die Luft geflogen, wobei 30 Artilleristen in Stücke gerissen und etwa 100 Arbeiter theils schwer, theils nur leicht verletzt worden sind. Der Schaden an -Material soll 2 Millionen Rubel betragen.

Zur Geschichte der Lanze.

Kürzlich wies, wie sich unsere Leser erinnern werden, der Kaiser gelegentlich seines Besuches in Hannover im Offizierskasino des dortigen Königs-Ulanen-Regiments besonders nachdrücklich auf die Bedeutung für die Kavallerie hin. Bekanntlich ist die Einführung der Lanze auch bei dem bisher damit nicht ausgerüsteten Theil der Kavallerie im preußischen Heere angeordnet worden, und so ist diese uralte Waffe wieder mehr zu Ehren gekommen. Graf Montecucculi, der vielfache Sieger über die Türken, nannte die Lanze die Königin der Waffen. Bis zur Einführung der Feuerwaffen war die Lanze die Haupt- und Lieblingswaffe der schwerbepanzerten Reiterei gewesen; an ihre Stelle traten dann die neuen Feuerwaffen, wie Faustrohre, Karabiner, Arkebusen. Die Lanze war so vollkommen aus der Reiterei ge­schwunden, daß wir im 30jährigen Kriege derselben nirgends begegnen. Aber mit leu Verlust der blanken Waffe war auch der echte Reitcrgcist aus der Truppe geschwunden. Erst nachdem einige berühmte Feldherren der damaligen Zeit, wie z. B. Pappenheim und Crom- well, eingesehen hatten, daß die Bedeutung der Kavallerie in dem Gebrauch der blauten Waffe, besonders beim Angriff, liege, trat dieselbe wieder in ihre alten Rechte. Es sollte aber trotzdem noch eine lange Zeit vergehen, ehe wirkliche Lanzenreiter in den Heeren zu finden waren. Die von Osten heranstürmcnden slavischen Reiterschaaren trugen die Lanze, und so kam dieselbe wieder zu uns, wozu die polnischen Volksstämme besonders beitrugen. Unter „Ulan" veistand man früher den Führer einer mit Lanzen bewaffneten Reiterschaar. Friedrich der Große hat zuerst während des ersten Krieges um den Besitz von Schlesien Ulanen­regimenter errichtet, die aber den gestellten Anforderungen nicht entsprachen und mit ihrer Waffe, der Lanze, nicht umzugehen verstanden; sie wurden deshalb zu Husaren umgewandelt. Ausländische Lanzenreiter wurden hier­auf in das preußische Heer ausgenommen, wozu nach der dritten Theilung Polens eine große Anzahl bäuer­licher Edelleute trat, eine Truppe, von welcher die heutigen Ulanen - Regimenter ausgingen, deren Name nach der Heeresorganisation infolge des Tilsiter Friedens endgiltig beibehalten wurde. Im Jahre 1813 erhielt die Lanze noch eine allgemeinere Verbreitung durch die Ausrüstung der Landwehrkavallerie. Der Name „Ulan" verbreitete im Feldzug 1870/71 in Frankreich allgemeinen Schrecken, und in der französischen, Presse wurden über diese Waffe die falschesten Gerüchte verbreitet. In der Hand eines gewandten Mannes ist die Lanze eine furchtbare Waffe, besonders der Kavallerie des Feindes wird sie verderblich werden; beim Angriff kann der Ulan den Gegner rasch erreichen, im Handgemenge ist sie vielleicht weniger überlegen, aber desto wirksamer in der Verfolgung. Die Wunden der Lanze sind viel gefährlicher als diejenigen, welche der Säbel oder der Pallasch schlägt, ein Lanzenstich setzt eher außer Gefecht, als jede andere Wunde, mit der blanken Waffe hervorgcbracht. Die Herstellung der Lanzen ist schwierig, man hat schon längst darauf verzichtet, sie aus einem Stück herzustellen, es mit verschiedenen Holzarten, ja mit Bambus, versucht. Schwierig ist auch das Anbringen der eisernen Spitze, womt die wichtige Frage des Schwerpunktes ver­bunden ist; hat die Lanze mehr Vordergewicht, so wird die Last um so wuchtiger sein, erfordert dann aber desto mehr Kraft in der Handhabung. Die preußische Lanze wiegt 2 Kilogramm und ist 3,3 Meter lang. Die Lanze hängt an einem ledernen Armriemen und steckt in einem bei dem Steigbügel angebrachten Lanzenschuhe, enthebt also die Reiter der fortwährenden Handhabe; beim Angriff wird dieselbe gefällt. Die kleine Lanzenflagge am obersten Ende des Schaftes in den Landesfarben ist noch eine mittelalterliche Tradition, damals bezeichnete sie den Rang des Ritters.

Der „Söffel."

Er saß recht trübselig auf seinem Comptoirbo^, Herr Gotthold Müller, Commis in dem Handelshause Berger und Co. in Hamburg. Vor einigen Tagen hatte er seine Kündigung zum ersten des nächsten Quartals empfangen, und die Aussichten, wo anders unterzu­kommen, waren so schlecht als möglich. Man konnte es Herrn Berger im Grunde nicht übel nehmen, daß er den jungen Mann aus seiner Stelle entließ; dieser aber zürnte keineswegs seinem Chef, denn er mußte sich selbst gestehen, daß er seinen Posten ordentlich auszufüllen nicht im Stande sei. Er war ein ehrlicher, braver, gutmüthiger und freundlicher Junge, aber mit Geistesgaben war er nicht übermäßig ausgestattet, und mit dem Satze, daß Arbeit der wahre Lebensgenuß sei, konnte er sich niemals befmtnben; hingegen war ervon einer ganz unverwüstlichen Gesundheit und Lebenskraft. Was half ihm das aber, wenn er die Zeit ganz dicht vor sich sah, wo er nichts mehr zu beißen urzd ^n/

brechen haben würde! Mit seinen sonst so freundlichen und lustigen Augen starrte er heute recht trüb vor sich hin, als er die Geschäftsbriefe zu beantworten und seine sonstigen Comptoir-Obliegenheiten zu erfüllen sich an- schickte. Wer hatte ihn auch geheißen, Kaufmann zu werden? Lieber Gott, über die allerersten Jugendjahre war er nun auch hinaus, und daß er zu einem anderen Beruf ganz besondere Fähigkeiten und Neigungen gehabt hätte, konnte er auch von sich selbst nicht behaupten, Was in aller Welt aber nun anfangen?

Mit solchen Gedanken zermarterte sich der „brave Müller seinen Kopf, aber eine rettende Idee wollte ihm nicht einfallen. Jetzt ging die Thüre auf und Herr- Müller vergrub seinen Kopf noch tiefer in seine Bücher und Briefe, denn der gestrenge Chef trat ein. Er schien heute in besonders übler Stimmung zu sein, setzte sich mürrisch an seinen Tisch und begrüßte kaum seine Eingestellten. Wenn Herr Müller noch gehofft hatte, einen erfolgreichen Angriff auf das gute Herz seines Prinzipals machen zu können, so mußte diese Hoffnung bei solcher Stimmung des strengen Brotherrn gänzlich schwinden. Eine Weile war Alles still im Comptoir; nur die Federn kratzten rastlos auf dem Papier, und ab und zu rückte einer der Anwesenden mit dem Stuhl und sah sich scheu um.

Da klopfte es und herein trat ein alter Freund des Chefs, der Kaufmann und Rheder Alois Mater.

„Guten Tag, mein Junge, hab Dich lange nicht gesehen, kam gerade vorüber, wollte rasch 'mal Nachsehen, was Du treibst," sprudelte Herr Alois Maier hervor; „aber wie siehst Du denn aus, so blaß, müde und ab­gespannt? Arbeitest wohl zu viel oder hast Du vielleicht gestern eine scharfe Sitzung gehabt? y

„Lieber Freund, es ist rein nicht mehr zum Aus­halten," entgegnete der Chef, „man wird mit der Zeit alt und sehnt sich nach der Ruhe. Aber Du weißt ja selbst, wie es geht. Da kommen die Geschäftsfreunde von außerhalb, und die schlimmsten sind die Kapitäne, die über Schiffsfrachten verhandeln wollen. Ohne Trinken und immer wieder Trinken geht es mit denen nicht ab; ein Geschäft, das nicht gehörig begossen wird, ist bei denen null und nichtig, nud man kann sich die ganze Kundschaft verderben, wenn man nicht mitmacht. Acht Tage habe ich jetzt wieder mit diesen alten See­bären zu thun gehabt, die beim sechsten Glas steifen Grogs erst anfangen, ein vernünftiges Wort zu reden, und das halte ich nicht mehr aus. Wenn das so fort- geht, bin ich bald vollständig fertig."

„Ei, so laß' doch einen Andern mit diesen ausge­pichten Leuten verkehren. Ich mache es auch so. Für das Geschäftliche gebe ich meine Anweisungen, und was den „geselligen Verkehr" betrifft, so entschuldige ich mich, und Einer meiner jungen Leute übernimmt das Weitere."

„Da hast Du recht," replicirte Herr Berger, „man muß sich für diese Art von Geschäftsfreunden einen eigenen Söffel halten."

Bei dem Wort „Söffel" ließ sich ein tiefer Seufzer vernehmen und ^>err Gotthold Müller fuhr plötzlich von seinem Stuhle auf.

„Herr Prinzipal," stotterte ter brave Commis hervor, „wenn die Stelle, deren Errichtung Sie soeben in's Auge gefaßt haben, noch nicht erledigt sein sollte, so wage ich ganz gehorsamst zu bitten, auf mich Ihr Augenmerk richten zu wollen. Ich glaube in dieser Beziehung den weitgehendsten Anforderungen entsprechen zu können. Ihr Vertrauen wird nicht getäuscht werden."

Die beiden Kaufleute lachten herzlich; Herr Berger aber, dem es ohnehin leid that, dem guten Jungen gekündigt zu haben, überlegte sich die Sache und behielt Herrn Gotthold Müller als Commis und „ Söffel" noch weiter in seinen Diensten.

Er hat sich die vollste Zufriedenheit seines Brod­herrn und die aufrichtigste Anerkennung aller See- kapitäne, mit denen er zu thun gehabt und die er alle unter den Tisch trank, erworben. Er hatte noch recht­zeitig seinen wahren Beruf entdeckt.

Vermischtes

Der Lehrer läßt in einer Klasse Beispiele zu dem Sprichwort „Borgen macht Sorgen" bilden und richtet folgende Frage an die Klasse: „Wenn ich mir beim Schneider ein Paar Hosen bestelle, und ich kann sie nachher nicht bezahlen — was habe ich dann? — Der kleine Fritz: „Pumphosen!"

Bei Erwähnung der Stelle Genes. 3, 15 (und Du wirst ihn in die Ferse stechen) wird ein Primaner ge­fragt, wie die Prophezeihung erfüllt und der Fersenstich erfolgt sei, und er antwortet frisch darauf los: „Im trojanischen Kriege."

Kirchlicher Anzeiger für Schluchten

Sonntag nach C h r i st t a g: Morgengotlesdienst:

Herr Superintendent Heck.

Nachmittagßgottesdienst:

Herr Pfarrer H a r t in a n n.

Wochendienst in der Stadt:

Herr Pfarrer Harttuann.