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SchWernerMung

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

^ 101. Samstag, den 21. Dezember 1889.

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Schlächtern, im Dezember 1889. Der Herausgeber.

Von unseren französischen Nachbarn.

Die folgenden Erlebnisse eines Deutschen in Frankreich, die von zuständiger Seite beglaubigt werden, rücken die Rechtsverhältnisse und die Behandlung, welcher Ausländer durch französische Behörden ausgesetzt sind, in ein so grelles Licht, daß die Aufmerksamkeit der Regierungen aus sie gerichtet zu werden verdient.

Paul Hammack, ein geborener Schlesier, Zahnarzt, der sich seit einiger Zeit in Paris aufhielt, wurde dort vor etwa zwei Jahren plötzlich verhaftet und nach Mazas abgeführt; seine Habseligkeiten, darunter Werth­sachen und Amtsausweise über seine Berechtigung, die Praxis als Zahnarzt zu üben, wurden mit Beschlag belegt. Nachdem seine Unschuld festgestellt und eine ordonnance de non-Keu" erlassen war, wurde er, mit einer anderen Person angekettet, an die deutsche Grenze geführt, ohne daß es ihm trotz zahlloser Rekla­mationen gelungen wäre, sich wieder in Besitz der ihm genommenen Sachen zu setzen. Hammack giva dann nach Sevilla und begegnete hier bei der Ausübung seiner Praxis als Zahnarzt mehrfachen Ungelegenbeiten, weil ihm das in Paris beschlagnahmte Diplom fehlte. Er wurde aus diesem Grunde zu dreihundert und vierhundert Franken Geldstrafe, vcrurtheilt.

Inzwischen wandte sich Hammack an die deutsche Botschaft und an das Auswärtige Amt und deren Be­mühungen erwirkten vor Kurzem von den französischen Behörden das Versprechen, Hammack sein Eigenthum auSznhändigen. Hammack reiste abermals nach Paris, wurde aber auf der Präfektur abgewicsen mit der Er­klärung, das man seine Sachen irrthümlich verkauft habe und nichts mehr vorhanden s i.

Bei dem Verkauf wurden 101 Frcs. erlöst, obgleich die Gegenstände 2000 Frcs. Werth waren. Auf weitere Reklamationen hin stellte sich heraus, daß die Angaben der französischen Regierung, wonach auch die Papiere Hammacks verkauft seien, auf einer höchst leid fertigen Untersuchung beruhten, denn diese Papiere wurten nach­träglich noch aufgefunden, allerdings mit Ausnahme des für Hammack besonders wichtigen zah> ärztlichen Diploms, das allem Anschein nach für 2,50 FrcS. mit einem Portefeuille verkauft worden war, in welchem es aufbewahrt wurde.

Die französische Regierung hat in dieser Angelegen­heit, die nid)t weniger als zwei Jahre dauert, das Un­glaublichste an Veischleppüng geleistet, alle Beschwerden des Hammack ohne Untersuchung zu den Akten gelegt und merkwürdigerweise gar nicht daran gedacht, daß sie dazu verpflichtet ist, dem Hammack den durch ihre alleinige Schuld entstandenen Schaden zu ersetzen.

Deutsches Reich.

München. Ueber das neue Jagdhaus j.Luitpold- höhe" bei Rohrbrunn im Spessart wird mitgetheilt: Der Bau präsentirtsichin seinem Aeußern als ein einfaches Gebäude im GebirgS - Villenstyl und hat in 3 Stock­werken 19 bewohnbare Gelasse; die in einfacher, aber angenehm wohnlicher Weise eingerichteten Räume für den hohen Jagdherrn sind im oberen Stockwerke, die übrigen Wohnräume in gleicher Weise auSgestattet. Die Wirthschaftsräume, Küche und Stuben für die wenige Dienerschaft sind im Unterbau, das Speisezimmer im Erdgeschosse. Für die Dauer der Anwesenheit Sr. kgl. Hoheit des Prinzregenten ist Post» und Telegraphen- verbindung hergestellt.

Bom Rhein Ueber eine eigenartige Wirkung der göttlichen Kunst wird derWes.-Ztg." geschrieben: In einem rheinischen Regierungsbezirk, der zum größten Theil katholisch ist, wird eine evangelische Dorfschule vom Schulinspektor besichtigt. Die Kinder erweisen sich aufmerksam und unterrichtet, ihre Haltung ist eine

lobenswerlhe, das Schulzimmer ist sauber und freundlich und ein Stahlstich, die sixtinische Madonna darstellend, schmückt die Kathederwand. Am Schluß seiner, der Anerkennung über das Gehörte und Gesehene Ausdruck gebenden Rede, fragte der Schulinspektor:Wie kommt es denn, daß Sie, lieber £...., hier die sixtinische Madonna aufgehangen haben? Ich habe das bis jetzt in evangelischen Schulzimmern, obgleich es ja ein sehr passender Schmuck ist, noch nicht gefunden."Ja, Herr Schulinspector, als ich hierher kam, fand ich, daß sie Kinder während des Unterrichts sich sehr schlecht hielten; das eine stützte einen Ellbogen auf, das andere gar beide, das dritte ließ den Kopf ganz auf den Schullisch niedersinken und stierte nach oben, da holte ich die sixtinische Madonna aus meinem Wohnzimmer und hing sie hier in die Schulstude, und wenn wieder ein Kind eine schlechte Haltung annahm der Herr Schulinspector haben ja vorhin die gute Haltung der Kinder gelobt, dann zeigte ich auf die Engel unten ii< Bilde und sagte:Da seht Ihr, Kinder, wie scheußlich da- aussieht, wenn man so dasitzt wie Ihr!" Seitdem habe ich nicht mehr viel über dir Haltung meiner Schüler zu klagen brauchen."

Koblenz. Einen ganz merkwürbigen Fund hat in Koblenz ein Schlächtermeister Lichtenberg gemacht. Derselbe fand im Magen eines Ochsen einen schweren goldenen Ring, der folgende Inschrift trug:Napoleon 111., Empereur 1862," Welche Schicksale mag jener Ring dnrchgemacht haben, bevor er in den Magen deS Ochsen gerieth?

Mainz, 12. Dec. In der Druckerei deS hier er­scheinendenMainzer Tageblatt" fand gestern Abend gegen 10 Uhr die Explosion eines mit Anthracitkohlen gefeuerten amerikanischen Ofens statt; die Gewalt der Explosion war sehr bedeutend, ca. 30 Scheiben wurden zertrümmert und Theile eines steinernen Gesimses aus der Erde gerissen. Der obere Theil des Ofens ist in tausend kleine Theilchen zertrümmert worden, sodaß, wenn der Unfall sich bei Tage ereignet hätte, ihm sicher Menschenleben zum Opfer gefallen wären. Es wird vermuthet, daß sich unter den Kohlen ein Explosions- stoff, etwa Dynamit oder Sprengpulver, welche in dem Kohlenbergwerke Verwendung finden, befunden hat.

Witte», 17. Dec. Im benachbarten Bommern fand ein Bauer einen Sarg mit einer KindeSleiche. Au der Leiche wurden mehrere Verletzungen wahrge- nommen. Der Polizei gelang es, den Thäter in der Person des Bergmanns Sander, der schon wegen ähnlicher Fälle 10 Jahre Zuchthaus verbüßt hatte, festzunehmen. S. gab im Verhöre an, daß er, um sein Bruchleiden zu heilen, sich auf Anrathen eines Arztes (!) Fleisch von einer KindeSleiche habe ver­schaffen wollen. Man sollte kaum glauben, daß im 19. Jahrhundert noch solch krasser Aberglaube vorkäme.

Münster, 15. Dec. Eine verwittwete 70jährige Bauernfrau, welche allein einen großen Hof bei EmS- detten verwaltet, bemerkte Nachts, wie zwei Kerle von draußen das durch Drahtgitter geschützte KeUerfenster auszuheben versuchten. Außer der alten Frau war nur noch ein tOjähriger Knabe im Hause. Sie schickte diesen durch eine Hinterthür zu den Nachbarn und holte dann von der Tenne eine Holzaxt. Eden wollte einer der Männer einsteigen, als die Frau mit wuchtig geschwungener Axt ihm entgegensprang. Die Strolch: gingen zurück, um an einem anderen Fenster einzu- dringen. Aber "bie blaute Axt der erbitterten Bäuerin vertrieb sie auch dort. Den inzwischen herbeigeeilten Nachbarn gelang eS, die Spitzbuben, zwei übelberüchtigte Landstreicher, zu fassen.

Großes Aufsehen, so wird ausHameln geschrieben, erregt die vor einigen Tagen erfolgte Verhaftung deS Gutsbesitzers Heinrich Scherer aus Reine bei Aerzen.

Ueber die Gründe hierzu verlautet Folgendes: In Kreuzlingen bei Konstanz lebte als Versicherungsagent in anscheinend guten Verhältnissen ein Kaufmann Treichler aus Richtersweil im Kanton Zürich. 1885 verichwand T. plötzlich unter Mitnahme von 35,000 Fr., die er der von ihm vertretenen Gesellschaft unter- schlagen hatte. Bei der damals angestellten Unter­suchung stellte es sich heraus, daß dem T. schon ein großes Sündenregister zur Last fiel. Früher war er Kellner gewesen und hatte in den 50er Jahren einmal auffallender Weise 2000 fl. aus Rom nach Hause ge­schickt. Zu derselben Zeit war in einem Hotel in Rom ein Gast ermordet worden, ohne daß man eine Spur des Thäters entdecken konnte. Es taucht nun, nach 30 Jahren, der Verdacht auf, daß Treichler mit diesem Morde in Verbindung stehen könnte. Man konnte in­deß seiner nicht habhaft werden, man entdeckte zwar Spuren seines Aufenthaltes in England und Frankreich, aber die Nachforschungen blieben vergeblich. Endlich führte seine Spur nach Deutschland, und eS gelang, festzusteller^ daß er unter dem falschen Namen Heinrich Scherer als Landwirth in Reine lebte. Er ist zum zweiten Male oerheirathet und Vater von 2 Kindern. Jetzt steter, wie verlautet, der Auslieferung an dje Schweiz entgegen.

Bückeburg, 15. Dez. Als im vorigen Winter unser Kaiser am hiesigen Hofe geweilt und auf der Jagd bei Baum den mächtigen, aus Ungarn stammenden AchtzehnenderPeter" erlegt hatte, äußerte er den Wunsch, solch' Capitales Wild auch in den königlichen Jagd­gründen zu haben. Unser Fürst hat nun auS seinen ungarischen Besitzungen 21 vorzüglich zur Zucht ge­eignete Stück Hirschwild einhegen und hierher bringen lassen, von wo sie morgen nach der Königlichen Ober- försterei Zehdenick abgehen.

WiSmar. Wie sehr der Aberglauben noch in einem Theile unseres Volkes herrscht, sieht man auS folgendem Vorfall, der sich vor einigen Tagen auf der Insel Wismar zugetragen hat. Am Nachmittage gegen 5 Uhr begab sich die 14jährige Tochter eines Arbeiters in die Schule, welche etwas entfernt vom Dorfe liegt, um die jüngere Schwester nach Hause zu holen. Wie die letztere nun erzählt, ist den Beiden auf dem Heim­wege,bat Füer", worunter hier zu Lande allgemein ein Gespenst mit feurigen Augen gemeint ist, begegnet. Von diesem Augenblicke an hat die ältere Schwester, die bis dahin mit der Gefährtin munter geplaudert hat, plötzlich die Sprache verloren und ist auch bis heute noch nicht im Stande gewesen, ein Wort heraus- zubringen. Wahrscheinlich sind Leute mit einer Laterne über das Feld gegangen, und die lebhafte Phantasie bei Mädchens hat den Schein der Kerze für feurige Augen eines SpuckeS gehalten. Die Aerzte hoffen jedoch, daß die Sprache des Kindes, welches Ostern eingesegnet werden sollte, im Laufe der Zeit wieder zurückkehrt.

Aus Schlesien, 12. Dezbr. Mit Rücksicht auf die in neuester Zeit festgestellte Einschleppung der Geflügel- Cholera durch Gänse ausGalizien hat der Regierungs­präsident Dr. von Bitter die Einfuhr von Gänsen aus Galizien in den Regierungsbezirk Oppeln nur auf der Eisenbahn gestattet.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 20. Dec. Die Einhundertmarknoten der Hannover'schen Bank hören mit dem 31. December 1889 auf, Zahlungsmittel zu sein; dieselben behalten jedoch die Kraft einfacher Schuldscheine und werden als solche bei der Kasse der Hannover'schen Bank in Hannover bis zum Ablauf des Jahres 1891 eingelöst werden.

* Die Feuerspritzen Nachsehen! Bei Frostwetter empfiehlt es sich, in jeder Gemeinde sich zu versichern,