Aus Knrh essen, 14. Dec. Die leichtsinnige Handhabung und Spielerei mit geladenen Schußwaffen hat wiederum ein recht beklagenswerthes Opfer gefordert. Der Fall hat sich vorgestern Abend in dem Dorfe Mosheim (Kreis Homburg) zngetragen und eine geachtete Familie in Trauer gesetzt. Ein junger Bauernbursche Namens Adam Umbach, besaß einen neuen Revolver, wahrscheinlich, um damit nächstens das neue Jahr an» zuschießen, denn die moderne Krankheit, im Besitz von Schußwaffen zu sein, hat sich ja leider bereits bis auf das Land erstreckt. Umbach ging nun zu der ihm be- freundeteu Familie des Leinewebers Jakob Hein und zeigte dort seinen Revolver. Die ganze Familie stand dann um den Tisch herum, als der Bursche die Konstruktion des Revolvers, die er selbst nicht verstand, zu erklären versuchte. Gott weiß, wie es kam, genug, die Waffe entlud sich bei dieser Manipulation und die Kugel durchbohrte den gegenübersitzenden Jakob Hein, sodaß derselbe sofort todt zu Boden stürzte, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben.
Ausland.
Pest. Aufsehen erregt hier, daß der Fürstprimas Kardinal Simon einen sogenannten „Wundcrbrunncn" im Preßburger Komitat verstopfen und eine dort errichtete Kapelle zerstören ließ, nachdem die Bevölkerung, auch aus Mähren, dahin wallfahrtete und dem Wunderglauben mit anderen Mitteln nicht beizukommen war.
— Nette Ortsvorstände scheint es in Ungarn zu geben. In der Gemeinde Dacse bei Karanscbes starb vor Kurzem der Lehrer Dimitri Soma, der bei einer Budapester Gesellschaft sein Leben mit 2000 fl. versichert hatte. Auf Ansuchen der Wittwe wendeten sich der Pope, der Richter und der Notar an die Gesellschaft und das Geld wurde bald ausgezahlt. In der ersten Nacht, nachdem die Frau den Betrag erhalten hatte, erbaten sich zufällig zwei auf Patrouille befindliche Gensdarmen bei der Wittwe Unterkunft. Gegen Mitternacht klopfte man an die Thür: als die Frau öffnete, stürzten vier Männer, deren Gesichter geschwärzt waren, ins Zimmer nnd verlangten Geld. Als sie 12 fl. erhielten, forderten sie von der Wittwe 2000 fl. Diese erwiderte, sie habe das Geld im Gastzimmer. Die Räuber drangen dort ein und wurden nun von den Gendarmen gefesselt,, die Räuber waren der Pope, der Richter, der Notar und der Cassirer der Gemeinde. Die wackeren Leute wurden dem Gerichte. übergeben.
New-Aork, 12. Dezember. Die Bürger von Bigham- Basin, Wijonsing, überfielen ein Lager von Strolchen, hängten 11 de rfelben auf und vertrieben den Rest aus der Gegend.
— Der „Newyorker Handelszeitung" zufolge benutzen die Farmer in der Umgegend von Hiawatha, Kans., Mais als Heizungsmaterial, da derselbe billiger als Holz und Kohlen ist. Die Farmer erhalten 20 Cents (80 Pfg.) für den Bushel (35 Liter) Mais, während sie für den Bushel Kohlen durchschnittlich 21 bis 23 Cents zahlen müssen. — Nette Aussichteu für die europäische Landwirthschaft.
Brasilien. Die Revolution hat sich nicht so ruhig vollzogen, wie die republikanische Regierung behauptete. So wird jetzt bekannt, daß die Bürger von Marucham für den Kaiser zu den Waffen griffen und den Soldaten einen blutigen Kampf lieferten, in dem sie nnterlagen. Erst nachdem die Bürger 90 Tob(e und zahlreiche Verwundete verloren hatten, ließen sie es sich gefallen, daß die Republik in ihrer Stadt verkündigt wurde. In anderen Städten mag es ähnlich zugegangen sein. Die Republik ist mithin nicht der Wille der Bürger, sondern eine blutige und gewaltsame That der Soldateska. Die Bürger dürften der Herrschaft derselben indessen leicht überdrüssig werden.
3 m ücrbddjtr.
Erzählung von Karl Schwelling.
Der Kommissionsrath hatte auch genug zu thun, sich seiner dreifachen Großvaterschaft zu erfreuen. Die drei Enkel wurden von ihm gehütet wie die eigenen Augäpfel.
Nach Ablauf von acht Jahren also erschien es angemessen, für, das jetzige Geschäft Reuser L Comp. eine Vertrauensperson nach New Aork zu senden, um drohende Verluste abzuwenden. Eine Berathung deswegen ergab die Nothwendigkeit, daß einer der Geschäftsinhaber selbst die Reise mache.
Reuser's Alter ließ eine solche Unternehmung für seine Gesundheit bedrohlich erscheinen. Es war also beschlossen, daß Weilmann reifen solle, und dieser Beschluß wurde auch demnächst zur Ausführung gebracht.
Weilmann hatte Glück; es gelang, ihm, die Geschäfte drüben ohne Verlust zu ordnen. Schon wieder mit den Vorbereitungen zur Rückreise beschäftigt, wurde er von dem Leiter eines städtischen Hospitals aufge- fordcrt, einen seiner Kranken zu besuchen, der dem Tode nahe sei und ihn zu sprechen wünsche.
Weilmann ahnte bereits, wer jener sein könne. Er kam der Einladung nach und fand Arthur von Huld
ringen, welcher im letzten Stadium der Schwindsucht war und seiner Auflösung entgegenging.
Arthur hatte durch einen Zufall von der Anwesenheit Weitmann's gehört und wünschte Nachrichten von seiner Familie zu vernehmen, sowie den Angehörigen seine letzten Grüße zu senden.
Arthur's Schicksal jenseits des Oecans ist schnell erzählt.
Er hatte die ihm durch Reuser vermittelte Stellung gar nicht angetreten; er war ja im Besitze hinlängst- licher Mittel, um den Herrn spielen zu können. Sein Besitz schwand indessen wie Schnee an der Frühlings- sonnc dahin. Besitzlos sank er von Stufe zu Stufe und verfiel schließlich dem Bettlerclende, bis er als unheilbarer Kranker im städtischen Hospitale dauernde Aufnahme fand. Kraftlos hatte er sich zu Ende gehungert und gedarbt. Eines Verbrechens hatte er sich nicht wieder schuldig gemacht.
Weilmann gab dem Kranken nur schonende Aufschlüsse über die gegenwärtigen Verhältnisse seiner Familie. Dann that er das Nöthige, um die letzten bitteren Tage des Unglücklichen nach Möglichkeit zu erleichtern. Daß er ihm versprach seine Grüße den Angehörigen zu überbringen, ist selbst verständlich.
Wieder in der Heimath angelangt, suchte Weilmann den General von Huldringeu auf.
Nur dieser und einer seiner Söhne befanden sich noch am Leben. Der alte Herr war bereits an allen Gliedern gelähmt, und auch seine Tage dursten für gezählt gelten. Denselben Eindruck machte der in fremden Diensten zum Krüppel geschossene Sohn. Man konnte wohl sagen, daß die Streiche des verlorenen Sohnes die ganze blühende Familie zum Aussterben gebracht hatten.
Weilmann entledigte sich seiner traurigen Aufgabe, so schnell es sich eben thun ließ, und eilte wieder davon. Seine Mittheilungen waren von den beiden Herren mit großer Gleichgiltigkeit ausgenommen worden.
Ein dauernd ungetrübtes Glück vergalt Weilmann und seiner Gemahlin auch ferner die ihnen vor Zeiten auferlegten schweren Prüfungen.
Am glücklichsten von allm ist jedoch der hochbetagte Commissionsrath Reuser im Kreise seiner bis zu einem halben Dutzend von Köpfen angewachsenep Enkelschaar, welcher er jeden möglichen Willen läßt; deswegen verstößt er nicht selten gegen die Erziehungsgrundsätze der Frau von Weilmann.
Weilmann selbst bleibt den daraus entstehenden Zwistigkeiten stets lächelnd ferne. Er weiß aus Erfahrung, was es mit einer Kinderschaar von sechs Köpfen auf sich hat.
Der alte Marschall Kanonendonner ist seit seiner im Jahre 1866 erfolgten Außerdienst - Stellung ein häufiger Gast in dem Hause des Kommerzienrath und erfreut sich der besonderen Gunst der Frau von Weilmann.
Die Luft als Triebkraft. (Patent Popp.)
Von der Berliner Discont-Gesellschaft ist das Patent Popp für die Anwendung comprimirter Luft, auf Grund welchen Erwerbs demnächst eine Actiengesellschaft mit ausreichendem Capital zur Exploitirung gegründet werden soll, erworben worden. Bei der Exploitirung des Patents sollen die mittleren deutschen Städte für die Einrichtung der electrischen Beleuchtung namentlich in Aussicht genommen werden. Das betreffende Patent soll vollkommen kostenlos von dem Erfinder und Patentinhaber der neuen Gesellschaft überlassen worden sein, derselbe ist dagegen bei den künftig zu erzielenden Gewinnen dieser Gesellschaft betheiligt. Ueber das Patent Popp für die Anwendung comprimirter Luft entnehmen wir einer älteren Nummer des in Frankfurt a. M. erscheinenden „Finanzherold" folgende interessante Mittheilungen: „Die Frage der electrischen Beleuchtung größerer Städte hat durch den über Erwartungen großartigen Erfolg der Popp'schen Druckiuftanlage in Paris eine vollständige Umwälzung erfahren. Diese Anlage besteht darin, von einer Centralstelle aus Luft, welche auf 8 bis 10 Atmosphären comprimirt ist, in gewöhnlichen Rohrleitungen durch die Stadt zu vertheilen und dieselbe dann als Triebkraft zu benutzen. Die Pariser Anlage, welche ursprünglich auf 2000 Pferdekräfte berechnet war, hat nach kaum vierteljährlichen Betriebe ihre gesammte Kraft vermiethet gehabt und die Anmeldungen sind derart zahlreich eingelaufen, daß jetzt bereits eine weitere Anlage von 5000 Pferdeki ästen im Bau ist und noch im Laufe dieses Jahres eröffnet werden soll. Die billige Lustdruckleitung hat die Dampfkesselanlagen aus den in der Stadt gelegenen gewerblichen Anlagen vertrieben, indem die Maschinen weit zweckmäßiger direct durch die comprimirtc Luft getrieben werden; es werden dabei die Heizer erspart, die Ranch- und Rußbelästigung entfällt nicht allein, sondern die austretende verbrauchte Luft dient gleichzeitig zur Ventilation der Fabrikräume. Die Besitzer von Dynamomaschinen benutzen die Druckluft zum Betriebe ihrer electrischen Beleuchtungsanlagen, außerdem hat aber die Popp'sche Gesellschaft die Stadt und zwar zunächst das Centrum in einzelne sogenannte Jlots (Inseln) eingetheilt, welche je ein oder mehrere Straßen- Carrss umfassen, und hat in irgend einem unter- geordneten Raum, Hof oder Keller, eine dem totale»
Bedürfniß entsprechende Dynamomaschine aufgestellt, von welcher aus durch Drähte. bie Bogen- oder Glüh- licht-Beleuchtung ertheilt wird. Die Vortheile der Druckluftanlage sind so groß und in die Augen springend, daß sie kaum einer weiteren Erörterung bedürfen. Die Anlage ist an sich eine weit billigere und die Verluste betragen selbst bei der ersten noch verbcsserungsfühigen Anlage nicht volle lO°/o, während bei den electrischen Anlagen 40—5O°/o verloren gehen. Die große Gefahr der hochgespannten Kupferdrähre, welche jährlich in New-Aork und den anderen Städten mit langen electrischen Leitungen so viele Menschenleben kosten, fällt vollständig weg, da immer nur einzelne Häuserviertel von einer Dynamomaschine aus versorgt werden. Die Frage der Umwandlung des electrischen Stromes in Arbeitskraft, die nie rationell gelöst werden wird, entfällt gleichfalls, da ja die Mückluft direct in die höchsten Stockwerke geführt wird. Dabei ist die Messung der abgegebenen Kraft eine überaus einfache und ebenso zuverlässig bei dem „Petit Journal," das für seine Auflage von 700,000 Exemplaren 50 Pferdekraft Druckluft benutzt, als für jede Näherin, welche zum Betriebe ihrer Nähmaschine nur auf ‘/i 2 Pferdekraft abonnirt ist. Die Rohrleitungen können sowohl in die Straßenkanäle, soweit dieselben genügende Größe haben, gelegt, oder wie die anderen Leitungen in geringer Tiefe unter den Trottoirs uutergcbracht werden. Die Druckluft wird außer zu den vor bezeichneten Zwecken auch noch zur Kühlung von Kellern seitens der Metzger, Fischhändler rc. benutzt.
Vermischtes
— Schottische Jagden. Der Herzog von Hamilton hat seinen Jagdgrund auf der Insel Arrau von ungefähr 20000 Joch Umfang an zwei englische Sportsmen auf ein Jahr für 7000 P,und Sterling verpachtet. Man schätzt die Jagdbeute in dieser Hinsicht auf 50 Hirsche und 15 000 Stück Auerwild. Ein kastsp eliches V.rg lügen! Mit hört übrigens, daß ein amerikanischer Nabob, der schon in Schotlland eine Strecke Äcker- und Weidelandes von einem Meer zum anderes unter Niederrcißung aller Wohnlichleiten in wilden Jagdgrund verwandelt hat, jenen Sportsmett ihre Jagd um das Doppelte abhandeln will.
„Hie Sonne wird kalt." Aus London schreibt man der „Frkf. Ztg.": „Das Komitee zur Erforschung des Mmnensystnns hat einen/ Bericht veröffentlicht, worin über die neuesten Resultate, welche mit dem Spektroskop durch den Astronomen Lockyer erzielt worden, Aufschluß gegeben wird. Es heißt darin; „Die Himmelskörper theilen sich in sieben Gruppen. Die erste umfaßt Nebel, in welchen die Temperatur nur erst so hoch gestiegen ist, um sie sichtbar werden zu lassen.. Die letzte Gruppe besteht aus planetarischen Globest, welche soweit abgekühlt sind, daß sie kein eigenes Licht mehr ausstrahlen. Unsere Sonne gehört zur fünften Gruppe, das soll sagen, daß sie in ihre höchste Temperatur bereits eingebüßt hat und sich jetzt in ihren sinkenden Jahren befindet. Sirius ist der Typus der glühendsten Sterne unter allen und hat den Gipfelpunkt in der Geschichte der Sonnen erreicht: Obwohl jedoch das Zentrum unseres Sonnensystems die höchste Entwickelung hinter sich hat, so giebt eS doch Gründe für die Annahme, daß die Erkaltung langsamer vor sich geht, als die ursprüngliche Erwärmung, und daß unsere schon viel kühler gewordene Sonne erst die Hälfte des Weges vom Nebelflecke zum planetarischen Stadium zurückgelegt hat."
Ein Weihnachtsgeschenk für Damen, das wohl einer Jeden willkommen sein wird, haben wir letzthin in den Buchhandlungen gesehen. Es ist ein reizendes Miniaturbüchelchen in , farbigem Umschlag, eine mikroskopische Wiedergabe der bekannten Zeitschrift „Wiener Mode". Die Bildchen sind sehr scharf repro- ducirt, der Text kann mit dem Vergrößerungsglas« gelesen werden, der winzige Schnittbogen läßt sich zur Anfertigung von Puppenkleidchen benutzen. Das Heft- chen ist ein kleines Kunststück der Typographie; doch es ist mehr als eine bloße Spielerei: Auf der ersten Seite nämlich befindet sich eine Jahresquittung auf die „Wiener Mode , welche mit dem NaMen der Dame versehen wird, der man in dieser unmuthigen Form ein Abonnement auf die bestbekannle praktische und billige Zeiffchnft „Wiener Mode" zum Geschenk machen will.
Eingesandt.
In der Stadt Steinau befinden sich ^wei große und schöne Kirchen, in denselben wird in der Regel jeden Sonntag je einmal gepredigt und' pflegen die beiden hiesigen Geistlichen mit dem Abhalten deS Gottesdienstes zu wechseln. Ich glaube, die hiesige Bürgerschaft würde sehr erfreut sein, wenn in der „Schlüchtelner Zeitung" unter den kirchlichen Anzeigen der Stadt Schlächtern die kirchlichen Anzeigen der Stadt Steinau aufgeführt würden. Und zwar in welcher Kirche der jedesmalige Gottesdienst statt« findet und welcher von den beiden Herrn Geistliche» denselben abhält.
Steinau. & St