die Dienstmagd Liaba Herbst von Morles (bei Hünfeld) unter der Anklage der Kindestödlung. Die Oeffentlichkeit war ausgeschlossen. Das Urtheil aber ergab, daß das Kind, dessen Leiche am 8. Oktober im Abort lag, unter dem Strohsack der Mutter den Erstickungstod gefunden hat. Das Urtheil lautete auf 3 Jahre Ge- fäugniß, indem die Geschworenen milderne Umstände zugestandcn. — Die zweite Sache traf eine Brandstiftung. In der Frühe des 11. Juli d. I. gewahrte ein städtischer Laternenwärter, da er die Gasflammen vor der Kinzigbrücke löschte, auf dem Feld an der Wilhelmsbader Straße einen Feuerschein. Der dortigen Ackeroerhältuisse kundig, lärmte er den nahe wohnenden Gärtner H. Seitz heraus, und beide löschten dann einen auf dessen Pachtstück brennenden Garbenhaufen. Ohne diese rechtzeitige Hülfe wäre wohl die ganze Ernte auf dem Acker im Werth von bei Mk. 500 verloren gewesen. Als Thäter meldete sich am Morgen der Schirmmacher A. Margara aus Worms im Polizei- Bureau. Als Dieb mehrfach 'mit Zuchthaus und vielfach als Bettler bestraft, war er zuletzt in Korrektion zu Dieburg und an jenem Tag hierher gekommen um in seinem Geschäft Arbeit zu suchen. Da er dieselbe nicht fand, nächtigte er in dem Kornhaufen und steckte denselben, um sich bei seiner Noth in einer Strafanstalt Unterkunft zu verschaffen, in Brand. Auf dieses Zugeständniß erfolgte Berurtheilung zu zwei Jahren Zuchthaus.
Frankfurt a. M., 10. Dec. Oberbürgermeister Dr. Miquel veröffentlicht folgende Bekanntmachung: „An meine Mitbürger! Se. Majestät der Kaiser und König haben mir auszusprechen geruht, daß der schöne festliche Empfang in unserer Stadt, die trefflichen Ver- anstallungen aller Art zur Ausschmückung der Stadt und die freudige Begrüßung durch die gesammte Bevölkerung Ihm zur großen Befriedigung gereicht haben. Noch bei der Abfahit haben Se. Majestät mir den Auftrag zu ertheilen die Gnade gehabt, dies meinen Mitbürger bekannt zu geben und den Dank Sr. Majestät auszudrücken. So dürfen wir Frankfurter mit doppelter Freude und Genugthuung auf den für unsere Stadt so ehrenvollen Tag des 9. Dezember zurückblicken."
Bockenheim, 10. Dec. Das Bockenheimer Husaren- Regiment soll nicht nach Saarburg verlegt werden, sondern in seiner bisherigen Garnison verbleiben. Der Kaiser soll nämlich während des Festmahls im Palmen- garten dem Commandeur des genannten Regiments, Oberstlieutenant v. Bissing, den der Monarch durch einen Adjutanten zu sich befehlen ließ, eröffnet haben, daß das Regiment in Bockenheim verbleibt.
In Hettenhausen spielten, wie der „Röhn- und Saalpost" geschrieben wird, drei junge Leute Bier aus. Am Schlüsse gab einer derselben seinen Mitspielenden 2 Flaschen Schnaps unter der Bedingung, daß er sie bezahle, wenn sie dieselben in 20 Minuten trinken würden. Einer der Mittrinkeuden liegt nun an Blutvergiftung hoffnungslos darnieder.
Ausland.
Die Influenza-Epidemie tritt nicht nur in Petersburg, sondern auch in Moskau, Kursk, Twer, Kasan, Jekatcrinoslaw, Nowgorod und in vier anderen Städten Rußlands auf. In Moskau sind nahezu 20000 Personen erkrankt;^ die Apotheken sind Tag und Nacht in Anspruch genommen und die Aerzte theils selbst von der Epidemie ergriffen, theils von der mühevollen Praxis ganz erschöpft. Der Mangel an Aerzten macht sich dort sehr fühlbar, und man befürchtet, die Epidemie werde auch in dem übrigen Rußland überhandnehmen.
— Die Influenza tritt jetzt auch in Galizien auf. In Krakau sind unter Soldaten, welche in der Kaserne am Wawel untergebracht sind, sowie auch in der Jnfanterie- Cadettenschule zu Lobzow bei Krakau einige Fälle der Influenza constatirt worden. Biele Fälle eines in Lemberg grafsirenden sieberartigen Unwohlseins haben die Aerzte als Influenza anerkannt, Nameulllch ein Stadttheil, genannt Chorazcyzna, sehr niedrig und feucht gelegen, ist stark heimgesucht worden. — In Paris ist im Louvre-Magazin seit einigen Tagen eine Epidemie ausgebrochen. Wie das „Mot d'Ordre" mitthellt, besteht dieselbe in einem typhösen Fieber. Am Montag waren bereits 435 männliche und weibliche Angestellte des Geschäfts erkrankt. — Aus Wien, 9. December, wird gemeldet: Die russische Influenza trat bereits in Brünn auf, einzelne Fälle sind auch im Wiener Krankenhause festgesteUt. — Ferner ist unter dem Personal des Feuerwerkslaboratoriums in Spandau die Grippe in großem Unsang ausgebrochen. Ueber 100 Arbeiter sind erkrankt.
Om verflachte. Erzählung von Karl Schwelling.
(Fortsetzung.)
Durch die Krankheit ward Frau von Huldringen verhindert, ihre vielseitigen Verbindungen auch noch ferner aufrecht zu erhalten. Dieser Umstand schien dem General den Boden unter den Füßen sortzu- ziehen, und gefährdete sehr bald seine Stelle. Nach
; wiederholten Zurücksetzungen ward er verständigt, seine : Entlassung zu nehmen, wozu er sich denn auch bequemte.
Auch die beiden jüngeren in der Arinee dienenden Söhne des Generals erhielten ihren Abschied und waren genöthigt, in fremdländischen Diensten ein Unterkommen zu suchen. Der General verließ die Residenz, in welcher er längere Zeit eine bedeutende Rolle gespielt hatte, und zog sich mit seiner Pension nach einer kleinen Stadt zurück, um dort einvereinsamtes, trauriges Dasein zu führen.
Schwer trafen immerhin auch die geführten Schläge Diejenigen, für welche sie eigentlich bestimmt waren, den Kommissionsrath Reuser und Weilmann, Luise schwebte lange Zeit in großer Gefahr, und als sie enolich genesen war, erholte sie sich nur sehr langsam von dem Schwächezustande, welchen die Krankheit hinterlassen hatte.
Weilmanns Vater erlitt einen Schlaganfall, als er von den Anschuldigungen hörte, welche gegen einen seiner Söhne erhoben worden waren. Jedenfalls ward dadurch das bald eingetretene Ableben des alten Herrn herbeigeführt. Weilmanns Brüder schwebten längere Zeit in Gefahr, ebenfalls der Dienst verlassen zu müssen. Doch seit Excellenz von Huldringen ins Sinken gerieth, sprach sich die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten aus und die ihre Existenz bedrohende Wolke zog wirkungslos vorüber.
Mit Rücksicht auf den Schwächezustand Luisens konnte die Vermählung des jungen Paares erst im nächsten Frühling stattfinden. Nach derselben machten die jungen Eheleute sofort eine Reise nach dem Süden, welche bis zum Herbste ausgedehnt wurde. Von dieser Reise kehrte dte junge Frau gestärkt, frisch uud munter zurück. Die von der Krankheit nachgebliebene Schwäche war endlich überwunden.
12.
Acht Jahre waren seit dcrZ.it, in der die erzählten Ereignisse stattfanden, vergangen.
Große Ereignisse hatten sich inzwischen auf dem Welttheater zugetragen. Ohne daß Reuser und Weilmann sich an politischen Umtrieben zu betheiligen nöthig gehabt hätten, war der Thron ihres Heimathlandes zusammengebrochen, und dieses selbst dem norddeutschen Staateudunde einverleibt worden.
Weujer halte seinen Plan, aus Weilmann einen Landwirth zu machen, aufgegeben. Weilmanns Versuch, sich während der Krankheit Luisens in Rcujers Geschäft thätig zu zeigen, war nämlich nicht allein von dem Kommissionsrache gut ausgenommen worden, sondern auch wirklich günstig ausgefallen. Er machte deshalb einen förmlichen Lehrkursus im Kontor durch. Diesem folgte uad) seiner Rückkehr von der Reise eine weitere Bethätigung im Geschäfte.
Nach einigen Jahren war Weilmann im Stande, die Leitung desselben zn übernehmen. Wenn sich Reuser auch noch immer die Oberleitung vorbehielt, so war es doch eigentlich sein Schwiegersohn, der die Anordnungen für das Geschäft traf. (Schluß folgt.)
Der Herr Jagd-Rentier.
Welch' glückliche Zeit für den wohlkonservierten Rentier ist mit Beginn der Jagdsaison gekommen! Alle Tage Treibjagd, alle Tage Beschäftigung und Zerstreuung ! Wenn es morgens klingelt, steht ein Bote vor der Thür: Eine schöne Empfehlung von Herr X. und er läßt für morgen zur Treibjagd einlaben. Mit wohlgespickter Jagdtasche rückt Herr Rentier am sonnigen, wenn auch etwas kühlen Herbstmorgen aus. Ein keckes Hütchen mit Fasanen-, Rebhuhn-, Birkhahn- oder anderen fremden Federn, mit denen er sich schmückt, ziert und verdeckt sorglich den kahlen Scheitel; eine mit unendlich vielen Taschen und Täschchen versehene Jagdjoppe umschließt liebevoll den sorgsam gepflegten Bauch, ächte Tiroler Schumschuhe mit riesigen Nägeln schützen die Füße, knallrothe Gamaschen umhüllen die Waden, die Knie werden von einem Paar wollener Kniewärmer noch besonders geschützt, ein eleganter Jagdstuhl aus feinem Rohr mit Silber beschlagen blitzt schon weithin im Sonnenschein und ein ungestümes Vieh von einem schlecht breffirten Hühnerhund, der den Hauptzweck hat, bergauf als Zugthrer zu dienen und beim Auszug zur Jagd die Bedeutung des Herrn Jagd - Rentiers durch sein Gebell zu heben, reißt seinen Herrn an der Leine zum Rendezvous. Unterwegs hat ein zur Arbeit gehender Handwerker unserem Dicken etwas unverblümt ins Gesicht gelacht, wofür er einen vernichtenden Blick als Quittung erhalten hat. Bourgeois und Sozial- demokrat! Auf dem Rendezvous-Platz ist schon viel Leben, elegante und ruppige Jäger stehen in buntem Gemisch und fröhlicher Unterhaltung beisammen. Vornehm und nachlässig grüßend tritt unser Herr Rentier in den Kreis; jeder mustert den anderen mit kritischem Blick. Der nachlässige Gruß des Dicken wird ebenso erwidert, der alte welterharte Jäger in seiner Lodenjoppe und hohen Stiefeln höhnt im Stillen über den Salontiroler, letzterer aler rümpft die Nase über das ruppige Aussehen des Ersteren. Nach dieser wortlosen und doch so vielsagenden allgemeinen Beschnüffelung, an der auch
die Hunde knurrend und brummend theilnehmen, hat unser Dicker seinen Jagdstuhl auseinandergeklappt und sich breitspurig zum ersten Frühstück niedergesetzt. Ein goldbrauner Gänseschenkel mit dicken Fetträndern entwindet sich nebst einem Butterbrot der noch eine ganze Anzahl von Packetchen enthaltenden Jagdtasche. Ein wundervoll konstruirter Genickfang kommt den schimmernden, dabei aber doch etwas zweifelhaften Zähnen des Dicken zu Hülfe; das Einhauen beginnt. Während der Rentier bei seiner anstrengenden Arbeit schnauft wie eine Lokomotive, schimpfen seitwärts einige nur mit Wurst verproviantirte Jäger, denen bei Anblick deS Gänseschenkels das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, weidlich auf die Ungenügsamkeit gewisser Leute, bis ein Schluck aus dessen mit Portwein gefüllter Jagdbulle den sozialen Frieden der Gemüther wieder herstellt. Nach einem kurzen Marsch beginnt das erste Treiben. Der Jagdinhaber, der beim Dicken schon manches gute Frühstück mitgemacht hat, hat denselben zur Belohnung auf einen Fuchsstand gestellt. Er flüstert beim Anstellen zwar jedem Schützen mit einem vielsagenden Blick dieselbe Eröffnung ins Ohr, doch nur der Dicke hat den Fuchsstand wirklich inne. Behaglich läßt er sich auf seinen Jagdstuhl nieder, lehnt sich dabei noch mit dem Rücken an eine Fichte, blinzelt die Sonne an und wartet auf den Fuchs. Es dauert auch nicht lang, da kommt Freund Neinecke richtig ruhig, aber vorsichtig angeschnürt; leise hebt der Dicke die Flinte, fatal, daß er sich angelegt hat! vorsichtig richtet er sich vom Baum weg grade auf, dann krach! ratsch? und der Dicke liegt auf der Erde, zerbrochen ist der zarte Stock, fort der Fuchs, ein paar Splitter aber hat der Dicke bei sich behalten und ächzend richtet er sich auf, froh, daß sonst alles hell und in Ordnung ist. Wehmuths- oo 11 betrachtet er nun die Rudera seiner für den ganzen Tag ihm so nöthigen Ruhebank. Rechts und links findet er bei seinen Nachbarn die innigste Theilnahme; während der Nachbar links aber flucht, daß der starke Fuchs verpaßt sei, prägt sich auf dem Antlitz des rechtsstehen- beh Herrn die reinste aller Freuden, die Schadenfreude in ungeschminkter Schönheit aus. Müde und verstimmt hält unser Rentier die beiden nächsten Triebe stehend aus; rings um ihn herum knallt es tüchtig, nur zu ihm will nichts mehr kommen, denn er hat Angst, sich kalte Füße zu holen und trampelt deshalb fortwährend auf seinem Platz herum, bis ihm endlich im vierten Trieb ein junger, aber ungemein schneidiger Nimrod, der im dritten schon gerufen hatte: „wer ist denn der Zappelfritz auf der anderen Seite drüben, der so einen Höllenskandal mackst", seinen Jagdstuhl aubietet, damit er nur ruhig bleibe. Kaum hat der Dicke wieder einen Sitz, da denkt er auch wieder aus Frühstücken! Die Flinte wird quer über die Knie gelegt, ein vielver- heißendes papierumwickeltes Paket verläßt den Jagd- ranzeu. Sofort geht ein Reh, das das Rascheln des Papiers vernommen hatte, flüchtig durch die Treiber zurück, nur ein dickköpfiger Lampe läßt sich selbst durch das Glucksen der Schnapsflasche nicht irr machen und rennt geradewegs auf den Dicken zu. Der hat von alledem nichts bemerkt, verspeist seine Gänsebrust wohl- gemuth, sein Jagdhund aber, der mit vor Begehrlichkeit triefendem Maul dem Frühstück wieder einmal zu nah gekommen ist, kriegt mit der Peitsche eine über die Schnauze und quellt alsbald vor Schmerz und Enttäuschung laut auf, sodaß der inzwischen dicht heran- gekommene Lampe vor Schreck einen Satz nach der Seite macht. Jetzt ist ihn sehen, aufspringen, nach ihm schießen und fehlen für unseren Rentier das Werk eines Augenblicks. Puff, Puff, zwei Schüsse, zwei Patronen, und unversehrt empfiehlt sich der Hase, unser Dicker aber, der nun wieder zu seinem Frühstück zurück- zukehren gedenkt, sieht mit wahrem Entsetzen, daß sein ausgezeichneter Jagdhund, statt sich für den Hasen zu interessiren, eben mit einem, von sehr schlechtem Gewissen zeugenden Seitenblick auf seinen Herrn, den Rest des herabgefallenen Gänsebusens gierig hinunter- schlingt. Die Wuth! Während der Hund nun nach allen Regeln der Kunst verhauen wird und dabei natürlich den Wald weithin mit seinem Geheul erfüllt, schimpfen die Nachbar, die lang an sich gehalten haben, nun in den unzweideutigsten Ausdrücken über diesen Spektakel, sodaß der Dicke im ganzen Jahr nicht so viele Grobheiten zu hören bekommen hat, wie an diesem einen Vormittag. Ingrimmig wendet er der ungebildeten Gesellschaft den Rücken. Er hat im Wesentlichen ja auch seinen Zweck erreicht; er hat sich Bewegung gemacht, sich Appetit gelaufen, dabei gut gefrühstückt, und wenn er schließlich dedenkt, daß er, weil ihm fein Hund dazu geholfen, nur um so eher wieder von neuem Hunger bekommt, wird er auch gegen das Thier wieder milder gesinnt und gelangt auf diese Weise schließlich in ganz guter Laune wieder vor seinem Hause an.-
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchleru.
Sonntag, den 15. December 1889.
MorgengotteSdienst: Herr Superintendent Heck.
Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hart wann. Wochendicnst in der Stadt: Herr Pfarrer Ha rtma yn