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Samstag, den 16. November

1889.

Deutsches Reich.

Potsdam, 11. Nov. Das Dorf Zauchwitz bei ®eeliy wurde im Jahre 1881 durch eine Feuersbrunst zur Hälfte in Asche gelegt und zwar, wie man allgemein annahm, halten Brandstifter das Feuer, das mit rapider Geschwindigkeit um sich griff, angelegt. Es gelang in­dessen damals nicht, die Uebelthäter zu ermitteln, trotz­dem mehrere Personen in Haft genommen wurden. Jetzt endlich nach 8 Jahren scheint es der Thätigkeit des kürzlich nach Beelitz verletzten Amtsrichters Samter gelungen zu sein, die Urheber, resp. Mitwisser der Bi andstistuug zu ermitteln. Auf Betreiben der bc- theiligtcn Feuerversicherungen wurden nämlich seit Jahren unter der Hand Ermittelungen angest (lt und diese haben nun so viel Material geliefert, daß dieser Tage kein geringerer a s der Ortsvoisteher von Zauchwitz in Haft wegen Verdachts der Brandstiftung genommen wurde. Außer ihm sind auch noch der Gastwirth aus Zauchwitz und der NachtwäUner verhaftet worden, letzterer soll 200 Thaler dafür erhalten haben, daß er, als das Feuer ang 1 gt, nicht sofort Feuerlärm gemacht, sondern erst gewarnt hat, bis niehrere Gehöfte in Brand gerathen waren. Die Untersuchung nimmt schon jetzt einen großen Umfang an, es m lden sich täglich neue Zeugen. Der Ortsschulze ist ein sehr reicher Mann durch den Brand geworden, er wollte jetzt eine Kaution von 10000 Mk. stellen, wenn er aus der Haft entlassen wurde, was aber abgeirhnt wurde. An Stelle der einfachen abgebrannten Bauern Häuser sind inzwischen wah^e Prachtbauten errichtet.

Brieg, 10. November. Die Kasse des hier gar> nifomrenben Füsilier Bataillons des 4. Niederschtesischen Infanterie-Regiments Nr. 51 gestohlen und aus der­selben den Betrag von 5550 Mark enwendet zu. Haben unter dieser Anklage standen in der letzten Stiat- kammersitzung die Gebrüder AckcrpÜ hter Jakob Piechatz k aus Schwichlau und Gastwirih Paul Pi^chatz-k aus Jastrzemt. Jakob Pichatz k hatte in den Jahren 1882 bis 188d hier seiner Milliärpflicht genügt. Bei einem Offizier, als Bursche beschädigt, soll er bei Vornahme von Gartenarbeiten den Schlüssel zur Wohnung des Kommandeurs des Füsilier.Bataillons, Major Schmidt, der die Bataillonskasse in Verwahrung hatte, ausge- kundschaftct haben. Nach seiner Heimkehr hat, wie die Zeugenaussagen bewiesen, Jakob Piechatzck mehrfach geäußert, daß in Brieg viel Geld zu holen wäre, die Beschaffung des Geldes könne aber nur an einem königlichen Feiertage geschehen, denn an diesen Tagen sei das Militär betrunken. Zunächst habe der Ange­klagte seinen Vater zu bewegen gesucht, mit ihm das Geld zu hoen; später habe er seinen Bruder für die That gewonnen. Der Plan wurde auch wirk­lich von Beiden am 22. März 1886 ausgeführt, als am Abende der Major Schmidt nicht zu Hause au- wesend war. Bekleidet waren die Diebe mit Miliiär- mänteln, in deren Besitz sie sich befanden. Das Gericht nahm auf Grund der Z ugenaussagen es waren 40 Zeugen vorgenommen worden die Schuld als erwiesen an und verurtheilte Beide zu vier bezw. drei Jahren Gefängniß und fünfjährigem Ehrverlust.

Königsberg in der Neumark, 11. Nov Unsere durch ihre alten gothischen Bauwerke, die Kirche, das schöne Rathhaus und ihre alten Thore bekannte Stadt hat jetzt eine neue Sehenswürdigkeit erhalten. Auf dem Hofe des königlichen SchullehrerseminarS daselbst wird ein Brunnen gebaut. Man senkte, indem man durch Wasserstrom das Erdreich erweichte, ein weites eisernes Rohr in die Tiefe. Hierbei stieß man aur mächtige Schichten blauen Thon S, dann auf eine Bern­stein führende Kiesschicht, schließlich auf ein 3,5 Meter mächtig s Braunkohlenslötz. Bei einer Tiefe von 7 b Metern erreichte man endlich klares Wasser. Da sich indessen herausstellte,,, daß dies sehr mineralhaltig, namentlich sehr eisen- uno kalkreich war, so eignet es sich wohl frisch aus der Tiefe gefördert, zum Trinken, nicht aber zum Kochen und Waschen, da es bald einen braunen Niederschlag absetzte, der auch die Sieböffnungen des Brunnenrohres verstopfte. Deshalb ordnete Baurath v. Rulkowski eine weitere Abteufung an. Wieder kamen undurchlässige Schichten, lange mußte man arbeiten, da endlich, welch Erstaunen, bei 105 Meter Liefe, quillt mit mächtiger Ortvalt ein stark r Massel str ahl in

Mittheilung verlieren gleich Heisfeld noch 38 andere Städte durch die umfangreichen Truppenverschiebungen ihre^Garnisonen.

Kassel, 4. Nov. In der am 30. v. M. stattgehabten Sitzung des Provinzial-Ausschusses der Provinz Hessen- Nassau wurde in Angelegenheiten der Hessen - Nassau­ischen landwirthschaftlichen Berufsgenossenschaft, deren Erledigung dem Provinzialausschusse in seiner Eigen­schaft als Genossenschaftsvorstand obliegt, 'beschlossen: mit Rücksicht auf die erzielt werdende wesentliche Er- sparniß an Arbeit und Kosten eine Erhebung der von den Betriebsunternehmern zu leistenden Beiträge für die Jahre 1888 und 1889 gleichzeitig im Anfänge des kommenden Jahres vornehmen zu lassen; die bisher nur provisorisch erlassene Geschäftsanweisung für die Vertrauensmänner nunmehr definitiv zu genehmigen, da sich nach den bisherigen Erfahrungen ein Bedürfniß zu Abänderungen nicht herausgestellt hat; das geforderte Gutachten in Betreff der Einführung von Polizeivor­schriften über Schntzmaßregeln beim Betriebe der durch Göb'elwerke ober Locomovilen bewegten landwirthschaft­lichen Maschinen auf Grund der stattgefundenen ein­gehenden Berathung zu erstatten, dagegen eine Beschluß­fassung über Einführung der von einer besonderen Commission ausgearbeiteten Unfallverhütungs-Vorschriften bis zur nächsten Sitzung des Ausschusses, in welcher auch die dem nächsten Provinzial-Landtage zu erstatten» den Berichte und Vorschläge bezüglich einer definitiv einzuführenden Organisation der Provinzial-Verwaltung zur Berathung gelangen sollen, auszusetzen. Der von dem Herrn Landcs-Direktor vorgelegte Geschäftsbericht der hessen-nassauischen landwirthschaftlichen Berufsge- genossenschaft für das Jahr 1888, den Zeitraum Dom 1. April bis 31. Dezember umfassend, wurde unbean­standet genehmigt und dessen Drucklegung, sowie bem» nächtige Vertheilung beschlossen. Auszugsweise sei auS demselben mitgetheilt, daß sich in dem Bezirke der ge­nannten Genossenschaft, welche den Regierungsbezirk Kassel mit 24, den Regierungsbezirk Wiesbaden mit 18 und das Fnrstenthnm Waldeck mit 3 Sectionen umfaßt, 157,506 beitragspflichtige und 34,512 nicht beitragspflichtige land- und forstwirthschaftliche Betriebe befinden, deren Bewirthschaftung einen Aufwand von 30,328,076 Mannes- und 24,498,817 Frauen- oder bei Zurückführung der letzteren auf erstere, von 46,840,741 Mannes-Arbeitstagen beansprucht. Die auf die bei­tragspflichtigen Betriebe entfallenden abgeschätzten Mannes-Arbeitstage haben einen Lohnwerth von 50,653,163 Mk., wozu noch 1796 Betriebsbeamte mit 944,090 Mk. Gehalts- rc. Bezügen kommen. Die Ausgaben für die Genossenschaft in der Zeit vorn 1. April bis Ende 1888 betragen in Summa 28,821 Mk. 72 Pfg., wovon auf die Kosten der ersten Ein­richtung und laufenden Verwaltung a) beim Genossen- schafts-Vorstande rund 5000 Mk., b) bei den 45 Sec­tionen rund 20,000 Mk. und c) bei den Schiedsgerichten rund 200 Mk., ferner auf gezahlte Entschädigung für stattgefundene Unfälle rund 1800 Mk., sowie zur Bildung eines Reservefonds rund 1800 Mk. entfallen. Die zur Deckung dieser Ausgaben von den einzelnen Sectionen bezw. den Betriebsunternehmern derselben aufzubringenden Beträge sind, da jede Section chre eigenen Verwaltungskosten, sowie 25 pEt. der zu Ent­schädigungen für in derselben stattgehabte Unfälle und der zur' Bildung eines Reservefonds erforderlichen Summen aufzubringen hat, sehr verschieden und schwanken für je 1000 Mannesarbeitslage zwischen 2 Mk. 91 Pf. alS Maximal- und 96 Pf. als Minimalbetrag. An Unfällen bei land- und forstwirthschaftlichen Betrieben sind im Jahre 1888 nur 282 zur Anmeldung gekommen, von denen 13 den Tod und nach Ablauf der ersten 13 Wochen, wäbreud welcher die Gemeinden, bezw. Kranken­kassen, die bezüglichen Kosten zu tragen haben, 4 eine dauernde theilweise und 6 eine vorübergehende Erwerbs­unfähigkeit zur Folge gehabt haben. Die vorstehend angegebenen Zahlen können jedoch in keiner Weise als maßgebend für eine Vergleichung des Verhältnisses der VerwaltungS- rc. zu den Eutschädigungskosten rc. angesehen werden, da aus Unkenntniß rc. viele Unfälle gar nicht, oder verspätet angemeldet sind, wie sich schon daraus ergiebt, daß in der Zeit vom 1. Januar bis 30. Oktober d. J. bereits 610 Unfälle zur Anmeldung gekommen, von denen viele im Jahre 1888 stattgrfundkN

die.,e und sie gr, Otter prä hügen Fontaine gleich, 20 Fuß hoch in die Luft hinein. Man hat also, ohne daß die umliegende flache Gegend irgend welchen Anhalt hierfür bot, einen unter hohem Druck stehenden unter­irdischen Wasserstrom angedohrt, und so, ohne es zu wollen, einen artesischen Brunnen erbaut.

Nordhausen, 10. November. Daß mannigfache Er­krankungen des Haarbodeus durch Uebertragung von den zum Haarschneiden, Rasiren und Frisiren gebrauchten Instrumenten oft eine große Verbreitung finden, ist nicht nur w ssenschaftlich festgestellt, es hat das ein hiesiger Barbier und Friseur auch zu seinem Leidwesen in seiner Praxis erfahren müssen. Eine ansehnliche Anzahl seiner Kunden sind durch Uebertragung des Ansteckungsstoffes durch ein Rasirmesser von bösartigen Schwären befallen worden. Kurze Zeit darauf ist baun noch ein hiesiger Bürger, dem er das Haar geschnitten hatte, ebenfalls bunt) Uebertragung eines Krankheits­stoffes vollständig kahlköpfig geworden. Diese auffälligen Krankheitsfälle haben die hiesige Polizeiverwaltung ver­anlaßt, ein Gutachten d s Kreisphysikus einzuholen und den ' sämmtlichen Friseuren und Barbieren unserer Stadt bei Strafe auJugcben, ihre Instrumente nach dein Gebrauch jedesmal sofort mit Karbolsäure oder Krodlin gehörig zu desinfizieren.

Als der Mörder des in Chemnitz mit durchschnittenem Ha's aufgesu -denen Miurerl ihrlings ist ein Böhme, Namens Schneeberger, verhauet worden. Der arme Junge trug 450 M. bei sich, die er zum Auszahlen des Wochenlohnrs geholt hatte.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern. Die mit einem Gehalte von 600 M. verbundene Ki c sthierarztstelle des Kreises Schlüchicrn mit dein Wohnsitz in Schlüchtern ist durch Ableben des seitherigen I -Habers erlebigt und soll thunlichst bald wieder besitzt werden. Der Kreisausschuß zu Schlüchtern hat beschlossen, dem Kreisthierarzt ein jährliches Fixum von 300 M. für die Verwaltung der Geschäfte als Mitglied der Körungs-Kommission, sowie für Besorgung der thierärztlichen Geschäfte bei der Kreisviehversicherung. und der Vorstand der städtischen Viehversicherungskasse ein Fixum von 150 Mark für Wahrnehmung der gleichen Geschäfte bei der städtischen Viehversicherung zu gewähren. Ferner wird dem Kreisthierarzt die Uebertragung der Fleischbeschau und der mikroskopischen Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen in zwei Bezirken der Stadt mit einem angeblichen Ein­kommen von 800 bis 1000 Mark jährlich in Aussicht gestellt. Bewerber, welche die Prüfung für beamtete Thierärzte in Preußen bestanden haben, oder welche sich verpflichten, dieselbe binnen Jahresfrist abzulegen, wollen ihre Gesuche nebst den erforderlichen Zeugnissen und einem Lebenslauf binnen vier Wochen bei der Königlichen Regierung in Kassel einreichen.

Steinau, 12. Nov. Es wird wohl für Fischerei- Pächter und Jagdliebhaber von großem Interesse sein, zu erfahren, daß der Forstaufseher Herr Zeller auf Thalhof bei Steinau in dem Wasser der Kinzig in der Gemarkung Steinau innerhalb 4 Wochen nicht weniger als acht Fischottern gefangen hat.

Ein Schweinchändler in Frankfurt a. M., der seit Wochen einen regelmäßigen Import von Schweinen aus Frankreich organifirt hat, besam dieser Tage auch 2 Borstenthiere im Gewichte von 1200 Pfd., die ein Mainzer Schlächter kaufte.

Hersfeld, 11. Nov. Die ungewissen Gerüchte, daß das Militär demnächst von hier verlegt und dadurch unsere Kaserne zur anderweiten Verfügung frei werden würde, nahmen in letzter Zeit immer bestimmtere Fassung an, sodaß man es sich angelegen sein lassen mußte, Licht in diese, für unsere Stadt bedeutungsvolle Angelegenheit zu bringen. Die durch eine besondere Deputation gerichtete Anfrage bei dem Herrn Ober- präsidenten in Kassel hatte einen erwünschten Bescheid nicht ergeben, und deshalb unternahmen dieselben Herren am Freitag Mittag die Reise nach Berlin, um bei der zuständigen Behörde, dem Kriegsministerium, sich direkte Auskunft über den Stand der hiesigen Militär,rage zu erbitten. Leider ist dieselbe sehr ungünstig für unsere Stadt ausgefallen; der Verlust unserer Garnison steht uns danach in sicherer Aussicht und dürfte jedenfalls schon zum 1. April n, J. cintrettn. Nach einer weiteren