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Samstag, den 9. November

Ein reichsläridisches Gesetz gegen den Wucher.

Bekanntlich hat ein Theil der Neichslande stark unter der Bedrückung durch jüdische Wucherer zu leiden. Da eben die Abänderung der Strafbestimmungen gegen den Wucher von den maßgebenden Behörden erwogen wird, sind folgende Mittheilungen aus den Reichslanden von besonderem Interesse. DerPost" wird aus Straßburg geschrieben:Eine gute Verwaltung ist besser als das schönste politische Programm. Und einer guten Ver- waltung entspricht die große Fürsorge, welche benr materiellen Wohlergehen der Bevölkerung zugewendet wird. So sollen, wie es heißt, vier verschiedene Ge- setzcsvorlagen in der Vorbereitung sein, welche insbe­sondere der laudwirthschaftlichcn Bevölkerung, die hier zu Lande bedeutend überwiegt, zu Gute kommen würden. Als wichtigstes geplantes Gesetz wird das genannt, welches bestimmt sein soll, die wucherischen Vieh - Leihgeschäfte zu unterdrücken. Diese hier allgemein üblichen Geschäfte werden von fast durchweg jüdischen Händlern etwa in folgender Weise betrieben. Der Händler stillt den Bauern gegen einen anscheinend sehr mäßigen Preis, den der Bauer natürlich schuldig bleibt und hoch ver­zinsen muß, ein Stück Vieh, eine tragende Kuh in den Stall, mit der Bedingung, daß nach einer gewissen Zeit das Stück, beziehungsweise Kuh und Kalb verkauft und der Gewinnst getheilt werden soll. Das sieht sich auf den ersten Blick ganz gut an. Der Bauer hat die Nutznießung an Milch und Dünger und schließlich noch Gewinnst. In Wirklichkeit ist er aber unter allen Um­ständen der Betrogene; denn die gewissenlosen, mit allen Salben geschmierten Viehhändler verstehen es, immer so zu manipuliren, daß sie allein den Profit einst efen. Das Weiß hier jedermann, und doch lassen sich unsere Landleute von dem verderblichen Branche nicht abbringen, der in vielen Fällen dem sicheren Ruin eutgegensührt. Es gibt hier Mengen von Bauern, die den ganzen Stall voll Vieh haben, von denen ihnen, bei Lichte besehen, eigentlich kein Stück gehört. Es gibt hier ganze Dörfer, in denen die Bauern in Wirk­lichkeit nichts mehr ihr eigen nennen können und wo sie nur für ihre Herren, dieGeschästsleute", wie sich die Sorte Wucherer hier nennt, frohude». Das hängt mit dem unseligen Vorurtheil zusammen, kein G schüft un- mittelbar zu machen. Hier kauft kein Nachbar vom Nachbarn die elendste Ziege,es muß ein Jude da­zwischen stecken". Bezeichnend ist übrigens die Art und Weise, wie derGeschäftsmann" dem Bauern den Augenblick anzeigt, wo er die ihm längst um den Hals gelegte Schlinge zuzicht. Dre Mütze auf dem Kopf, die kurze Pfeife im Munde, tritt er in die Stube und setzt sich auf den Tisch; das heißt denn so viel, wie: Jetzt ist's aus mit dir, jetzt herunter von Hans und Hof." Den ersten Anfang zum späteren gänzlichen Ruin bildet, wie schon erwähnt, in den meisten Fällen das Vieheinstellen. Die Parzellirung ist in Elsaß bis aus's äußerste gediehen; es gibt hier unglaublich kleine Güter, die außerdem noch aus einer ganzen Anzahl minimaler Stücke bestehen, welche im ganzen Gemeindebann ver- thestt sind. Vieh brauchen die Leute, bar Geld haben sie keins, Kredit auch nicht, da hilft denn der Viehein­steller aus. Wenn das Gesetz, welches bestimmt ist, dem verderblichen wucherischen Treiben der VieheinsteUer ein Ende zu machen, zu Stande kommt, so ist damit der Landwirthschaft mehr geholfen, als wenn ihr alle Jahre so und so viel Millionen aus Staatsfonds zu­gewandt werden."

Ein Mühlhauser Blatt spricht sich in demselben Sinne aus. Es schreibt:Das wichtigste dieser GZetze wäre das, welches bestimmt sein soll, das landesübliche wucherische Vieh Leihgeschäft zu unterdrücken. In welcher Weise die fast ausschließlich israelitischen Viehhändler bei diesem Geschäft verfahren, welches unter allen Um­ständen zum Nachtheile des Bauern ausfällt, ja den­selben in vielen Fällen schließlich von Haus und Hof vertreibt, kann als bekannt vorausgesetzt werden. Ein außerordentlich großer Theil unserer kleinen Landwirthe befindet sich gerade infolge solcher Geschäfte in den traurigsten Verhältnissen; auch tägliche traurige Beispiele waren nicht im Stande, unsere Landleute von solchen ViehLeihgeschäften zurückzuhalten, deren Eingehen fast stus den Anfang vom Ende bedeutet. Gelingt es nun der Gesetzgebung, dem schändlichen und schädlichen.

Treiben der Vieh-Einst ller ein Ende zu machen oder dasselbe auch nur erheblich einzuschränken, so wäre damit unserer Landwirthschaft ein größerer Dienst er­wiesen, als durch Zuwendung von Millionen und aber­mals Millionen aus öffentlichen Fonds."

Es wäre zu wünschen, daß sich die Reichsregierung entschlösse, die längst spruchreife Frage einer Ver­schärfung des Wuchergesetzes so zu beschleunigen, daß ein gesondertes Vorgehen der Reichslande nicht erforderlich wäre. DieKöln. Ztg." hat leider neulich eine Ver­zögerung des neuen Reichsgesetzes gegen den Wucher tu Aussicht gestellt, auch es für nöthig gehalten,Be­sorgnisse" zu zerstreuen; es klang ungefähr so, als sollte den Herren Wucherern gesagt werden:seid nur nicht allzu ängstlich!" Wir möchten umgekehrt der Reichsregierung zurufen:Sei nur nicht zu ängstlich !" Maßregeln gegen den Wucher haben heute dieselbe volksbefreiende Bedeutung, wie einst die Aufhebung der Leibeigenschaft. Man spürt es dem Berichte der Post förmlich an, wie die Ankündigung des geplanten Vor­gehens schon erlösend auf den Volksgeist wirkt. Welche Aussichten würden sich für unser öffentliches Leben er­öffnen, wenn die Regierung den Muth hätte, jene Saiten voll anzuschlagen, die in dem beabsichtigten reichsländischen Sondergesetz gegen den Wucher in etwas angeschlagen werden.

Lpurgeons Reden hinter dem Pflug, allerlei Leuten aus Stadt und Land dargeboten von Asmus Mahner.

(Fortsetzung.)

Eier sind Eier, aber manche sind faul ; und Hoff f nungen sind Hoffnungen, aber einige sind Träume"» Hoffnungen sind wie Frauen, welche alle etwas Engel' artiges haben; nur schade, daß es zweierlei Sorten Engel gibt. Mein kleiner Karl hat sich eine Anzahl Hühnereier ausgeblasen und sie auf einen Faden ge­zogen ; ebenso habe ich es mit Hoffnungen gemacht, und ich erlaube mir hier einige davon vorzuzeigen: gute, schlechte und Miltelsorte.

Die Hoffnung des sanguinischen Menschen führt in einem Nu in die Höhe, wie das Teufelchen in der Schachtel: sie wird von einer Feder in die Höhe ge­schnellt, aber nicht von der Vernunft. So oft dieser Mensch aus dem Fenster sieht, sieht er bessere Zeiten kommen, und wenn dieselben auch nur in seinem Auge und sonst nirgends zu entdecken sind, so ist es doch jedenfalls eine schönere Gewohnheit, im Monde Brat­würste zu entdecken, als über alles zu krächzen wie ein Rabe. Mit einem solchen Kamerad marschiert sich's gut in stichdunkler Nacht, wenn es in Strömen gießt, denn seine Augen sind strahlende Lichter, und sein Herz wärmt tüchtig. Man muß sich nur hüten daß man sich von ihm nicht irre leiten läßt, dann kann man ge­trost mit ihm verkehren. Sein Fehler ist der, daß er seine Hühnchen zählt, ehe sie ausgebrütet sind, daß er das Bärenfell verkauft, ehe Meister Petz willens ist, es herzugeben. Aus all seinen Spatzeneiern müssen unbe­dingt wenigstens Drosseln, wenn nicht gar Rebhühner und Fasanen auskriechen. Der Sommer ist schon ganz da, denn er hat ja eine Schwalbe gesehen. Er ist ge­wiß, daß er in seinem neuen Laden sein Glück macht, denn kaum hatte er die Thür fünf Minuten auf, als zwei seiner Nachbarn hereinstürzten, von denen der Eine ein Broh geliehen und der andere einen Thaler gewechselt haben wollte. Er ist überzeugt, daß der Herr von So und So sein Kunde wird, denn er hat sein Ladenschild gelesen, als er vorüberritt. DaSzwischen Lipp' und KelcheSrand schwebt der finstern Mächte Hand" glaubt er nicht, aus jedem Vielleicht macht er ein Gewiß,

Nun, du gute Seele, bist du auch bisweilen ein Bischen dumm, so ist doch viel an dir zu loben, und ich denke gern an eins von deinen seltsamen Sprich­wörtern:Sprich nie von Sterben, als bis du todt bist, und weil es dann nichts nützt, so laß es ganz sein". Man sieht daraus, daß es noch andere komische Käuze in der Welt gibt, als Bauer Hans. Da ist mein Nachbar, Herr Habenichts, der wartet darauf, daß seine Tante sterben soll, die alle Frau hat aber ein Leben wie neun Katzen, und, wie ich rechne, so vermacht sie ihr kleines Vermögen, wenn sie wirklich stirbt, eher daß

es ihr Neffe Johann bekommt, lieber an ein Spital für kranke Katzen. Der arme Schlucker! Er ist schon ganz abgebrannt, und daran ist seiner Meinung nach nur der unleidlich gute Gesundheitszustand der guten alten Frau Schuld. Dennoch hält er an seiner Hoffnung fest und kommt immer mehr dabei herunter, denn während sein Gras wächst, verhungert sein Pferd. Wer auf den Tod eines anderen wartet, der zieht an einem langen Seil, und wer Erbschaften nachjagt, muß eiserne Schuhe tragen. Wer auf die von Toten abzulegenden Schuhe wartet, kann lange barfuß gehen; wer auf seines Onkels Kuh wartet, muß nicht eilig sein, die Butter aufzustreichen.

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Nov. Der Kaiser und die Kaiserin sind, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, mit ihrer nächsten Umgebung von dort wieder nach Deutschland zurück- gereift. Am 12. d. Mts. treffen der Kaiser und die Kaiserin in Venedig ein, worauf der Kaiser sich auf dem Landwege nach Monza zu begeben gedenkt, um daselbst während der nächsten beiden Tage an größeren Jagden theilzunehmen. Die Kaiserin verbleibt dagegen während dieser Zeit auf der kaiserlichen MachtHohen- zollern" und trifft am 14. November gemeinschaftlich mit dem Kaiser in Verona ein. Von dort aus erfolgt alsdann mittelst Separatzuges die gemeinsame Weiter­reise nach Deutschland und am Vormittage des 16. Nov. werden alsdann der Kaiser und die Kaiserin wieder hierselbst eintreffen.

DasReutersche Bureau" verbreitet folgende Nachricht:

Zanzibar, 5. November.

Gerüchtweise verlautet, daß Dr. Peters und sein ganzes Gefolge mit Ausnahme eines EuropäerS und eines Somalis von den Massais oder Somalis nieder­gemetzelt worden sei. Die zwei Ueberlebenden, welche verwundet sind, sollen sich in Nago befinden.

Ein Telegramm derTimes" aus Zanzibar vom 5. d. M. meldet, daß die Nachricht von der Ermordung des Afrikareisendzn Dr. Peters und seiner Gefährten authentisch sei. Dieselbe sei nach Lamu gebracht worden.

Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so würden wir den Tod muthiger deutscher Männer im Dienst einer guten Sache zu beklagen haben. Ueber die Zweckmäßig­keit des Petersschen Unternehmens konnten die Meinungen auseinandergehen, aber in der Anerkennung, welche die Hingabe des Lebens für eine große Aufgabe verdient, wissen wir uns alle eines Sinnes.

Mit dem Reichskommissar Wißmann ist auch der Afrikareisenae Dr. Ehlers aus Inner-Afrika von dem völlig gelungenen Zuge nach Mpuapua nach Zanzi­bar zurückgekehrt. Die Karawanenstraße zwischen Mpuapua und Bagamoyo ist absolut sicher, an ersterem Orte sind hundert Mann unter einem Offizier zurück­gelassen, welche Stanley und Emin Pascha empfangen sollen. Die Letzteren marschieren mit 800 Mann dem deutschen Schutzgebiete zu und werden schon in diesem Monat dort erwartet. Emin Pascha (Dr. Schnitzer) ist von Mahdisten gefangen, welche sein Land eroberten, daher auch der Rückmarsch. Auf dem letzteren hatten Stanley und Emin zahlreiche blutige Kämpfe mit den Eingeborenen zu bestehen.

Se. Exz. der Generallieutenant z. D. Stock- marr, der erst vor einigen Wochen mit seiner Gattin das seltene Fest der eisernen Hochzeit gefeiert hat, ist am Sonntag, nachdem vier Tage zuvor seine Gattin von einem schnellen Tod ereilt worden war, im Alter von 96 Jahren gleichfalls aus dem Leben geschieden. Stockmarr war einer der wenigen noch lebenden Veteranen aus der Zeit der Befreiungskriege, die er mit allen ihren Wechfelfällen als junger Lieutenant mitgemacht und in denen er sich das Eiserne Kreuz errungen hatte. Stockmarr war Ehrenpräsident des Deutschen Krieger- bundes und Ehrenbürger der Stadt Dessau.

Dresden, 2. Nov. Heute fand hier die Vermählung der Prinzessin von Ardeck, jüngsten Enkelin des Kur­fürsten von Hessen, mit dem Grafen Rudolf zur Lippe- Biesterfäid statt. Der Hochzeitsfeier wohnte eine große Zahl erlauchter Gäste bei: Landgraf Alexis von Hessen, Oheim der Braut; Graf Ernst zur Lippe-Biesterfeld, das Haupt der orbherrlichen Linie; Fürst von Salm,