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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

Spurgeons Reden hinter dem Pflug, allerlei Leuten aus Stadt und Land dargeboten von Asmus Mahner.

(Fortsetzung.) 2. Ich wag's einmal.

Von all den Liedern, die ich meine Kinder je habe singen hören, gefällt mir das immer am besten, welches mit den Worten schließt:

Und will mir's nicht gleich geistigen, So wag' ich's noch einmal.

Ich empfehle es auch Erwachsenen, die den Kopf hängen lassen und meinen, verzweifeln zu müssen. Nie­mand weiß, was er thun kann, als bis er's versucht hat.Jetzt kommen wir durch", sagte Hannes zu Peter, da verzehrten sie den letzten Kloß. Aller Anfang ist schwer, nur dem Lumpensammler seiner nicht, aber ein wenig Probicröl in Hand und Herz gerieben macht's auch andern leicht.

BauerKannichnicht" bleibt im Koth stecken, aber BauerJchvcrsuchs" zieht den Wagen bald aus dem Loche. Der Fuchs sprach:Ich wag's noch einmal" und entkam den Hunden, als sie schon beinahe noch ihm schnappten. Die Bienen sagten:Wir wollen's versuchen" und verwandelten Blumen in Honig. Das Eichhörnchen sagte:Ich probierS" und kletterte auf die Spitze des Eichbaumes. Das Schneeglöckchen sagte: Ich wag's einmal", und blühte im kalten Winterschnee. Ich will's versuchen", sagte die Sonne, und bald warf der junge Frühling den alten Winter aus dem Sattel. Die junge Lerche sprach:Ich wag's", und entdeckte bald, daß ihre neuen Flügel sie über Hecken und Gräben trugen und hoch hinauf, wo ihr Vater sang. -r<Jch Versuch's", sagte der Stier, und pflügte das ganze Feld von einem Ende bis zum anderen. Für die Familie Jchvcrsuchs" ist kein Berg zu steil zu erklettern, kein Boden zu hart zu pflügen, kein Feld zu naß zu trocknen, kein Loch zu groß zu stopfen.

Die größten Eichen

Fällt man mit kleinen Streichen.

Spate für Spate muß der große Garten umge- gegraben werden. Steter Tropfen höhlt den Stein. Was Menschen fertig brachten, können Menschen wieder fertig bringen; und was noch nicht geschehen, kann noch geschehen. Aus Ackerknechten sind schon Edelmänner geworden, Schuster haben aus ihren Klopfsteinen Geld gemacht, und aus Schneidern sind Parlamentsmitglieder aufgeschossen. Streif' nur dicH-indsäcin l auf, kleiner Hoffnungsvoll, und mach dich aus Werk. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Die Sonne scheint für alle Welt. Vertraue auf Gott und arbeite tüchtig, und du wirst Berge bewegen. Ein zaghaftes Herz hat noch die ein schönes Mädchen gewonnen, dem Muthigen ge­hört die Welt; Gott hilft denen, die sich selber helfen. Warte nicht darauf, daß du Glück haben wirst; das hatte der Narr, als er so viel Kalbsbraten bekam, wie er essen wollte, und sich den Tod dran holte. Das beste Glück in der Welt macht man aus Gelenk -Ocl und Festigkeits-Pflaster.

Warte nicht auf fremde Hülfe, Versuchs mit deinen alten Freunden, deinen starken Armen. Selbst ist der Mann. Wenn der FuchS Federvieh, für seine Jungen haben wül, muß er die Hühner selbst nach Hause tragen. Keiner seiner Freunde kann dem Hasen helfen, er muß selber für sein Leben laufen, sonst packen ^ihn die Hunde. Jeder Mensch muß seinen eigenen Sack in die Mühle tragen. Du muht deine eigenen Schultern an den Wagen stemmen und sie immerzu daran halten, denn es sind genug Löcher in der Straße. Willst du aber warten, bis alle Straßen gepflastert sind, so kommst du nie zu Markte. Willst du so lange sitzen bleiben, bis dich die großen Leute auf den Rücken nehmen, so kannst du so lange sitzen bleiben, bis du angewachsen bist. Deine eigenen Füße sind besser als Stelzen; erwarte nicht Hülfe von andern, traue auf Gott und halte dein Pulver trocken.

Weine nicht darüber, daß du keine guten Aussichten hast oder nicht genug Mittel zum Anfängen. Wirf einen vernünftigen Menschen zum Fenster hinaus er wird auf seine Füße fallen und sich nach dem kürzesten Wege erkundigen, auf dem er zu seiner Arbeit kommen kann. He mehr du hast zum anfangen, desto weniger wirst du

am Ende haben. Geld, das man selbst verdient, glänzt mehr, als was man aus dem Säckel Belftorbener nimmt. Ein kärgliches Frühstück am Morgen des Lebens reizt den Appetit zu einem kräftigen Mahle späterhin. Wer einen sauren Apfel versucht hat, wird um so mehr Geschmack an einem süßen finden ; gegenwärtige Dürftig­keit wird zukünftigen Wohlstand desto angenehmer machen. Mancher Handelsmann hat sein Geschäft mit einem halben Gulden angefangen und denselben so oft umgesetzt, bis er eigene Pferde und Wagen hatte. Klage auch nicht über den Ort, an dem-dir dein Loos gefallen ist. Du brauchst kein Pferd zu sein, weil du in einem Stall geboren bist. Wenn ein Stier einen gewürfelten Menschen himmelhoch würfe, so würde derselbe an einer weichen Stelle zur Erde fallen. Ein strebsamer junger Mann mit gesundem Verstände wird da viel Geld ver­dienen, wo andere nichts fertig bringen, als es zu verlieren.

Wer fleißig ist und spart sein Geld, Der schlägt sich durch die ganze Welt.

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin. Die militärischen Mehrforderungen im deutschen ReichshaUshaltsetal für 1890/91 beziehen sich zum Theil auf die Bildung von zwei neuen Armee­korps eines lothringischen und eines westpreußischen zum Theil auf Anschaffung von neuen Gewehren und Schießbedarf, endlich auf Schaffung einer Waffen- abtheilung im Kricgsministcrium, welchem das gesammte Waffenwesen der Armee unterstellt werden soll. Da­neben gehen dann die Forderungen für Neubauten der Kasernen ungefähr in gleicher Höhe wie in den letzten Jahren, sowie Forderungen für eine neue katholische und eine neue evangelische Militärkirche in Berlin.

Der Termin für die Neuwahlen zu dem deutschen Reichstag soll nach einer Meldung desHamburger Korrespondenten" auf den 22. Februar nächsten Jahres, einen Sonnabend, festgesetzt sein.

Stuttgart. Auf den Prinzen Wilhelm ^von Württem­berg, dem präsumitiven Thronfolger, ist Sonntag Vor­mittags ein Mordversuch verübt worden; ein junger Mensch, ein stellenloser Sattler Namens Klaiber aus Ulm, schoß in den Wagen des Prinzen, während er zur Kirche fuhr. Der Schuß ging glücklicherweise fehl. Der Thäter wurde sofort durch eine Schildwache ver­haftet. Bei seinem ersten Verhör gab der Uebelthäter als Motiv seiner That au, es sei Zeit, daß ein Katholik auf den Thron Württembergs komme.

Saarbrücken, 23. Oktober. Der Kohlenmangel macht sich jetzt sogar in der einheimischen Industrie fühlbar. Gestern haben 600 Arbeiter der Burbarcher- hütte wegen Kohlenmangels feiern müssen. Dasselbe wird von dein Völklinger Eisenwerk gemeldet. Man siehtZnicht ohne Besorgniß dem Winter entgegen, zumal die vorhandenen Quantitäten wohl sämmtlich verkauft sein durften. Der hiesige Eisenbezirk wird fast aus­schließlich durch die 10 staatlichen Gruben des Reviers mit Kohlen versorgt. Es scheint also, daß auch diese ihre Lieferungen auf lange hinaus verschlossen haben und die bekannte Mahnung des Arbeitenministers, so gut sie gemeint war, deshalb praktische Bedeutung auch hier nicht erhalten wird.

Reichenbach i. Schl., 20. Okt. Im Jahre 1860 ermordete der Schuhmacher Kierstein aus der Wander­schaft seinen Reisegefährten, um sich in den Besitz seines Wanderscheines zu setzen. Der Thäter wurde vom Schwurgericht zum Tode verurtheilt; im Gnadenwege wurde dieses Urtheil in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. Dem 57jährigen Manne ist jetzt durch Erlaß des Kaisers die weitere Strafe erlassen worden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 24. Okt. Die im Kreise Schlächtern vorkommenden Subhastationen gelangen nur wenig zur Kenntniß des größeren Publikums, weil der Anzeiger zum Regierungsblatt, in welchem dieselben veröffentlicht werden, außer von den Bürgermeistern und Behörden nicht gehalten und gelesen wird. Infolgedessen erscheint zu den VersteigerungStermliien außer den die Sub- Hastation betreibenden gewöhnlich nur eine geringe Zahl von Kaufliebhabern. Hierin liegt nicht allein eine Ge­

fahr für das Heruntergehen der Grundstückspreise im Allgemeinen, sondern auch im einzelnen Fall eine Er­leichterung für den Grundstückswucher. Diesen nach­theiligen Folgen für die Zukunft vorzubeugen, werden von jetzt ab in der Schlüchterner Zeitung alle im Kreise Schlächtern vorkommenden Subhastationstermine, soweit sie zur Kenntniß der Redaktion gelangen, veröffentlicht werden.

* Der hiesige Bürgerverein wird kommenden Sonntag den 27. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr in der Bierhalle" eine Generalversammlung abhalten und ist hierzu jedes Mitglied eingeladen. Die Tagesordnung betrifft den Bau einerKapelle aufdemTodten- h o fe und Beschaffung der hierzu erforderlichen Mittel. Referent: Herr Kantor Anacker.

Der Strafsenat des Kammergerichts hat die Entscheidung gefällt, daß Tellersammlungen in Ver­sammlungen zur Deckung der Unkosten unter den Begriff einer von der Genehmigung der Polizei abhängigen sogenannten Kollekte fallen. Die Regierung zu Liegnitz hatte gegen den Tischler M. und Genossen, die in einer am 5. Mai d. Js. in Liegnitz stattgehabten Tischler- Versammlung, ohne vorher die Genehmigung der Polizei nachgesucht zu haben, eine Tellersammlung veranstaltet hatten, Anklage erhoben. Sowohl das Schöffengericht wie die Strafkammer zu Liegnitz erkannten im Sinue der Anklage auf eine Geldstrafe von 15 Mk.; nunmehr hat auch das Kammergericht dem Standpunkt der Vorderrichter beigestimmt, indem es auf Zurückweisung der Revision der Angeklagten erkannte.

k- Sterb fritz 22. Okt. Dem Vernehmen nach soll in unserer Gemeinde ein Kreiskrankenhaus für den Amtsgerichtsbezirk Schwarzenfels gebaut werden. Unsere Gemeinde interessirt sich lebhaft für das Zustandekommen dieses Projekts und hat in entgegenkommendster Weise einen namhaften Geldbetrag und unentgeltliche Hergabe des Bauplatzes bewilligt. Als Bauplatz sollen für das Krankenhaus sehr günstig gelegene Grundstücke, die sogenannten Fortäcker am Bahnhofswege, in Aussicht genommen sein.

i- Mottgers. Am 24. d. M. wurde von einem hiesigen Einwohner ein Schwein geschlachtet, welches von dem Trichinenbeschauer für trichinös befunden wurde. Leider war dasselbe nicht versichert. Mögen solche Fälle für Besitzer von Schweinen eine Warnung sein.

r- Schwarzenfels, 21. Okt. Wie ich erfahre, besteht die Absicht, um unserer Gemeinde uad den uns benach­barten Gemeinden den Geschäftsverkehr mit der Schlüch­terner Kreissparkasse zu erleichtern, an unserem Orte eine Agentur der Kreissparkasse zu errichten, welche kleinere Einlagebeträge annimmt und auszahlt und Darlehensgesuche vermittelt. Diese Absicht ist in unserer Gemeinde mit großer Freude begrüßt, und hofft und wünscht dieselbe, daß diese Absicht recht bald sich ver­wirklichen wird.

Hanau. Strafkammersitzung vom 21. Oktober. Ein Taglöhner von Oberzell hatte am 16. Juli v. I. nach einem vorhergegangeu Wortwechsel seiner Nachbarin, der Ehefrau eines Zimmermanns, einen Stein an den Kopf geworfen, wodurch eine schwere den Schläfenbein- knochen verletzende Wunde entstand, welche eine Arbeits­unfähigkeit btr Verletzten von 4 Wochen im Gefolge hatte. Der Angeklagte wurde zu 4 Monaten Gefängniß und in die Kosten verurtheilt.

Fulda, 21. Oktober. Am 18. d. Mts. verlor ein Herr auf der Eisenbahn Franksurt-Elm eine Tasche mit 150 Mark Inhalt. Diesen Verlust wurde er als­bald gewahr und meloete solches der zuständigen Behörde. Ein Bremser, welchen man als den Finder vermuthete, wurde auf der Station Elm in's Verhör genommen. Derselbe stellte solches entschieden in Abrede und gab an, überhaupt nichts von der Tasche gesehen zu haben. Daraufhin wurde sein Bremserhäuschen untersucht und siehe da, die Tasche fand sich dennoch in demselben vor, worauf der Bremser sofort von seinem Dienst diS« pensirt und zur Anzeige gebracht wurde.

ßMotenburg, 20. Okt. Vorgestern Abend ging der im Dienst dcS Oekonomen Hildebrand stehende Knecht Zinn in die Scheuer, um vom Heuboden Futter zu holen. Da er lange ausblieb, sah man nach ihm und fand ihn als Leiche mit zerschmetterten^ Schädel auf der Tenne; er war im Dunkeln in die Tiefe gestürzt.