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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

1889

Mittwoch, den 23. Oktober

StierkörungStermin am 31» Oktober in Schlächtern.

Auf Wunsch mehrerer Gemeinden, welche zur Zeit noch ohne Bullen sind, habe ich

auf den 81» Oktober er», Vormittags 11 Uhr, im Gasthaus zum Löwen hierselbst einen Körungstermin anberaumt.

Der Viehhändler H. Wachenheimer zu Bibelsheim halzugesagt, zu diesem Körungstermin 1012 Original- Schweizerdullen zur Körung vorzuführen. Den Ge­meinden, welche noch keine Schwizer-Bullen haben, wird in diesem Jahre zum letzten Mal Gelegenheit ge­boten, einen anzukaufrn und wird es deshalb in ihrem eigen en Interesse liegen, den Termin wahrzunhmen.

Schlüchtern, den 22. Oktober 1889.

Der Königl. Landrath:

R o t H.

dumm.

Spurgeons Reden hinter dem Pflug, allerlei Leuten aus Stadt und Land dargeboten von Asmus Mahner.

(Fortsetzung.)

Wenn Geschäftsleute Gesellschaften ihren Verdienst einhändigen und ihn wieder zu sehen hoffen; wenn sie Gründeraktien nehmen und Dividenden erwarten; wenn sie Geld zu hohen Zinsen borgen und ihr Glück damit zu machen meinen, so sind sie unwissend, äußerst un­wissend. Ebenso gut könnte man einen hölzernen Kessel über daS Feuer hängen und meinen, man besame eine Tasse warmen Caffee, oder Bohnen in einen Fluß säen und eine schöne Ernte erwarten. Wenn Leute Advokaten oder Geldverleihern (seien sie Juden oder Heiden) Glauben schenken und Geld borgen, damit spekuliren und meinen, daß es ihnen nun nicht fehlen kann, so sind sie schmählich unwissend. Selbst der Gänserich auf der Wiese würde sich nicht so auführen lassen, denn er weiß es ganz gut, wenn ihn einer rupfen will, und würde nicht sonderlich über die Operation, durch die er seine Federn verliert, erbaut sein.

Wer sein Geld ins Wirthshaus trägt und meint, daß die Bücklinge, die der Wirth vor ihm macht und ' seinFreut mich sehr, Herr So und So" undBe­ehren Sie mich bald wieder" wirkliche Achtungsbezeugungen sind, der ist in der That naiv; denn hier heißl's:

Wer ein Geld hat rc. rc.

Der Fuchs bewundert den Käse und nicht den Nabe». Der Speck wird nicht in die Falle gethan, um die MauS zu ernähren, sondern um sie zu fangen. Wir machen nicht Feuer an, um das Spanferkel zu wärmen, sondern um es zu braten. Trinkstuben werden nicht zum Besten der Leute angelegt, wäre das wirklich ihr Zweck, so verfehlten sie ihr Ziel bedeutend. Das ist ein schlechter Brunnen, in den man Wasser gießen muß, und das Wirthshaus ist ein schlechter Freund, weil eS dir dein Alles nimmt und dir nichts übrig läßt als Hefe und Kopfweh. Sind doch derRothe Löwe" und derGoldene Adler" und derSchwarze

Bär" lauter Raubthiere, sodaß eS unbegreiflich ist, wisserl's, wenn der Regen kommt, die Schwalben sehen warum sich so viele in ihren Rachen stürzen. |bcn Winter voraus, und selbst die Schw.une, heißl's,

Regenschirme verleihen und erwarten, daß sie einem riechen den Wind; wie viel schlimmer und dümmer wieder inS Haus laufen; Jemand einen guten Dienst als ein unvernünftiges Thier muß der sein, der da leisten und einen anderen dafür erwarten, wenn lebt, wo Gott sich überall offenbart, und ihn dennoch

man desselben bedarf; sich der Hoffnung hingeben, daß man gewissen Weibern den Mund stopfen werde; ver­suchen es Jedem recht zu machen; glauben, daß böse Zungen gut von Einem rrden würden, oder denken durch Hörensagen einer Sache auf den Grund kommen zu können daS beweist alles grobe Unwissenheit. An­deren vertrauen stürzt viele ins Verderben. Diejenigen, die die Welt am besten kennen, trauen ihr am wenig­stens; diejenigen, die ihr überhaupt trauen, sind ein« fällig genug. Man könnte grad so gut einem Pferde- huf trauen oder einem Hundezahn. Wer sein Geschäft Verwaltern oder Knechten überläßt und erwartet, daß gut betrieben werde, muß dumm,-sehr dämm sein. Die MauS weiß, wann die Katze auS dem Hause ist, Und Diener wissen, wann ihr Herr abwesend ist. Kaum hat der Meister den Rücken gewandt, so arbeiten die Gesellen langsamer.Selbstgeh" undSelbstseh" sind besten Knechte auf dem Gut. Diejenigen, die im Bette liegen bleiben und darauf rechnen, daß ihr Ge-

l schüft von selber fortgehen werde, sind dumm, sehr! Vieh nicht abzufeiiden. Die Sistierung hängt dam" dumm. zusammen, düß der Konservenfabrik des Militärfiskus

Solche die trinken und schwelgen, und sich darüber wundern, daß ihre Gesichter so finnig und ihre Taschen so leer sind, würden sich nicht mehr darüber wundern, wenn sie nur zwei Gramm Weisheit hätten. Sie könnten gerade so gut von einer Erle Birnen, als von unordentlicher Lebensweise Gesundheit und Wohlstand erwarten. Diejenigen, die im Wirthshaus Glück suchen, klettern auf einen Baum um Fische zu holen. Man könnte ihren ganzen Verstand in eine Eierschale packen oder sie wären nicht so verrückt, sich da Trost zu suchen, wo er eben so wenig zu finden ist, wie eine Kuh in einem Dohlennest. Leider aber sind Tagdlede so häufig wie Müu,e in der Scheuer. Könnte man sie doch alle ms Schlaraffenland schicken, wo man sich mit Schlafen einen Thaler pro Tag veidient. Wenn ihnen Jemand die unausbleiblichen Folgen ihrer Lüderlichkeit vorstellen könnte, würden sie sich vielleicht bessern vielleicht auch nicht, denn sie sind wie eine Motte, die sich ver­sengt und doch wieder in die Flammen fliegt. Sicher, wenn Faullenzer und Säufer meinen, dadurch vorwärts zu kommen, daß sie die Hände in die Tasche und die Rase inS Glas stecken, so liefern sie selbst den Beweis dafür, daß sie dumm, sehr dumm sind.

Wenn ich eine junge Dame mit einem Blumen­garten auf dem Kopf und einem Manufaklurwaareu- laden auf dem Leibe den Kopf hin und her bewegen sehe, als ob sie meinte, Jeder müsse von ihr entzückt sein, so bin ich gewiß, daß sie dumm, äußerst dumm sein muß. Beruünslige Männer wollen kein Kleider- gestell und kein Hutsulterat heiralheu. Sie suchen sich eine Frau mit Bernunst, und diese kleiden sich auch vernünftig.

Ich für meine Person halte auch solche Menschen, die nDer göttliche Dinge spötteln, und dir nach ihrer Meinung viel zu klug sind, um au die Bibel zu glaube», für Hohtlöpje. Sie haben meist einen Hause» Schlag- worte, die sie oft selbst nicht verfiel) en, im Gebrauch und poltern gewaltig; wen» sie - aber meinen, daß sie den Glauben denkelidcr Menschen, die die Kraft der Gnade Gottes an sich selbst erfahren haben, zerstören können, so sie dumm, herzlich dumm. Wer die Sonne auf und untergeben sieht und darin nicht die Fußstapfen Gottes erlernn, der muß innerlich blinder sein als ein Maulwurf und gehört unter die Erde. Wer das Leben Jesu anschaut und wird nicht ergriffen von der Liebe und Heiligkeit Gottes, dessen Herz ist ein Stein oder ein Stock. Mir ist's, als spräche Gott in jedem Veil- chen und in jedem Gänseblümchen, als blicke er mich frcuiidlich au in jedem Stern, als lisple er mir zu in jedem Hauche der Morgenluft und riefe mir laut und vernehmlich zu in jedem Sturm. Man sagt, der Mensch sei der Gott des Hundes; d e r Mensch aber, der Gottes nicht hören will, muß schlimmer sein als ein Hund, denn der Hund hört auf seines Herrn Pfeifen. Sie nennen sich, wenn mir recht ist, Philosophen. Ihr richtiger Name aber ist Thoren, denn die Thoren sprechen

in ihrem Herzen:

Es ist kein Gott." Die Schafe

lebt, wo Gott sich überall offenbart, und ihn dennoch

nicht sieht!

Alles in allem: Es kann. Einer den ganzen Kopf voll Gelehrsamkeit haben und dennoch dumm, sehr dumm sein.

Deutsches Reich.

Berlin. Eine Illustration zu dem Apotheken-Wucher liefert der Verkauf der B-llevue-Apotheke am Pols- f dainerplatz in Berlin. Der Kaufpreis soll 1200 000 Mark betragen; der Verkäufer verdiente 500OCO Mk. daran. Der Käufer selbst hat innerhalb eines Jahres drei Apotheken erworben Hub mit Vortheil nach drei- moriallichem Besitz wieder verkauft.

Hamburg, 10. Oktober. Die Einfuhr vonamerika Nischen lebendem Vieh ist plötzlich eingestellt worden. Vorgestern war im Hafen von Ncw-Aork eine Ladung von 400 Ochsen zur Abfahrt nach Hamburg fertig, als die telegraphische Nachricht von hier dort eintraf, das

in Fort Mainspitze bei Mainz verboten worden ist, amerikanisches Vieh zu schlachten. Die Importeure wollen daher vorläufig kein amerikanisches Vieh mehr kommen lassen.

Karlsruhe, 17. Oktober. Nach anderhalbtägiger Verhandlung verurteilte heute die Strafkammer den Gründer derSüddeutschen Versicherungsbank für Militärversicherung und Töchterausstattung", Siegmund Diedrich von Einveckhausen bei Hannover, schon mehr­fach wegen Betrugs und Unterschlagung vorbestraft, zu vier Jahren Zuchthaus und 6000 Mk. Geldstrafe.

Ja Sicbenrente, Gemeinde Zogenweiler (Württem­berg) ereilte dieser Tage einen 26jährigen junger Mann auf sonderbarer Weise ein jäher Tod. Derselbe war, demO. A." zufolge, beim Ausmachen eines Honig- stockes in dem nahegelegenen Schwarzhäußle behülflich, kostete hierbei von dem reichlich vorhandenen Honig- vorrathe und verschluckte dabei eine noch lebende Biene, welche ihm durch einen Stich im Schlunde nach einer Stunde der fürchterlichsten Qual den Tod brächte. Möge dieser Unglücksfall zur größeren Vorsicht mahnen.

Münster, 9. Oktober. (Ein Bettler als Wohlthäter.) Ein gewiß seltener Fall ereignete sich gestern Abend in hiesiger Stadt. Bei einer armen Wittwe erschien einfechtender" Haudwerksbursche, um zu betteln. Auf die Antwort der Wittwe, daß sie selbst für sich und ihre Kinder kein Brod habe, meinte der Handwerks» bursche, die Frau scheine freilich ärmer wie ct zu sein, griff in die Tasche, legte eine Mark auf den Tisch und Entfernte sich, in den Nachbarhäusern weiter bettelnd.

Sonneberg, 17. Oktober. Man braucht sich nicht darüber zu wundern, daß die Holzpreise in die Höhe gehen. Steigern sich doch die Kauflustigen bei öffent­lichen Holzauktionen selbst fabelhaft in die Höhe. So wurden z. B. bei der dieser Tage in Marienthal ab« gehaltenen Holzversteigerung in Folge der hohen An­gebote mehr als 50'000 Mk. über die Taxe erzielt. Wenn die Preise jetzt schon so hoch sind, was soll dann erst im strengen Winter werden! Vier Meter weichen Holzes, die vor drei Jahren in Coburg noch 22 bis 24 Mk. kosteten, werden dort jetzt nicht unter 30 bis 32 Alk. vertonst.

Wasungen, 18. Qkt. Seit Jahren hatte ein auf Wunsch des Herrn Kreisschulinspektors durch einen Lehrer bestelltes Glöckleiu der lieben Schuljugend den Beginn des Unterrichts, der Erholungspausen und ebenso den Schluß des Unterrichts angekündigt. Seit Kurzem sind die frohen Klänge verstummt. Und warum? Der Lieferant des Glöckleins hatte auf Zahlung gedrungen; der betreffende Hepr Lehrer, der die Bestellung über­nommen hatte, leistete dieselbe auch nebst den durch Annahme eines Rechtsanwalts seitens des Lieferanten entstandenen Kosten. Da jedoch die Väter der Stadt die Uebernahme des Glöckleins auS städtischen Mitteln verweigerten, sah der Besteller sich genöthigt, um wenig- p stens auf einen Theil seiner Auslagen zu kommen, das Glöcklein abnehmen zu lassen und anderweit zu ver­äußern. In dem benachbarten Wernshausen ruft e4 jetzt in einer Schneidemühle die Arbeiter zum Beginn des Tagewerkes und verkündet denselben mit frohem Klang die Feierabendstunde. Hier aber wird durch einen der Lehrer der Beginn und Schluß der Stunden der lieben Schuljugend jetzt durch Klopfen mit einem Stück Holz an die Dachtraufe verkündet! Ländlich, schändlich!

Bon der Nahe, 8. Oktober. Eine kaum glaubliche aber verbürgte Schandthat wird der Behöroe aus Windesheim zur Anzeige gebracht, Ein neunjähriges Kind hatte an den Pfirsichen deS Nachbars genascht und besam zur Strafe von dem eignen Vater an zwei Fingern die Fingerspitzen abgeschnitten!

Elberfeld, 17. Okt. Wie dieN. Fr. Pr." mit« theilt, wird der Proz ß gegen eine große Anzahl der Sozialdemokraten seinen Anfmig am 18. November, Morgens 10 Uhr nehmen. Die weiteren Sitzungen dürften dann des Morgens um 9 Uhr beginnen und gleich dem Düsseldorfer Prozeß täglich eine Sitzung stattfinden, die bis gegen 2 Uhr dauert. In betheiligten Kreisen hofft man, in 4 Wochen d en Prozeß bewältigten zu können, was dann eine riesigeLeistung wäre, da die Zahl der Belastungszeugen gegen 400 sein soll. Daß hierbei eine u igeyeure Arbeitslast zu bewältigen sein