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sehr gefeiert. Die Versammlung, welche mit einem Hoch auf den Kaiser begann und schloß, verlief musterhaft. Mehrere Direktionsmitglieder der Staats - Kohlenwerke waren anwesend.

Rohrbrunn i. Spessart, 20. Sept. Die Arbeiten an dem für den Prinz-Regenten zu erbauenden Jagd­schlösse bei Rohrbrunn schreiten so schnell vorwärts, daß dasselbe bereits unter Dach steht und auch die innere Einrichtung ihrer Vollendung entgegengeht. Einige Wagenladungen Möbel sind vor Kurzem aus München in Lohr eingetroffen und hierher transportirt worden, um im neuen Schlosse ausgestellt zu werden. Im Heu­rigen Spatherbste erwartet man nämlich eine sehr zahl­reiche Jagdgesellschaft und spricht man davon, daß auch der deutsche Kaiser einer Einladung des Prinz-Regenten Folge leisten und den Saujagden beiwohnen wird.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 27. Sept. Der Landrath des Kreises Hersfeld hat folgende Bekanntmachung erlassen:Im Hinblick auf den Umstand, daß die Gefahr eines Brand­unglücks um so größer ist, je mehr Nahrung dem aus­gebrochenen Feuer sich bietet, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, thunlichst darauf hinzuwirken, daß jetzt, wo nach beendeter Ernte die Scheuern mit brennbaren Stoffen angefüllt sind, soweit möglich ein Jeder seine Vorräthe gegen Feuersgefahr versichert, damit im Falle eines Unglücks eine thunlichst erreichbare Ausgleichung des erlittenen Schadens stattfinden möge. Ich mache hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem Erlaß des Herrn Oderpräsidenten vom 28. Februar 1878 die Abhaltung von Hauskollekten aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand ebensowenig wie bei Hagelschlag genehmigt werden wird. Gleich­zeitig richte ich an die Krei«bewohner die dringende Mahnung, ein besonderes Augenmerk auf die sichere Aufbewahrung der Streichzündhölzer zu richten, damit namentlich unverständige Kinder nicht in deren Besitz gelangen und durch Spielen damit, wie schon oft ge­schehen, Feuerschaden verursachen. Die Herren Orts­vorstände wollen für thunlichste Bekanntwerdung des Gesagten Sorge tragen, und auch die Herren Lehrer hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender Weise auf die Schulkinder einzuwirken."

Der Bericht über den Geschäftsbetrieb der Hes­sischen Brandversicherungs-Anstalt vom Jahre 1888 ist fertiggestellt und dürfte es interessant sein, Einiges aus demselben hier mitzutheilen: Die Gesammt Versiche- rungs-Summe, welche am Schlüsse des Jahies 1887 826,937,000 M. betrug, ist Ende 1888 aus 839,904,500 Mark festgestellt worden, und hat sich also vermehrt um 12,967,500 M. Die Zahl der Brände und Blitzschäden betrug im Jahre 1888 342 und die hierfür verwilligte Gesammt-Entschädigung einschließlich 11386 M. 79 Pf. für Löschbeschädigung: 1,486,058 M. 29 Pf. Hiervon kamen auf die Städte 118 Brände, auf die Landge­meinden 219 Brände und auf die Gutsbezirke fünf Brände. Erheblichere Schäden haben im Jahre 1888 u. a. verursacht der große Brand von Hünseld am 29. Oktober mit 768413 M. und derjenige des Hofes H'örwieden, Kreis Fulda, am 30. Sept. mit 24451 M.

12 Pf. Von ganz besonderem Interesse dürfte die Mittheilung sein, daß die Hessische Brand-Bersicherungs- Anstalt mit der in Merseburg bestehenden Unterstützungs­kasse für verunglückte Feuerwehrleute einen Vertrag abgeschlossen hat, wonach die beim Löschwesen oder bei Uebungen verunglückten Feuerwehrleute des diesseitigen Bezirks oder deren Hinterbliebene Unterstützungen in ausreichender Weise erhalten werden. Zur Deckung der bevorstehenden Mehrausgaben ist für das Jahr 1889 die Erhebung einer höheren Brandsteuer beschlossen worden.

Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 23. Sept. Ein Taglöhner von M arjoß ist be­schuldigt, am 10. Juli o. I. in einem Walddistrict der Oberförsterei Marjoß einen Waldarbeiter durch einen Schrotschuß fahrlässiger Weise verletzt und an der Ge­sundheit beschädigt zu haben. Am genannten Tage zur Frühstückszeit hatten sich eine Anzahl Waldarbeiter zu­sammen gesetzt, um ihr Frühstück einzunehmen, der die Aufsicht führende Förster that dasselbe und stellte sein Gewehr etwas abseits an die Umzäunung einer Schonung. Der Förster war zuerst fertig und ging mit einem der Arbeiter in einen anderen Distrikt, um noch ein paar Stangen zum Fällen zu zeichnen. Während dieser Zeit nahm der Angeklagte das Gewehr in die Hand und trotz wiederholter Mahnungen zielte er nach einem etwa 15 Schritt entfernten Waldarbeiter, dieser warnte ihn auch noch einmal, aber die Worte waren noch nicht recht heraus, da krachte ein Schuß und der Arbeiter hatte 200 bis 300 Schrotkörner in Arm, Hand und Rücken sitzen. Das Gewehr war eine Doppelflinte mit Sen» tralfeuer und auf dem rechten abgeschossenen Lauf nur mit einer Vogeldunst-Patrone, auf dem linken Lauf aber mit starken Rehposten geladen. Hätte der Angeklagte den linken Lauf gezogen, so wäre der Verletzte unfehlbar todtgeschossen worden, eS war daher immer noch ein Glück zu nennen, daß dieser nur die Vogeldunstladung erwischte. Der Verletzte war in Folge deS Schusses 3 Wochen arbeitsunfähig geworden, jedoch sind nach- theilige Folgen für dessen Gesundheit nicht mehr vor­

handen. Der Gerichtshof verurtheilte mit Rücksicht auf I den hohen Grad von Leichtsinn den Angeklagten zu 6 Monaten Gefängniß und in die Kosten. Wegen Flucht­verdachtes wurde auch die sofortige Verhaftung des An­geklagten angeordnet. Die Berufungssache eines Bäckers und Wirths von S al Münster, welchervom Schöffengericht daselbst wegen Nichtanmeldung von 2 Fässern Branntwein auf Grund des städtischen Regulativs vom 18. April 1877, bctr. die Einfuhr von Brannt­wein in die Stadt Salmünster, mit zusammen M. 45,25 bestraft worden war, wurde an das dortige Schöffen­gericht zurückverwiesen, weil in der ersten Verhandlung ein Formfehler vorgefallen ist.

Hauan, 24. Sept. Der heutige Viehmarkt war wieder sehr gut befahren. Die Preise waren sehr hoch, trotzdem ging der Handel, der hauptsächlich unter den Handelsleuten selbst stattfand, sehr flott, so daß um 11 Uhr nur noch wenig Vieh am Markt war. Der An­trieb wäre noch größer gewesen, wenn nicht ca. 100 Stück Vieh bereits gestern in den Ställen verkauft wor­den wäre. In Schweinen hatte ein badischer Händler sehr schöne Waare in kräftigen Ferkeln englischer Bastard­rasse am Markt, welche mit 60 72 Mark das Paar verkauft wurde. Angetrieben waren : 7 Pferde, 3 Ochsen, 285 Kühe und Rinder, 79 Kälber und 95 Schweine. Der nächste hiesige Viehmarkt findet am 8. Okt. statt.

Frankfurt, 25. Sept. Von dem erwarteten Trans­port amerikanischer Schlachtochsen sind gestern Abend 66 Stück im hiesigen Viehhof eingetroffen. Es sind schöne, fette Thiere, mit theilweise zottigem, bunten Fell und kurz gehörnt. Dieselben unterscheiden sich kaum von dem sogenannten deutschen Weideochsen, nur lassen sie sich absolut nicht anbinden und standen im Stall in einem Trupp zusammen. Die Firma Heister und Simon stellte die Ochsen zum Verkauf auf den Markt Und einige wurden sofort geschlachtet. Sie sind außergewöhnlich fett und das Fleisch scheint recht gut zu sein. Bis zum Marktschluß, um 12 Uhr, waren circa 30 Stück verkauft.

Fulda, 22. Sept. Gestern Nachmittag 3 Uhr brach in dem Gehöft des Bauern Herzig in dem benachbarten Dorfe Neuenberg Feuer aus. Bei dem rasend raschen Umsichgreifen des verheerenden Elements war es leider nicht möglich, sechs Kühe zu retten. Die Kadaver der Thiere bieten heute dem Beschauer einen entsetzlichen Anblick zwischen den Trümmern dar. Leicht hätte dieser Brand auch verhängnisvoll für die vier kleinen Kinder des Abgebrannten werden können. Die Eltern und alle Erwachsenen des Hauses waren auf dem Felde beschäf­tigt, während die Großmutter, die zur Beichte ging, die Kleinen ausVorsicht" im Hause einschloß, eine Kinder- bewahrungsmelhode, die leider noch in manchem Hause beobachtet wird und gegen die nicht genug gepredigt werden kann. In vorliegendem Falle sind die Kinder glücklicher Weise noch gerettet worden. Auffällig ist, baß der sonst einsichtsvolle Bauer Herzig nicht versichert hat, da man nicht annehmen kann, daß er zu denen gehört und die man noch vielfach in der Umgegend an- trifft, die da glauben,der Mensch dürfe durch eine Versicherung nicht gewaltsam den lieben Gott in seinem Strafgericht hindern wollen." Der Abgebrannte sieht fast seine ganze Habe in Asche verwandelt vor sich liegen, indem ihm die Stallung, eine Scheune und ein Wohn­haus mit sämmtlichen Vorräthen vernichtet sind; nur eine Scheune und der Schwernestall sind gerettet. Man nimmt an, das Feuer sei durch Selbstentzündnug des Grummet entstanden.

Melsungen, 23. Sept. DieHess. Mgztg." schreibt: Wenn man sich mitunter über den auf dem Lande immer mehr um sich greifenden Antisemitismus wundert, so bot sich dem Unbefangenen eine hierzu passende Illu­stration in der letzten Freitag hier abgchaltenen Schöffen- gerichtssitzung. Auf der Anklagebank saß der zu Gux- Hagen ansässige Levi Sp. unter der Beschuldigung, den zu Wollrode wohnenden Landwirth Chr. S. bei einer im Jahre 1887 stattgefundenen Abrechnung um M. 120 übervortheilt zu haben. Als Belastungszeuge fungirte der Glaubensgenosse und frühere Freund des Angeklagten G. Fr. aus Guxhagen, nach dessen Darstellung der Sachverhalt folgender war: Nachdem der Angeklagte mit dem geschädigten Chr. S. im Jahre 1887 Abrech­nung gehalten und hierbei einen Saldo von ca. M. 700 zu seinen Gunsten herausgerechnet hatte, übertrug er diese Forderung dem Zeugen G. Fr. zur Eintreibung. Der Angeklagte behauptete dagegen, diese dem Zeugen zedirt zu haben. Im guten Glauben und selbst nicht fähig, die Richtigkeit der Aufstellung zu prüfen, zahlte der Geschädigte die verlangte Summe und wäre die Sache hiermit wohl todt und begraben gewesen, wenn die Freundschaft der beiden Dioskuren L. Sp. und G. Fr. sich nicht in den bittersten Haß verwandelt hätte, ein Haß, der so auSartete, daß der Angeklagte L. Sp. das hohe Pfingstfest dazu benutzte, dem Zeugen G. Fr. am Eingänge der Synagoge ein Bein zu stellen, auf daß dessen Kopf in recht innige und echte Demuth aus­drückende Berührung mit dem Pflaster kommen sollte. Das war zu viel für das treue Freundesherz, denn: Aug um Aug, Zahn um Zahn". Flugs ging der beinahe Gepurzelte hin und erzählte mit sittlicher Ent­rüstung dem geschädigten Chr. S., daß sein (des beinahe Gepurzelten) bisheriger Freund L. Sp., ihn, den Ehr.

S., nach eigener Aussage um Mk. 120beschummelt" hätte. Die hierauf erfolgte Anzeige zog die Verurteilung des Angeklagten zu 2 Monaten Gefängniß und Mk. 200 Geldstrafe nach sich, wobei von 'den Anwesenden nur bedauert wurde, daß das überaus widerliche Schauspiel nicht auch mit einer angemessenen Buße für denbraven Freund" endete, diesen treuen Freund, der seine Mit- Wissenschaft des Vorgefallenen so lange für sich behielt, bis er sich mit dem Angeklagten verfeindet hatte.Das läßt tief blicken," würde Sabor sagen. Auf jeden Fall ist es sicher, daß derartige Vorgänge weit mehr den Antisemitismus fördern, als alle Agitationen von Stö- cker, Förster, Liebermann usw. Das Bedauerlichste hierbei ist der nicht wegzuleugnende Uebelstand, daß ehrlich denkende und handelnde israelitische Staatsbürger unter solchem Gebühren ihrer Glaubensgenossen mit zu leiden haben, und kann man den ersteren wohl kaum verdenken, wenn sie sich im Allgemeinen solcher Stammesgenossen schämen. Den Landleuten aber kann nicht oft genug vorgehalten werden, bei der Wahl ihrer Verbindungen vorsichtiger zu sein und sich derartigeNothelfer" vom Halse zu halten.

Kassel, 21. Sept. Die Zweigbahn Marburg-Laasphe- Kreuzthal ist fertiggestellt, so daß die Betriebseröffnung am 1. Oktober stattfinden wird, wodurch ein direkter Anschluß des hessischen Eisenbahnnetzes an das Kohlen­revier hergestellt ist.

Ausland.

Die Stadt Birmingham ist gegenwärtig von einer furchtbaren Scharlachepidemie heimgesucht. Sieben Krankenpflegerinnen und vier Aerzte des Fiberhospitals sind schon von der heimtückischen Krankheit befallen worden. Die Zahl der Scharlachkranken ist so groß, daß die Hospitatsräumlichketten nicht ausreichen.

3m IleMchle.

Erzählung von Karl Schwell in g

(Öortfe^nng.)

Wenn die Nachrichten nicht in amtlicher Eigen­schaft gegeben werden," brummte der alte Donner so spricht die Aufdringlichkeit nicht besonders für Be­richterstatter; das in Betracht zu ziehen, wäre wohl noch nöthig, Excellenz!"

Ist bereits geschehen, mein Alter," antwortete der General.Gestern sogar bis zu völliger Ablehnung der Angaben. Aber ich muß denselben heute Glauben schenken. Hören Sie nur !"

Der General begann zu lesen:

Es wird mir nicht schwer fallen, eine namhafte Zahl von Personen ausfindig zu machen, welche Weil- mann an bestimmten Tagen auf der Fahrt nach Berlin oder am Orte selbst gesehen haben, und es würde hier­nach festzustellen sein, ob er an jenen Tagen Urlaub besonders nach Berlin gehabt hat. Für heute will ich mich begnügen, zwei Zeugen für meine Behauptungen anfzustellen, welche ehe besondere Wichtigkeit haben dürften. Es sind dies die Braut Wcrlmann's und deren Vater, der Fabrikant Reuser. Der Letztere hat mir heute erst milgethcilt, daß er um die heimlichen Reisen des Lieutenants wisse und auf einer solche» dessen Bekanntschaft gemacht habe. Er behauptete ferner, daß er auch den Zweck kenne, welchen Weilmann durch diese Reisen verfolge und auch billige. Auf die Aeußerung werde ich noch später zurückkommen u. s. W.

Was sagen Sie dazu alter, alter Freund ?"

Der alte Herr sagte gar nichts. Er saß vielmehr da, als sei ihm eine Granate im Kopf geplatzt. Die dreiste Angabe, welche er soeben nuj angehörf und die er seinem geraden Charakt r nach für° völlig wahr halten mußte, hatte ihn sprachlos gemacht.

Es kommt indessen noch besser," sagte der General nach kurzer Pause.Hören Sie nur weiter eine andere Stelle."

Der General hob das einige Zeit gesenkte Schrei­ben wieder auf und las weiter:

Daß Weilmann mit den Geldverleihern Ephan und Lautenheim in Verbindung stand, wußte ich schon früher. Durch Zufall erfuhr ich heute, daß er auch mit dem Pfandleiher Israel zu thun habe. Meine Nachforschung ergab, daß Weilmann bis heute dessen Schul­dner gewesen war, daß er jedoch seine ziemlich bedeutende Schuld gleich nach seiner Rückkehr aus der Hauptstadt abgetragen hat."

Da muß der Satan gerade sein Spiel treiben!" brummte der alte Kanonendonner.Ich weiß nicht mehr, was ich dazu sagen soll!"

Der Oberst war ganz blaß geworden.

Genau so geht es mir mit den nachfolgenden Stellen," sagte der General und laS weiter:

Durch die Erklärung des Fabrikanten, daß er den Zweck der Reisen des Lieutenants kenne, sind natürlich die Gerüchte oder die Ansichten widerlegt worden, welche jenen in großstädtischen Ausschweifungen suchen wollten. Man kann nicht annehmen, daß der Vater von Weilinann'S Braut dergleichen gulheißen würde. Doch dadurch wird die Anrüchigkeit der An­gelegenheit nicht besser, sondern nur schlechter. Reuser hat keinen guten Ruf in Luhne. Er gilt nicht für