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Samstag, den 28. September

Bestellungen auf das 4. Quartal 1889 (October, November, December) der

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Schlüchtern, im September 1889.

Hafer Borgsystem.

Seit einer Reihe von Jahren sind Privatpersonen, Vereine und Gesellschaften bemüht, Einrichtungen zur Erleichterung der Kreditbeschaffung ins Leben zu riren. Namentlich in den Städten haben die Darlehenskassen, die vorzugsweise für Handwerker und Gewerbtreibende bestimmt sind, eine recht erfreuliche Entwickelung ge­nommen. Es ist von uns bereits mehrfach hervorge­hoben, daß die Fortschrittspartei dadurch, daß sie seiner Zeit das bestehende Bedürfniß richtig erkannte und die geeigneten Schritte zur Befriedigung desselben that, nicht nur großen Anhang in den beseitigten Kreisen gewon­nen, sondern letztere sogar in gewissem Sinne von sich abhängig gemacht hat. Deshalb verdient es alle An­erkennung, wenn königstreue Männer den Versuch ma­chen, Anstalten zu gründen, die, unabhängig von der freisinnigen Partei, zur Befriedigung des gesunden Kreditbedürfnisses bestimmt sind.

Hierbei wird man sich aber auch die Frage vorlegen müssen, woher es kommt, daß in so zahlreichen Fällen der Kredit beansprucht werden muß. Wir sehen hierbei von dem eigentlichen kaufmännischen Kredit, also von dem Kredit im kaufmännischen Großbetrieb vollkommen ab. Denn die Natur dieses Betriebes bringt es mit sich, daß er auf Kredit angewiesen ist. Aus diesen Gründen hat es in diesen Kreisen an Kreditmitteln nie­mals gemangelt.

Ganz anders liegt die Sache bei Handwerkern und kleineren Gewerbetreibenden. Bei diesen bildet die Mög­lichkeit, leicht Kredit zu finden, nicht immer die Grund­lage des Geschäfts. Vielmehr ist sehr gut ein Brtrieb jener Art denkbar, der nicht in die Lage komun, Kredit beanspruchen zu müssen. Ursprünglich mag diese Art des Betriebes auch als die regelmäßige gegolten haben. Zur Zeit jedoch wird es nicht viele Handwerker und kleine Gewerbtreibende geben, die Darlehen niemals zu beanspruchen haben, und dadurch hat für diese wichtige Gesellschaftsklasse die Kreditfrage eine ganz hervorragende Bedeutung gewonnen.

Unsrer Ansicht nach kranken wir daran, daß von der alten Sitte immer mehr ckbgegangen wird, Waaren nur gegen Baarzahlung zu entnehmen. Das Borgsystem ist allent­halben verbreitet, dergestalt, daß Baarzahlung zu den Ausnahmen gehört, für welche die Forderungsberech- tigten ganz besondere Vortheile gewähren. Schneider und Schuster sind gewöhnt, m^t der Zahlung zu warten und in kleineren Universitätsstädten giebt es kaum einen Geschäftsmann, welcher bei Lieferung an Studenten auf Baarzahlung rechnet. Hier muß mit der süßen Gewohn­heit des Publikums gerechnet werden, welches geneigt ist, das Verlangen nach Barzahlung unter Umständen als ein unbescheidenes und nicht gerechtfertigtes zu be­zeichnen. Dabei kann man nicht einmal behaupten, daß es ausschließlich die Unbemittelten sind, die mit der i Zahlung zögern, im Gegentheil, gerade die Wohlhaben­den lasse» den Schneider, den Schuster mit der Zahlung warten und sind womöglich empört, wenn derselbe Zug 1,111 Zug für seine Leistung die Gegenleistung beansprucht.

Was ist nun die Folge davon ? Wenn der betreffende Handwerker nicht sehr wohlhabend ist, muß er die zum Betriebe seines Gewerbes nöthigen Rohstoffe ebenfalls "»s Borg nehmen. Aber schließlich braucht er doch Maares Geld zur Bezahlung seiner Gesellen und Be­streitung sonstiger Geschäftsunkosten. Er wird also wohl aber übel oft genug in die Lage kommen, ein baares Darlehen beanspruchen zu müssen. Ein solches zu er- , ^halten, wird nun aber leider gerade denjenigen am schwersten, deren ganzes wirthschaftliches Dasein oft von ber Gewährung des geringfügigsten Kredits abhängig

Findet er denselben nicht, so wird er gar oft dem

Wucherer in die Arme getrieben, und sein wirthschaft- licher Untergang ist besiegelt.

Diesen Uebelständen wird also nicht allein durch Schaffung von Kreditanstalten für die kleineren Leute abgeholfen werden müssen, sondern es muß auch dem ungesunden Kreditnehmen des verbrauchenden Publikums entgegengearbeitet werden. Jeder sollte es sich zum Grundsätze machen, keine Waare eher anzuschaffen, als

bis er den Kaufpreis für dieselbe vorräthig Bemittelten sollten vor allen Dingen daß es eine an Raub streifende Härte ist, dem Handwerker den wohlverdienten Lohn Arbeit voreuthalten.

Allerdings wird dieser Zustand bei uns

schland so leicht nicht erreicht wenigsten durch die Thätigkeit meisten unter demselben zu leiden gewisse Handwerker den Versuch gegen Baarzahlung zu liefern, so

hat. Die beherzigen, wenn sie für seine

in Deut-

werden können, derjenigen, die haben. Wenn

machen wollten, würden sie sehr

am am etwa uns bald

ihren Kredit gewährenden Konkurrenten zum Opfer fallen. Damit Wandel geschaffen werde, wird vielmehr auf

das verbrauchende Publikum eingewirkt werden,

wird

21/2 Monaten für deu Hof gelieferte Fleisch 20,000 Mark erhalten. Die Rechnungen sind bezahlt worden, nachdem zwei Hofköche, die von jener auswärtigen Firma mit 5 Prozent bethetligt waren, sie als richtig bestätigt haben. Nun hat sich aber herausgestellt, daß in den Rechnungen Fleisch mit aufgestellt war, das gar nicht geliefert worden ist. Hoffentlich wird man die betrü­gerischen Millionäre vor den Richter stellen.

Dresden. Eine überraschende Erscheinung sind die in diesem Jahre bei den Steuerbehörden im Königreich Sachsen zahlreich eingegangenen Beschwerden von Steuer­pflichtiger wegen zu niedriger Einschätzung zur Ein­kommensteuer. Die Beschwerdeführer gehören durchweg den untersten Steuerklassen an, bei denen die Einschätzung erfolgt, ohne daß die Beitragpflichtigen aufgefordert werden, ihr Einkommen selbst anzugeben, und sind mit einem 600 Mark nicht übersteigenden Einkommen ab­geschätzt worden. Während man sonst wohl viele Klagen über zu hohe Einschätzungen zu hören bekam, verlangen diese Beschwerdeführer, in höhere Steuerklassen versetzt zu werden. Das geschieht offenbar in der Absicht, die

Summfähigkeit für die ^andtagswahlen zu erlangen,

schon in der Schule, und zwar in den Volksschulen welche an die Einrichtung eines Mindestbetrages von ebenso wie in den Gelehrtenschulen, darauf hingewiesen s 3 Mark an direkten Slaatssteuern gebunden ist, ein

werden müssen, daß jeder Arbeiter seines Lohnes werth, daß deshalb Baarzahlung als die Regel im geschäft­lichen Verkehr zu betrachten ist. Kurz und gut, unser Volk muß allmählich für die Baarzahlung erzogen werden.

In diesem Punkte können wir uns die romanischen Völker zu Muster nehmen. Namentlich Frankreich kennt kein Borgsystem in der Art, wie es sich bei uns in Deutschland entwickelt hat. Dafür stehen aber auch dort die Handwerkern und kleinen Gewerbetreibenden nicht entfernt unter dem Drucke des Kapitals, unter welchem sie hier bei uns zu leiden haben.

Hier zeigt sich wieder eine Aufgabe, zu deren Lö­sung jeder einzelne gute Bürger mit bettragen muß. Erst wenn in diesem Punkte Einhelligkeit besteht, wer­den wir zu gesunden Verhältnissen zurückkehren können.

teuerbetrag, den die Einkommen von 600 Mark noch

Deutsches Reich.

Berlin. Unter denjenigen Geschentwürfen, welche für den Reichstag in der nächsten Session vorbereitet werden, befindet sich, wie die Nat.-Lib. Corr. hört, auch der, betreffend die Einführung von Gewerbegerichten. Die Erfahrungen der jüngsten großen Strikebewegungen scheinen nicht ohne Einfluß der Regierungen gewesen zu sein, jetzt mit einem solchen Gesetzentwurf hervor- zutreten.

DasArmee-Verordnungsblatt" enthält etne Kabinetsordre, in welcher der Kaiser sichin ehrender Anerkennung der von dem 1. Hannoverschen Ulanen- Regiment Nr. 13 im letzten Feldzuge bewiesenen glän­zenden Tapferkeit zum Chef dieses Regimentes" er­nennt und bestimmt, daß das Regiment fortan den NamenKönigS- Ulancn-Regimcnt (1. Hannoversches) Nr. 13" zu führen hat, die Offiziere und Mannschaften desselben auch seinen Namenszug in den Feldern und Epauletten bezw. Schulterstücken zu tragen haben.

Die Anlage eines KriegShafens an der Elb- mündung soll nach Meldungen aus Marinekreisen nunmehr als sicher gelten. Wie Kiel am Ostende des Nord-OstseekanalS, so würde diese neue Befestigungs­anlage das Westende des Kanals decken.

Ueber bedeutende Betrügereien bei Fleischliefe­rungen für den kaiserlichen Hof während der Regierungs- zeit Kaiser Friedrichs bringen jetzt Nachrichten in die Oeffentlichkeit. Eine auswärtige große Fleischerfirma - schade, daß sie nicht genannt wirdderen Besitzerals Millionäre gelten und von mehreren Höfen den Hof- iiescrantentilkl besitzen, haben für das im Laufe von.

nicht erreichen. Den Steuerbehörden erwächst aus diesen Beschwerden die seltsame und nicht leichte Aufgabe, in jedem einzelnen Falle zu prüfen und festzustellen, ob der Beschwerdeführer wirklich berechtigt ist, in die von ihm begehrte höhere Einkommenktasse eingeschätzt zu werden. Nach derK. Z." hat man es hier mit einem von sozialdemokratischeu Führern in Szene gesetzten Wahlmanöver zu thun.

Hamburg. Die augenblicklichen hohen Fleischpreise in Deutschland haben die findigen Amerikaner auf den Gedanken gebracht, Kapital aus der Rothlage in Deutsch­land zu schlagen. Wie nämlich aus Chicago gemeldet wird, ist dort eine Gesellschaft von Geldmännern zu- sammcngetretcn, um die Vicheinfuhr von amerikanischem Vieh in Deutschland in großem Maßstabe zu betreiben. Dieselbe Gesellschaft hat mit derartigen Einfuhren nach England, wohin wöchentlich 78000 Stück gehen, gute Erfolge gehabt und hofft, namentlich Rind- und Ham­melfleisch trotz des Zolles zu niedrigeren Preisen liefern zu können, als deutsche Schlächtereien dies vermögen. Es wird hinzugefügt, daß die erste Schiffsladung Bich nach Hamburg bereits unterwegs sei.

In Bielefeld sind im nächsten Monat drei Schnäpse fällig. Der älteste Bürger der Stadt, Herr Rentner Jordan, wird nämlich seinen 111. Geburt-tag feiern. Der alte Herr lieft noch ohne Brille und macht auch bei gutem Wetter häufig Spaziergänge. Man hat also doppelt Ursache, ihm zu dem seltenen Ereigniß zu gra- tuliren.

St. Johann a. S., 22. Sept. Zur heutigen Ver­sammlung des Reichsschutzvereins der Bergleute er­schienen annähernd fünfzehntausend Mann. Der Saal faßte nur zweitausend. Es wurde einstimmig beschlossen, da die früheren Forderungen nicht erfüllt seien, noch­mals dringend vorstellig zu werden. Verlangt wird Akkordlohn 4 Mk., Schichtlohn 3,40 Mk. Die Schicht­dauer mit Einfahrt und Ausfahrt soll Samstags und Montags 8, an den anderen Tagen 9 Stunden be­tragen. In Bezug auf das Knappschaftswesen sollen 15 Aenderungen bei dem Oberbergamt Bonn beantragt werden. Dieselben umfassen die frühere und bessere Pensionirung, Aenderungen in der Wahl der Knapp- chaftsältesten und das Aerztewesen, den Wegfall der Beamlen-Renumeration. Schröder - Dortmund empfahl dringend das Gründen eines Verbandes und festes Zu- ammenhalten. Es müsse auf die Gesetzgebung einge­wirkt werden. Schröder wurde von den Erschienenen